Welche Sprache

Hallo!

Ich studiere Lebensmitteltechnologie und kann nur Englisch als Fremdsprache.

Ich bin jetzt am überlegen, ob ich Spanisch oder Französisch als weitere Fremdsprache lerne. Welche würdet ihr mir empfehlen? Welche ist auch später für das Berufsleben wichtiger? Ich meine Französisch - aber es gibt mehrere Leute, die mir Spanisch empfehlen. Was meint ihr?

Danke für Eure Antworten

Gruß Carsten

Hallo Carsten,

rein von der Verbreitung der Sprachen her, würde ich Spanisch empfehlen. Tatsächlich ist mir mein Schulfranzösisch beträchtlich abhanden gekommen, da ich es nur äußerst selten anwenden konnte.
Aber es hängt natürlich auch davon ab, ob man beruflich oder privat eventuell eher mit der einen oder anderen Sprache zu tun hat.

Gruß!

Horst

Servus,

für Französisch spricht das bedeutende Handelsvolumen auf dem Lebensmittelmarkt zwischen F und D, insbesondere auch im vorgelagerten Bereich (Französische Großküchenausstattungen für D, deutsche Portionier- und Abfüllanlagen und Tetrapacks für F, deutsche Lactobacilluskulturen für französischen Käse - ja, das hat mich auch sehr überrascht! -, französische Stärkeprodukte für deutsche „Light“-Pampe etc.). Für Spanisch spricht die weltweit bessere Einsatzmöglichkeit und die Einsprachigkeit sehr vieler Hispanophonen.

Schöne Grüße

MM

Hallo Carsten,

zu welchem Land bzw. welchen Ländern fühlst du dich denn eher hingezogen? Ist dein Hintergedanke beim Erlernen einer zweiten Fremdsprache, irgendwann zumindest für eine Zeitlang im Ausland zu arbeiten? Oder willst du „nur“ telefonisch bzw. per E-Mail Kontakt mit diesem Land?

Trotzdem: Wenn dir die Kultur gegen den Strich geht, wirst du auch die Sprache nicht wirklich gut erlernen können.

Mein Vorschlag wäre: Leih dir mal in der Bücherei einen Anfängerkurs für Spanisch und für Französisch aus. Du weißt schon, sowas mit Kassetten dabei. Dann erarbeite dir von jeder Sprache mal die ersten drei oder vier Lektionen. Und, wie hört sich das an? Wie gefällt es dir? Kannst du dir vorstellen, noch 1250 weitere Lektionen zu lernen? :wink:

Ich finde Spanisch einfacher. Es gibt klare Regeln für die Akzente, außerdem sieht man den Wörtern meistens an, ob sie maskulin oder feminin sind. Viele Menschen finden Französisch aber auch einfach schön.

Schöne Grüße

Petra

Servus Petra,

obwohl sich das vom Sprachthema ein wenig abkehrt, zu Deiner Bemerkung, dass die Kultur ein Schlüssel zur Sprache ist:

Hast Du den Eindruck, dass es so etwas wie gemeinsame kulturelle Grundzüge von Spanien und den anderen hispanophonen Ländern gibt? Mir kommt es vor, als seien die mittel- und südamerikanischen hispanophonen Gebiete dem früheren Mutterland nicht mehr sehr ähnlich. Du wirst „Hispanidad“ wohl besser kennen - wie würdest Du sie in groben Zügen als einen gemeinsamen Nenner für die hispanophonen Länder beschreiben (über die Archetypen Hidalgo und Maja und den in Mittelamerika extrem ausgeprägten Rassismus mal hinausgehend)?

Schöne Grüße

MM

Hallo Carsten,

ich spreche beide Sprachen und muss sagen, dass mir das Erlernen von Spanisch leichter gefallen ist, weil die Sprache in sich nicht so viele Tücken und Ausnahmen hat wie Französisch.
Kann allerdings auch daran liegen, dass ich Französisch schon konnte, als ich mit Spanisch begonnen habe…die Sprachen sind sich sehr ähnlich, also wenn du die eine kannst ist die andere sehr leicht zu lernen :smile:
Mit beiden Sprachen kommst du in sehr vielen Ländern dieser Erde weiter (siehe auch hier: http://209.85.135.104/search?q=cache:tmneCtaY1aEJ:ww… )
Zum Argument mit der besonderen Deutsch-Französischen Freundschaft muss allerdings gesagt werden, dass immer mehr Franzosen Spanisch dem Deutschen vorziehen, von daher wird es in Zukunft sicherlich auch möglich sein, auf Spanisch mit den Franzosen zu kommunizieren…und die Nationen, die Spanisch als Amtssprache haben, haben so wie ich das sehe im Schnitt auch die höhere Wirtschaftskraft, im Gegensatz zu den französischsprachigen.

Beides sind wunderschöne Sprachen, und es muss dir auch liegen, sie zu lernen,also hör dich erstmal rein :smile:
Aber mein Tip würde eher in Richtung Spanisch gehen.

Liebe Grüße

Starfish

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Servus,

hierzu:

von daher wird es
in Zukunft sicherlich auch möglich sein, auf Spanisch mit den
Franzosen zu kommunizieren

die Frage: Hast Du schon Situationen erlebt, in denen in einer Sprache kommuniziert wurde, die für alle Beteiligten Fremdsprache ist?

Das geht im Fall des „International Pidgin“, das mittlerweile als weltweites Hilfsmittel genauso akzeptiert ist, wie es Französisch während der letzten hundert Jahre bei Post, Eisenbahn, Diplomatie, Rotem Kreuz war, noch relativ gut. Aber auch bloß deswegen, weil sich die Beteiligten in der Regel bewusst sind, dass sie nicht Englisch sprechen, sondern eben Hilfsenglisch. Dennoch sind die Ergebnisse einigermaßen katastrophal.

Unter Esperantisten ist das kein schweres Problem - das hängt damit zusammen, dass Esperanto eine artifizielle Sprache ist, die keine muttersprachliche Idiomatik kennt.

Kommunikation von Deutschen mit Franzosen in einer anderen Sprache als Deutsch, Französisch oder International Pidgin halte ich für aussichtslos, falls es nicht um Dinge geht, die eh evident sind (z.B. wenn man gemeinsam in die Ramblas einen Draufmachen geht).

Fremdsprachenunterricht ist in Frankreich im Lauf der letzten 25 Jahre besser geworden, wie er in Deutschland schlechter geworden ist. Dennoch erinnere ich mich angesichts Deines Vorschlages daran, wie ich 1977 in einer Jugendherberge zwischen einem Franzosen und einem Engländer gedolmetscht habe: Der Franzose sprach Englisch, der Engländer sprach Französisch, aber der Franzose hatte nicht gehört, dass das, was der Engländer für Französisch hielt, Französisch war, und der Engländer hatte nicht gehört, dass das, was der Franzose für Englisch hielt, Englisch war.

Unterm Strich darf ich Deinen Vorschlag mit einem sehr dicken Fragezeichen versehen: Wie gesagt, wenns darum geht, in die Ramblas einen Trinken zu gehen, sicherlich ok. Aber wenns darum geht, einen Sozialplan für den Standort Laupheim auszuhandeln, würde ich mir kein brauchbares Ergebnis davon versprechen, wenn Franzosen und Deutsche Spanisch als Kommunikationshilfsmittel verwenden.

Schöne Grüße

MM

Hi Martin,

Ich weiß nicht warum und ich frage mich ob es bei Dir (und andere Menschen) auch so ist, aber sehr oft kommt es mir vor, als ob die Leute über Spanisch reden als ob es nur zwei Länder gäbe: Spanien und Lateinamerika.

Im Gegenzug erinnere ich mich sehr deutlich daran wie sauer idR zB Schweizer sind, wenn man sie fragt ob sie Deutscher sind.

Ich finde jedes einzelnes Land hat seine eigene Kultur. Es ist in meinen Augen grundlegend falsch zu sagen so was wie „lateinamerikanische Kultur“. (oder um das geographisch „näher“ zu bringen, es gibt keine „Kultur des Iberischen Halbinseln“, aber sehr wohl die spanische/kastillische, baskische, galizische und natürlich katalanische. Es ist zT sehr, sehr ratsam an bestimmten Orten dies nicht zu mischen!) ;o))

In der Tat haben all diese 28 Ländern eins in der jeweiligen Kultur gemeinsam: Wir sprechen dieselbe Sprache. Aber das war es auch mit dem Begriff!

Was hat zB Gabriel García Marquez mit Mario Vargas LLosa gemeinsam? Und was Gardel mit Compay Segundo? Oder die Malerei Picassos mit der von Frida Kahlo? Oder die Maya-städten mit den Incas oder Azteken?? Oder die Geographie von Chile und Nicaragua? Oder die Mentalität von einem Exil-cubaner mit einem Venezolaner?? Oder, oder, oder…!

Das ist meine Meinung dazu. Alledings begünstigt durch den Tausch, die eine gemeinsame Sprache födert, können sich Mentalitäten ähneln, aber die Kultur ist nicht die Sprache, sondern die Sprache ist ein (meinetwegen wichtigen) Teil der jeweiligen Kulturen.

Schöne grüße,
Helena

Servus, Martin,

die Frage: Hast Du schon Situationen erlebt, in denen in einer
Sprache kommuniziert wurde, die für alle Beteiligten
Fremdsprache ist?

Oooh JAAAA Mehrmals die Woche: An meinem Stammtisch ist es Pflicht Spanisch zu reden. Wer sich nicht daran hält, zahlt 5 EUR (bis jetzt hat es aber keiner getan…) ;o)) und ich finde es immer wieder ein wahres Genuß, wenn sich Grüpchen bilden von 3 bis 5 Menschen, alle Deutsche und trotzdem kein einziges Wort auf Deutsch sagen. Hhhhmmm…!! Hiiiiiiiiiiiiimmmlisch, sage ich Dir!!

Das geht im Fall des „International Pidgin“, das mittlerweile
als weltweites Hilfsmittel genauso akzeptiert ist, wie es
Französisch während der letzten hundert Jahre bei Post,
Eisenbahn, Diplomatie, Rotem Kreuz war, noch relativ gut. Aber
auch bloß deswegen, weil sich die Beteiligten in der Regel
bewusst sind, dass sie nicht Englisch sprechen, sondern eben
Hilfsenglisch. Dennoch sind die Ergebnisse einigermaßen
katastrophal.

…was man ja mit der Einführung der Fremdsprachen-lern-Pflicht entgegenzuwirken versucht!

Kommunikation von Deutschen mit Franzosen in einer anderen
Sprache als Deutsch, Französisch oder International Pidgin
halte ich für aussichtslos, falls es nicht um Dinge geht, die
eh evident sind (z.B. wenn man gemeinsam in die Ramblas einen
Draufmachen geht).

Wenn man sich wirklich mit einer Sprache auseinanderzusetzen möchte, muß man sie auch studieren oder ernsthaft lernen. Und das war ja die Frage. Am anfang, 1 Tag vor meinem 20. Geburtstag habe ich nur zwei Wörter auf Deutsch gekonnt (wenn man von Städtenamen absieht). Mittlerweile kann ich mich recht gut damit vertändigen…

Fremdsprachenunterricht ist in Frankreich im Lauf der letzten
25 Jahre besser geworden, wie er in Deutschland schlechter
geworden ist.

In Spanien ist es auch viiiiiiiel besser geworden auch! (Wobei in die katalanische Schulen Spanisch als Fremdsprache gilt!!)

Dennoch erinnere ich mich angesichts Deines
Vorschlages daran, wie ich 1977 in einer Jugendherberge
zwischen einem Franzosen und einem Engländer gedolmetscht
habe: Der Franzose sprach Englisch, der Engländer sprach
Französisch, aber der Franzose hatte nicht gehört, dass das,
was der Engländer für Französisch hielt, Französisch war, und
der Engländer hatte nicht gehört, dass das, was der Franzose
für Englisch hielt, Englisch war.

Das habe ich auch selbst oft erlebt. Ich finde aber nichts daran!.. Lass diese Menschen weiter so machen und weiter lernen und in paar Jahren werden Dich auf die jeweiligen andere Sprache korregieren! ;o))

Unterm Strich darf ich Deinen Vorschlag mit einem sehr dicken
Fragezeichen versehen: Wie gesagt, wenns darum geht, in die
Ramblas einen Trinken zu gehen, sicherlich ok. Aber wenns
darum geht, einen Sozialplan für den Standort Laupheim
auszuhandeln, würde ich mir kein brauchbares Ergebnis davon
versprechen, wenn Franzosen und Deutsche Spanisch als
Kommunikationshilfsmittel verwenden.

Wie gesagt, lass sie Zeit und Unterricht nehmen. Wenn man anfängt Deutsch zu lernen kann man noch nicht im Original die Werke von Grass oder Goethe lesen… Oder wie Ihr immer sagt: „Es ist kein Meister vom Himmel gefallen!“ ;o))

Schönen Gruß
Helena
PS. ich bin ein absoluter Gegner vom Zwingen, eine Fremdsprache zu lernen (ausser in die Schule/Ausbildung), wenn man diese nicht mag oder der Kultur des jeweiligen Landes nicht geneigt ist.

leicht o.T.: Wo ist die Logik?

Der Franzose sprach Englisch, der Engländer sprach
Französisch, aber der Franzose hatte nicht gehört, dass das,
was der Engländer für Französisch hielt, Französisch war, und
der Engländer hatte nicht gehört, dass das, was der Franzose
für Englisch hielt, Englisch war.

Und deshalb eignet sich Spanisch nicht als Kommunikationsmittel für Deutsche und Franzosen? Da entgeht mir die Logik!
Wenn man für den Engländer da oben nun einen Deutschen reinsetzt, fällt’s mir noch schwerer.

Ist es nicht einfach so, dass die beiden die jeweils andere Sprache grottenschlecht gesprochen haben und dass sie sich in jeder beliebigen Sprache unterhalten könnten, wenn sie sie einigermaßen beherrschten?

Wenn ein Muttersprachensprecher schon nicht mal mehr heraushören kann, dass man seine Sprache spricht, dann ist da immer Hopfen und Malz verloren.

Gruß!

Horst

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Hallo Horst,

wenn man mit jemandem spricht, gibt es eine Fülle von Bedeutungsebenen. Wenn man mit ihm eine Sprache spricht, auf die man sich international als Kommunikationshilfsmittel geeinigt hat, rechnet der Empfänger damit, dass der größte Teil dieser Bedeutungsebenen ausfällt. Er hört also anders zu, als wenn man eine Sprache spricht, die diese Funktion und Bedeutung nicht hat.

Derzeit haben diese Bedeutung als Hilfssprache nur Englisch (allgemein), Französisch (Zoll, Bahn, Post, Rotes Kreuz), Russisch (ex RGW) und Latein (Klerus). In den drei Fällen sind sich jeweils alle Beteiligten darüber einig, dass es sich um Hilfssprachen handelt, die anders gesprochen und anders gehört werden als irgendwelche anderen Sprachen. Nur deswegen können sie ihre Funktion erfüllen - sie sind besser als nichts, aber sehr viel schlechter als die gemeisame Verwendung einer Sprache, die die Muttersprache wenigstens eines der Beteiligten ist.

Es reicht aus, diesen Sachverhalt zu beobachten, man braucht ihn nicht abstrakt-logisch zu konstruieren. Ein gutes Exempel dafür bieten Konzerne, die einheitlich Englisch für die interne Kommunikation festgelegt haben: Wenn z.B. Deutsche untereinander gezwungenermaßen auf Englisch kommunizieren, findet die wesentliche Kommunikation in der Kantine statt, um die ganze Kiste halbwegs am Laufen zu halten.

Schöne Grüße

MM

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nicht verallgemeinern bitte
Hallo Martin,

sorry, dass ich mich hier einmische, aber ich glaube so wie du es interpretierst hat es Petra gar nicht gemeint. Ich finde es klasse was sie schreibt und sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen, meiner Meinung nach.

Was hast du davon wenn du fliessend franzoesisch kannst, Frankreich nicht ausstehen kannst und dir nie vorstellen kannst da zu wohnen? Wenn dein Ziel ist in Polinesien oder Neu Kaledonien Tauchlehrer zu werden, prima, dann hat Franzoesisch einen Sinn.
Kann man deswegen die Kultur Neu Kaeldoniens mit der Franzoesischen vergleichen? Sicher nicht.

Das ist auch nicht unbedingt der Punkt… wichtig beim Sprachenlernen ist ob ich mich mit der Kultur identifizieren kann so dass es sich lohnt fuer mich die Sprache zu lernen. Das muss ja nicht die komplette Kultur aller Menschen sein die diese Sprache sprechen, sondern es reicht ja schon wenn du dich so sehr fuer Tango interessierst dass du in Argentinien einen Tanzkurs machen willst. Auch das ist Interesse an der Kultur und hat mit Spanien doch so ueberhaupt gar nichts zu tun.

Viele Gruesse
Matti

Nun ja, Martin,

Deutsch ist meine Muttersprache und dennoch verstehe ich die Beiträge von Helena besser, als deine jetzt.
Was das mit der Entscheidung für diese oder jene Sprache zu tun hat, kann ich nicht nachvollziehen, es sei denn es ist ein Plädoyer für Pidgin-Sprachen.

Gruß!

Horst

Servus Horst,

da steht die These:

„Von daher wird es in Zukunft sicherlich auch möglich sein, auf Spanisch mit den Franzosen zu kommunizieren…“

und ich ziehe diese These in Zweifel, setze ihr die These entgegen:

"Auch in Zukunft werden für einen Deutschen für die Kommunikation mit Franzosen genauso wie heute in Frage kommen:

  • Deutsch
  • Französisch
  • Englisch
  • Esperanto."

Ich begründe dieses damit, dass jede andere gemeinsame Fremdsprache, wie z.B. Spanisch, durch wenigstens einen der Beteiligten spontan so aufgefasst werden wird, als handle es sich nicht um eine Hilfssprache, was zu erheblichen Schwierigkeiten in der Kommunikation führen wird.

Wenn es etwas gibt, was zu diesen beiden Thesen noch nicht gesagt worden ist: Jederzeit gerne.

Schöne Grüße

MM

Hallo Mattilda,

hier steht die These:

„Wenn dir die Kultur gegen den Strich geht, wirst du auch die Sprache nicht wirklich gut erlernen können.“

Diese These bezieht sich auf die Frage, ob für einen Lebensmitteltechniker das Erlernen von Spanisch oder Französisch als nächste Fremdsprache sinnvoll und nützlich sei.

Die zitierte These impliziert also, dass es eine gemeinsame Kultur der hispanophonen Länder gebe.

Für die frankophonen Länder kann man dieses im allerweitesten Sinn bestätigen. Das hängt damit zusammen, dass es heute noch Vierzigjährige gibt, die im frankophonen Afrika von Marokko bis Kamerun nach französischen Lehrplänen und mit französischen Lehrbüchern unterrichtet worden sind, und die schon vor dem Schulunterricht eine Sozialisation erfahren haben, die derjenigen in F ziemlich ähnlich ist. Dass ferner in der Romandie, in Wallonien und in Quebec das Lebensgefühl einer bedrängten Minderheit vorhanden ist, das zu einer Anlehnung an ein imaginäres kulturelles Mutterland Frankreich führt. Ein Beispiel, das zur Ursprungsfrage zurück führt, ist etwa die Technik im Gespräch, dass kein Bewohner der genannten Gebiete „Nein“ sagen wird, wenn er „Nein“ meint, wenn sich das irgendwie vermeiden lässt. Mit dieser für die gesamte Frankophonie typischen Umgehungstaktik wird ein Deutscher in der Regel nur mit Mühe zurechtkommen, wenn er sie nicht kennt, weil er spontan glaubt, bloß ein explizit ausgesprochenes „Nein“ hieße „Nein“.

Im Bezug auf die oben zitierte These ist das:

Was hast du davon wenn du fliessend franzoesisch kannst,
Frankreich nicht ausstehen kannst

Und das:

Kann man deswegen die Kultur Neu Kaeldoniens mit der
Franzoesischen vergleichen? Sicher nicht.

ungefähr 180° im Widerspruch zueinander: Entweder es gibt eine gemeinsame Kultur der Frankophonie, oder es gibt sie nicht. Wenn es sie nicht gibt, hindern Berührungsängste mit der Kultur des Mutterlandes nicht im geringsten daran, die Sprache in einem der anderen frankophonen Gebiete zu erlernen.

Und angesichts dieser These:

Auch das ist Interesse an der
Kultur und hat mit Spanien doch so ueberhaupt gar nichts zu
tun.

stelle ich auch Dir die (keineswegs rhetorische) Frage:

Gibt es Deiner Ansicht nach eine gemeinsame Kultur der Hispanophonie oder nicht? Wenn nicht, können Berührungsängste mit kastilischer Kultur nicht im geringsten daran hindern, Spanisch z.B. in Katalonien, in Asturien, in Argentinien oder der Dominikanischen Republik zu erlernen. Beiläufig wird man mit etwas Mühe in beiden zuletzt genannten Ländern Lehrer finden, die Castillan sprechen und unterrichten können.

Schöne Grüße

MM

Vielen Dank, Horst!
Hallo Horst,
vielen Dank für diese Bemerkung bzgl. meiner Person.
Ich fühle mich geschmeichelt.
Liebe Grüße,
Helena

Hallo Martin,
leider kann ich Deine Theorien nicht ganz folgen. Dennoch muß ich etwas ganz betonnt und aufs heftigsten widersprechen, nämlich:

stelle ich auch Dir die (keineswegs rhetorische) Frage:

Gibt es Deiner Ansicht nach eine gemeinsame Kultur der
Hispanophonie oder nicht? Wenn nicht, können Berührungsängste
mit kastilischer Kultur nicht im geringsten daran hindern,
Spanisch z.B. in Katalonien, in Asturien, in Argentinien oder
der Dominikanischen Republik zu erlernen. Beiläufig wird man
mit etwas Mühe in beiden zuletzt genannten Ländern Lehrer
finden, die Castillan sprechen und unterrichten können.

Es gibt nur ein und dasselbe Spanisch. Die Grammatik, in all ihre Facetten, ist überall identisch. Wenn Du mir einen Text im original von Julio cortázar oder Guillermo Cabrera Infante, oder Jorge Luis Borges oder, oder oder gibts -noch mehr, sogar die Tagebücher von zB Frida Kahlo, kann ich ohne weitere Hilfe dies im original -also das vom jeweiligen Verfasser handgeschriebenes Manuskript- auch lesen und verstehen. Selbiges wenn ich in den anderen 27 Länder verreise und mich nur mit menschen unterhalte, die Spanisch als Muttersprache haben und keine andere Sprache reden. Zeitungen aus Bogotá, Managua, Quito, La Paz oder Santiago kann ich ohne weiteres lesen, wie Du der FAZ, BZ oder SZ.
Wenn jemand in Katalonien (warum Asturias??? Wg „Bable“??? Letztes ist auch ein dialekt und keine Sprache!) Spanisch kann, dann kann das. Natürlich wird er gelegentlich andere Wörter aussuchen, die mir nicht so geläufig (aber durchaus bekannt!!!) sind. Aber diese „Andersartigkeit“ macht ganz sicher nicht eine Sprache. Das ist wie zB das englische Wort „stair“: Hier sagt man zB dazu „Treppen“ und in Österreich „Stiegen“, aber ist deshalb Österreichisch eine andere selbstständige Sprache??? wohl kaum!

Schöne Grüße
Helena *die nach München fuhr um Deutsch zu lernen* ;o)) SCNR *gg*

Hallo Martin,

du bist nich zufaellig Politiker? Wenn nicht waerst du mit Sicherheit ein guter geworden.

Gruss Matti

Wenn es etwas gibt, was zu diesen beiden Thesen noch nicht
gesagt worden ist: Jederzeit gerne.

Nun ja, da die Thesen nicht allzu viel mit der Ausgangsfrage zu tun haben, braucht man da auch keine mehr anfügen.

Wenn ich allerdings Franzose wäre, der Deutsch und Spanisch halbwegs beherrschte, dann würde ich spätestens jetzt fragen:

Kannst du vielleicht Spanisch?

:wink:

Horst

Servus,

*die nach München fuhr um Deutsch zu lernen*

wenn das mal kein Fehler war…!

Sicherlich sind die Unterschiede zwischen dem Spanischen in verschiedenen Ländern maximal so groß wie zwischen verschiedenen deutschen Dialekten - vielleicht mit Ausnahme der Länder, wo Spanisch mit Quechua vermischt gesprochen wird. Unterschiedliches Vokabular findet man in konkreten Begriffen des alltäglichen Gebrauchs, und im übrigen gehts halt um eine teilweise ganz verschiedene Aussprache (die Bewohner des Ortes Torvizcón in der Sierra de la Contraviesa, wo ich mein sehr rudimentäres Fünfworte-Spanisch aufgegabelt habe, sprechen das „r“ fast nicht, das „z“ überhaupt nicht, und das „ón“ nasalieren sie wie Franzosen und Portugiesen; den Namen ihres Ortes würde man in Aranjuez nicht wiedererkennen…).

Meine Schwägerin aus Jarabacoa / Rep. Dom. hat mir mal einiges Vokabular beigebracht, mit dem man Kastilier ärgern kann - ich habe alles wieder vergessen, bloß dass „nata“ ganz anders heißt, erinnere ich mich noch vage. Der Spaß, den Rosaura daran hat, Kastilier zu ärgern, kommt daher, daß Castillan für sie ungeheuer arrogant klingt, und wegen der gut katholischen Tabuisierung aller Körperteile, die irgendwie erotisch sein können, einschließlich der Zunge, auch obszön. Sie meint „Die kastilischen Hidalgos sind so eitel, dass sie vor lauter Stolz und Prunksucht beim Sprechen immer über ihre Zunge stolpern. Außerdem wird man in einem Land, in dem vier Monate Nordpol und acht Monate Hölle sind, automatisch krank im Kopf…“

Kurzer Sinn: Ganz am Anfang dieses Threads steht eine Frage zum Sprachenlernen. Eingeklinkt habe ich mich an einer Stelle, wo die These formuliert wurde, dass das Lernen einer Sprache ohne persönliche Affinität zur Kultur (da hättest Du, wenn man den Klischees folgt, die über Katalanen im Umlauf sind, eigentlich nach Stuttgart oder Esslingen gehen müssen!) Schwierigkeiten machen kann. Wieauchimmer, das Lernen einer Sprache geht immer über die gesprochene Sprache. Auch bei „toten“ Sprachen - ich kann einigermaßen Latein, aber ich könnte es nicht, wenn ich mich nicht mit gesprochenem Latein beschäftigt hätte. Und in der gesprochenen Sprache, die man zunächst ganz ohne Grammatik und Syntax spontan auffasst, bestehen erhebliche Unterschiede zwischen dem Zentrum Madrid/Kastilien und der Peripherie, sowohl innerhalb Spaniens als auch rund um den hispanophonen Globus. Insofern ist es schon berechtigt, wenn man von der These zur kulturellen Affinität ausgeht, dass man sich fragt, ob man in Argentinien oder Bolivien oder Puerto Rico gelerntes Spanisch genauso einsetzen kann wie Castillan: Das (abgesehen von einigen Teilen des Alltagsvokabulars) das gleiche sein mag, aber anders gesprochen wird.

Ich habe vor vielen Jahren in Griechenland von Dorf zu Dorf ganz unterschiedliches Deutsch gehört, im Wesentlichen davon abhängig, ob der erste aus dem Dorf (dem dann die anderen gefolgt sind) in Kirchberg an der Iller, in Köln-Deutz oder in Ingolstadt war. Die Deutschland-Aufenthalte der Leute waren zum Geld Verdienen sicherlich gut, aber jedenfalls nicht zum Deutsch lernen…

Schöne Grüße

MM