Wenn Menschen im Namen anderer Leute töten

Hallo WWWler,

was ist es was Menschen dazu bewegt im Namen anderer Menschen (Politiker, Propheten oder Revolutionäre) zu rauben, zu plündern, zu vergewaltigen und zu morden? Wie kann man für Einigkeit und Frieden sein und zeitgleich für den Tod anderer Menschen sorgen, weil sie anderer Ansichten sind oder anderen Religionen angehören?
Steckt in jedem von uns ein potentieller Mörder?

Gruss
Paula

Wunsch, selbst zu sterben oder sich zu vernichten
.

„Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß der Wunsch zu töten sehr oft mit dem Wunsch,
selber zu sterben oder sich zu vernichten, zusammenfällt.“

Albert Camus (Betrachtungen zur Todesstrafe)

Hallo Paula!
Auf deine Frage könnte man eine ganze Dissertation schreiben :wink:
Naja auf die Frage, ob in jedem von uns ein potentieller Mörder steckt kann ich nur sagen, dass ich der Meinung bin, dass es in jedem Menschen auch eine Kehrseite gibt, die uns vielleicht nicht bekannt ist. Menschen sind in der Hinsicht ziemlich unberechenbar. So wie ein Mensch sich gibt, muss er nicht sein ganzes Leben lang sein. Er kann sich im Laufe von Faktoren, wie zum Beispiel die Umwelt sehr stark verändern. Es ist ein extremes und doch sehr spezielles Beispiel, aber hast du schon von dem Stanford Prison Experiment gehört? Auch bekannt als Film: „Das Experiment“? Falls nicht, hier die Internetseite dazu: www.prisonexp.org
Amerikanische Bürger aus der Mittelschicht entwickeln sich plötzlich ganz anders. Der Mensch ist ein Situationstier. Je nach dem in welche Situation er kommt, so versucht er sich zu verhalten. Stell dir vor du bist auf einem Gala-Dinner. Du siehst durch die Menge und schließt dich den Personen an, wie sie gehen, wie sie das silberne Besteck benutzen und und und… :smile:
Die Menschen, die im Auftrag anderer töten, haben ja meist diese als „Chef“ oder Vorbild. Das, was die Oberleute beauftragen, oder als gut befinden wird getan. So genannte Märtyrer. Sie kämpfen für ihre Überzeugung, auch wenn sie dies mit dem Tode bezahlen müssen. Die ganze Psychologie wäre uninteressant, wenn der Mensch generell nur eine Seite besitzt. :wink:

LG
Sandra

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

„Der Sinn eines Krieges besteht nicht darin, für sein Vaterland zu sterben, sondern dafür zu sorgen, daß der Bastard auf der anderen Seite für seins stirbt.“
George C. Patton

Ich glaube du hast eine etwas falsche Vorstellung von der Sache. In einem Krieg tötet niemand weil ein Politiker das sagt, sondern „Überzeugungstäter“ tun es weil…

a) sie überzeugt sind ihr Vaterland gegen Bedrohung verteidigen zu müssen und keine andere Chance besteht als es in einem Krieg zu tun

b) sie der Meinung sind einen rechtmäßigen Anspruch zu haben und ihn nur gewaltsam umsetzen zu können. Die Leute töten nicht weil sie „Mörder“ sind, sondern weil sie höhere Güter wie „Freiheit“ oder „Gerechtigkeit“ zu verteidigen denken. Ob es so ist steht auf einem anderen Blatt, aber so ist die

In beiden Fällen werden die behaupten für das Recht, die Moral und die Ordnung zu kämpfen.

Und dann gibt es die andere Gruppe, die tötet weil „fressen oder gefressen werden“.

Wenn man sich die Schilderungen beispielsweise von Soldaten im 2. Weltkrieg durchliest stellt man schnell fest dass sie sich andauernd in Lebensgefahr vor dem Feind befanden. Wenn du ihn nicht tötest, tötet er dich. Da brauchte keiner „gezwungen“ werden, sondern sehr oft war es keine Frage der Moral, sondern des nackten Überlebens.

Wer da in einem Graben lag und die Chance hatte einen gegenerischen Schützen zu töten tat es, denn sonst knallt der andere dich oder deine Kameraden ab. Was soll das Individuum da tun?
Wegrennen ging auch nicht weil „Feigheit vor dem Feind“ dazu führte dass einen die eigenen Leute erschossen. Also war die vage Hoffnung nur dass man den Gegner schneller erwischt als der dich erwischt.

Die ständige Gefahr, jeden Moment sterben zu können oder übelst verwundet zu werden, dazu die Bilder von unendlich vielen Toten, der tägliche Verlust nahestehender Kameraden - das führt außerdem zu einer Verrohung und Abstumpfung. Darauf reagiert zwar jeder Mensch anders, aber die Anzahl derer, die unter posttraumatischen Belastungsstörungen, wie es heute heißt, litten, dürfte riesengroß gewesen sein.
Der Wahnsinn ist nicht mehr zu verarbeiten, sondern führt zu Apathie und Abstumpfung, in der ein klares Denken und Einordnen der ganzen gefährlichen und absurden Situation nicht mehr möglich ist.

Es ist dann eine normale Reaktion der Psyche auf eine unnormale Situation, die einen handeln und ums Überleben kämpfen läßt.

Ich denke dass es heute sehr wohlfeil ist aus unserer Sicherheit heraus zu beurteilen warum Menschen damals so oder so reagierten und handelten.

Gruß,

MecFleih

Hi MecFleih und all,

Ich denke dass es heute sehr wohlfeil ist aus unserer
Sicherheit heraus zu beurteilen warum Menschen damals so oder
so reagierten und handelten.

tun bzw. täten sie (wir) das denn heute nicht mehr genauso?

Im Buch „Mir selber seltsam fremd“ von Willy Reese lässt sich quasi autobiografisch die Entwicklung vom jungen, musischen, humanistisch erzogenen, gebildeten Bankazubi am Anfang des Krieges zu einer immer mehr verrohenden, verletzten, gehetzten, verstörten und zerstörenden Kampfmaschine verfolgen. M. W. forschten (und tun es vermutlich noch immer) Militärs aller Coleur nach wirksamen Mitteln, um zumindest zeitweise Soldaten zu möglichst angst- und bedingungslosen Killern zu machen.

Hallo Paula,

da machst Du ein Riesenfass auf: das kann man aus so vielen verschiedenen Richtungen angehen - religiös, philosophisch, psychisch, aus der Evolution usw. usf.

Es dürfte unbestreitbar sein, dass alle derzeit lebenden Menschen irgendwo und irgendwann Vorfahren hatten, die getötet haben (überlebt bzw. sich gegen andere durchgesetzt haben). Statistisch liegt das m. W. durchschnittlich bei jedem noch gar nicht so weit zurück. Wäre z. B. mein Vater im 2. Weltkrieg getötet worden (wobei ich nicht weiß, ob er selbst direkt jemand getötet hat), könnte es mich nicht geben.

was ist es was Menschen dazu bewegt im Namen anderer Menschen
(Politiker, Propheten oder Revolutionäre) zu rauben, zu
plündern, zu vergewaltigen und zu morden? . . .

Letztlich wohl der Glaube: also das für wahr halten, was Autorität vorgibt. Die droht dann mit Verlust eigener Freiheit, des Lebens (ggf. nach dem Tod), des ewigen Lebens, schürt Ängste usw. usf.

. . . Wie kann man für
Einigkeit und Frieden sein und zeitgleich für den Tod anderer
Menschen sorgen, weil sie anderer Ansichten sind oder anderen
Religionen angehören?

siehe oben.

Steckt in jedem von uns ein potentieller Mörder?

Vermutlich und ein nicht unbeträchtlicher Teil der Gene mind. eines Killers aus der eigenen Ahnenreihe.

Der gesetzliche Zwang zum Töten
Hallo MecFleih,

ich habe Deinen Beitrag mit großem Interesse gelesen.
Du schreibst, dass „Überzeugungstäter“ im Krieg töten.
Ich möchte Deine Begründungen um c) erweitern:

c) Menschen töten im Krieg,
weil sie per Gesetz zur Teilnahme am Krieg und
zum Töten (für Glaube, Moral und Vaterland) gezwungen werden.

Gruß Sophia

Ich glaube du hast eine etwas falsche Vorstellung von der
Sache. In einem Krieg tötet niemand weil ein Politiker das
sagt, sondern „Überzeugungstäter“ tun es weil…
a) sie überzeugt sind ihr Vaterland gegen Bedrohung
verteidigen zu müssen und keine andere Chance besteht als es
in einem Krieg zu tun
b) sie der Meinung sind einen rechtmäßigen Anspruch zu haben
und ihn nur gewaltsam umsetzen zu können. Die Leute töten
nicht weil sie „Mörder“ sind, sondern weil sie höhere Güter
wie „Freiheit“ oder „Gerechtigkeit“ zu verteidigen denken. Ob
es so ist steht auf einem anderen Blatt, aber so ist die
In beiden Fällen werden die behaupten für das Recht, die Moral
und die Ordnung zu kämpfen.

Hallo Paula,

ich glaube, man kann sich mit der Gruppendynamik vieles erklären.

In einem zufälligen Haufen von Menschen hat jeder seine eigenen Emotionen und Bedürfnisse, sodaß jeder seine eigenen Wege geht und der Haufen sich zerstreut.

In einer Gruppe (und auch in einem größeren Verband) werden die Emotionen und Bedürfnisse der Einzelnen gebündelt, sodaß die Gruppe beisammen bleibt. Dieser Zusammenhalt wird durch verschiedene Mittel erreicht, wie z. B.:

  • es werden gemeinsame Ziele gefunden
  • ein gemeinsamer äußerer Feind wird definiert
  • gemeinsame Symbole

Ein einzelner Mensch tötet selten einen anderen, zu hoch sind die Kosten (eine solche Tat psychisch verarbeiten und mit ungeteilter Verantwortung dafür gerade stehen zu müssen).

In der Gruppe findet eine „Verantwortungsdiffusion“ statt, die Kosten für den Einzelnen innerhalb der Gruppe, selbst wenn er tötet, sind viel geringer - gemeinsam ist man stärker und traut sich mehr, auch im Alltag.

Wie kann man für
Einigkeit und Frieden sein und zeitgleich für den Tod anderer
Menschen sorgen, weil sie anderer Ansichten sind oder anderen
Religionen angehören?

  1. wird der Fokus eher auf die eigene Gruppe (das eigene Land usw.) gelegt und „Einigkeit und Frieden“ auf diese bezogen. Die anderen sind entweder sowieso Feinde oder sie sind „Aliens“, d. h. irgendwo weit weg und gleichgültig.

  2. geht es mehr um Emotionen als um Logik. Von den zugrundegelegten Ideologien darf man sich nicht zuviel „intellektuelle Redlichkeit“ erwarten.

Steckt in jedem von uns ein potentieller Mörder?

Siehe Milgram-Experiment: der stereotype, aber eindringlich und wiederholt vorgebrachte Satz (sinngemäß) „Es ist für das Experiment unbedingt erforderlich, daß Sie weitermachen!“, hat bei etwa 65 Prozent der Versuchsteilnehmer gereicht. Ganz normale, unauffällige Durchschnittsmenschen. 35 Prozent haben sich also widersetzt. Aber niemand weiß, ob er - im Falle des Falles - zu den 65 oder zu den 35 Prozent gehört.

Grüße,

I.

Ich sag nur: Milgram-Experiment…

Hi Tom,

tun bzw. täten sie (wir) das denn heute nicht mehr genauso?

Im Buch „Mir selber seltsam fremd“ von Willy Reese lässt sich
quasi autobiografisch die Entwicklung vom jungen, musischen,
humanistisch erzogenen, gebildeten Bankazubi am Anfang des
Krieges zu einer immer mehr verrohenden, verletzten,
gehetzten, verstörten und zerstörenden Kampfmaschine
verfolgen.

Ich kenne das Buch, habe es erst kürzlich gelesen und daraus, sowie auch anderer Literatur „einfacher Soldaten“ entnehme ich meine Meinung: dass Menschen sich eben nicht unbedingt aus eigener Überlegung, Abwägung und Brutalität heraus zum töten entschliessen, sondern in so extreme Gesamtumstände geraten können dass sie sozusagen automatisch töten ohne das zu hinterfragen. Gerade bei Willy Peter Reese kann man das ja perfekt beobachten.

Gruß,

MecFleih

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Hallo

c) Menschen töten im Krieg,
weil sie per Gesetz zur Teilnahme am Krieg und
zum Töten (für Glaube, Moral und Vaterland) gezwungen werden.

Das glaube ich eher nicht. Ich denke dass die meisten Menschen allergrößte Hemmungen haben „einfach so“ zu töten und sich nicht per Gesetz dazu verpflichten lassen. Solange die eigene Sicherheit gewährleistet ist wird kaum jemand bereit sein einen anderen Menschen zu töten, da kann das Gesetz schreiben, was es will. Der Soldat könnte ja problemlos am Feind vorbei schiessen, in einer größeren Schlacht würde das kaum auffallen.

Der entscheidende Effekt kommt dadurch zustande dass der Gegner permanent als minderwertiger, aber brutaler Vergewaltiger und Mörder dargestellt wird und die subjektive Wahrnehmung eines Soldaten auch tatsächlich ist dass der Gegner das eigene Leben bedroht und zahlreiche Kameraden tötet und verstümmelt.

Zusätzlich hat jemand, der an der Front unter Beschuß ist, kaum eine andere Überlebenschance als zu versuchen seinerseits den Gegner zu vernichten, bevor man selber vom Gegner getötet wird. D. h. wenn neben dir Granaten explodieren und reihenweise deine Kameraden zerfetzen wirst du, wenn du selber die Chance hast den Bediener des Granatwerfers zu erwischen, nicht lange überlegen sondern ihn erschiessen um dein und das Leben deiner Kameraden zu retten.

Oder wenn du in einem Schützengraben liegst und plötzlich rennen feindliche Soldaten mit Gewehren und Bajonetten auf deine Stellung zu, du siehst dass sie in 10 Schritten da sind und dich töten werden - dann wirst du nicht lange abwägen und moralische Kathegorien bemühen, sondern versuchen dein verdammtes Leben zu retten indem du sie schneller abknallst als sie dich erreichen können.

Gruß,

MecFleih

Team: Anrede geändert

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Hallo,

Wäre z. B. mein Vater im 2.
Weltkrieg getötet worden (wobei ich nicht weiß, ob er selbst
direkt jemand getötet hat), könnte es mich nicht geben.

Es gibt in Berlin die „Deutsche Dienststelle“, die auch heute noch Kriegsschicksale aufzuklären versucht. Man kann dort einen militärischen Lebenslauf seiner Altvorderen anfordern, kostet eine kleine Bearbeitungsgebühr, aber keine große Summe.

http://www.forum-der-wehrmacht.de/thread.php?threadi…

Gruß,

MecFleih

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c) Menschen töten im Krieg,
weil sie per Gesetz zur Teilnahme am Krieg und
zum Töten (für Glaube, Moral und Vaterland) gezwungen werden.

Das glaube ich eher nicht.

Ich meinte damit, dass die (meist Männer) per Gesetz verpflichtet sind, in den Krieg zu ziehen und dort auch töten zu müssen.
Wenn im letzten großen Krieg nachgewiesen werden konnte, dass jemand bewusst daneben zielt, dann war er selber dran.
Für mich ist ein Gesetz, dass Menschen zwingt in den Krieg ziehen zu müssen, eine aktive Aufforderung zum Töten.
Gäbe es in allen Ländern der Erde derartige Gesetze nicht, würden die meisten Männer und auch Frauen nicht dort in den Krieg gehen und die wenigen „Überzeugungstäter“ nicht ausreichen, um Kriege zu führen.

Gruß
Maria, Sophia, Oberhenne Ästher …
weiss wer mehr?

Team: Persönliche Kommentare entfernt

ot: Literaturempfehlung / Kindersoldaten
Hallo,

dass Menschen sich eben nicht unbedingt aus
eigener Überlegung, Abwägung und Brutalität heraus zum töten
entschliessen, sondern in so extreme Gesamtumstände geraten
können dass sie sozusagen automatisch töten ohne das zu
hinterfragen.

nicht nur damals, vor langer Zeit, sondern auch heute noch ist dies nicht selten der Fall, besonders dramatisch, wenn es sich dabei um Kindersoldaten handelt.

Meine persönliche Lektüreempfehlung in diesem Zusammenhang ist ‚Du sollst Bestie sein!‘ (‚Beasts of No Nation‘) von Uzodinma Iweala:

http://www.amazon.de/sollst-Bestie-sein-Uzodinma-Iwe…

Gruß

=^…^=
Katze

Hallo,

Wenn im letzten großen Krieg nachgewiesen werden konnte, dass
jemand bewusst daneben zielt, dann war er selber dran.

Reine Hypothese. Erstens ist das sicher nicht
per Situation nachzuweisen und zweitens ist
bekannt, daß z.B. im II.WK bei der US Army
höchstens 40% (darüber wurden Untersuchungen
angestellt) der Soldaten tatsächlich auf den
Feind zielten.

vgl.: http://www.killology.com/art_onkilling_overcoming.htm

Grüße

CMБ

Hallo,

Wenn im letzten großen Krieg nachgewiesen werden konnte, dass
jemand bewusst daneben zielt, dann war er selber dran.

Reine Hypothese.

Für deutsche Soldaten stimmt es. Wer in den Verdacht von Wehrkraftzersetzung oder Feigheit vor dem Feind kam, war ganz schnell tot. Es gibt Berichte, nach denen in Kriegswirren selbst Nachrichtenkuriere, die im Kampfgetümmel ihre Addressaten nicht fanden, vor’s Kriegsgericht kamen und standrechtlich erschossen wurden weil man unterstellt hat dass sie absichtlich getrödelt hätten. Derlei Beispiele gibt es viele. Zumindest in deutschen Reihen war der Verdacht, nicht mit vollem Einsatz zugunsten der eigenen Truppe engagiert zu sein, nahezu ein sicheres Todesurteil.

Erstens ist das sicher nicht
per Situation nachzuweisen

Die Spielregeln waren nicht gerade rechtsstaatlich und ein Leben war absolut nichts wert. Viel nachweisen mußte da niemand. Wessen Nase nicht gefiel, der war ganz schnell „weg vom Fenster“.

und zweitens ist
bekannt, daß z.B. im II.WK bei der US Army
höchstens 40% (darüber wurden Untersuchungen
angestellt) der Soldaten tatsächlich auf den
Feind zielten.

Das ist allerdings eine sehr vage Angabe, die kaum Sinn macht wenn nicht genau definiert wird was in diese Rechnung einbezogen wird.
Für wen gelten diese Zahlen? Es macht einen Unterschied ob jemand in einer Schlacht auf gut Glück um sich feuert oder aus der sicheren Deckung heraus gezielte Schüsse abgeben kann.
Es dürfte auch einen Unterschied machen ob der Schießende in einer akuten Eigenbedrohung ist, also einen Gegner erschiessen muß um selber zu überleben, oder aus sicherer Position heraus „in Richtung“ Feind schießt um ihn möglicherweise einfach zu vertreiben.

Eine weitere Frage ist: wie beurteilt man das Abwerfen von Bomben oder Artillerie-Beschuss, der in Richtung gegenerischer Stellungen ausgebracht wird? Ist das „gezielt“ oder nicht?

Und nicht zuletzt: wie will man hier belastbare Zahlen ermitteln? Man kann sich nur auf die Aussagen der Soldaten verlassen, nachprpüfen lassen sie sich nicht.

Gruß,

MecFleih

Ich sag nur: Milgram-Experiment…

Hallo Corinna,

vielen Dank für diesen Begriff. Hatte mal vor vielen Jahren ein Buch über dieses Experiment gelesen und es später der Inhaberin zurück gegeben ohne mir den Namen zu merken.

Gruss
Paula

Hallo Paula,

Hallo Idomeneo,

ich glaube, man kann sich mit der Gruppendynamik vieles
erklären.

Ja, erklären kann man wirklich vieles. Eigentlich alles.

In einer Gruppe (und auch in einem größeren Verband) werden
die Emotionen und Bedürfnisse der Einzelnen gebündelt, sodaß
die Gruppe beisammen bleibt. Dieser Zusammenhalt wird durch
verschiedene Mittel erreicht, wie z. B.:

  • es werden gemeinsame Ziele gefunden
  • ein gemeinsamer äußerer Feind wird definiert
  • gemeinsame Symbole

Dabei sind Ziele, gemeinsamer Feind und die Symbole sogar fast unwichtig. Da jeder vielleicht die gleichen Worte spricht, aber in Gedanken ganz andere Bilder und Emotionen als die anderen Gruppenmitglieder hat.

Ein einzelner Mensch tötet selten einen anderen, zu hoch sind
die Kosten (eine solche Tat psychisch verarbeiten und mit
ungeteilter Verantwortung dafür gerade stehen zu müssen).

Du siehst die Situation immer noch viel zu zivilisiert. So manche Einzelmorde werden geplant, geschehen im Affekt oder wirklich versehentlich. Müssen aber nicht immer Gewissensbisse nachsich ziehen. Viele sehen das Auslöschen eines Lebens nichtmal als Mord. Wie zum Beispiel Mütter die ihr gerade geborenes Baby sofort im Wasser ertränken, jemand der einen anderen ausraubt (dabei versehentlich tötet) und nur an den nächsten Schuss denkt usw.

In der Gruppe findet eine „Verantwortungsdiffusion“ statt, die
Kosten für den Einzelnen innerhalb der Gruppe, selbst wenn er
tötet, sind viel geringer - gemeinsam ist man stärker und
traut sich mehr, auch im Alltag.

Also sind es Menschen mit Gewissen die eine Situation willkommen heissen sobald sie die Verantwortung für ihr zügelloses Tun weitergeben können.

  1. wird der Fokus eher auf die eigene Gruppe (das eigene Land
    usw.) gelegt und „Einigkeit und Frieden“ auf diese bezogen.
    Die anderen sind entweder sowieso Feinde oder sie sind
    „Aliens“, d. h. irgendwo weit weg und gleichgültig.

„Ich erschiesse dich, weil du meiner Meinung nach nicht genug glaubst.“ Dabei mag ich dich nicht, weil du einen Laden hast der gut läuft und ich arbeitslos bin.

  1. geht es mehr um Emotionen als um Logik. Von den
    zugrundegelegten Ideologien darf man sich nicht zuviel
    „intellektuelle Redlichkeit“ erwarten.

Dabei sind unter diesen Menschen sogar welche mit Verstand. Menschen die studiert haben und selber unterrichten. Blicke nach Afrika oder Südamerika.

Siehe Milgram-Experiment: der stereotype, aber eindringlich
und wiederholt vorgebrachte Satz (sinngemäß) „Es ist für das
Experiment unbedingt erforderlich, daß Sie weitermachen!“, hat
bei etwa 65 Prozent der Versuchsteilnehmer gereicht. Ganz
normale, unauffällige Durchschnittsmenschen. 35 Prozent haben
sich also widersetzt. Aber niemand weiß, ob er - im Falle des
Falles - zu den 65 oder zu den 35 Prozent gehört.

Ohne diese Biolisten wäre die Menschheit vielleicht schon lange untergegangen.
Dieses Buch habe ich gelesen und war damals (Deutsch war Fremdsprache) nicht einmal überrascht über die Taten und Antworten der Teilnehmer. Damals war ich mir nichteinmal sicher ob ich selbst anders gehandelt hätte. Denn irgendwo sind wir doch alle Obrigkeitshörig.
Diese Frage und die Gedanken dazu haben mich noch lange begleitet. Heute bin ich älter und kann mit Bestimmtheit sagen: An diesem Experiment hätte ich heute nicht teilgenommen.

Vielen Dank für deinen Beitrag.
Gruss
Paula

Hallo Paula,

Hallo Builder Tom,

da machst Du ein Riesenfass auf: das kann man aus so vielen
verschiedenen Richtungen angehen - religiös, philosophisch,
psychisch, aus der Evolution usw. usf.

„Aus der Evolution“ daran möchte ich nicht glauben. Es gibt viele Beispiele in der verfeindete Menschen Frieden zu einander fanden und umgekehrt. Doch eher religiöse und psychische Gründe.

Es dürfte unbestreitbar sein, dass alle derzeit lebenden
Menschen irgendwo und irgendwann Vorfahren hatten, die getötet
haben (überlebt bzw. sich gegen andere durchgesetzt haben).

Ja, das dürfte wirklich unbestreitbar sein. Schliesslich vergeht auf unserem Planeten auch kein Tag ohne Krieg.

Letztlich wohl der Glaube: also das für wahr halten, was
Autorität vorgibt. Die droht dann mit Verlust eigener
Freiheit, des Lebens (ggf. nach dem Tod), des ewigen Lebens,
schürt Ängste usw. usf.

Die Autorität droht mit Ehrverlust. Aber das kann doch nur bei den Menschen funktionieren die das mit sich geschehen lassen. Warum gibt es von denen so viele?
Wer ist denn schon ein Führer? Was habe ich mit ihm zutun? Und überhaupt wie können irgendwelche Menschen zu Führern werden? Meist sind es rethorisch begabte Menschen mit einem starken Hang zum Sadismus und Grössenwahn.

Steckt in jedem von uns ein potentieller Mörder?

Vermutlich und ein nicht unbeträchtlicher Teil der Gene mind.
eines Killers aus der eigenen Ahnenreihe.

Killergen? Das ist jetzt doch etwas Hollywood? Oder?

Danke für deine Meinung und dein Wissen.

Gruss
Paula

Hallo,

Hallo MecFleih,

„Der Sinn eines Krieges besteht nicht darin, für sein
Vaterland zu sterben, sondern dafür zu sorgen, daß der Bastard
auf der anderen Seite für seins stirbt.“
George C. Patton

Ein beschissenes Zitat was den Kern der Sache sehr gut trifft.

Ich glaube du hast eine etwas falsche Vorstellung von der
Sache. In einem Krieg tötet niemand weil ein Politiker das
sagt, sondern „Überzeugungstäter“ tun es weil…

Es gibt sehr viele Ansichten der Dinge, da es auch verschiedene Kriege gibt.

a) sie überzeugt sind ihr Vaterland gegen Bedrohung
verteidigen zu müssen und keine andere Chance besteht als es
in einem Krieg zu tun

Bei einem Krieg ist das bestimmt die primäre Ansicht der Soldaten. Aber diese ändert sich schon nach einem Tag, sobald sie auf sich selbstgestellt, im fremden Land sind und mit der Realität des Krieges konfrontiert werden.

b) sie der Meinung sind einen rechtmäßigen Anspruch zu haben
und ihn nur gewaltsam umsetzen zu können. Die Leute töten
nicht weil sie „Mörder“ sind, sondern weil sie höhere Güter
wie „Freiheit“ oder „Gerechtigkeit“ zu verteidigen denken. Ob
es so ist steht auf einem anderen Blatt, aber so ist die

Wie gesagt ändert sich diese Wahrnehmung in dem Moment wo sie mit der Realität konfrontiert werden. Keinem dieser Soldaten schwirren die Worte Freiheit oder Gerechtigkeit durch den Kopf, wenn sie in Ortschaften eindringen und versuchen sich die Bevölkerung per Waffengewalt untertan zu machen.

In beiden Fällen werden die behaupten für das Recht, die Moral
und die Ordnung zu kämpfen.

Daran glaubt kein Soldat mehr sobald er auch nur einen Tag im Krieg war.

Ich denke dass es heute sehr wohlfeil ist aus unserer
Sicherheit heraus zu beurteilen warum Menschen damals so oder
so reagierten und handelten.

Damals war Krieg in Europa und wie die Zivilbevölkerung versuchte zu überleben verurteile ich auch nicht im geringsten. Erst wenn ich so ein Leben gelebt und es besser gemacht habe, erst dann würde ich mir das Recht nehmen die Handlung mancher Menschen zu verurteilen.

Danke für deine Gedanken

Gruss
Paula