Hallo,
ich denke, man muss hier doch etwas differenzieren.
Wie ja schon mehrfach gesagt wurde, gab es Widerstand, heirauf will ich nicht weiter eingehen.
Es gibt jedoch eine Reihe von Gründen, warum es in vielen Fällen keinen Widerstand gab.
Zunächst einmal muss man sehen, dass das Nazi-Regime am Anfang seinen Antisemitismus nicht derart offen zur Schau gestellt hat, wie man es heute im Rückblick meint. Zwar ging man nach der Machtergreifung davon aus, hier offene Türen einzurennen, bereits der erste Judenboykott kann jedoch als Fehlschlag bezeichnet werden. Insgesamt merkte man sehr schnell, dass das Volk hierfür noch nicht ausreichend bereit war.
Aus diesem Grund war die Politik in den ersten Jahren stark bemüht, ein Bild von Normalität gerade im In-, aber auch im Ausland zu generieren (daher wurden viele Schriftsteller, Filmemacher aus dieser Zeit später gerade dafür verurteilt, „Heile Welt“-Filme gedreht und damit der Propaganda tatsächlich gedient zu haben).
Das führt zum zweiten Punkt. Viele haben den Antisemitismus maßlos unterschätzt. Einerseits wurde er um des erstrebten Zieles, eines stärkeren Deutschland, insb. aber eines wirtschaftlichen Aufschwungs hingenommen. Nach dem Motto: " Das mit den Juden ist zwar nicht ganz in Ordnung, aber wenns der Hilter insg. richtet, muss man halt ein Auge zudrücken." Gerade diese Einstellung beschreibt Haffner gut nachvollziehabar.
Andererseits hat man aber das Ausmaß einfach nicht abschätzen können. Man darf hier nicht übersehen, dass Antisemitismus natürlich keine deutsche Erfindung, sondern weltweit so alt wie das Christentum ist. Es gab ihn also grundsätzlich schon und auch in anderern Ländern. Zudem waren das Deutsche Reich und die Weimarer Republik im internationalen Vergleich den Juden gegenüberpostiver eingestellte Staaten. In wenigen anderern Ländern hatte sie derart viele hohe Ämter und andere Berufe inne. Daher konnten sich viele in Deuschland einfach nicht vorstellen, dass man hier nun den ganz anderen Weg ging. Ausgrenzung, Benachteiligung, das war noch vorstellbar. Aber systematsiche Ausrottung hatte jedenfalls zu Beginn wohl wirklich keiner geglaubt. Und als sich später (zum Teil auch gar nicht so spät wie viele von damals es gerne hätten) die Anzeichen hierfür nicht mehr übersehen ließen, haben die Deutschen eine ihrer effektivstesn Fähigkeiten angewendet: das Verdrängen (weil nicht sein kann, was nicht sein darf).
Man muss natürlich auch anderes sehen:
Wie schon gesagt, gab es in Deuschland natürlich Antisemitismus. Manche haben das wirlich ideologisch gesehen. Viele haben diesen aber aus einfachem Sozialneid entwickeln. Aus bekannten Hintergründen waren viele Juden wohlhabend und saßen in hohen Positionen. Da kommt eine Parole wie „Die sind an allem Schuld, weg mit ihnen“ natürlich sehr gelegen.
Manche haben das auch einfach genutzt, um unliebsamen Nachbarn, Vorgesetzten, etc. eins auszuwischen. Viele haben sich des Antisemitismus also für den persönlichen Erfolg bedient.
Aber auch das sind nur grobe Ansätze, die sich aus zeitgenössischer Literatur, Überlieferungen udn Forschungsergebnissen ergeben.
Gruß,
Dea
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