Wembleytore, Phantomtore, Schwalben usw

Hallo,

ich schau gerne und regelmäßig Fußball (bequemer als selbst zu spielen) und ärgere mich immer tierisch über solche Fehlentscheidungen wie jetzt grad erst wieder gegen Frankreich. Niemand hat dabei gewonnen: die Begünstigten können sich nicht wirklich drüber freuen, die Benachteiligten schonmal gar nicht, ganz zu schweigen von Schiedsrichtern und Fans. Ich habe noch nie die Argumente verstanden, weshalb man gegen den Einsatz technischer Hilfsmittel ist. Das Argument, dass sich Hintertupfing oder Uganda sich sowas nicht leisten kann zieht nicht, man könnte das ja auf offizielle FIFA/DFB Spiele ab einer bestimmten Klasse beschränken. Man braucht im Prinzip nur ein paar Kameras um ein 3-D-Bild nachzubilden (evtl noch nen Sender in den Ball) und um so alle Entscheidungen in Echtzeit zu veri- oder falsifizieren.
Nennt mir ein vernünftiges Argument dagegen, bin mal gespannt.

Viele Grüße
mauschu

Hallo mauschu,
der Grund ist 1) psychologischer Natur: die unterlegene Mannschaft kann immer noch dem Schiedsrichter die Schuld für ihr Versagen geben. 2) Fußball ist ein emotionaler Sport und die Möglichkeit einer falschen Entscheidung verstärkt dies. Außerdem hat 3) glaube ich mal jemand von der FIFA gesagt, die Schiedsrichterleistungen seien während der folgenden Woche immer wieder Stoff für Diskussionen und belebten das Interesse am Fußball auch während der spielfreien Zeit.

MfG

Tai

Hallo

ich schau gerne und regelmäßig Fußball (bequemer als selbst zu
spielen) und ärgere mich immer tierisch über solche
Fehlentscheidungen wie jetzt grad erst wieder gegen
Frankreich. Niemand hat dabei gewonnen: die Begünstigten
können sich nicht wirklich drüber freuen, die Benachteiligten
schonmal gar nicht, ganz zu schweigen von Schiedsrichtern und
Fans. Ich habe noch nie die Argumente verstanden, weshalb man
gegen den Einsatz technischer Hilfsmittel ist. Das Argument,
dass sich Hintertupfing oder Uganda sich sowas nicht leisten
kann zieht nicht, man könnte das ja auf offizielle FIFA/DFB
Spiele ab einer bestimmten Klasse beschränken. Man braucht im
Prinzip nur ein paar Kameras um ein 3-D-Bild nachzubilden
(evtl noch nen Sender in den Ball) und um so alle
Entscheidungen in Echtzeit zu veri- oder falsifizieren.
Nennt mir ein vernünftiges Argument dagegen, bin mal gespannt.

Der hohe Aufwand garantiert aber nicht, das alle Entscheidungen klar sind. Bis auf Tor/nicht Tor und Abseitsentscheidung gibt es immer Ermessensspielraum des Schiedsrichters. Beispiel Elfmeter: die Videoaufzeichnung zeigt, das der Abwehrspieler den Angreifer berührt hat. Und nun? Es wird trotzdem diskutiert werden ob diese Berühung ihn zu Fall gebracht hat oder ob er hätte locker weiterspielen können.

Durch die Technik würden also nur sehr wenige Entscheidungen zweifelsfrei verifiziert werden, der Rest wäre nur verschwendete Zeit ohne absolute Sicherheit. Ausserdem sind diese Fehlentscheidungen selten genug um sich nicht gross darüber Gedanken machen zu müssen.

Gruß,
DW.

Hallo,

man hat den Chip-Ball ja schon bei der U17 WM in Peru getestet. Nur leider wurde diese Idee abgelehnt, da es wohl zu viele Fehler hatte und das System noch nicht ausgereift war. Dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein und ich hoffe, dass dieser Chip irgendwann kommen wird.
Das wär jedenfalls eine gute Alternative zum Video-Beweis.

Gruß,

Steffie

Hallo!

Der hohe Aufwand garantiert aber nicht, das alle
Entscheidungen klar sind. Bis auf Tor/nicht Tor und
Abseitsentscheidung gibt es immer Ermessensspielraum des
Schiedsrichters. Beispiel Elfmeter: die Videoaufzeichnung
zeigt, das der Abwehrspieler den Angreifer berührt hat. Und
nun? Es wird trotzdem diskutiert werden ob diese Berühung ihn
zu Fall gebracht hat oder ob er hätte locker weiterspielen
können.

Da stimme ich dir zu, die zahlenmäßig meisten Entscheidungen benötigen Fingerspitzengefühl (welche Karte für ein Foul etc) bzw es gibt gar nicht erst Zweifel. Und natürlich kann man auf die Referees nicht verzichten. Leider kommt es aber auch ziemlich häufig vor, dass eine Entscheidung von einem objektiven Kriterium abhängt, und dass gerade diese Entscheidung sehr wichtig für den Spielverlauf ist. Durch eine Fehlentscheidung heizt sich die Atmosphäre auf, und das tut keinem der Beteiligten gut (außer den Medien natürlich). (Genauer gesagt reicht es ja schon, dass man glaubt benachteiligt zu sein. Ein Beweis würde einen überzeugen, dass man wohl doch unrecht hat.) Das Argument mit Emotion etc ist quatsch, auf die Emotion „Wut“ im Zusammenhang mit Fußball kann man getrost verzichten, es sei denn man arbeitet für den Axel-Springer-Verlag in Hamburg.

Viele Grüße

mauschu

es dauert zu lange
Hallo mauschu

abgesehen von den bereits geannten Argumenten: Es dauert einfach zu lange.

Ich bin heute immer wieder begeistert, wie schnell die Spiele sind, wieviel da gelaufen wird. Keine Torwart-Taktik mehr, kein Warten auf den Ball, wie es meinerzeit üblich war. Stattdessen: Fast 90 Minuten reine Spielzeit in einem Spiel. Beim Videobeweis würde der 4 Schiedsrichter beim Auswerten der strittigen Szenen vom Spiel einfach überrollt.

Ein weiteres Problem: Wer sollte die Kamera führen? die Heimmanschaft, der ja nich gerad unparteilichkeit zugesprochen wird? Ein eigens angeheuerter Stab von Fernsehprofis?

Gegen eine Nachträgliche (nach dem Spiel) Ahndung von böswilligen verstößen mit Gelb oder Rot dagegen hätte ich nichts einzuwenden, da doch ziemliche offensichtliche Attacken dabei sind.

Gruß
achim

Hallo!

abgesehen von den bereits geannten Argumenten: Es dauert
einfach zu lange.

Das fällt mir schwer zu glauben - es würde ja eher um die richtig krassen Szenen gehen, und da wird dann auch minutenlang diskutiert. Technisch gesehen ist das alles in einem Sekundenbruchteil entscheidbar. Überhupt - warum zählt man die Zeit eigentlich nicht wie im Eishockey, dann könnte man sich auch die unsägliche Nachspielzeit sparen…?

Ich bin heute immer wieder begeistert, wie schnell die Spiele
sind, wieviel da gelaufen wird. Keine Torwart-Taktik mehr,
kein Warten auf den Ball, wie es meinerzeit üblich war.

Richtig, es hat in der Vergangenheit eine Vielzahl an Regelbesserungen gegeben.

Ein weiteres Problem: Wer sollte die Kamera führen? die
Heimmanschaft, der ja nich gerad unparteilichkeit zugesprochen
wird? Ein eigens angeheuerter Stab von Fernsehprofis?

Ich würde ja sagen die FIFA/UEFA/DFL etc, die verdienen genug Geld. Problem: Dann müssten ja diejenigen die Regeln ändern, welche draufzahlen müssen…
Ein Ausweg wäre natürlich mal wieder Sponsoring - man würde eben nicht vom Videobeweis sprechen, sondern vom XXX-Videobeweis (ersetze XXX durch eine Firma in der Videotechnikbranche)

Gruß,
mauschu

Tag!

Ich habe die Diskussionen zu Schiedsrichterzeiten ausführlich verfolgt. Das Argument mit der Dauer ist sicherlich richtig. Aufgabe der Regeln ist auch, das Spiel attraktiv zu halten. Längere Unterbrechungen sind unerwünscht.
Desweiteren ist zweifelhaft, wieviel Nutzen die Technik hier bringt, da wie gesagt auch Entscheidungen mit Fernsehbildern nicht eindeutig sein müssen.
Das Hauptargument ist aber folgendes:
Es ist völlig ungeklärt, WANN diese Technik dann eingesetzt werden sollte. Beim American Football, wo ale 20 Sekunden das Spiel unterbrochen wird ist das kein Problem. Aber als Beispiele mal ein paar Szenen:

Eindeutig ist es, wenn der Ball möglicherweise im Tor war und das Spiel dann aus irgendeinem Grund unterbrochen wurde. Dann könnte man nachschauen.
Wie sieht es aus, wenn der Ball möglicherweise im Tor war, aber das Spiel weiterläuft? Soll der Schiedsrichter dann das Spiel unterbrechen und nachschauen? Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der Ball möglicherweise im Strafraum unter Kontrolle des Angreifers! Durch einen Pfiff wurde man ihm die Chance nehmen, ein Tor zu erzielen!!! Wartet man aber länger, bis der Angriff vorbei ist, dann ist der Pfiff völlig aus dem Zusammenhang gerissen.
Wie sieht es aus bei einer Elfmeterentscheidung? Soll der Schiedsrichter nachschauen, wenn er Elfmeter gegeben hat? Soll er nachschauen, wenn er sich nicht sicher ist, oder immer? Soll er Abpfeifen, wenn er zwar keinen Elfmeter gesehen hat, aber möglicherweise einer vorliegt???
Wie sieht es aus bei Freistößen? Tätlichkeiten?

Wie ihr seht, es gibt keine eindeutigen, sinnvollen Kriterien. Abgesehen davon: Auch mit solch einer Technik wären Fehlentscheidungen immer noch Alltag, da dann über den Einsatz dieser Technik entschieden werden muss…

Das nachträgliche Bestrafen von Tätlichkeiten halte ich für sinnvoll, und das wird auch gemacht. Leider mit gewissen Lücken.

Liebe Grüße, Max

PS: Mich interessieren ja eigentlich nur die Schiedsrichterleistungen und ich bin diese WM echt enttäuscht!!!

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