Hallo Gerd,
ich nehme an, daß Du einen Grund hast, so aggressiv zu
formulieren. Jedenfalls schreibst Du über Probleme, deren
Existenz ich nicht bestreite.
Ich reagiere so, weil hier die Tatsachen verdreht werden.
Nur mit Schlagworten hier argumentiert wird, die einfach im Zusammenhang des ganzen Vorfalles absolut keinen Sinn machen.
Es soll eine Schicht, die sowieso nicht mehr weiss, wo Ihnen das Wasser steht noch weiter ausgenutzt werden, als dass sie dieses schon sind und dafür gnadenlos und absolut falsch angeprangert werden kann.
Zeig mir hier ein Posting, wo genau so heiss diskutiert wird, wenn z.B. die Unternehmerseite absoluten Bockmist baut und hier an den Pranger gestellt wird.
Mir ist hier jedenfalls nichts darüber bekannt.
Arbeitgeber dürfen wann immer sie wollen, ob ein Grund vorhanden ist oder nicht, Leid wahllos verteilen, das macht absolut nichts.
Jedoch der betroffen davon ist, hat gefälligst die verdammte Pflicht dann wieder sofort für seinen Unterhalt zu sorgen…verlogene Welt.
Ich rede hier von politisch entlassenen Arbeitnehmern, nicht von wirklich betriebsbedingten Kündigungen, soll es ja so tatsächlich so geben.
Ob es nun telekom, Mannesmann oder Grundig ist, darüber redet keiner.
Grundig macht deswegen Konkurs damit 200 Millionen € Betriebsrenten vom Tisch sind, dafür kommt dann die Allgemeinheit auf, hat sich darüber überhaupt schon jemand hier aufgeregt?
Nicht einmal unsere Politiker haben jemals darüber ein Wort verloren. Können sie auch nicht, sie hängen ja alle damit drin.
Ich habe nichts gegen Spargelstecher für 5€ die Stunde, verstehe mich nicht falsch!
Ich habe was dagegen, dass behauptet wird, man kann sich von diesem schäbigen 5€-Job (geldmässig gesehen) eine solches Einkommen erwirtschaften, dass man auch nur ansatzweise seinen Lebensunterhalt damit erwirtschaften kann und das durchgehend über ein Jahr!!!
Und es Wohnungen gibt die wirklich 100€ kosten, haben wir hier auch, nennen sich dann Rattenlöcher.
In Lndshut kostet eine 3-Zimmerwohnung heute ab 500€ und nicht weniger, ist nun mal die nächste stadt und die nächstliegenden Dörfer richten sich nach diesen Preisen.
Ich habe was dagegen, das pauschal behauptet wird, Sozialhilfeempfänger sind nur Schmarotzer dick und fett sind, das kann und will ich so nicht hinnehmen.
Das einer von solchen am Gartenzaun steht und lästert, liegt in der Natur der Sache.
Steht genau so einer am Gartenzaun und lästert über den, der mal sein Geld mit ehrlicher Arbeit verdient hat.
Ich habe was dagegen, wenn jemand unser System nach allen Seiten ausnutzt und wenn das ein anderer macht, dann als Verbrecher und Taugenichts hingestellt.
Auch ich habe für 20 DM/h Elektronikentwicklungen mal gemacht, weil mir das Wasser bis zum Hals stand, obwohl in der Zeit für solche Tätigkeiten schon 100 DM/h üblich waren.
Der mir damals geholfen hat, den bin ich heute deswegen auch nicht böse!
Ich weiss also wovon ich rede.
Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, wo noch nicht die gebratenen Tauben durch die Gegend geflogen sind.
Ich weiss was knappe Kassen bedeutet.
Ich weiss, wenn man nicht zu Weihnachten ein Geschenk als Kind bekommt, weil es einfach nicht ging.
Darum lasse ich es heute nicht zu, alle pauschal zu verdammen, die nicht auf der Sonnenseite stehen.
Trotzdem empfinde ich auch keinen Neid, der es zu etwas gebracht hat, sondern Anerkennung, solange es mit legalen Mitteln geschehen ist.
Dennoch möchte ich Dir einen anderen Blickwinkel aufzeigen und
da beginne ich doch mal mit einer privaten Geschichte: Im
Sommer 1987 oder 1986 habe ich in den Ferien gearbeitet,
warum, weiß ich gar nicht mal mehr. Ich glaube, das hatte
irgendwas mit „Verantwortung“ und „eigenes Geld
verdienen“-Gerede meiner Eltern zu tun.
Eine Woche lang habe ich 6 Stunden täglich Werbezettelchen
eingetütet, die Briefumschläge frankiert, mit Adressaufklebern
beklebt und spätet nach Postleitzahlen sortiert. Dafür bekam
ich 5 DM die Stunde. Außerdem habe ich die ganzen Ferien ca. 2
Stunden am Tag in einem Supermarkt Ware in die Regale geräumt,
Bestellungen ausgefüllt und Bestände kontrolliert. Dafür
erhielt ich den fürstlichen Stundensatz von DM 10.
Ich habe sowas auch freiwillig gemacht.
Wie es meinen Eltern nach den Kriegswirren dann besser ging, haben wir uns unser Taschengeld im eigenen Haushalt verdienen müssen, hat uns nicht geschadet.
Seit mindestens drei Jahren (solange wohne ich jetzt hier)
hängt beim Supermarkt um die Ecke ein Zettel an der Pinwand,
daß man eine Aushilfe sucht für ca 10 Stunden wöchentlich für
die Zeit von 7.30-9.30 Uhr oder (wahlweise) für 18.30-20.30
Uhr (Regaleinräumkram usw.). Stundenlohn 8 Euro (früher DM
15). Ich habe vor etwa einem Jahr in einer ruhigen Minute mal
eine Mitarbeiterin gefragt, ob der Zettel da nur zum Vergnügen
hängt oder die Stelle tatsächlich seit 3 Jahren nicht besetzt
werden kann.
Anscheindend findet sich immer mal wieder ein Interessent, der
aber nach ein paar Tagen anfängt runzumosern und dann nach dem
ersten Zahltag nie wieder gesehen ward. Wohlgemerkt: Ich wohne
in der Düsseldorfer Innenstadt, hier wohnen reichlich Menschen
(inkl. Kinder) und die Verkehrsanbindung könnte besser nicht
sein.
Hier stimmt was nicht, das nehme ich so nicht hin, ein Haken muss dran sein. Will auch nicht drüber urteilen was da los sein könnte, komisch ist die Sache schon, fast unglaubwürdig.
Sag mir Gerd, in einer Stadt, die immerhin eine
Arbeitslosenquote von knapp 9% hat, sollte sich doch ein
Mensch finden lassen, der Interesse daran hätte, rd. 320 Euro
monatlich nebenbei zu verdienen. Wieso findet sich da keiner?
Ich kann es Dir so nicht beantworten.
Ich meine, hey, ich würde das machen, wenn ich dürfte. Abends
um die Zeit hänge ich eh nur vor dem Fernseher rum.
Warum darfst Du das nicht machen?
Nochmal zum Vergleich: 5 DM pro Stunde vor ca. 15 Jahren im
Vergleich zu 8,-- Euro 2003. Wieso wird der Job im Supermarkt
nicht gemacht? Waren wir damals alle soviel blöder als die
Kinder heute? War unsere Zeit weniger wert? Sind die Ansprüche
gestiegen? Oder sind Menschen, die arbeiten vielleicht
tatsächlich ein bißchen dumm?
Ganz einfach, sehr vielen Kindern geht es heute verdammt besser um nicht zu sagen zu gut, als zum Beispiel meiner Generation damals.
Meine Tochter bekam mit 9 Jaren pro Woche zwei Mark, ein Mitschüler ihrer Klasse bekam 100 DM (einhundert) pro Woche Taschengeld, richtig oder falsch?
Ich habe meiner Tochter nie solche bescheidenen Zeiten spüren lassen, auch wenn es mal was nicht ganz so lief, wie es sein sollte.
Ich will und wollte es nie, dass meine Tochter solche Zeiten durchmachen muss, welche ich schon hinter mir habe!
Solange ich kann, wird sie sowas nicht erleben müssen!
Naja, sie ist jetzt erwachsen und braucht mich wohl nicht mehr um den Lebensunterhalt zu sichern.
Die Antwort weiß ich nicht aber vielleicht kannst Du mir
helfen.
Und noch eins zu den Löhnen und Gehältern: Ich habe
zugegebenerweise leicht reden, weil mein Stundensatz weit
jenseits dessen liegt, was ein Feldarbeiter verdient, aber
irgendwas in Deiner Argumentation funktioniert nicht. Solange
die Bevölkerung bei der Auswahl der zu erwerbenden Waren
primär den Preis zugrundelegt, wird bei den Löhnen gespart, wo
es nur geht.
So ist das heute leider.
Ich habe während meiner gesamten Tätigkeit bei Siemens (10 Jahre) nur einmal um Gehaltserhöhung bitten müssen, sonst kam die von allein und nicht Almosen sondern Gehaltserhöhung, wohl für Euch heute ein Fremdwort?
Ohne dass ich kämpfen musste, schaffte ich es vom Lohnempfänger bis zur Gehaltsgruppe 6/4 in dieser Zeit, allein nur durch Leistung und nicht durch Radfahren und Labern!
Ich ging zum Bund, da gab es kaum Elektronik, als ich zurück kam, war Digitaltechnik IN und ich musste in absolut kurzer Zeit diese Technik erlernen weil ich im Prüffeld Magnetbandgeräte mit dieser Technik prüfen musste.
Nach Feierabend und ohne Hilfsmittel wie etwa Lehrbücher, gab nichts darüber, habe ich es dann geschafft diese Technik zu beherrschen.
Ich bekam nach 3 Monaten!!! eine Sonderprämie für den besonderen Einsatz.
Ich habe sowas nicht mehr erlebt!
Damals wurde Leistung anerkannt, heute nur noch Laberei und Ellenbogencheck, sonst zählt nichts mehr.
Bei den Löhnen für die Kassiererinnen, bei den
Löhnen für die Mitarbeiter in der Logistik und bei den Löhnen
für die Erntehelfer. Würden dort Löhne bezahlt, die Du
anscheinend für gerecht hälst, wären die Waren im Supermarkt
um ein Mehrfaches teurer.
und der Vorstand der Deutschen Bank kassiert 6,5 Mill. / Jahr an Gehalt plus etliche „Sonderzulagen“, das passt nicht mehr.
Fliegt er dann raus weil auch die Herrschaften mal Bockmist bauen, gibt es als Belohnung für ihn eine zweistellige Millionenabfindung und damit alle was davon haben noch als Sondergabe eine tausendköpfige Entlassungswelle.
Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Wertschöpfung nicht
allzu groß ist, wenn die Ware aus den Kartons in die Regale
geräumt wird. Jedenfalls nicht so groß, wie beim Erzeugen von
Wurst aus Schlachtabfällen. Es ist also utopisch zu erwarten,
daß der Supermarktregaleinräumer 15 oder 20 Euro je Stunde
erhält und ähnliches gilt für den Spargelstecher oder den
Wasserintomatenfüller.
Ne, ich hab den Bericht im Fernsehen gesehen über den Ossi-Spargelanbauer im dunkelblauen Anzug auf dem Feld. Witzig?
Es wird immer Jobs mit unterschiedlicher Bezahlung geben, was mich nur stört, ist Ausbeutung gelinde gesagt.
Komischerweise war es früher kein Problem, für die o.g.
Beträge Jugendliche zu finden, die die Arbeit machten und sich
über das zusätzlich verdiente Geld freuten. Heute ist das
anscheinend nicht mehr so.
Ich habe das Geld damals aber eigentlich gar nicht gebraucht.
Leichtsinnigerweise ging ich bis dato davon aus, daß ein
Arbeitsloser Sozialhelferempfänger jedoch um jeden Euro froh
ist, den er zur Stütze hinzuverdienen kann.
Siehste und genau da liegst Du absolut falsch mit dem Hinzuverdienen von Sozialhilfeempfängern.
Er kann was dazu verdienen, wird ihm aber sofort wieder abgezogen, ausser einem Spottbetrag, was im Prinzip nicht verkehrt ist.
Hier liegt aber das Problem, keiner weiss, wie Sozialhilfe funktioniert, jeder setzt irgendwas in die Welt, aber kaum einer trifft die Wahrheit oder weiss die Zusammenhänge genau und jeder sucht sich dann den Teil raus, den er für seine Argumentation braucht.
Ich kenne auch nicht alle Zusammenhänge, halte aber dann meinen Mund, wenn ich es nicht genau weiss!
Lies im Brett Recht oder Behörden nach, ich weiss es nicht mehr genau wo, hatten wir dort solch einen Fall, der von den Ämtern geknebelt wird, so dass er nicht mehr aus der Sozialhilfe rauskommt, ausser mit Glück oder grossem Beschiss gegenüber den Behörden.
Jeder wusste da was Tolles, arbeite im Supermarkt, geh Putzen und lauter solchen Käse, jedoch keiner kannte eine Lösung, die auch nur ansatzweise aus der Mieserie raushalf.
Auch das ist heute ein gesellschaftliches Problem, erzähl jedem nur so viel, dass er glaubt es wurde ihm geholfen, aber nicht wirklich weiter hilft.
Denn daraus könnte ja der Fall eintreten er macht daraus mehr Gewinn als ich.
Falsch?
Also wieso genau nochmal können Jugendlich die gleiche Arbeit
heute nicht mehr machen und wieso ganz genau sollte sich ein
Arbeitsloser das nicht antun?
Das hatten wir schon bei der Sozialhilfe.
Ganz begriffen habe ich die Argumentation nämlich nicht.
Nicht?
Bei der ganzen Debatte über die Sozialhilfe und daraus die künftige Sozialhilfe, daraus das berühmte Arbeitslosengeld 2 was ja nichts anderes ist als Sozialhlfe, wird mir persönlich schlecht.
Was bedeutet das denn?
Du bist schneller ein Sozialhilfeempfänger als Du laufen kannst, denn 12 Monate arbeitslos ist bei den heutigen Verhältnissen keine Zeitspanne mehr und dann kannst Du mal schauen, wie Du daraus kommst, denn Du wirst dann per Gesetz gezwungen jede Arbeit anzunehmen, egal was der Job bringt an Kohle.
Du bist ab jetzt ein Sozialfall und wirst es immer bleiben, denn darauf wartet Hartz & Co. doch bloss, Fachkräfte zum Soziallohn.
Jeder Einstellchef gehört dann sofort entlassen, der dann noch teure Spezialisten einstellt, denn die gibt es nach einer jährlichen Pause für die berühmten Almosen.
Es wird sogar Reinigungspersonal mit Doktortitel geben, endlich mal was gescheites in dieser Branche…sehr zynisch von mir.
Wäre ich Unternehmer, würde so handeln, ganz ehrlich gesagt.
Was meinst warum die Arbeitgeberverbände so scharf auf die Umsetzung dieser AGENDA 2010 sind. Hast Du Dir diesen Sachverhalt mal so angesehen?
Und ganz besonders die Arbeitgeber, die heute schon mit den Ellenbogen alles beiseite räumen, was ihnen im Weg ist, für die fängt das goldene Zeitalter an.
Auch die Gewerkschaften werden an dem künftigen System dann nichts mehr ändern, denn sie spielen indirekt ja schon als Arbeitgeber da fleissig mit.
So, nun zu den Behörden, die hier eingangs angeprangert werden, nichts zu unternehmen, kann man abstellen wenn einem das nicht passt.
Ich bin so frei und schnappe mir die Führungskräfte und stelle sie zur Rede, aber dazu ist nun mal ein Grossteil zu feige das zu tun.
Nur meckern gilt.
Will ich was verändern, oder sehe ich Misstände, habe ich Möglichkeiten mich darüber an passender Stelle zu äussern und mich aufzuklären lassen. Ist es in diesem Fall, den wir hier diskutieren geschehen, sicherlich nicht, denn es wird nur auf Behörden rumgehackt, sonst nichts.
Wir haben noch keine Diktatur, wo man für solche Fragen dann hinter Gittern landet.
Der zuständige Landrat wäre doch mal eine gute Anlaufstelle um zu fragen, warum es keine deutschen Spargelernter gibt.
Bin auf die Antwort gespannt.
Langen die Erklärungen?
Ich wünsche Dir ein schönes WE
Gerd
PS: nicht dass Du mich nicht falsch verstehst, will nicht agressiev wirken, sage aber deutlich meine Meinung, schleimen und rumeiern liegt mir nicht.
Wer sich in Gefahr gibt, muss sie auch ertragen können, meine ganz persönliche Meinung.