Wer kann noch richtig zuhören?

Was ist los mit unserer Gesellschaft? Wo liegen die Ursachen für die verlorene alte Zuhör-Kultur?

Öffentliche Diskussionsrunden in Funk und Fernsehen verkommen zu Palavergesprächen. Man fällt sich ins Wort und lässt den anderen nicht ausreden.

Auch im Alltag nehme ich zunehmend war, dass den meisten Zeitgenossen das Zuhören schwer fällt.

Die Manie, den Erzähler zu unterbrechen, um seine eigene Wahrnehmung oder Sicht auf die Dinge darzutun, ist weit verbreitet.

Zuhören sollte eine Grundlage der menschlichen Kommunikation sein. Denn wer nicht zuhört dem entgehen doch dabei viele wichtige Informationen.

Müssen bzw. können wir die Kultur des Zuhörens wieder erlernen?

Gruß

Peter

Theater Leben

Öffentliche Diskussionsrunden in Funk und Fernsehen verkommen
zu Palavergesprächen. Man fällt sich ins Wort und lässt den
anderen nicht ausreden.

Das ist Theaterspiel. Da es ja den üblicherweise bildzeitungslesenden Otto Normalverbraucher weder interessiert, noch er verstehen könnte, worum es dabei geht ist das auch nicht wichtig. Auch ein Grund, warum ich keinen Fernseher habe.

http://klafuenf.de/img/christiansen.gif

Auch im Alltag nehme ich zunehmend war, dass den meisten
Zeitgenossen das Zuhören schwer fällt.

Ich glaube, dass liegt bei dir wie auch bei mir daran, dass man mit Alter, Erfahrung und Ruhe das einfach mehr wahrnimmt.

Die Manie, den Erzähler zu unterbrechen, um seine eigene
Wahrnehmung oder Sicht auf die Dinge darzutun, ist weit
verbreitet.

Und unter Männern mehr als unter Frauen. Aber ich arbeite daran.

Müssen bzw. können wir die Kultur des Zuhörens wieder
erlernen?

Ja, aber nicht mehr mit 40. Das sollte schon ganz früh anfangen. Aber Frontalunterricht ist dazu wohl nicht geeignet. Eher Gruppenarbeit nach nordischem Vorbild.

Gruß

Stefan

hi,

gute verkäufer, die können das! weil sie wissen, wie wichtig es fürs geschäft und gleichzeitig angemehm für den käufer ist.

ich kenne einen verkäufer der altern schule (jetzt in rente) dem wurde in den 60er jahren in der ausbildung beigebracht:

„der mensch hat einen mund und zwei ohren.“

na?

Hallo,

im beruflichen Bereich findet man viele Zuhörer: Vekäufer, Ärzte,
Psychologen, oftmals auch Musiker, Autoren und bildende Künstler,
deren Beruf damit zusammenhängt die Umgebung oder das Gegenüber
wahrzunehmen.

Aber im Allgemeinen stimmt es, dass die meisten Menschen schlechte
Zuhörer sind - ob das „früher anders“ war kann ich nicht beurteilen.

Ich denke das fängt schon im Kleinkindalter an. Ich beobachte oft,
wie mein kleiner Sohn etwas zu einem Erwachsenen sagt, aber nicht
wahrgenommen wird, ob das mit der kindlichen Sprache, der Körpergröße
oder sonst was zu tun hat, es hat zur Folge, dass er entweder lauter
wird oder sich dafür entscheidet mit der Peson doch nicht zu reden.
Umgekehr verlangen die Erwachsenen oft, dass die Kinder still ein
sollen, zuhören sollen - eine etwas einseitige Forderung.

Ein Gespräch ist ja bekanntlich ein Dialog, d.h. interaktiv. Einer
redet während der andere zuhört und das wechselweitig. Es geht aber
auch um die Qualität des Zuhörens (aktives Zuhören), was bedeutet,
dass man sich aktiv darum bemüht das Gesagte des anderen zu
verstehen. Es setzt allerdings auch voraus, dass das was gesagt wird
für den Empfänger interessant ist. Die Voraussetzung ist also auch,
dass man den richtigen Gesprächstpartner hat.

Und ja, man kann das Zuhören lernen - indem man selbst aktiv zuhört
und den anderen ausreden lässt, auf das Gesagte eingeht und wenn man
selbst beim Sprechen unterbrochen wird, den anderen freundlich darauf
hinweisen, dass man aussprechen möchte.

Fernsehsendungen würde ich da nicht als Vorbild nehmen, sondern das
reale Leben.

Viele Grüße

1 „Gefällt mir“

Hallo Peter,

dazu ein Zitat von Wilhelm Busch (1832 - 1908), das so in meinem Wohnzimmer hängt, dass jeder Gast beim Betreten quasi mit der Nase darauf gestoßen wird:

„Die gute Unterhaltung besteht nicht darin, dass jemand etwas Gescheites sagt, sondern dass man etwas Dummes anhören kann.“

Zu Talkshows udgl.: Dort ist das Verhalten der Teilnehmer/innen häufig getragen von Selbstdarstellung - das erkennt man zum Einen daran, WER wie oft an derartigen Veranstaltungen teilnimmt und zum Anderen, dass viele Zuschauer/innen die Vielredner/innen offenbar besser im Gedächtnis behalten. Würden wir als Fernsehzuschauer z. B. konsequent ausschalten oder wegzappen, wenn derartiges Verhalten gezeigt würde, wären vermutlich bald wieder „gesittetere“ Formate am Start . . .

Nachgedanke
ich empfinde es allerdings als harte Strafe, aus purer Höflichkeit Dummheiten, Floskeln und Banalitäten anhören zu müssen.

Wir kennen den Ausdruck „an jemandes Lippen hängen“, also ganz aufmerksam zuhören. Damit will ich sagen, dass sowohl der Inhalt als auch die Art und Weise, wie jemand spricht, Einfluss hat auf das Zuhören (können). Menschen, denen wir eine hohe Autorität i. S. von Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Kompetenz (z. B. Papst, Helmut Schmidt oder H.-J. Genscher) zugestehen, sprechen häufig leise, weil man hören will, was die zu sagen haben.

Ist dagegen ein Guido Westerwelle zum x-ten Male bei Christiansen und quäkt in die Runde, möchte man sofort abdrehen.

Also auch der Redner möge gut vorbereitet sein und die Zuhörer nicht unnötig auf eine Geduldsprobe stellen.

Hi Peter,

Was ist los mit unserer Gesellschaft? Wo liegen die Ursachen
für die verlorene alte Zuhör-Kultur?

Ist dem so?

Öffentliche Diskussionsrunden in Funk und Fernsehen verkommen
zu Palavergesprächen. Man fällt sich ins Wort und lässt den
anderen nicht ausreden.

Kommt drauf an was man hört / sieht.

Auch im Alltag nehme ich zunehmend war, dass den meisten
Zeitgenossen das Zuhören schwer fällt.

Du kannst Dein soziales Umfeld wählen. Wenn Du etwas vermisst, so kannst Du es in einer Pause (z.B. wenn Dein Gegenüber nach Luft schnappt) ansprechen.

Die Manie, den Erzähler zu unterbrechen, um seine eigene
Wahrnehmung oder Sicht auf die Dinge darzutun, ist weit
verbreitet.

Das mag unterschiedliche Gründe haben, z.B.

  • manche Menschen kommunizieren auf unterschiedlichen Ebenen und verstehen einander nicht
  • manche Meschen kommunizieren zu langatmin
  • manche Menschen geben den verbalen Austausch nur vor und möchten nur ihre eigene Meinung äußern
  • manche Menschen vereinsamen in der zunehmenden Singlegesellschaft trotz Internet. Mag sein, dass manche Menschen daraufhin dazu neigen, wenn sie mal die Möglichkeit haben, jemanden mit Worten zuzuschütten, sei es persönlich, telefonisch, schriftlich… auch hier bestünde dann weniger Bedürfnis nach Austausch sondern mehr nach einem „Auskotzen“, „Selbstdarstellung“…
  • Manche Menschen reden ohne etws inhaltlich zu sagen. Möglicherweise muss diese Leere dann mit noch mehr weiteren leeren Worthülsen gefüllt werden.
  • manche Menschen können nicht zuhören, weil es sich in ihrem Leben nur um sie selbst dreht
  • manche Menschen wollen nicht zuhören, weil das Auseinandersetzen mit dem Gesprächsstoff bei einem selbst Änderungen im Denken, Handeln nach sich ziehen könnten oder gar sollten. Und wenn man Angst vor Veränderungen hat bzw. nicht um das Wie weiß, ist ein Nicht-Zuhören eine gute Möglichkeit, wenn auch die verkehrteste Wahl.

Zuhören sollte eine Grundlage der menschlichen Kommunikation
sein. Denn wer nicht zuhört dem entgehen doch dabei viele
wichtige Informationen.

Kommt drauf an. Wenn der Gesprächspartner nur Dampf plaudert, dann nicht. Doch wie schon geschrieben, jeder Mensch hat die Wahl sich seine Gesprächspartner frei auszusuchen, zumindest in einem bestimmten Rahmen. Und wenn Du z.B. bei jemanden Potential siehst, denkst Du würdest gerne mit jemanden Dich austauschen, doch er kann nicht zuhören oder zu wenig, dann spreche ihn offen drauf an. Frage doch einfach, ob es ihn / sie auch interessiert was Du denkst? Sage nicht unterbrochen werden zu wollen bzw. frage Deinen Gesprächspartner weshalb er Dich unterbricht? Vielleicht versteht er Dich nicht oder er hat Dich schon längst verstanden und Du drückst gerade dasselbe in der 583. Variante aus…

Müssen bzw. können wir die Kultur des Zuhörens wieder
erlernen?

Wenn man meint, jemand kann nicht zuhören und der Mensch wirkt dennoch interessant, dann dieses Manko thematisieren. Manchen Menschen ist es auch nicht mal bewußt, dass sie ihre Gesprächspartner oft bzw. zuoft unterbrechen.

Unterbrechnungen kenne ich auch wenn man von z.B. etwas sehr begeistert ist. Man hat Angst die Ideen zu vergessen. Doch da muss man sich halt Eselsbrücken bauen oder einfach ein kurzes Stichwort aufschreiben.

Am Anfang steht der Wille zu einer gelungenen Kommunikation und das müssen alle Beteiligten wollen.

Gruß

Peter

Ciao,
Romana

Hi Peter,
Am Anfang steht der Wille zu einer gelungenen Kommunikation
und das müssen alle Beteiligten wollen.
Ciao,
Romana

Hallo Romana,

ich danke dir für deine umfangreichen Ausführungen. Du magst im großen und ganzen recht haben. Ich habe halt meine subjektive Meinung zu meinen Beobachtungen im Alltag zum Ausdruck gebracht.

Deinen o. g. Kernsatz werde ich mir zum Prinzip machen.

Grazie (auch allen anderen)

Peter

Hallo,

ich wollte dem Zitat gerade widersprechen, aber besann mich dann doch
noch Dich „ausreden zu lassen“ und habe den Nachgedanken gelesen.

Ich finde wirklich auch, dass ich mir keine Banalitäten zumuten muss,
wenn mir nicht danach ist. Manchmal ist sinnloses Palaver auch ganz
nett, aber eben nur manchmal.

Deswegen würde ich mir das Zitat nicht an die Küchenwand hängen.

„Ich höre Dir zu wenn Du mir was zu sagen hast!“ fände ich viel
besser…

Viele Grüße

Hinhören, hinlesen, hinargumentieren
.

Lieber Peter,

ich glaube nicht, daß ich zu einem laudator temporis acti, zu einem kulturpessimistischen Besinger des „Früher-alles-besser“ werde, wenn ich Deine Beobachtungen bestätige.

Es wird allerdings nicht nur weniger zugehört, sondern - entscheidender noch - weniger hingehört, hingelesen, hingeantwortet.

Die in der Mängelrüge implizite Forderung ist nicht so sehr eine nach der Höflichkeit („Solange der Andere Geräusche macht, schweig’ ich höflich und laß’ mich geduldig, zumindest äußerlich geduldig, beschallen…“ „Wenn der Andere sich schon der Mühe unterzogen hat, einen Text zu verfassen, so schweife ich höflich zumindest einen Augenblick seinen Zeilen entlang…“ „Wenn der Andere schon einen gewissen Eindruck von Argumentation hinterlassen hat, so werd’ ich höflich zumindest einen Anschein von Darauf-Eingehen erwecken wollen…“), sondern eine nach der Substanz: Man möge intensiv hinhören, mit präsenter Seele horchen, nicht allzu selten aufhorchen; man möge intensiv hinlesen, den Text mehrmals und mehrfach auf sich wirken lassen, ihn setzen lassen, den Subtext sprechen lassen; man möge dem tatsächlich Gemeinten hinantworten, dem Anderen - ob man mit ihm einig sei oder nicht - begegnen.

Ich bin seit Anfang der sechziger Jahre überzeugt, daß in der Tat die Lesekultur (es handelt sich um ein Phänomen des Lesens, auch eben des horchenden Lesens, des „Hinlesens“, der „Hinwendung“, auch der „Lese“-Fähigkeit als solcher überhaupt) schwindet.

Man kann dazu mehrere Erscheinungen aufzählen, welche zum Teil mit-verursachen, zum Teil mit-aufzeigen: Die Merkantil-Veränderungen in der Auffassung von Bildung als „Schlüssel-Fertigkeit“ (Sowohl mit dem Akzent auf den ersten, als auch auf den zweiten Bestand der Wort-Zusammensetzung…); das Fersehen mit seiner „neapolitanisierenden“ Transformation von allem und jedem in billig-effekthascherische totaldigitale „Commedia dell’arte“ mit 90 Sekunden Maximal-Spannungsbogen; die Verdemagogisierung des Demokratie-Begriffes; der epochale Siegeszug des Internets, an dieser Stelle freilich nicht so sehr mit seinen Anteilen „Paranoidisierung“, „Latrinenparolisierung“, „Förderung aggressiver Empathieverweigerung“, „Züchtung freiflottierender Aggressionspotentiale“ (obwohl sie alle sicherlich am Rande miteinfließen), und schon gar nicht in seinen die kulturelle Entwicklung ins Positive verwandelnden Aspekten, sondern mit seinem vielfältigen „Sog zur Derealisierung“, seiner „Platzhirschenzüchtung“, kurzum seinem Hang zum umfassend & alltäglich Sektiererischen und zur semi-stabilen Sekten- (Subsekten-)Bildung.

KORREKTUR:

Leider irrtümlich abgeschickt. Der obige Beitrag ist noch nicht fertig. Ich bitte darum, ihn noch nicht zu beantworten. Der restliche Beitrag wird sich unter den ersten Teil einreihen. Ich bitte darum, etwaige Antworten unter den - im Moment noch nicht erschienen - zweiten Teil zu setzen.

Bedaure die Ungeschicklichkeit

abifiz
zerstreuter Professor

.

Lieber Peter,

ich glaube nicht, daß ich zu einem laudator temporis acti, zu
einem kulturpessimistischen Besinger des „Früher-alles-besser“
werde, wenn ich Deine Beobachtungen bestätige.

Es wird allerdings nicht nur weniger zugehört, sondern -
entscheidender noch - weniger hingehört, hingelesen,
hingeantwortet.

Die in der Mängelrüge implizite Forderung ist nicht so sehr
eine nach der Höflichkeit („Solange der Andere Geräusche
macht, schweig’ ich höflich und laß’ mich geduldig, zumindest
äußerlich geduldig, beschallen…“ „Wenn der Andere
sich schon der Mühe unterzogen hat, einen Text zu verfassen,
so schweife ich höflich zumindest einen Augenblick seinen
Zeilen entlang…“ „Wenn der Andere schon einen gewissen
Eindruck von Argumentation hinterlassen hat, so werd’ ich
höflich zumindest einen Anschein von Darauf-Eingehen erwecken
wollen…“
), sondern eine nach der Substanz: Man möge
intensiv hinhören, mit präsenter Seele horchen, nicht allzu
selten aufhorchen; man möge intensiv hinlesen, den Text
mehrmals und mehrfach auf sich wirken lassen, ihn
setzen lassen, den Subtext sprechen lassen; man möge dem
tatsächlich Gemeinten hinantworten, dem Anderen - ob man mit
ihm einig sei oder nicht - begegnen.

Ich bin seit Anfang der sechziger Jahre überzeugt, daß in der
Tat die Lesekultur (es handelt sich um ein Phänomen des
Lesens, auch eben des horchenden Lesens, des
„Hinlesens“, der „Hinwendung“, auch der
„Lese“-Fähigkeit als solcher überhaupt) schwindet.

Man kann dazu mehrere Erscheinungen aufzählen, welche zum Teil
mit-verursachen, zum Teil mit-aufzeigen: Die
Merkantil-Veränderungen in der Auffassung von Bildung als
„Schlüssel-Fertigkeit“ (Sowohl mit dem Akzent auf den ersten,
als auch auf den zweiten Bestand der Wort-Zusammensetzung…);
das Fersehen mit seiner „neapolitanisierenden“ Transformation
von allem und jedem in billig-effekthascherische totaldigitale
„Commedia dell’arte“ mit 90 Sekunden Maximal-Spannungsbogen;
die Verdemagogisierung des Demokratie-Begriffes; der epochale
Siegeszug des Internets, an dieser Stelle freilich nicht so
sehr mit seinen Anteilen „Paranoidisierung“,
„Latrinenparolisierung“, „Förderung aggressiver
Empathieverweigerung“, „Züchtung freiflottierender
Aggressionspotentiale“ (obwohl sie alle sicherlich am Rande
miteinfließen), und schon gar nicht in seinen die kulturelle
Entwicklung ins Positive verwandelnden Aspekten, sondern mit
seinem vielfältigen „Sog zur Derealisierung“, seiner
„Platzhirschenzüchtung“, kurzum seinem Hang zum umfassend &
alltäglich Sektiererischen und zur semi-stabilen Sekten-
(Subsekten-)Bildung.

Doch…

kommt es mir vor, daß im Kern die wirkende Kraft eine andere sei; eine die womöglich direkt oder indirekt mit mancherlei aus dem bisher Ausgeführten mitverwoben sein mag, jedoch als eigenständige „Kontinentalverschiebung“ gelten dürfte: die im Westen schleichend zunehmende Verwandlung der Charaktersozialisation in eine (zumindest in der Hauptinzidenz und zumindest hauptsächlich) narzißtische.

Daß des Narziß „Gespräche“ Spiegel-„Reflexionen“ waren (sind), ist sprichwörtlich. Wichtiger: Ihm fehlen schlichtweg einige der instrumentellen Voraussetzungen des Hinhörens und Verstehens auch in dem günstigeren Fall, daß sonst ein einigermaßen effizientes Ersatzinstrumentarium für eine „indirekte Hinwendung“ aufgebaut wurde.

So wird der eine trotz Bildung und Erfahrung „selbstspöttelnde Ironie“ einfach nicht zu „lesen“, zu verstehen vermögen; der andere einer Antenne für die „Hauptintention“ des „Gedeuteten“ ganz einfach ermangeln; der dritte „gut erfassen“, sich indes nicht „mitschwingend einfühlen“ können.

Solche Phänomene werden zu unfreiwilliger ganz und gar „unneapolitanischer“ Komik führen, wenn zun Beispiel mehrere Gebildete nach unerkannten deftigen antizivilisatorischen Ausrutschern sich ganz ehrlich und recht wohlmeinend über eine entsprechende Vorhaltung empören, nicht aber über die Ausrutscher, da sie jene ganz und gar nicht wahrnehmen können, fehlt ihnen doch dazu komplett das entsprechende Sensorium; oder sie im ernst sich eitel über die Eitelkeit eines dritten unterhalten, dessen Selbstbespöttelung sie einfach dem Grunde nach nicht zu „lesen“, zu deuten vermögen;

doch…

der Modalfall wird das nicht sein, daß sich jemand auf dem Umweg im großen und ganzen gelungen - bis auf die gelegentliche Komik - einem „Horchen, Lesen & Verstehen“ annähern wird! Der Modalfall wird das kraße ungeschminkte Fehlhören, Fehllesen, Fehlverstehen, das Gar-nicht-des-Verstehens-Bedürfens, ja das Sich-durch-das-Überhauptverstehen-gestört-Fühlen, letzlich auf den ersten Blick vielleicht paradoxerweise, auf den zweiten jedoch folgerichtig „Gar-nicht-verstanden-werden-Wollen“, „Gar-nicht-ertragen-können-verstanden-zu-Werden“.

abifiz

.

Kommunikationszombies
Hallo Peter,

ich höre zu. Auch mir wurde, schon als Kind, beigebracht, dass ich zwei Ohren aber nur einen Mund habe. Die Natur hat das schon richtig gemacht = Hören ist, zweifelsfrei, doppelt so wichtig wie Reden.
Unseren Kindern haben wir es vorgelebt und bewusst beigebracht. Sie hören zu. Wir hören einander zu. Weil es wichtig ist!

In unserer Umwelt führt dies manches Mal zu kuriosen und für den Gegenüber zu irritierenden Situationen :wink:

Beispiele:
Meine Frage: Wie geht es Ihnen?
Meist wird, aus welchen Gründen auch immer, auf meine Frage nicht eingegangen, sie wird übergangen.
Ich wiederhole dann meine Frage: Ich habe Sie gefragt, wie es Ihnen geht.
Verdutzte bis erschreckte Gesichter und stotternde Antwort: Gut oder manchmal eben auch schlecht (aber ich kann davon ausgehen, dass die Antwort dann auch zutreffend ist). Wenn ich als Antwort höre, dass es meinem Gegenüber nicht so gut geht, frage ich nach und biete, sofern ich mir es vorstellen kann, meine Hilfe an oder drücke eben mein (aufrichtiges) Bedauern aus.
Manchmal kommt die Gegenfrage weshalb mich das denn interessieren würde. Wahrheitsgemäß erläutere ich dann (beispielsweise): Weil Sie mein Kunde sind und es mir wichtig ist, dass es Ihnen gut geht. Oder, schlichter: Weil ich ein Interesse daran habe, wie es Ihnen geht.

Im folgenden Gespräch habe ich die volle Aufmerksamkeit meines Gegenüber und kann mich, meinerseits darauf verlassen, dass mein Gegenüber auch darüber nachdenkt was er/sie so von sich gibt. Funktioniert prima und Kommunikationsprobleme werden selten (da kann man ja dann nachfragen).

Ich gebe zu und es wurde mir auch schon offen gesagt, dass Gespräche mit mir nicht immer einfach sind und manche empfinden diese auch als anstrengend. Aber ich gelte insgesamt nicht als Kasper. Mit Sicherheit bin ich des sogenannten „smalltalk“ unfähig.

Leicht nachvollziehbar, dass ich zu diesen massenhaften „Talkshows“ keinen Zugang habe. Sie langweilen mich.
Menschen, welche nichts zu sagen haben, langweilen mich ebenfalls schnell.

Gespräche versanden bei mir nicht. Wenn ein Gespräch seicht wird, also alles relevante kommuniziert wurde, scheue ich mich nicht, diese meine Ansicht dann auch kund zu tun. Soll heissen, ich mache deutlich, dass ich mir vom weiteren Verlauf nichts mehr verspreche und verabschiede mich freundlich aus diesem Gespräch.
Deshalb war mir noch nie jemand gram.

Ich verweigere mich einfach dieser oberflächlichen Labberscheinkommunikation.

Freundliche Grüsse
Ray

alles hat seine zeit!
Keine Ahnung, ob man „damals“ besser zugehört hat!!??
Vermutlich wurde man nur so erzogen, sich eher zurückzuhalten als zu reden!!

Zuhören ist WANN gefragt??
Dann, wenn die Situation PASST!
Und- sie muss für ALLE passen!!

Zuhören bedeutet auf den anderen zugehen, eingehen können…sich selber soweit zurücknehmen, daß es um den gegenüber geht (und nicht- wie ganz viele, das thema erkannt und sofort als startschuss für „ja…bei mir…“)— und alles das braucht schlicht die richtige zeit!!

wenn ich beim einkaufen jemanden treffe und der fragt mich wie es geht-- ist weder zeit noch raum um von evtl problemen anzufangen!
Da geht es nur um soziale Verhaltensweisen- man ist freundlich, nett-- und NUR darum geht es!!

Aufmerksamkeit kann man nicht einfordern!
Und ich muss zugeben, daß Menschen, die persönlicher im Gespräch wurden, obwohl der Rahmen gerade überhaupt nicth gepasst hat, mir dann auch nervig erschienen sind!!

Manchmal kann man überrascht sein, daß aus einer scheinbar belanglosen Situation jemand zuhört- man ein gutes Gespräch hat!
Witzigerweise hat man ja auch im Inet oft das Gefühl „dort wird mir zugehört“— NUR, daß die Menschen eben auch DANN lesen und schreiben, wenn sie „bereit“ dafür sind!!

Wenn ich nen Zuhörer brauche- dann wende ich mich an Menschen, bei denen ich das sicher weiss…und das sind dann eben gute Freunde!!

Man macht schnell den Fehler sich abgelehnt zu fühlen, nur weil „die Gesellschaft“ scheinbar nur mit sich zu tun hat!
Wenn man aber Zuspruch braucht- muss man sich Menschen wenden, von denen man das auch bekommen kann!!

Kitty