Werden Kinder wie Erwachsene behandelt?

Hallo,

ich habe oft den Eindruck, daß Kinder auf die Stufe der Erwachsenen gestellt werden. Es findet keine Abgrenzung mehr zu den Erwachsenen statt und somit werden die Kinder in der psychischen Entwicklung gebremst. Sie erleben die Erwachsenen/Menschen nicht mehr als MENSCH sondern als Gegenstand (Steuerung der Erwachsenen). Kann das der Grund der Respektlosigkeit gegenüber Erwchsenen sein?

Gruß
M.

Könntest du das auch mit konkreten Beispielen unterstützen, damit diejenigen, die nicht in deinen Kopf gucken können, ansatzweise mitkommen?

lg
Kate

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Hallo Mikhael,

hast Du kürzlich „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ gelesen? Möchtest Du Dich mit Deinem Post auf das Buch beziehen?

Schönen Abend
Andrea

Hallo mrt,

ich habe oft den Eindruck, daß Kinder auf die Stufe der
Erwachsenen gestellt werden. Es findet keine Abgrenzung mehr
zu den Erwachsenen statt und somit werden die Kinder in der
psychischen Entwicklung gebremst.

AHA ,Stern TV geguckt?

Sie erleben die
Erwachsenen/Menschen nicht mehr als MENSCH sondern als
Gegenstand (Steuerung der Erwachsenen). Kann das der Grund der
Respektlosigkeit gegenüber Erwchsenen sein?

Jupp,so isses…

Dazu kommt dann noch das manche Eltern ihre Kinder verwöhnen und ihnen alles kaufen…bevorzug Playstation,Nintendo,eigener PC,eigener Fernseher,mit 2 Jahren ne komplette Spiele,DVD,…Sammlung…ah iss so schön einfach…Kind sitzt im Zimmer und daddelt oder glotzt…Mama sitzt beim Friseur…Papa vor PC oder TV…

Kinder haben keine Vorbilder mehr…dürfen am wirklichen Leben nicht teil haben…

Die Kinder verkümmern seelisch und geistig und die Eltern kriegens nicht mit…

Gruß Sabine

Hallo Sabine,

nix Stern-TV. Habe das Buch und einige Artikel des Autors. Er bringt es ziemlich gut auf den Punkt.

Gruß
M.

Hallo Andrea,

ja ich lese das Buch und die Artikel des Psychiaters. Er bringt es auf den Punkt, mit einfachsten Worten.

LG
Michael

Hallo,

Kind schiebt in der Anfangsphase Stuhl herum. Stuhl ist Gegenstand. Kind leert Handtasche der Mutter aus, Mutter räumt Handtasche wieder ein, stelllt sie an den gleichen Ort, ohne ein Wort zu verlieren. Kind räumt wieder die Handtasche aus. Kind steuert die Erwachsenen wie Gegenstände (Stuhl). Eltern grenzen sich nicht ab, keine Autorität, da Eltern sich mit dem Kind identifizieren.

Über andere Beispiele an dieser Stelle bitte selbst Gedanken machen.

Gruß
M.

sorry, ich hab keine kinder. aber für mich hört sich das sehr realitätsfern an, dass eine mutter ihrem kind nicht sagen würde, dass die handtasche „tabu“ ist.

gruß anita

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Hallo M.

gehe ich recht in der Annahme, daß Du keine Kinder hast?

Grau mein Freund ist alle Theorie!

Gandalf
kinderhabend

Hallo,

ja ich lese das Buch und die Artikel des Psychiaters. Er
bringt es auf den Punkt, mit einfachsten Worten.

Und welcher Punkt ist das? Daß man Kinder im Glauben
halten soll, daß sie es mit Herrenmenschen als Eltern
zu tun haben? Da kann ich nur lachen …

Wer es nicht schafft, von Anfang an freundschaftlich-
emphatisch mit seinen Kindern umzugehen, findet sicher
in solcher Lektüre später einen Trost (deren er bedarf?).

Grüße

CMБ

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Mein Kind (9 Monate) liebt es meine Tasche auszuräumen. Mir gibt das u.U. ne halbe Std. Pause daher lasse ich es gern gewähren. Einräumen tut es weder diese noch irgendein Regal oder sonstiges. Das mache ich. So und nun? Zieh ich mir nen Tyrannen groß?

Wenn schon Erziehungsliteratur, dann doch lieber die Kloeters oder der olle Jesper Juul.

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Hallo,

und ich finde es sehr realitätsfern, so etwas isoliert zu sehen.
Es gibt ein Alter, in dem Kinder wahnsinnig gerne ausräumen (auch SChubladen). Man bekommt sie aber nicht zum einräumen.
Klingt nach schlechter Erziehung, hat aber eine phyisologischen (sic!) Hintergrund.
In der Zeit, in der sich der Streckermuskel im Oberarm entwickelt, gibt das Hirn Anweisungen dazu, diesen Muskel zu trainieren --> ausräumen.
Der Beugermuskel (also der Antagonist) entwickelt sich erst einige Monate später, d.h. es besteht vom Hirn aus keine Notwendigkeit, die Gegenbewegung zu üben und die Gegenbewegung fällt dem Kind auch viel schwerer (außer Acht lassend: , dass das Gegenstück auch viel schwerer ist, weil es ja mit einfach reinschmeißen meist nicht getan ist).

Meine Konsequenz aus dieser einfachen Tatsache wäre (war, bei meinen Kindern) nicht, sie an meine Handtasche zu lassen - die stand hoch, sondern die unteren Schubladen zuhause mit Unzerbrechlichem zu füllen (wer kennt nicht das Bild von dem Kleinkind, das hingebungsvoll mit Kochtöpfen und Plastikschüsseln spielt) und Zerbrechliches für einige Jahre außer Reichweite zu halten. Es gibt Kämpfe, die man nicht gewinnen kann und die man deshalb erst gar nicht führen sollte. Dennoch heißt das nicht, dem Kind alles durchgehen lassen. Aber man kann eine angepasste Umgebung schaffen.
Um beim Beispiel zu bleiben: Wenn ich unterwegs bin, habe ich normalerweise Spielzeug mit (das kann auch eine alte Tasche sein, mit alten Schlüsseln etc.; erfahrungsgemäß ist so etwas VIEL interessanter für kleine Kinder als bunte Plastikschlüssel usw.). Mein Tasche wäre (da Wichtiges drin ist) auch in dieser Situation tabu.

Allerdings hat jeder andere Grenzen. Dem einen seine Handtasche, ist dem anderen sein Schminkkoffer. Das muss jeder selbst entscheiden.

Um auf Mikhaels Anfangsthese zurückzukommen: Es ist halt wieder mal ein populärwissenschaftliches Buch, dass viel Aufmerksamkeit bekommt und diskutiert wird und fast jeder findet es einleuchtend, weil es genauso geschrieben ist. Dann gibt es Artikel und Nachfolgebücher und die Thesen werden allgemein akzeptiert. Als Vergleich schaue man sich mal die Thesen an, die mit dem Buch „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ an. Das ist ein Trend, der lange genug beworben, von sehr vielen Menschen in der Gesellschaft akzeptiert und weiter propagiert wird. Bis der nächste Trend kommt.
Genauso ist es mit dieser These. Es passt halt. Es wurde ja auch vorbereitet (medial). Und nun denken alle, diese Thesen müssten stimmen und durch selektive Wahrnehmung passen alle gemachten Erfahrungen genau in dieses Bild.

Die heute so geschmähte antiautoritäre Erziehung (wobei das, was da heute geschmäht wird, sehr wenig mit den Ideen der eigentlichen anti-autoritären Erziehung zu tun hat) war als die Bücher von A.S. Neil rauskamen, sehr einleuchtend. Das war der Trend damals.
Und natürlich kam die Gegenbewegung (Kinder brauchen Grenzen) und auch das ist einleuchtend.

Das Kindererziehung viel komplexer ist, wird gern vergessen, weil das heißt, dass das Leben nicht so sehr zu kontrollieren ist, wie wir es gerne hätten.

Gruß
Elke

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Hallo Mikhael,

so kurz Dein Posting auch ist, so bin ich ziemlich irritiert:
Wenn Erwachsene Kinder wie ihresgleichen behandeln, dann haben sie auch die Erwartung an sie wie zu anderen Erwachsenen. Nämlich, dass man ihnen nicht extra Grenzen aufzeigen muss, und vielmehr Verhaltensweisen eines Erwachsenen voraussetzen.

Wenn man Kindern keine Grenzen setzt, dann tippe ich eher auf Erziehungsfaulheit als auf die Idee, dass ein Kind alles darf, weil es wie ein Erwachsener angesehen wird.

Meiner Meinung nach haben Kinder fast nie die Absicht einem zu schaden. Aber sie handeln spontan: „ui, eine Tasche, was ist da drin, das Teil habe ich noch nie gesehen, sieht aus wie ein Stift…“ Super, wenn so ein Kind reagiert, genau so müssen Kinder sein. Und es ist auch ok, wenn die Frau ihren heißgeliebten Lippenstift vor dem Racker in Sicherheit bringt. Hat sie Verständnis für kindliche Neugier, dann fällt ihr bestimmt ein Ersatz zwecks eingehender Forschung ein.

Ich glaube, dass die psychische Entwicklung bei Kinder immer ihre Strecke bis zum Erwachsenenalter zurücklegt, nur gibt es da im Endeffekt qualitative Unterschiede. Wenn die Beziehung mit allen Details zwischen Kind und Erwachsenen nicht gepflegt wird, indem zum Beispiel der Respekt vor individuellen Bedürfnissen nur für Kinder aber umgekehrt nicht für Erwachsenen gilt, dann lernt das Kind nicht die Feinheiten des Umgangs in einer Gemeinschaft kennen.

Die Formulierung, dass Kindern „Respekt vor Erwachsenen“ beigebracht werden muss, erzeugt in mir Unbehagen, weil es für mich als Erziehende selbstverständlich ist vor Jedem Respekt zu haben. Nur, ich mag keine ehrfürchtige Erstarrung, Strafgehorsamkeit oder instrumentalisierte Liebesdienste, weil so ein Verhalten starr macht, und alles andere als glücklich oder unbekümmert.

Respekt vor Erwachsenen (oder vor wem oder welchem Lebewesen auch immer) muss einem Kind zweifellos beigebracht werden. Gegebenenfalls (wenn einem das Kind fremd ist) reicht es, Respekt für sich selbst bzw. für sein Eigentum einfach einzufordern.
Aber ich denke auch, dass jeder von uns seine eigenen Vorstellung darüber hat, was Kinder dürfen und was nicht. Die Schmerzgrenzen sind da unterschiedlich, was man bei all seinen höchstpersönlichen Empfindlichkeiten nicht vergessen darf.

Mit Grüßen
Reni

Hallo Michael,

ich möchte dringend davor warnen, diese Bestsellerautoren unkritisch wie die neuen Dogmatiker zu sehen. Sowas hat noch im letzten Jahrhundert dazu geführt, körperliche Züchtigung als elementaren Bestandteil in die Kindererziehung aufzunehmen. Solche Ratgeber können immer nur Denkanstöße geben, aber ich halte es für wichtig, als Mutter/Vater immer auch dem eigenen Instinkt zu vertrauen. Es gibt durchaus Kinder denen der moderat kooperative Erziehungsstil gut tut, mein Stiefsohn ist dafür das beste Beispiel. Jedes Kind braucht individuelle Förderung und ich halte es für schädlich, jedes Kind in ein Schema zu pressen und kindliche Verhaltensweisen pauschal und anonym zu analysieren. Deshalb lehne ich inzwischen auch Bücher wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“ und dergleichen Unfug ab.

Schöne Grüße
Andrea

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Hallo

Sie erleben die
Erwachsenen/Menschen nicht mehr als MENSCH sondern als
Gegenstand (Steuerung der Erwachsenen).

Ich würde denken, man erlebt einen anderen Menschen dann als Gegenstand, wenn da gar keine selbständige Handlung von dem ausgeht.

Dass aber Eltern gar nichts machen und ausschließlich auf die Aktionen des Kindes reagieren, das mag es geben, wird aber doch nicht so extrem häufig sein.

Übrigens: Ob der Mensch nun seine Handtasche kommentarlos wieder einräumt oder einen Tobsuchtsanfall bekommt: Diese Reaktion ist doch in beiden Fällen eine von der Handlung des Kindes ausgelöste Reaktion. - Ich weiß, dass manche Kinder gerne Dinge tun, um Tobsuchtsanfälle bei Erwachsenen auszulösen (zum Beispiel im Kindergartenalter Sachen mit „ficken“ sagen). - Ich hab das Buch aber nicht gelesen, weiß also nicht, ob das Beispiel jetzt passt, und was für eine Reaktion die Autorin eigentlich auf das Handtascheausräumen empfehlen würde.

Viele Grüße
Simsy

Moin,

Wenn Erwachsene Kinder wie ihresgleichen behandeln, dann haben
sie auch die Erwartung an sie wie zu anderen Erwachsenen.
Nämlich, dass man ihnen nicht extra Grenzen aufzeigen muss,
und vielmehr Verhaltensweisen eines Erwachsenen voraussetzen.

???
Wenn also ein Erwachsener deine Handtasche ausleeren würde, dann würdest du diese kommentarlos wieder einräumen? Wenn ein Erwachsener „über die Stränge schlägt“, also Grenzen verletzt, dann quittierst du das nur mit einem Schulterzucken?

Gruß
Marion

hallo elke,

danke für deine ausführliche antwort! sie ist sehr einleuchtend. aber dennoch sollten kinder doch lernen was sie ausräumen dürfen und was nicht, oder? ich meine, wenn das kind die handtasche mit wichtigen unterlagen ausräumt, sollte es doch lernen, dass die handtasche nicht ok ist, aber die schublade durchaus ok ist.
allerdings hab ich keine ahnung ab welchen alter kind so etwas unterscheiden können. sicherlich sind bis zu dem alter die eltern noch gefragt, dass sie dich handtasche wegräumen.
mit büchern über kindererziehung kenne ich mich nicht aus. vielen dank für die historische übersicht.

gruss anita

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Wenn also ein Erwachsener deine Handtasche ausleeren würde,
dann würdest du diese kommentarlos wieder einräumen? Wenn ein
Erwachsener „über die Stränge schlägt“, also Grenzen verletzt,
dann quittierst du das nur mit einem Schulterzucken?

ja, genau. Und wenn er mir das Innenfutter aus der Handtasche auch noch rausreißt, bekommt er/sie zum Dank ein Gummibärchen von mir :wink:))
Hallo Marion,

ich bin von dem Idealfall ausgegangen, dass ein Erwachsener sich zu benehmen weiß. Mit meinem Posting wollte ich nicht eine Gutmenschschiene bedienen, vielmehr versuchte ich den Text nicht mit Selbstverständlichkeiten aufzublähen.

Mit Grüßen
Reni

Hallo Tallü,

danke für den Tipp, ich reflektiere das Gelesene schon, keine Frage.
Er schreibt auch nichts von „Züchtigungen“ oder besonderen Ratschlägen. Er beschreibt einfach die momentan Situation und deren Ursachen. Ich verlasse mich so gut wie immer auf meine Intuition und sie auch meist richtig, aber eben nicht immer. Auch wir haben alle irgendwelche Defizite, ich versuche meine eigenen durch umdenken und dementsprechenden Handeln zu verändern.

Gruß
M.

Hallo,

„Herrenmenschen“? So sehe ich das nicht. Eltern sind nunmal Erwachsene und den Kindern im Normalfall um Welten voraus. Diese Erfahrung wohldosiert beim Heranwachsenden Kind eingesetzt, bewirkt meines Erachtens ein sich normal entwickelndes Kind. Das Pendel schlug zuerst in Richtung Autorität, dann schlug es in Antiautorität aus und jetzt schlägt es in Gleichstellung aus. Alles einzeln betrachtet ist falsch und kann nur falsch sein, von allem etwas, zur richtigen Zeit, ist gut und richtig.

Gruß
M.