Servus, Martin,
die Frage: Hast Du schon Situationen erlebt, in denen in einer
Sprache kommuniziert wurde, die für alle Beteiligten
Fremdsprache ist?
Oooh JAAAA Mehrmals die Woche: An meinem Stammtisch ist es Pflicht Spanisch zu reden. Wer sich nicht daran hält, zahlt 5 EUR (bis jetzt hat es aber keiner getan…) ;o)) und ich finde es immer wieder ein wahres Genuß, wenn sich Grüpchen bilden von 3 bis 5 Menschen, alle Deutsche und trotzdem kein einziges Wort auf Deutsch sagen. Hhhhmmm…!! Hiiiiiiiiiiiiimmmlisch, sage ich Dir!!
Das geht im Fall des „International Pidgin“, das mittlerweile
als weltweites Hilfsmittel genauso akzeptiert ist, wie es
Französisch während der letzten hundert Jahre bei Post,
Eisenbahn, Diplomatie, Rotem Kreuz war, noch relativ gut. Aber
auch bloß deswegen, weil sich die Beteiligten in der Regel
bewusst sind, dass sie nicht Englisch sprechen, sondern eben
Hilfsenglisch. Dennoch sind die Ergebnisse einigermaßen
katastrophal.
…was man ja mit der Einführung der Fremdsprachen-lern-Pflicht entgegenzuwirken versucht!
Kommunikation von Deutschen mit Franzosen in einer anderen
Sprache als Deutsch, Französisch oder International Pidgin
halte ich für aussichtslos, falls es nicht um Dinge geht, die
eh evident sind (z.B. wenn man gemeinsam in die Ramblas einen
Draufmachen geht).
Wenn man sich wirklich mit einer Sprache auseinanderzusetzen möchte, muß man sie auch studieren oder ernsthaft lernen. Und das war ja die Frage. Am anfang, 1 Tag vor meinem 20. Geburtstag habe ich nur zwei Wörter auf Deutsch gekonnt (wenn man von Städtenamen absieht). Mittlerweile kann ich mich recht gut damit vertändigen…
Fremdsprachenunterricht ist in Frankreich im Lauf der letzten
25 Jahre besser geworden, wie er in Deutschland schlechter
geworden ist.
In Spanien ist es auch viiiiiiiel besser geworden auch! (Wobei in die katalanische Schulen Spanisch als Fremdsprache gilt!!)
Dennoch erinnere ich mich angesichts Deines
Vorschlages daran, wie ich 1977 in einer Jugendherberge
zwischen einem Franzosen und einem Engländer gedolmetscht
habe: Der Franzose sprach Englisch, der Engländer sprach
Französisch, aber der Franzose hatte nicht gehört, dass das,
was der Engländer für Französisch hielt, Französisch war, und
der Engländer hatte nicht gehört, dass das, was der Franzose
für Englisch hielt, Englisch war.
Das habe ich auch selbst oft erlebt. Ich finde aber nichts daran!.. Lass diese Menschen weiter so machen und weiter lernen und in paar Jahren werden Dich auf die jeweiligen andere Sprache korregieren! ;o))
Unterm Strich darf ich Deinen Vorschlag mit einem sehr dicken
Fragezeichen versehen: Wie gesagt, wenns darum geht, in die
Ramblas einen Trinken zu gehen, sicherlich ok. Aber wenns
darum geht, einen Sozialplan für den Standort Laupheim
auszuhandeln, würde ich mir kein brauchbares Ergebnis davon
versprechen, wenn Franzosen und Deutsche Spanisch als
Kommunikationshilfsmittel verwenden.
Wie gesagt, lass sie Zeit und Unterricht nehmen. Wenn man anfängt Deutsch zu lernen kann man noch nicht im Original die Werke von Grass oder Goethe lesen… Oder wie Ihr immer sagt: „Es ist kein Meister vom Himmel gefallen!“ ;o))
Schönen Gruß
Helena
PS. ich bin ein absoluter Gegner vom Zwingen, eine Fremdsprache zu lernen (ausser in die Schule/Ausbildung), wenn man diese nicht mag oder der Kultur des jeweiligen Landes nicht geneigt ist.