Hallo!
Ihr habt beide die Frage voll verfehlt: Die lautete. Hätte der
Genosse Stalin seinem Ableger in Deutschland den Befehl
gegeben, auch unter Verrat all ihrer Ideale, mit den
Sozialdemokraten zusammenzuarbeiten um Hitler zu verhindern??
Also, wenn ich die Überschrift lese, dann steht da „Wer hat Hitler an die Macht gebracht“. Hitler ist am 30.Januar 1933 an die Macht gekommen. Verantwortlich war dafür Reichspräsident von Hindenburg, der aufgrund der Situation im Reichstag (die NSDAP stellte die größte Fraktion) an Hitler kaum vorbei konnte, nachdem die Schleicher-Regierung gescheitert war. Für die Zusammensetzung des Reichstages wiederum zeichnet die deutsche Wählerschaft verantwortlich und niemand anders. Stalin hatte mit der Ernennung Hitlers zum Kanzler ungefähr so viel zu tun wie ein Kuh mit der Mondfinsternis.
Und nur mal zur Orientierung: am 6. November 1932 zogen 100 KPD’ler und 121 SPD’ler in den Reichstag ein (Summe linker Flügel: 221 Abgeordnete). Dem gegenüber standen 196 NSDAP’ler sowie 52 DNVP’ler (Summe rechter Flügel: 248 Abgeordnete).
Wie, bitte schön, hätten eine Koalition aus KPD und SPD die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler verhindern können?
Bleibt man bei den Fakten, dann ist die Spekulation um irgendwelche Aktionen Stalins als „Frage verfehlt“ zu bezeichnen, nicht aber die Antwort auf die parlamentarische Situation im Deutschen Reich am 30. Januar 1933.
Nicht erst 1932 sondern schon viel eher, Wahlen waren ja
damals alle paar Monate und die Ergebnisse waren ja ablesbar.
Das hätte zwar Stalin nicht gerade gefallen, aber nach der
allgemeinen Meinung, dass Hitler Krieg bedeutet, hätte der
Genosse Stalin als friedliebender Sowjetbürger eigentlich
alles dafür tun müssen um den zu verhindern.
Das ist eine Interpretation aus heutiger Sicht. Noch nach der Ernennung zum Kanzler waren große Kreise der nationalen Politik und Wirtschaft der festen Überzeugung, Hitler würde genau so scheitern wie seine Vorgänger Müller (SPD), Brüning (Zentrum), von Papen (Zentrum) und Schleicher (parteilos). Weder die breite Masse noch die politische Spitze des Auslandes in West und Ost hat die Möglichkeit eines Krieges ins Auge gefasst. Die Reichswehr bestand 1933 aus 100.000 Mann. Offiziell gab es keine Luftwaffen-Piloten (obwohl die Reichswehr jährlich 240 ausbildete - und das ausgerechnet in Stalins Sowjetunion!) und keine Kampfflugzeuge, die Reichsmarine war mit 36 Schiffen (keine U-Boote!) und 15.000 Mann ein Witz. Deutschland war im Januar 1933 militärisch alles andere als eine Bedrohung.
Die später erfolgte Aufrüstung in allen Waffengattungen konnte niemand kennen und auch niemand erahnen, denn es setzte politische Veränderungen voraus, die damals unvorstellbar waren, weil sie massiv gegen bestehende Verträge verstießen: Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht, Besetzung des Rheinlandes, Aufkündigung der militärischen Beschränkungen des Versailler Vertrages, Umstellung der Wirtschaft auf Kriegsproduktion (und das zu einem Zeitpunkt, wo die Wirtschaft in Deutschland völlig am Boden lag).
Die Kenntnis über die militärischen Ziele Hitlers ist eine Bewertung aus heutiger Sicht und war 1932/33 anhand der aktuellen Situation kaum vorhersehbar. Heute lacht sich ja auch jeder schlapp über die Aussage, Ahmadinedschad strebe die militärische Vorherrschaft Irans zwischen dem Himalaya und dem Suezkanal an.
Grüße
Heinrich