Ein freundliches Hallo an alle User!
Ich wollte fragen, wer alles für und gegen Hitler war am ANFANG:
Kirche, Armee, Länder, Parteien, Gewerkschaften
SPD und KPD waren gegen die Nazis, oder?
Dangge schön!!!
lg
Nathi
Ein freundliches Hallo an alle User!
Ich wollte fragen, wer alles für und gegen Hitler war am ANFANG:
Kirche, Armee, Länder, Parteien, Gewerkschaften
SPD und KPD waren gegen die Nazis, oder?
Dangge schön!!!
lg
Nathi
Hallo Nathalie,
…
Dangge schön!!!
…
nicht so voreilig mit dem Dank.
Du weißt doch sicher, dass dies kein Hausaufgaben-Service ist, oder ?
Was hast du alles schon dazu gelesen?
Freundliche Grüße
rotmarder
Ein freundliches Hallo an alle User!
Ich wollte fragen, wer alles für und gegen Hitler war am
ANFANG:Kirche, Armee, Länder, Parteien, Gewerkschaften
SPD und KPD waren gegen die Nazis, oder?
lg
Nathi
Hallo,
von der Sache her war keine der von Dir genannten Kategorien für Hitler.
Die Parteien hatten ja alle ihre eigenen Ziele - da konnte die NSDAP eigentlich nur Konkurrenz sein. Die großen Gewerkschaften waren schon damals SPD nah - für die Nazis waren die nie. Die Armee war in ihrer Masse unpolitisch - die recht vulgär auftretenden Nazis stießen die Offiziere, die ja aus gebildeten Schichten kamen eher ab. Zudem stand bei den Nazis damals ja noch der Gedanke einer Milizarmee in Form der SA - das wäre ein Gegesatz zur Kaderarmee reichswehr gewesen (dieser Wiederspruch würde ja erst 1934 mit dem Röhmputsch und der Entmachtung der SA gelöst).
Die Kirche war auch nicht nazifreundlich - schließlich vertrat Hitler nicht gerade christlöiches Gedankengut. Ein gewisses Wohlwollen der katholischen Kirche erkaufte sich Hitler erst nach der Machtübernahme durch das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl.
Und Länder - die Landesregierungen waren doch nichts anderes als die Vertretungen der jeweils regierenden Parteien.
Von der Sache her mußte Hitler schon seine Anhänger selber werben und überzeugen. Und leider ist ihm ein nicht geringer teil des deutschen Volkes auf dem Leim gegangen - wobei speziell das Kleinbürgertum, Handwerker, Bauern und Teile der Arbeiter ihm folgten.
Gernot Geyer
Kirche, Armee, Länder, Parteien, Gewerkschaften
SPD und KPD waren gegen die Nazis, oder?
Die Kirche war auch nicht nazifreundlich - schließlich vertrat
Hitler nicht gerade christlöiches Gedankengut. Ein gewisses
Wohlwollen der katholischen Kirche erkaufte sich Hitler erst
nach der Machtübernahme durch das Konkordat mit dem Heiligen
Stuhl.
Das ist leider nur die halbe oder gar nur ein Viertel der Wahrheit:
Im Parteiprogramm der NSDAP stand, sie veträte das „positive Christentum“, was immer das auch ist. Jedenfalls haben viele evangelische Christen sich die Augen verkleben lassen.
Die Frage - wer war für oder wer war gegen Hitler - ist ziemlich unpräzise: Du müßtest mindestens unterscheiden zwischen der Unterstützung Hitlers und der NSDAP vor der „Machtergreifung“ und der Freude über die Ernennung eines „nationalen“ Reichskanzlers, der die „Schande von Versailles“ rückgängig zu machen versprach.
Die evangelische Kirche und ihre Vertreter waren in aller Regel „national“ getönt, aber nur sehr selten ausgesprochene Nationalsozialisten. So hat die ev. Kirche denn auch die Nazis nicht ausdrücklich unterstützt; es gab nur wenige Pfarrer, die Parteimitglieder waren (so z.B. der spätere Reichsbischof Müller). Freilich haben viele Landesbischöfe und Geistliche Hitlers Ernennenung zum Reichskanzler begrüßt und nach seiner Ernennung Ergebenheitsadressen geschickt.
Über die Stellung der Ev. Kirche zum Nationalsozialismus gibt es zwei Standardwerke von Klaus Scholder und Gerhard Besier. Dicke Bücher, die sich nicht einfach auf einer halben Seite referieren lassen.
Wenn Du mehr wissen möchtest, dann lies Dich in ein Thema ein - Kirche oder Industrie oder Gewerkschaften oder oder oder - und versuch, präzisere Fragen zu stellen. Ich weiß, das Thema ist unerschöpflich, aber ohne ein gewisses Grundwissen wirst Du auch nicht herausfinden können, was Du noch alles wissen mußt oder möchtest.
Gruß - Rolf
Hallo Rolf,
natürlich war meine Antwort sehr pauschal - das weiß ich selber.
Zudem war die ganze Fragestellung eigentlich ziemlich eigenwillig.
Denn was ist den letztlich „die Kirche“ oder auch „die Gewerkschaft“? Das sind doch an sich erst einmal leere Hüllen, die nur Leben bekommen durch die Aktivität ihrer vielen einzelnen Mitglieder. Und deren politische Überzeugung kann sehr verschieden sein.
Rein sachlich (und das war auch damals im 3. reich so) gilt ja, das das reich Jesu nicht von dieser Welt ist - insofern vetritt und vertrat die Kirche eigentlich nie eine einzelne politische Partei. Sie versucht natürlich, mit dem jeweiligen Herrschaftssystem einigermaßen friedlich klarzukommen (es geht schließlich da um iher rechte, ihr Eigentum und um Geld) - da ist die Kirche erstaunlich anpassungsfähig an fast jedes Regime.
Aber es ging ja in der Frage um die Unterstützung am Anfang - da sehe ich eigentlich die Zeit vor der Machtübernahme. Und in dieser Zeit stand die Kirche wohl anderen bürgerlichen Parteien wesentlich näher als den Nazis.
Das Bekenntnis Hitlers zum Christentum kann ja eigentlich auch keine Kirche wirklich zufriedenstellen in seiner Allgemeinheit. Ich debke da u.a. an den später üblichen Begriff „Gottgläubig“ - das kann ja letztlich weder die evangelische Kirche und schoin gar nicht die katholische Kirche wirklich zufriedenstellen, weil es eine Art Versuch Hitlers war, sich einen eigenen Universalgöauben zusammenzubasteln - noch dazu durchsetzt mit dem ganzen altgermanischen Müll, mit dem die NAzis sehr reichlich um sich warfen.
Daß einzelne zum Teil auch sehr hohe christliche Würdenträger ihm trotzdem auf dem Leim gingen, ist leider auch wahr. Immerhin zog Hitler gegen die Kommunisten, die der Papst ja zum HAuptfeind erklärt hatte und eine gewisse latente Judenfeindlichkeit gab es in der Kirche auch - also einige Ansätze von gemeinsamkeiten waren da. Nur lag es dann sehr daran, wie ernst ein Geistlicher den theologischen und himanistischen Inhalt seines Glaubens nimmt - denn da hörte nun wieder jede gemeinsamkeit auf. Und so gab es ja auch sher sehr viele Geistliche, die in offener Gegenerschaft zu den NAzis standen und das Dritte Reich desahalb nicht überlebten.
Gernot Geyer
Hi Rotmarder
Du weißt doch sicher, dass dies kein Hausaufgaben-Service ist,
oder ?
Na klar weiss ich das
, schliesslich hab ich die Regeln durchgelesen^^
Was hast du alles schon dazu gelesen?
Also ich habe Geschichte billingual, und ich hab leider nicht alles verstanden. Ich wusste schon, dass die die Parteien gegen Hitler waren. Also Grundwissen verfüge ich sozusagen^^
Naja ich wollte halt nur wissen ob ich es richtig habe, denn ich musste einen „essay“ schreiben über „why was Hitler able to consolidate his power so quickly?“
Und das hab ich schon gestern fertig gehabt 
LG
Nathalie
Hallo!
Danke für die Antworten. Jedenfalls hatte ich am Anfang den Zweifel, ob überhaupt jemand auf Hitler’s Seite stand vor Machtergreifung 
Merci
LG
Nathalie
Hallo Gernot,
aber wie ich denke, eine wichtige,
Von der Sache her mußte Hitler schon seine Anhänger selber
werben und überzeugen. Und leider ist ihm ein nicht geringer
teil des deutschen Volkes auf dem Leim gegangen - wobei
speziell das Kleinbürgertum, Handwerker, Bauern und Teile der
Arbeiter ihm folgten.
Ich will es Dir nicht unterschieben, aber ich merke auch immer wieder bei meinen Studenten, dass sich in ihren KÖpfen so etwas wie „nur die Ungebildeten und Armen sind Hitler gefolgt“ festsetzt, was eine Geschichtsklitterung ist! Denn gerade ohne das Großbürgertum und ohne die INdustriellen, wie Krupp und Hugenberg, hätte Hitler nie die MIttel gehabt, zu werden, was er wurde.
Leider hat ja gerade ein Roman wie „Mephisto“ dem Bildungsbürgertum, was aufgrund seiner Feindschaft der WEimarer Republik gegenüber ebenso mit am Grab geschaufelt hat, geholfen, die eigene Rolle zu verdrängen. Um so wichtiger finde ich aber, dass gerade heute die Schüler lernen, dass es eben die „Intelligenten“ waren, die mitgemacht haben.
Grüße
Taju
Hallo,
ich bin mir da nicht sicher.
Sicher haben viele Großindustrielle Hitler unterstützt - allerdings nicht von Anfang an und auch nicht alle. Wohl am ehesten die, die durch Hitlers Versprechen der revisopn der Ergebnisse des ersten Weltkrieges Profite erwarten konnten wie Schwerindustrielle und Rüstungsfabrikanten.
Nun sind das aber nur ein paar Hand voll und keinesfalls die Masse des Bildungsbürgertums. Die Masse war wohl eher abwartend ablehnend. Typische deutsche Bürger halt - sich jedem regime anpassend ohne sich übermäßig zu engagieren nach irgendeiner Seite hin. Genau so, wie es heute ist und wie es auch in der DDR war. Ich bin da auch immer wieder echt erstaunt, wie viele da dagegen gewesen sein wollen - man hat nämlich bei all denen nie etwas gemerkt davon. Sie haben still funktioniert - das ist die Wahrheit. Und aus der Deckung kamen die meisten erst Ende 1989 - als es längst nicht mehr gefährlich war.
Gernot Geyer
Hallo zusammen,
das „für“ und „gegen“ ist doch in erster Näherung recht einfach zu beantworten: man muss nur die Wahlergebnisse der NSDAP gegen Ende der Weimarer Republik anschauen.
Da kann man folgendes hineininterpretieren:
1.) Kurz vor der Machtergreifung sank die Wählerschaft der NSDAP bereits wieder. Hitler lief gewissermaßen „die Zeit davon“. Das exorbitant gute Ergebnis am 5.3. ist darauf zurückzuführen, dass bereits massive Drangsalierungen und Verfolgungen anderer Parteien und deren Anhängern stattfand. Die KPD wurde bereits verboten.
2.) Während dieser frühen Phase des 3. Reiches, also kurz nach der Machtergreifung waren 1/3 der Deutschen für die NSDAP, aber 2/3 gegen sie. KPD und SPD zusammen kamen auf etwa genauso viele Stimmen. Erst die Gleichschaltung, die fortwährende Propaganda und Indoktrination und auch die Einschüchterung hat zu der gewaltigen bewussten und unbewussten Anhängerschaft Hitlers im Laufe des 3. Reichs geführt.
3.) Die Legende, dass besonders Arme, Bauern und Handwerkern Hitler unterstützt haben, ist längst widerlegt. Natürlich spielten sie in absoluten Zahlen eine große Rolle, aber das lag nicht zuletzt daran, dass es deutlich mehr Arbeiter und Bauern gab als Bürgerliche. Relativ an ihrem Bevölkerungsanteil jedoch war das (Groß-)Bürgertum deutlich überrepräsentiert.
Eine grobe Übersicht kann man bsp. hier finden:
http://www.bpb.de/publikationen/07781472312522810588…
Viele Grüße
OT
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Dibelius … ?
Hallo,
Die Armee war in ihrer Masse unpolitisch - die
recht vulgär auftretenden Nazis stießen die Offiziere, die ja
aus gebildeten Schichten kamen eher ab.
Wollten die die Nazis auch nur ausnutzen wie die Industrie in der Hoffnung, ihn bändigen zu können? Immerhin haben sie schon in den 20er Jahren einen Revanchekrieg geplant! Als er dann kam, hatten sie Hitler bis zum Ende unterstützt, „La-Keitl“ hat sich da besonders hervorgetan …
Die Kirche war auch nicht nazifreundlich …
Na ja, wie wäre es mit der „emphatischen Begrüßung der Machtübernahme“ durch den immerhin ranghohen Protestanten Otto Dibelius?
Gruss,
Laika
Die Kirche war auch nicht nazifreundlich …
Na ja, wie wäre es mit der „emphatischen Begrüßung der
Machtübernahme“ durch den immerhin ranghohen Protestanten Otto
Dibelius?
Tach Laika,
Du bringst da, fürchte ich, etwas durcheinander: National zu denken, auch deutschnational meinetwegen, bedeutet noch nicht, „nazifreundlich“ zu sein.
Dibelius hat zwar am „Tag von Potsdam“ die „Machtergreifung“ begrüßt, er war aber später ein führender Vertreter der Bekennenden Kirche.
Hier kannst Du etwas dazu finden:
http://209.85.135.104/search?q=cache:dsF69ZkblYkJ:ww…
Gruß - Rolf
Die Kirche war auch nicht nazifreundlich
Zur Einführung: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Christen
Freundliche Grüße,
Ralf
Du bringst da, fürchte ich, etwas durcheinander: National zu
denken, auch deutschnational meinetwegen, bedeutet noch nicht,
„nazifreundlich“ zu sein.
Hallo Rolf,
gesagt hat er Folgendes:
Ein neuer Anfang staatlicher Geschichte steht immer irgendwie im Zeichen der Gewalt. Denn der Staat ist Macht. Neue Entscheidungen, neue Orientierungen, Wandlungen und Umwälzungen bedeuten immer den Sieg des einen über den anderen. Und wenn es um Leben und Sterben der Nation geht, dann muss die staatliche Macht kraftvoll und durchgreifend eingesetzt werden, es sei nach außen oder nach innen. Wir haben von Dr. Martin Luther gelernt, dass die Kirche der rechtmäßigen staatlichen Gewalt nicht in den Arm fallen darf, wenn sie tut, wozu sie berufen ist. Auch dann nicht, wenn sie hart und rücksichtslos schaltet. Wir kennen die furchtbaren Worte*, mit denen Luther im Bauernkrieg die Obrigkeit aufgerufen hat, schonungslos vorzugehen, damit wieder Ordnung in Deutschland werde.
* Gemeint ist hier wohl Suada in der Art: „Drum soll hier zuschmeißen, wurgen und stechen, heimlich oder offentlich, wer da kann, und gedenken, daß nichts Giftigers, Schädlichers, Teuflischers sein kann denn ein aufruhrischer Mensch, gleich als wenn man einen tollen Hund totschlahen muß […]
Steche, schlahe, würge hie, wer da kann! Bleibst du druber tot, wohl dir! Seliglichern Tod kannst du nimmermehr uberkommen, denn du stirbst in Gehorsam göttlichs Worts und Befehls …“
Was war in den 7 Wochen vor dem „Tag von Potsdam“ geschehen? 01.02.1933, Auflösung des Reichstags. 04.02.1933 die sog. ‚Schubladenverordnung‘ mit massiven Einschränkungen von Versammlungs- und Pressefeiheit. 27.02.1933 der Reichstagsbrand und in unmittelbarer Folge staatlich gedeckter Terror von SA und SS gegen politische Gegner. Am 28.02.1933 die sog. Reichtagsbrandverordnung - wesentliche Grundrechte werden außer Kraft gesetzt, politische Gener der Nazis werden jetzt staatlich verfolgt. 05.03.1933: Neuwahlen unter erheblicher Behinderung der Opposition - im Klartext: eine Farce, keine freie Wahl. 08.03.1933: die Mandate der KPD werden dieser ‚aberkannt‘. Am 20.03.1933 - einen Tag, bevor Bischof Dibelius die oben zitierte schöne Rede hielt - nahm das KZ Dachau den Betrieb auf …
Und da meinst Du ernsthaft, Dibelius sei zwar national, aber nicht nazifreundlich gewesen?
Dibelius hat zwar am „Tag von Potsdam“ die „Machtergreifung“
begrüßt, er war aber später ein führender Vertreter der
Bekennenden Kirche.
… der noch 1961 in seinen Lebenserinnerungen Folgendes von sich gab:
Ich war und bin der Meinung, dass es nur ein Ziel gibt, das den Einsatz des irdischen Lebens wert ist: das ist die Aufrichtung einer Ordnung, in der die Menschen die Freiheit haben, dem christlichen Evangelium gemäß zu leben.
Das erklärt sein Engagement in der Bekennenden Kirche - zeigt aber auch, dass ihn andere Freiheiten wohl deutlich weniger interessiert haben …
Ein solcher Staat hat aber dann auch das sittliche Recht, die Mittel der Macht zu gebrauchen und der so ausgerichteten Nation Freiheit und Lebensraum zu erkämpfen. Und kein Opfer ist zu groß, als dass es ein solcher Staat nicht fordern dürfte.
Mit anderen Worten: hätte Hitlers Staat den Menschen die Freiheit gelassen, „dem christlichen Evangelium gemäß zu leben“, dann wäre der Kampf um Lebensraum gerechtfertigt gewesen, ja kein Opfer zu groß, als dass es der Staat nicht hätte fordern dürfen. Da fragt man sich dann doch - bekennende Kirche hin oder her - was denn eigentlich Dibelius’ Verständnis von „dem christlichen Evangelium gemäß zu leben“ war …
Freundliche Grüße,
Ralf
Mit anderen Worten: hätte Hitlers Staat den Menschen die
Freiheit gelassen, „dem christlichen Evangelium gemäß zu
leben“, dann wäre der Kampf um Lebensraum gerechtfertigt
gewesen, ja kein Opfer zu groß, als dass es der Staat nicht
hätte fordern dürfen.
Landnahme steht doch in der jüdischen Tradition des Christentums.
Ich kann mir zwar so ungefähr vorstellen, was Du damit sagen willst, aber in dieser Formulierung ist der Satz Unsinn.
Wenn Du die Gründe wissen willst, dann mußt Du mich fragen.
Gruß - Rolf
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Hallo Ralf,
hast du auch was zur „Brandrede“, die Dibelius angeblich beim Ausbruch des 1. WK im Berliner Dom gehalten hat? Habe im Netz nichts gefunden.
Danke,
Laika
Judäische Landnahme …
Ich kann mir zwar so ungefähr vorstellen, was Du damit sagen
willst, aber in dieser Formulierung ist der Satz Unsinn.
Wenn Du die Gründe wissen willst, dann mußt Du mich fragen.
Ich frage Dich mal! Vorab nochmal einiges aus den Psalmen, die ja in allen christlichen Glaubensrichtungen auch heute noch hoch im Kurs stehen.
Psalm 80, 9-20: „… du hast die heidnischen Völker vor uns vertrieben …“
Wie friedlich ging das eigentlich zu dabei?
dsgl. Psalm 105, 37-45: „Er gab seinem Volk die Länder der heidnischen Nationen, und sie ernteten, was andere vor ihnen gepflanzt hatten.“
Diese „anderen“ haben „seinem Volk“ das alles wohl freudig gegeben und sind dann singend in ein anderes im Vorderen Orient zu damaligen Zeiten sicher reichlich vorhandenes fruchtbares Land gezogen.
Nur zwei aus zahlreichen Beispielen …
Ich hoffe, das wird mir jetzt nicht als Antisemitismus ausgelegt.
Gruss,
Laika
hast du auch was zur „Brandrede“, die Dibelius angeblich beim
Ausbruch des 1. WK im Berliner Dom gehalten hat?
Hallo Laika,
1914 war Otto Dibelius Oberpfarrer im hintersten Pommern (Lauenburg, heute Lebork). Ich kann mir nicht vorstellen, dass er da Gelegenheit hatte, im Berliner Dom zu predigen - schon gar nicht aus einem politisch hochbedeutsamen Anlass.
Namhafter (und als Dozent in Berlin ansässig) war damals sein Vetter, der Theologe Martin Dibelius - aber auch von dem ist mir nichts derartiges bekannt.
Freundliche Grüße,
Ralf
Ich frage Dich mal! Vorab nochmal einiges aus den Psalmen, die
ja in allen christlichen Glaubensrichtungen auch heute noch
hoch im Kurs stehen.
Liebe Laika,
ich bezog mich auf diesen Satz von OLR:
Landnahme steht doch in der jüdischen Tradition des Christentums.
Die Erzählungen von der Landnahme - ob es die wirklich gegeben hat, lassen wir vorderhand mal offen - haben alle eine Pointe: Allein Gott gibt den Israeliten das Land, wenn sie seinen Befehlen gehorchen, siegen sie; sind sie ungehorsam oder versuchen es auf eigene Faust, geht es schief.
Und nun bringt OLR diese Landnahme der Israeliten in einen Zusammenhang mit der Vorstellung, dem deutschen Volke müsse „Lebensraum“ geschaffen, d.h. erobert werden, ja, er insinuiert gar eine Parallelität. Nichts könnte falscher sein:
Wenn Du im deutschen Drang nach Lebensraum irgendeine Parallele zu
dieser Erzählung finden kannst, dann laß es mich wissen!
Ich sagte, die Frage der Historizität der Landnahme ließen wir vorläufig offen.
Nun weist aber das Buch von Finkelstein/Silberman „Keine Posaunen vor Jericho“ nach, daß es eine solche Landnahme nie gegeben hat.
Ich war vor wenigen Tagen noch anderer Meinung. Das liegt u.a. daran, daß ich vor vierzig Jahren Examen gemacht habe und daß die neuen Erkenntnisse erst in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts möglich wurden durch neue Ausgrabungen in Gebieten, die den Israelis vorher nicht zugänglich waren.
Und ich bin erst in diesem Forum auf das Buch aufmerksam geworden - man sieht: auch ich bin noch lernfähig.
Die ganze Erzählung vom Auszug bis hin zur Landnahme erweist sich als eine theologische Konstruktion - andere mögen sagen: ideologische Untermauerung - des Königtums in Juda unter dem König Josia im 7. Jhdt v. Chr.
Die Psalmstellen, die Du anführst, sind alle nach jener großen Landnahmeerzählung entstanden und nehmen ihre Vorstellungen nur auf; sie referieren aber keine historische Wirklichkeit.
So kann man den Israeliten also vorwerfen, daß sie ihrem Gott solche gewalttätigen und blutrünstigen Anweisungen zutrauen und in den Mund legen, aber schwerlich kann man ihnen nachweisen, daß sie diese Handlungen dann auch begangen hätten. Die Besiedlung des westjordanischen Berglands, auf dem sich später die Staaten Israel und Juda etabliert haben, ging allen archäologischen Erkenntnissen nach nämlich vollkommen gewaltlos ab. Und die neuen Siedler waren nicht etwas fremde Leute, die von außen ins Land gedrängt hätten, sondern Kanaanäer und Nachbarn der kanaanäischen Urbevölkerung seit je.
Ich weiß, daß das jetzt eine Menge an Neuem ist; das war es für mich auch, und ich bin noch lange nicht damit fertig, das zu verarbeiten.
Doch ich fürchte, es geht an der wahrheit dieser Erkenntnisse kein Weg vorbei.
Gruß - Rolf