Wer arbeitet ist schön dumm

Hallo!

Die neuesten Arbeitslosenzahlen sind gerade bekannt. Spitzenreiter und Armenhaus der Republik ist McPomm. Ich lebe hier noch kein Jahr. Manches ist unübersehbar, wie z. B. die Tatsache, daß meine Wohngegend zu den Armenhäusern Deutschlands gehört. Hier gibts über 20% Arbeitslosigkeit, in ABM-Maßnahmen geparkte Menschen noch nicht einmal berücksichtigt. Andere Dinge, wie z. B. die Spargelernte, bekomme ich jetzt erstmals mit. In dieser Gegend wird viel Spargel und auch anderes Gemüse angebaut. Die Erntehelfer kommen von weit her. Natürlich gönne ich den zumeist polnischen Staatsangehörigen den Verdienst von 5 bis 6 Euro pro Stunde. Aber die Vorgänge sind mir trotzdem unverständlich. Ich höre Klagen über einen Sozialhilfesatz von 9 Euro und ein paar Zerdrückten pro Tag. Mit meinem naiven Verstand würde ich annehmen, daß die Verdienstmöglichkeit von 40 bis 50 Euro pro Tag in den Erntemonaten für Sozialhilfeempfänger lukrativ sein müßte. Hier arbeitet aber niemand aus der Gemeinde. Hier arbeiten nur Polen! Gleichzeitig werden Polenwitze erzählt, weil diese Leute angeblich so furchtbar faul sind. Witze über das stinkend faule deutsche Pack würden der Wahrheit aber viel eher entsprechen!

Liebe wwwler, was ist hier los? Weshalb müssen Menschen zur Arbeit aus Polen herbei gekarrt werden, während arbeitsfähige Leute, die in Sichtweite der Felder leben, fürs Nichtstun ernährt werden? Weshalb steht die Gemeinde wegen zu klammer Finanzen kurz vor der Zwangsverwaltung und muß sich von - jetzt gibts kein anderes Wort - von Schmarotzern ausnehmen lassen?

Wie kann jemand angesichts der geschilderten Zustände die beabsichtigte Kürzung der Sozialhilfe bejammern?

Wie ich eben beim Mittagessen höre, wird die gesamte Gemüseernte von polnischen Erntehelfern erledigt. Die Leute sind den ganzen Sommer hier.

Erschütternd!

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

das ist aber eher auf die Unfähigkeit der Gemeindeverwaltung zurückzuführen. Wieso gibts keine Regelung, den SoHi-Empfänger wegen vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten die Stütze wegen Unbedürftigkeit zu streichen? Z.B. durch ein Abkommen mit den Spargelbauern.
Hier arbeiten auch Leute bei der AStadt, die sonst Stütze beziehen würden.

Gruß
Frank

Hi,

Liebe wwwler, was ist hier los? Weshalb müssen Menschen zur
Arbeit aus Polen herbei gekarrt werden, während arbeitsfähige
Leute, die in Sichtweite der Felder leben, fürs Nichtstun
ernährt werden?

Bei uns hier (auch Spargelanbau) hat jemand eine Diplomarbeit über das Thema geschrieben bzw. schreibt grade. Statistik über 5 Jahre geführt. Eines der Ergebnisse: ein osteuropäischer Arbeiter bringt fast fünfmal soviel Ertrag pro Tag wie ein deutscher Arbeiter. Und das waren „freiwillige“ einheimische Arbeiter.

Es wurde mal ein Versuch gemacht, Ernteeinsatz als ABM anzuordnen. Da verfaulte dann die Ernte auf den Feldern weil die „fleissigen“ Helfer ab dem zweiten Tag krank waren!

Gruß
Stefan

Hallo Frank,

das ist aber eher auf die Unfähigkeit der Gemeindeverwaltung
zurückzuführen. Wieso gibts keine Regelung, den SoHi-Empfänger
wegen vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten die Stütze wegen
Unbedürftigkeit zu streichen?

wenn ich mich recht entsinne, sind derartige Dinge in der Agenda 2010 vorgesehen. Aber, und auch hier hoffe ich mich richtig zu entsinnen, ist wohl der ein oder andere Linke und Gewerkschaftler von derartigen Regeln nicht ganz so begeistert.

Insofern ist nicht der Gemeinde ein Vorwurf zu machen, sondern der Regierung, die derzeit durch den Spagat zwischen Ideologie und Realität zu zerreisen droht.

Dazu die Karrikatur vom Tage:
http://www.rheinische-post.rp-online.de/zeitung-2003…

Gruß
Christian

wenn ich mich recht entsinne, sind derartige Dinge in der
Agenda 2010 vorgesehen.

Hallo Christian,

was aber, wenn es so läuft, wie weiter oben von Stefan beschrieben: Sobald man den Leuten Arbeit anbietet, demonstrieren sie einen Tag lang den guten Willen und melden sie sich danach krank. Oder sie brauchen einen Animateur, der Lockerungsübungen auf dem Acker veranstaltet :smile:. Oder sie arbeiten so langsam, daß das Gemüse auf dem Feld vergammelt. Dann dauerts vermutlich nicht lange, bis dem Landwirt der Geduldsfaden reißt und er wieder die Polen ruft. Schließlich hat der Mann keine Zeit für Therapiebemühungen. Die Ernte muß vom Feld.

Das darf alles nicht wahr sein. Ich hab aber auch keine Idee, außer eben die Soz.hi einzudampfen. Aber dann käme unweigerlich der Vorwurf, daß sich benachteiligte Menschen mit Zwangsarbeit krank schufteten und ihnen als Dank die Unterstützung weggenommen wird.

Gruß
Wolfgang

Hi,

In dieser Gegend wird viel
Spargel und auch anderes Gemüse angebaut. Die Erntehelfer
kommen von weit her. Natürlich gönne ich den zumeist
polnischen Staatsangehörigen den Verdienst von 5 bis 6 Euro
pro Stunde. Aber die Vorgänge sind mir trotzdem
unverständlich.

Wieso denn das? Dir Marktwirtschaftler muß man sowas nicht erklären: durch Angebot und Nachfrage regelt sich der Markt.

Es gibt ein paar Dinge, die vielleicht zur Klärung beitragen können:

  1. Der niedrige monetäre Anreiz für den deutschen Sozialhilfeempfänger
    Verglichen mit seinem Satz von 9 Euro am Tag sind sind die 5 oder 6 Euro pro Stunde nicht allzuviel, zumal er meines Wissens die Stütze um den Betrag, den er verdient, gekürzt bekommt.

  2. Der hohe monetäre Anreiz für den polnischen Arbeitnehmer
    Verglichen mit den Verdiensmöglichkeiten in Polen sind die 5 oder 6 Euro eine Menge Geld. Wenn man dazu den Kaufkraftunterschied rechnet, ist der Job durchaus lukrativ.

  3. Die Sozialhilfeempfänger, unterstellt, sie landen wegen Arbeitslosigkeit dort (und nur um diese Fälle geht es, oder?), haben nicht unbedingt das Ziel, Spargelbauer zu werden. Wer Maschinenschlosser oder Traktorfahrer gelernt hat und sich nun für seine Brötchen buchstäblich bücken muß, ist nicht unbedigt der Motivierteste, zumal das Spargelstechen, so habe ich mir sagen lassen, eine Schinderei sein soll. Auf der anderen Seite kommen aus Polen genau die Leute her, die diesen Job machen wollen. Das können gelernte Bauern sein oder auch umgeschulte Maschinenschlosser. Der Unterschied ist, daß sie das freiwillig und in vollem Bewußtsein tun.

  4. Für den deutschen Sozialhilfeempfänger ist dieser Job nichts als verlorene Zeit. Er wird davon nicht reich werden, und eine Entwicklung zu etwas lukrativeren Jobs wird er dadurch nicht erreichen. Anders der Pole: er hat eine Perspektive, denn durch das eingenommene Geld kann er für andere Dinge investieren; wenn er das clever anstellt, wird er nach einer absehbaren Zeit vielleicht sein Glück als Unternehmer o.Ä. versuchen.

Fazit aus 1 und 2 (Geldmotivation): Was für den Polen eine lohnende Investition ist, ist für den Mecklenburger ein schlechtes Geschäft.

Fazit aus 3 (Eigenmotivation): Während die Polen gezielt und bewußt diesen Job annehmen, müßten sich die Mecklenburger mit ihm abfinden.

Fazit aus 4 (Perspektive): Der Pole kann durch diesen Job etwas erreichen, der Mecklenburger sich nur über Wasser halten.

Wunderst du dich immer noch, daß es die Polen tun und nicht die Mecklenburger?

Weshalb müssen Menschen zur
Arbeit aus Polen herbei gekarrt werden, während arbeitsfähige
Leute, die in Sichtweite der Felder leben, fürs Nichtstun
ernährt werden?

Die erste Frage wurde bereits geklärt: weil sie leistungsfähig und -willig sind.
Auf die zweite gibt es auch eine Antwort. Der Sozialstaat hilft, Unruhen zu vermeiden. Mir ist ein schmarotzender, nichtstuende Arbeitsloser lieber als einer, der wie in meiner Heimat dir mit der Waffe in der Hand deine Einkäufe wegnimmt.

Weshalb steht die Gemeinde wegen zu klammer
Finanzen kurz vor der Zwangsverwaltung und muß sich von -
jetzt gibts kein anderes Wort - von Schmarotzern ausnehmen
lassen?

Das ist jetzt Stammtischniveau und deiner nicht würdig.

Wie kann jemand angesichts der geschilderten Zustände die
beabsichtigte Kürzung der Sozialhilfe bejammern?

Weil sie nicht viel bringen wird. Denn eines muß klar sein: auch auf einem relativ bequemen Bürojob kannst du niemanden zum Arbeiten zwingen, wenn er nicht will. Umso mehr Gültigkeit hat das bei einem Knochenjob wie das Spargelstechen. Da wird dir bzw. dem Arbeitgeber passieren, daß die Spargel lieblos abgeerntet werden und er dabei finanzielle Einbußen befürchten muß.

Schönen Gruß

J.

P.S. Nicht, daß du mich falsch verstehst: ich bin der erste, der den Leutchen mal deswegen in den Hintern treten würde. Nur muß man die Lage realistisch einschätzen, Stammtischargumentation hilft da nicht weiter.

Moin Sancho,

Gute Antwort! Von mir daher nur eine Bestätigung:

  1. Der niedrige monetäre Anreiz für den deutschen
    Sozialhilfeempfänger
    Verglichen mit seinem Satz von 9 Euro am Tag sind sind die 5
    oder 6 Euro pro Stunde nicht allzuviel, zumal er meines
    Wissens die Stütze um den Betrag, den er verdient, gekürzt
    bekommt.

Du schreibst hier „meines Wissens“. Es ist tatsächlich so. Zwar kann er - je nach Höhe der Sozialhilfe - einen Teil des Geldes behalten, aber in der Regel zu einem größeren Teil wird die Sozialhilfe gekürzt. Der deutsche Sozialhilfeempfänger wird also tatsächlich nicht 9 Euro sondern nur drei oder vier Euro verdienen.

Natürlich wird jetzt wieder die Antwort kommen: Sozialhilfe ist ja kein „Verdienst“. Es sollte für jeden lieber sein das Geld mit Arbeit als über Sozialhilfe zu beziehen. Ist ja auch für viele der Fall (ansonsten gäbe es nicht das Phänomen, das Leute arbeiten und zur Aufstockung noch Sozialhilfe beziehen. Mit Kündigung würden sie kaum weniger haben). Aber die Sozialhilfe stellt ja auch eine Art Mindestlohngrenze dar. Diese gibt es in Deutschland nicht, in anderen Staaten - die geringere Sozialhilfen haben, z.B. USA - schon. Die Sozialhilfe stellt also bewusst auch eine untere Grenze für die Löhne dar.

Insofern müsste man sich - wenn man die Kürzung der Sozialhilfe propagiert - auch über Mindestlöhne unterhalten. Was aber natürlich in einer Zeit der Massenarbeitslosigkeit schwierig sein könnte.

Ergänzen muss man noch, dass junge, kräftige Männer (was die Polen wohl sein dürften) nur begrenzt unter den Sozialhilfeempfänger zu finden sind. Vielfach sind dies Kinder, alleinerziehende Mütter und ältere Menschen.

Ciao

Ralf

Hallo Wolfgang,

genauso macht man das, irgendwas in die Welt setzen und die betroffene Bevölkerungsschicht ins schlechte Licht setzen, das hast du meisterhaft heute wieder geschafft.

Liebe wwwler, was ist hier los? Weshalb müssen Menschen zur
Arbeit aus Polen herbei gekarrt werden, während arbeitsfähige

Fiecher karrt man durch die Gegend, aber Du hast den Kern getroffen!

Leute, die in Sichtweite der Felder leben, fürs Nichtstun
ernährt werden? Weshalb steht die Gemeinde wegen zu klammer
Finanzen kurz vor der Zwangsverwaltung und muß sich von -
jetzt gibts kein anderes Wort - von Schmarotzern ausnehmen
lassen?

Nein, Du musst erstmal den Tatsachen in die Augen schauen, warum macht das kein deutscher Arbeitsloser für 5€ die Stunde, erscheint mir sowieso zu hoch angesetzt, vor Jahren bekamen die Polen hier max. 5 DM.
Du weisst ganz genau, dass Du die 5€ nicht brutto für netto bekommst, also musst Du davon ganz einfach Steuern wie jeder andere Arbeitnehmer bezahlen.

Das sieht dann so aus:
200h zu 5€, macht brutto 1000€, wenn die 200h zusammen kommen, denn geerntet wird ja täglich auch samstags und sonntags und wenn das AA auch die Überstunden als Regelverdienst ansieht, was ich im Moment nicht weiss.
Davon müssen Steuern und Abgaben bezahlt werden,
bleibt bei einem mit STK III in McPom genau 786€ übrig, dem Polen bleiben wesentlich mehr.

So nun geht es in den Spätherbst, so lange hat der deutsche gemeldete Saison-Arbeitnehmer brav seine Arbeit gemacht und wird nun, da Saison zu Ende, in die Arbeitslosigkeit geschickt.

Jetzt rechne weiter:

ALG ist nunmal noch(!!!) 60% vom letzten Nettolohn, bleiben 471,60€ maximal übrig, wenn alle Bedingungen erfüllt sind und das Arbeitsamt hat nach einer Wartezeit die Pflicht /Recht ihn mit 30% Abzügen in eine neue Arbeit zu vermitteln, nämlich für 550,20€ dann nur noch, das nennt man dann sozialen Aufstieg, nämlich aus der Sozialhilfe raus.
Irgendeiner sagte doch in den Medien, Arbeit muss sich wieder lohnen, fragt sich bloss für wen?
Und das macht dann für die betroffene Person so richtig Freude?

Wie kann jemand angesichts der geschilderten Zustände die
beabsichtigte Kürzung der Sozialhilfe bejammern?

nicht die, die sich nur von 11 bist Mittag damit beschäftigen!!!

Wie ich eben beim Mittagessen höre, wird die gesamte
Gemüseernte von polnischen Erntehelfern erledigt. Die Leute
sind den ganzen Sommer hier.

Und wenn ich mich nicht mit den Zuständen und Arbeitsbedingungen der Polen hier im Umland beschäftigt hätte, dann würde ich sagen, es glänzt alles so schön, wirklich schön, der Pole oder der Erntehelfer haben ein normales Arbeitsleben.
Teilweise wohnen diese Polen bei uns am See in den Büschen oder nicht weit von uns im den Schonungen wie die Tiere, bei jedem Wetter!!!

Wolfgang, so gut geht es denen!!!

Meistens kaufen sie auch nur Alkohol ein und essen nur das Gemüse von den Feldern. Saufen müssen die wohl um überhaupt das Leben hier zu ertragen.

Realität des Arbeitsleben dieser Erntehelfer, wohl auch der deutschen Tagelöhner:
Pole wird krank -keine Arbeitsleistung- kein Geld,
schlechtes Wetter -Keine Arbeitsleistung- kein Geld.
Ernte nicht reif -keine Arbeitsleistung- kein Geld.
Untergebracht in Hütten und Garagen, da würde nicht mal Ungeziefer übernachten, das ist Realität.
Schaue Dir mal genau die Bedingungen an, bevor Du Dich darüber äusserst.

Und eines musst Du auch wissen, meckert der Pole, ist er innerhalb von 5 min. arbeitslos, also hält er die Klappe, egal was kommt, denn er braucht ja auch die Kohle.
Für ihn ist im Herbst alles vorbei und lebt von dem Geld den ganzen Winter bis zur nächsten Ernte, Wolfgang, was der Deutsche nun wirklich nicht schafft, egal was er anstellt.

Hast Du überhaupt schon mal versucht oder auch nur getestet, ob Du wie bei uns hier üblich, 12-14h auf dem Bauch liegend Gurken zu flücken, bis Dir die Finger bluten und die Bremsen und Mücken Dich total zerstechen (ich hab die Leute so gesehen), mach es bitte nur einen Tag lang und vor allem für den Hungerlohn!!

Und dann gehst in den Supermarkt und kaufst Dir ein Glas Gewürzgurken, (achja das müssen die Polen abends auch noch machen, die Dinger einlegen) und beisst dort genussvoll rein, lass sie Dir gut schmecken.

Spargel schmeckt auch nicht schlecht und ist sooo preiswert, klar muss der teuer sein bei den gewaltigen Erntelöhnen.

genau,

Erschütternd!

Du sagst es.

Gruss

Gerd

Hallo Gerd,

ja, ich kenne Feldarbeit. Zugegeben nicht in den letzten Jahrzehnten, aber als Schüler in der Pflückerreihe stehend Erbsen und Bohnen pflücken oder Kartoffeln sammeln, habe ich nicht vergessen.

Polnische Erntehelfer erhalten mindesten 5,10 € pro Stunde, gute Leute auch mehr. Das ist nicht üppig, aber ohne Abzüge rein netto auf die Hand. Übrigens zahlt auch ein deutscher Sozialhilfeempfänger für ein paar tausend Euro Zuverdienst keine Steuern.
Wenn der Sozialhilfesatz etwa 300 € beträgt, mit Erntearbeit aber 1.000 € verdient werden können, will ich nicht begreifen, weshalb das nicht sinnvoll für den Empfänger von Sozialhilfe sein soll.

Nein, lieber Gerd, es handelt sich nicht um geheimnisvolle Rechenkünste, es handelt sich um arbeitsscheue Leute.

Nun komme bitte keiner her und erzähle von der schwangeren 60-jährigen Frau mit 3 Kleinkindern zu Hause. Ich rede von Leuten, die in Saft und Kraft stehen und sich vielen Jahren ohne Gegenleistung ernähren lassen, während der Landwirt für zugegeben körperliche Arbeit Leute aus Polen anheuern muß. Das wirft ein ganz schlechtes Licht auf die gesamte Szene.

Du kannst es gerne selbst versuchen: Hänge einen Zettel in den nächsten Supermarkt und biete Arbeit für eine Reinigungskraft an. Stundenlohn 7 € bar auf die Hand. Oder suche Bauhelfer. Erforderliche Qualifikation: Keine. Stundenlohn auch 7 € netto, alkoholfreie Getränke und Essen gibts gratis. Kannst Du vergessen. Da meldet sich keiner. Die Sozialhilfe ist offenkundig so reichlich, daß sich mit einem mehrfach höheren Verdienst keiner hinter dem Ofen hervor locken läßt.

Es liegt in der Natur der Sache, daß es sich bei den angebotenen Jobs i. d. R. nicht um Traumberufe für Hochqualifizierte handelt. Meistens sind es körperlich anstrengende Arbeiten, dafür aber zielgruppengerecht, weil Anforderungen an Vorbildung nicht gestellt werden.

Auch das gibts: Manche Leute sind so fett und kurzatmig, daß sie bei körperlicher Arbeit nach wenigen Minuten am Ende sind.

Man muß zur Kenntnis nehmen, daß es Gruppen gibt, die das Sozialsystem ausnutzen. Ich habe für die Rechnungen, wonach es sich nicht lohnt zu arbeiten, keinerlei Verständnis. Würde es sich um Einzelfälle handeln, wäre es nicht der Rede wert. Ein paar faule Leute drücken sich immer herum. Im Grunde ist mir das alles nicht neu. Aber in dieser Gegend mit über 20% Arbeitslosigkeit sind die Verhältnisse erschütternd.

Als ebenso schlimm empfinde ich die Rechtfertigung der vorherrschenden Mentalität. Für die Arbeit Menschen aus dem Ausland zu holen, aber gleichzeitig und am gleichen Ort arbeitsfähige Menschen fürs Nichtstun zu ernähren, hat nichts mit sozialer Fürsorge zu tun. Das ist die pure Dekadenz.

Stinkewütend!

Gruß
Wolfgang

Moin Wolfgang,

Polnische Erntehelfer erhalten mindesten 5,10 € pro Stunde,
gute Leute auch mehr. Das ist nicht üppig, aber ohne Abzüge
rein netto auf die Hand. Übrigens zahlt auch ein deutscher
Sozialhilfeempfänger für ein paar tausend Euro Zuverdienst
keine Steuern.

Er bekommt dann die Sozialhilfe gekürzt.

Wenn der Sozialhilfesatz etwa 300 € beträgt, mit Erntearbeit
aber 1.000 € verdient werden können, will ich nicht begreifen,
weshalb das nicht sinnvoll für den Empfänger von Sozialhilfe
sein soll.

Verdienen sie ja nicht. Das Geld darf ja nicht behalten werden.

Nein, lieber Gerd, es handelt sich nicht um geheimnisvolle
Rechenkünste, es handelt sich um arbeitsscheue Leute.

Nun komme bitte keiner her und erzähle von der schwangeren
60-jährigen Frau mit 3 Kleinkindern zu Hause. Ich rede von
Leuten, die in Saft und Kraft stehen und sich vielen Jahren
ohne Gegenleistung ernähren lassen,

Das sind wie viel unter den Sozialhilfeempfänger?
Wer länger als 15 Stunden die Woche arbeitet, bekommt das Geld abgezogen. Das ist halt bei den Polen nicht der Fall.

Du kannst es gerne selbst versuchen: Hänge einen Zettel in den
nächsten Supermarkt und biete Arbeit für eine Reinigungskraft
an. Stundenlohn 7 € bar auf die Hand. Oder suche Bauhelfer.
Erforderliche Qualifikation: Keine. Stundenlohn auch 7 €
netto, alkoholfreie Getränke und Essen gibts gratis. Kannst Du
vergessen. Da meldet sich keiner. Die Sozialhilfe ist
offenkundig so reichlich, daß sich mit einem mehrfach höheren
Verdienst keiner hinter dem Ofen hervor locken läßt.

Wie gesagt: den mehrfach höheren Verdienst gibt es praktisch nicht, wenn das Geld vom Staat gleich wieder kassiert wird.

Auch das gibts: Manche Leute sind so fett und kurzatmig, daß
sie bei körperlicher Arbeit nach wenigen Minuten am Ende sind.

Ach?

Als ebenso schlimm empfinde ich die Rechtfertigung der
vorherrschenden Mentalität. Für die Arbeit Menschen aus dem
Ausland zu holen, aber gleichzeitig und am gleichen Ort
arbeitsfähige Menschen fürs Nichtstun zu ernähren, hat nichts
mit sozialer Fürsorge zu tun. Das ist die pure Dekadenz.

Richtig. Wie wäre es mit der Bezahlung von höheren Löhnen? Ok, möglich dass dann das Produkt nicht mehr konkurrenzfähig wäre. Dann muss der Bauer sich halt etwas einfallen lassen oder aufhören, das Produkt anzubieten. Wenn er sich aber nur mit solchen Methoden über Wasser halten kann, habe ich für den Bauer keinerlei Verständnis.

Ciao

Ralf

Wie wäre es mit der Bezahlung von höheren Löhnen?

Hallo Ralf,

in dieser Region kostet eine große Altbauwohnung 100 € Miete (1 €/qm), eine komfortable Neubauwohnung selten über 400 €. Die Meisterstunde eines Handwerksbetriebes wird mit ca. 21 € berechnet. So viel zum Preisniveau. Man kann also vom Lohn in der Landwirtschaft ohne weiteres leben. Auf gleichem Lohniveau gibts hier ganzjährig Arbeit ohne Ende. Arbeitsfähige müssen also nicht der Gemeinde auf der Tasche liegen. Angesichts der niedrigen Mieten kann man hier mit wenigen 100 Euro leben, ohne sich einschränken zu müssen. Ein kleines Auto ist allerdings bei der extrem dünnen Besiedelung und oft weit entfernt liegenden Einkaufsmöglichkeiten sinnvoll und nicht als Luxus anzusehen. Aber auch das ist bei den gezahlten Löhnen überhaupt kein Problem.

Höherer Lohn? Wofür denn?! Die Löhne entsprechen dem hiesigen Lohnniveau und passen hinsichtlich der gestellten Anforderungen ins Gefüge. Es handelt sich nämlich keineswegs um eine Anpassung an polnische oder tschechische Verhältnisse. Vielmehr ist es auch für andere Arbeiten so gut wie aussichtslos, Leute zu finden. Mangelhafte Qualifikation und/oder deutlich zum Ausdruck gebrachter Arbeitsunwille sind die Regel.

Gruß
Wolfgang

hallo Wolfgang,
das Problem besteht nicht nur in MPOM (schon immer das Armenhaus Deutschlands gewesen) sondern auch in den alten Bundesländern. Hier in BW haben Spargelanbauer versucht, Deutsche einzustellen. Zwangsweise gingen die auf die Felder… eine Tag: dann brachten sie ärztliche Atteste, dass sie diese Arbeit nicht ausführen könnten.
Dem Deutschen (junge, gesunden) Arbeitslosen ist diese Arbeit:
zu gering bezahlt
zu nass (oder heiß)
artet in Arbeit aus
kriegt man krummen Rücken
muss man was neues lernen (Spargelstechen will gelernt sein)

Die Spargelanbauer sind reumütig zu den Polen zuück gekehrt.
Ich gönne jedem Arbeitslosen seine Stütze. Sie ist sehr oft zu wenig. Doch dass sie verführt, das bekannte Lied zu singen:„wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt der ist verrückt!“ ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Diese Typen sind Schmarotzer an ihren arbeitenden Kollegen (die ja ihre Stütze finanzieren) und bringen die Masse der arbeitswilligen Arbeitslosen in Verruf.
Grüße
Raimund

Moin Wolfgang,

Höherer Lohn? Wofür denn?!

Um Leute zu finden. Ist halt Angebot und Nachfrage. Wenn ich für einen Lohn von x€ keinen Arbeiter finde, ist halt x€ zu wenig. Das ist das einzige Kriterium. Wie die Mieten sind, ist uninteressant. Auch wie das Lohnniveau ansonsten in der Gegend ist.

Ciao

Ralf

Um Leute zu finden. Ist halt Angebot und Nachfrage.

Hallo Ralf,

Du triffst mit Angebot und Nachfrage den Nagel auf den Kopf. So würde es funktionieren, wenn Arbeitsplätze angeboten werden und es eine Nachfrage nach Arbeitsplätzen gäbe. Gibts aber nicht. Es ist wirklich keine Frage einiger Euro mehr oder weniger pro Stunde. Es sei denn, man böte einer ungelernten Kraft fürs Sandschaufeln das Gehalt eines promovierten Physikers. Natürlich kann man Leute mit illusorischen Geldangeboten locken. Wenigstens für ganz kurze Zeit, wobei darunter höchstens wenige Stunden zu verstehen sind.

Selbstverständlich gibt es arbeitswillige Menschen. Ich schere keineswegs alle über einen Kamm. Die Arbeitswilligen sind aber eine Minderheit in der Masse von Leuten, die auf die laue Tour durchkommen wollen, weil es sich ganz ohne Arbeit auch leben läßt.

Es ist die Normalität, daß ein seit vielen Jahren arbeitsloser Feinmechaniker erklärt, unter 5000 DM nicht anfangen zu wollen, daß eine Putzfrau 22 Mark pro Stunde verlangt. Man darf nicht überrascht sein, wenn ein gerade frisch eingestellter Mitarbeiter am ersten Tag nach 2 Stunden erzählt, ihm wäre so übel. Ich schicke ihn augenblicklich zum Arzt. Tage später kommt der gelbe Schein… Ich schicke die Kündigung und erhalte von einem Anwalt Post, der im Namen seines Mandanten 6 Wochen Lohnfortzahlung verlangt. Auch die Krankenkasse macht mir Dampf. Erst nachdem ich heraus finde, daß der Herr die gleiche Masche schon mehrfach abzog, steckten alle zurück. Ich bezahlte schon jahrelang Rente, habe wirklich jede denkbare Erfahrung auf diesem Sektor hinter mir. Ich weiß deshalb, daß alles keine Frage von Geld ist. Die Sozialhudelei klingt wie Hohn in meinen Ohren und ich habe keine Lust mehr darauf. Wie viele andere Selbständige habe auch ich keine Lust mehr auf Angestellte. Aber ich schweife ab.

Wenn ein Sozialhilfeempfänger eine zumutbare Arbeit bekommen kann, sollte die Motivation, der Gemeinschaft nicht mehr auf der Tasche zu liegen, eigentlich Antrieb genug sein, die Arbeit anzunehmen. Selbstverständlich wird Sozialhilfe gekürzt, wenn jemand über Einkommen verfügt. Sozialhilfe soll nur das letzte Notnetz sein, wenn jemand nicht für sich selbst sorgen kann. Wenn der Lohn z. B. in der Landwirtschaft mehr als ausreichend für den Lebensunterhalt ist, hört für mich das Verständnis für Verteidiger der Verweigerungshaltung auf. Dann scheint es doch so zu sein, daß schön dumm ist, wer arbeitet, statt sich Stütze vom Sozialamt überweisen zu lassen. Als Rechtfertigung reicht, daß die Bezahlung von Arbeit nicht den Vorstellungen entspricht. Herzlichen Glückwunsch zu der Einstellung.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang…

andere Branche - gleiches Ergebnis.
Und gleich vorweg, ich will nicht pauschalieren, es gibt immer „sonne“ und „solche“!
Es gab auch in meinem Business Zeiten, in denen man kaum Personal gefunden hat, also wendet man sich ans AA und wartet ab. Der Großteil hat gleich telefonisch abgesagt, weil Knie-, Rücken,- oder sonstige Schmerzen. Ein kleiner Teil war so ehrlich und hat gesagt, er hat keine Lust zu arbeiten. Und vereinzelt kamen sogar welche, die sich zumindest mal vor Ort haben blicken lassen. Keiner hat den ersten Tag überstanden, weil das ja unzumutbar ist, mit den Händen in schmutziges Wasser zu fassen, sich zu bücken, etc.

Anderes Beispiel ( kein Einzelfall! ):
Sozialhilfeempfänger, bei uns als geringfügig Beschäftigte angestellt, werden vom Soziamt „verdonnert“, sich ernsthaft um eine Teil- oder Vollzeitstelle zu bemühen, sonst Kürzung.
Was liegt also näher, als bei uns mehr zu arbeiten? Spricht ja auch nichts dagegen, wenn die Leistung stimmt.
Nur komischerweise ist es ab dem Tag der Festeinstellung um genau diese geschehen. Und das geht so lange, bis man ihnen kündigt.
Nächster Weg Arbeitsamt und es geht wieder von vorn los.

Die Diskussion um zu geringe Gehälter und zu billige Leistungen, hab ich so satt. Ich kann nur von meinem Unternehmen ausgehen. Die Konkurrenz ist gross und die Preise im Keller. Wir sind eins der „exclusiveren“ Firmen unserer Branche und auch in den Kreisen der Arbeitswilligen angesehen, da wir fair bezahlen und genügend Zeit vorhanden ist, seine Arbeit zu bewältigen. Aber mehr geht halt nicht, sonst könnte ich „dicht“ machen, und ca. 250 Leute wären ohne Job.
Dem Kunden mehr zu berechnen, würde nichtmal einen Vorteil bringen ( davon abgesehen, dass er nicht bereit dazu wäre ), da meine Kunden fast ausschließlich Hausverwaltungen sind, die unsere Kosten als Nebenkosten an ihre Mieter weitergeben. Also auch da wieder an die „Schwachen“.

Ich bin Deiner Meinung, das der Grossteil der Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger durchaus in der Lage wären zu arbeiten und es gibt haufenweise Jobs in denen man keinerlei Qualifikationen benötigt.

Und selbst bei den wirklich gut bezahlten Jobs meldet sich niemand mehr.
Heute war einer meiner Lieferanten bei uns. Sein Unternehmen sucht Leute im Aussendienst für verschiedene Bundesländer. Gehalt 4.000,-€ plus Auto, plus Handy plus Provision. Bisher hat sich noch NIEMAND gemeldet.
Das sollte einem doch zu denken geben.

Alles Liebe
Tanja

Moin Wolfgang,

Es sei denn, man böte einer ungelernten
Kraft fürs Sandschaufeln das Gehalt eines promovierten
Physikers.

Wenn man unter diesem Gehalt keinen findet: richtig. So etwas nennt man übrigens Marktwirtschaft. Schon mal gehört?

Selbstverständlich wird Sozialhilfe
gekürzt, wenn jemand über Einkommen verfügt.

Nur beim Polen wird nichts gekürzt. Insofern ist logisch, dass die Motivation hier höher ist.

Wenn der Lohn z. B. in der Landwirtschaft mehr
als ausreichend für den Lebensunterhalt ist, hört für mich das
Verständnis für Verteidiger der Verweigerungshaltung auf. Dann
scheint es doch so zu sein, daß schön dumm ist, wer arbeitet,
statt sich Stütze vom Sozialamt überweisen zu lassen. Als
Rechtfertigung reicht, daß die Bezahlung von Arbeit nicht den
Vorstellungen entspricht.

Na, das ist ja kaum möglich. Du hast ja einige Beispiele gebracht, bei denen den Leuten aber schnell die Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld gekürzt wird, wenn dies bekannt wird. Und es ist davon auszugehen, dass die meisten Arbeitgeber dies heute dem Arbeits- oder Sozialamt mitteilen. Und dann ziehen die Leute das nicht länger durch.

Im übrigen ist aber die Belastung des Staates durch Steuerbetrug weitaus höher als durch Sozialmissbrauch.

Ciao

Ralf

Hallo.

Selbstverständlich gibt es arbeitswillige Menschen. Ich schere
keineswegs alle über einen Kamm. Die Arbeitswilligen sind aber
eine Minderheit in der Masse von Leuten, die auf die laue Tour
durchkommen wollen, weil es sich ganz ohne Arbeit auch leben
läßt.

Ob die Arbeitswilligen die Minderheit oder Mehrheit sind, ist ein Punkt, über den zu streiten sich nicht lohnt. Mag auch regional unterschiedlich sein.

Ich bin allerdings von einer Sache überzeugt, die mir in diesem Thread bisher fehlt. Wer sehr lange ohne Arbeit ausgekommen ist, wird logischerweise träge und ist dann auch nicht mehr belastbar. Selbst, wenn der gute Wille vorhanden ist, liegen die Leute, gerade, wenn es um solche Knochenarbeiten wie bei der Ernte geht, spätestens am Ende des Tages in der Ecke. Die machen dann nicht krank, es sieht nur so aus. Mach einen Selbstversuch und beschäftige Dich einen ganzen Arbeitstag lang mit einer für Dich völlig ungewohnten körperlichen Tätigkeit. Am nächsten Tag miaut der Muskelkater an Stellen, an denen Du gar keine Muskeln vermutet hättest :wink: [ich denke mit Grausen an meinen ersten Tag mit der Hilti im Altbau - nach Mittag bekam ich die Arme nicht mehr über Schulterhöhe]. Außerdem : Der Durchschnittsgermane ist ein ziemliches Weichei …

An dieser Stelle liegen „Altlasten“ vor, die auch, wenn plötzlich 6 Mio. Arbeitsplätze vom Himmel fallen, nicht von heute auf morgen zu beseitigen sind. Leidensdruck kann bis zu einem gewissen Grade helfen; wenn es mir dreckig genug geht, bewege ich meinen Kadaver auch wieder. Nur von Null auf Hundert zu kommen, erfordert längere Anlaufzeit - die sich wiederum der Arbeitgeber nicht leisten kann, der die Arbeit jetzt anzubieten hat und nicht nach ### Tagen.

Übrigens : wer mehrere Jahre lang das Gefühl hatte, a) nicht gebraucht zu werden und b) auch so durchs Leben zu kommen, bei dem ist auch im Hirn ein Schalter umgelegt worden. Deswegen ist es aus meiner Sicht ein Motivationsproblem - auch wenn ich Deine Verallgemeinerungen nicht vollständig zu schlucken bereit bin. Es kommt noch hinzu, dass Langzeitarbeitslose und hauptberufliche Sozialhilfe- Empfänger sehr häufig in Ghettos leben. Da sind dann der Karle, der Schorsche und der Henner, die sich schon ewig kennen, im selben Boot, man bekommt Verhaltensweisen vorgelebt und adaptiert sie. So zieht man auch gleich die nächste Generation heran.

Ganz einfach und platt lösbar ist die Frage nicht,
meint kw

Hallo Ralf,

Um Leute zu finden. Ist halt Angebot und Nachfrage. Wenn ich
für einen Lohn von x€ keinen Arbeiter finde, ist halt
x€ zu wenig. Das ist das einzige Kriterium. Wie die
Mieten sind, ist uninteressant.

das sehe ich ein bißchen anders. Wenn ich wüßte, daß mir jemand fürs Nixtun 1.500 Euro zahlt, würde ich auch kündigen und den Herrn einen guten Mann sein lassen. Wohlgemerkt: Das ist der Betrag, bei dem ich aufhören würde, zu arbeiten, wenn mir alles andere egal wäre.

Wie ich auf die Zahl komme? Fixkosten rd. 1.000 Euro, bleibt ein Rest von 500 Euro, mit dem ich klarkäme. Wenn man nicht mehr will, als klarkommen, dann reicht das und ein Ansporn zu arbeiten, wäre dann ein Gehalt von 1.400 oder weniger nicht mehr.

Und: Wären die Fixkosten niedriger, wäre ich auch mit weniger zufrieden. Insofern spielt die Miete usw. eine Rolle und das, was mir gezahlt wird, wenn ich nicht arbeite.

Klar funktioniert die Marktwirtschaft, aber die würde in meinem Fall - und den Fällen, die Wolfgang anführt - durch die Sozial"wirtschaft" ausgehebelt.

Gruß
Christian

Moin Christian,

das sehe ich ein bißchen anders. Wenn ich wüßte, daß mir
jemand fürs Nixtun 1.500 Euro zahlt, würde ich auch kündigen

Das ist ja nicht der Fall. Schon heute kann die Sozialhilfe gekürzt oder gar ausgesetzt werden, wenn man nicht arbeitswillig ist. Insofern sind ja auch die Geschichten von den sich drückenden Sozialhilfeempfängern meistens eine Mär oder beweisen nur, dass die Kommune nicht wirklich ihre Möglichkeiten ausschöpft.

Ciao

Ralf

Hallo Wolfgang,

ja, ich kenne Feldarbeit. Zugegeben nicht in den letzten
Jahrzehnten, aber als Schüler in der Pflückerreihe stehend
Erbsen und Bohnen pflücken oder Kartoffeln sammeln, habe ich
nicht vergessen.

kenne ich auch, ist kein Vergleich mit so einer Tätigkeit wie Spargel ernten, ausserdem gab es früher nicht diesen Zeitdruck.

Polnische Erntehelfer haben sicherlich einen höheren Mehrwert des verdienten Geldes in der Heimat, würden sie sonst solch eine schwere Arbeit leisten?

Es liegt in der Natur der Sache, daß es sich bei den
angebotenen Jobs i. d. R. nicht um Traumberufe für
Hochqualifizierte handelt.

Sorry, gibt es Das überhaupt noch?

Auch das gibts: Manche Leute sind so fett und kurzatmig, daß
sie bei körperlicher Arbeit nach wenigen Minuten am Ende sind.

Fettes Vorurteil von Dir.

Mein Fazit:
Warum sollte sich Jemand für ein paar Taler die Gesundheit ruinieren,
wenn es sich für ihn finanziell überhaupt nicht lohnt.
Spargel, das schon immer ein Nahrungsmittel für begüterte Personen war - müsste einfach teurer werden.
Dann wäre es ein echter Luxus-Artikel, der von der oberen Gesellschaftsschicht, bestimmt als „Hipp“ angesehen würde und damit den Preissprung in die oberste Preisklasse geschafft hätte.

Dann würde sich die Arbeit auf den Feldern auch für deutsche Arbeiter lohnen.
Dann würde man vielleicht über Automatisierung in der Spargelernte nachdenken - oder geht Das nicht?
Dann müsste Spargel ja noch sehr viel teurer werden - echte Handarbeit.

Angebot und Nachfrage, gute Qualität und Mangelware sind immer gefragt - Das ist es doch, was Du immer predigst.

Stinkewütend!

Verstehe nicht warum.

Gruß
vom haploid