Hallo!
Ich habe neulich irgendwo gelesen, dass es in Russland sehr sehr wenig Dialekte geben soll, und dass das dort gesprochene Russisch praktisch überall im Lande fast gleich klingen soll. Das haben auch andere Quellen bestätigt. Nur frage ich mich (und euch): Wieso? Russland ist riesig, im Vergleich dazu ist z.B. Spanien oder Deutschland mikroskopisch klein, und doch gibt es dort Dialekte die extrem unterschiedlich sind.
Ich kann es nur noch einmal bestätigen.
Ich weiss zwar nicht genau warum, aber ich glaube, es ist eine der positiven
Seiten des sowjetischen (Ausbildungs)systems.
warum das so ist, weiß ich auch nicht *g* (s.u.), aber es stimmt. Die Aussprache ist zwar (selbst wenn man die Nicht-Muttersprachler wie z.B. Kasachen nicht beachtet) leicht unterschiedlich, soll heißen, man erkennt jemanden aus Sibirien evtl. schon an bestimmten Kleinigkeiten, aber man kann das bei Weitem nicht mit den Unterschieden in den deutschen Dialekten (ich sag nur, BayrischPlatt *g*) vergleichen. Auf den Dörfern, also tiefste Provinz, gibt es evtl. durchaus regionale Wörter, keine Ahnung, ich hab immer in den Städten gelebt
Warum? Dazu hab ich nur eine Vermutung… Aus älteren Büchern ist mir bekannt, daß es früher (19. Jhdt) wohl anders war. Da aber die Bevölkerung in den beiden Kriegen und der Zeit dazwischen wild umgesiedelt wurde, wohnt kaum noch ein Russe dort, wo seine Vorfahren gewohnt haben. Deswegen gingen die Dialekte verloren. Das gilt auch für viele Sprachen der ethnischen Minderheiten, die jahrelang nicht (oder nur in begrenzten Gebieten) unterrichtet wurden, so kann z.B. ein Tatare seine Muttersprache mit 95% Wahrscheinlichkeit nicht, wenn er außerhalb von Tatarstan aufgewachsen ist. Wie gesagt, alles ohne Anspruch auf Richtigkeit…
Grüße
Helen
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Also mit dem sowjetischen Ausbildungssystem hat das wohl kaum etwas zu tun…
Man bedenke aber, dass Deutschland und beispielsweise auch Italien früher ein Kleinvölkerstaat waren, während Russland IMMER zentralistisch regiert wurde. Dadurch konnten sich in Deutschland (Italien) die sprachlichen Varietäten auch ganz anders und viel differenzierter. In Italien spielt auch die Tatsache eine große Rolle, dass sich das (Volks-)Latein in den einzelnen Regionen mit den verschiedenen anderen Volkssprachen vermischten und diese dem Lateinischen weichen mussten. Das erklärt auch die versiedenen Entwicklungen des Lateinischen in den einzelnen Regionen des römischen Imperiums bis hin zur Entstehung der romanischen Sprachen Ital., Frz., Span., Port., Rum., Sardisch, Okzitanisch, Katalanisch. Das Russische jedenfalls weist zwar auch regionale Varietäten auf, dort hat es jedoch nie Kleinstaaterei o. ä. gegeben.
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