Wie beurteilt Ihr das Arbeitszeugnis?

Schön, und was sagt uns das jetzt, wenn bei allen Auszubildenen - wie bei mir - einfach nur die Bereiche mit ihren durchlaufenden Abteilungen dort stehen haben? Das alle Auszubildenen faul waren und von nichts eine Ahnung hatten? Oder das die Zeugnisschreiberin unfähig ist? Ich bin sehr gespannt auf deine kompetente Auswertung.

Da steht einfach nur bspw.

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Das ist ein Ausbildungszeugnis und in der Aufzählung stehen 21 Abteilungen.

Lass es, das regt nur auf :wink:

So sehe ich das auch: Leute wie Du und ich entscheiden am Ende, wer in meiner Abteilung oder meinem Standort antritt. Wir haben aktuell über 100 Bewerbungen pro Monat in der Firma und die Aufgabe unserer HR besteht zunächst einmal darin, die Dinger auf die Standorte zu verteilen und generelle Zugangsvoraussetzungen zu prüfen. Später dürfen die dann den Papierkram machen. Die Zeugnisse interpretieren meine Kollegen Standortleiter und ich selbst.

So geht es meiner Kenntnis nach auch in vielen anderen mittelständischen und großen Unternehmen zu. In kleinen Unternehmen macht’s der Chef eh selbst.

Und selbst in meiner Zeit in einem Großkonzern kamen die Bewerbungen, die inhaltlich zu meiner Abteilung passten, zunächst auch zu mir. Die HR-Tante durfte dann im Bewerbungsgespräch dabei sitzen und ein paar Fragen stellen. Die Entscheidung trafen dann meine direkte Vorgesetzte und ich.

Insofern mag jetzt jeder selbst beurteilen, WIE Zeugnisse wirklich gelesen werden. Natürlich kann man einen dialektischen Diskurs über vertauschte Reihenfolgen und weggelassene Begriffe beginnen, aber dabei sollte man im Blick behalten, dass kaum ein neuer potenzieller neuer Vorgesetzter hauptamtlicher Zeugnisdechiffrierer ist, sondern mit wachem Auge liest „Gesamtbeurteilung ist X, dabei war Freundlichkeit überdurchschnittlich und Genauigkeit unterdurchschnittlich augsgeprägt… etc. pp.“.

Natürlich hat die FAQ insofern recht, dass man so viel wie möglich vom Zeugnis zeigen sollte, um ein optimales Ergebnis zu bekommen. Aber ein Personaler, der ins Zeugnis „stest zur vollsten Zufriedenheit“ schreibt, um dann durch die Länge der Unternehmensbeschreibung sein Missfallen zu äußern und daraus eine 4- zu machen, ist IMHO ein Anfänger und falsch in seinem Job. Er muss ja befürchten, dass >50% der Leser das falsch auffassen. Warum sollte er das Risiko eingehen.

Natürlich gibt es die Welt der Zeugniskodierer, aber denen stehen praktisch zu viele nicht-Coder als Leser gegenüber. Ich kann mich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass dieses Thema auch als Selbstzweck dient, um die eine oder andere Beratung/Buch/Seminar etc. zu verkaufen.

Das sind zugegeben Meinungen, aber sicherlich keine unerfahrenen oder falschen. Es wird einfach auch andere geben. Das liegt in der Natur der Sache.

Und im hier besprochenen Fall ist es noch eindeutiger: Die Betroffene hat auch noch einen IHK-Auszeichnung. Was soll da noch passieren?

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O.T.
Hallo,

Und im hier besprochenen Fall ist es noch eindeutiger: Die
Betroffene hat auch noch einen IHK-Auszeichnung. Was soll da
noch passieren?

Ganz viel…
Wir hatten so Jemanden im Betrieb. Auch mit Begabtenförderung. Ganz sicher nicht blöd. Aber blöd genug, das Wort „Begabtenförderung“ x-mal am Tag im Geplapper mit unterzubringen. Das hat ihn auch nicht besser gemacht. Fachlich gut, menschlich über weite Strecken unbrauchbar.

Es gibt auch wahre Perlen im Berufsleben, die nur schlechte Noten in Schule und Ausbildung geschafft haben. Ich denke, nur im Gesamtbild lässt sich der gute AN erkennen.

VG
Monroe

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Hallo

Wenn die Unternehmensdarstellung 67 % des Zeugnistexts
ausmachen würde, könnte man implizieren, dass es über den
Azubi nix zu schreiben gibt.

Beschreibt ein Zeugnisaussteller sehr ausführlich die
Tätigkeiten, dann muss er sich in entsprechender Breite auch
zu seinen Leistungen verhalten, weil sonst der Eindruck
entsteht, der Arbeitnehmer habe sich bemüht, aber im Ergebnis
nichts geleistet

Ist das sehr wahrscheinlich, wenn der Azubi wegen seiner guten Leistung die Prüfung vorzeitig abgelegt hat? Ich meine, eine solche Niete kann er dann doch eigentlich nicht gewesen sein. Oder kommt das häufig vor, daß Leistungen im Betrieb und in der Berufschule eklatant auseinanderklaffen?

Gruß,
Max

Hallo!

BAG-Urteil 3 AZR 232/76 - AP Nr. 12 zu § 630 BG
Zitat
Beschreibt ein Zeugnisaussteller sehr ausführlich die
Tätigkeiten, dann muss er sich in entsprechender Breite auch
zu seinen Leistungen verhalten, weil sonst der Eindruck
entsteht, der Arbeitnehmer habe sich bemüht, aber im Ergebnis
nichts geleistet

Vollkommen richtig. Nur: Wir haben es in diesem Fall mit einer staatlichen Ausbildung mit einem staatlichen Ausbildungsplan zu tun, das die Fragestellerin wegwen guter Leistungen vorzeitig beendet hat - mir fällt beim besten Willen nichts ein, was ich da an der Töätigkeitsbeschreibung noch drehen könnte, um aus dem guten Zeugnis ein schlechtes zu machen …

Bei der Tätigkeitsbeschreibung in einem Zeugnis hat der
Arbeitgeber einen weit geringeren Beurteilungsspielraum als
bei der Leistungsbewertung. Ein Zeugnis muß die Tätigkeiten,
die ein Arbeitnehmer im Laufe des Arbeitsverhältnisses
ausgeübt hat, so vollständig … und genau beschreiben, daß
sich künftige Arbeitgeber ein klares Bild machen können.

Wie gesagt: Wir reden von einer staatlichen Ausbildung mit einem allseits bekannten Ausbildungsplan.

Die Urteile beklegen, was im allgemeinen richtig ist - aber trifft das auf diesem Einzelfall auch zu?

Gruß,
Max

Ich denke, nur
im Gesamtbild lässt sich der gute AN erkennen.

100% agree. So sollte man das Ganze sehen.

Nur zu euer Beruhigung: Ich erwähne das bei günstigen Gelegenheiten mal meinen Chefs gegenüber. Als ich zur Ehrung ging und dann noch einmal jetzt wegen den Brief der Begabtenförderung. Sonst ist es ja auch unangemessen.

Das ich fachlich besser wegkomme als „menschlich“, wusste ich schon, aber ich arbeite dran.

Zu guter Letzt noch einmal vielen Dank für die Beurteilung, ich sinniere halt so ein bisschen vor mich hin, wie meine „Aktien“ stehen aktuell :wink:

Ja!

Oder kommt das häufig vor, daß Leistungen im Betrieb und in der Berufschule eklatant auseinanderklaffen?

Über Berufsschule kann ich wenig sagen, aber über Hochschulausbildung - und wage mal tolldreist die Behauptung, dass es mit der BS genauso ist.

Ich hatte schon mehrfach mit Diplomanden zu tun, die zwar ein 1er Diplom hingelegt haben aber so dermaßen grottig arbeiteten, dass eine Übernahme nach Vollendung des Studiums nicht in Frage kam.

Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die notenmäßig „unter aller Kanone“ abschließen aber im Job binnen Stunden in neuen Themen produktiv sind, weil sie irgendwie alles können - aber nie wirklich für eine Prüfung gelernt haben.

Oder noch besser, die Leute die ihr Studium mangels Interesse abbrechen und mal eben so ein erfolgreiches Unternehmen gründen (siehe Bill Gates)

Das kann an der BS genauso sein: die Guten sind hoffnungslos unterfordert und streuen ihr Interesse anderweitig während so mancher „Fachidiot“ meint, wenn er für die Prüfung gut lernt kann er was.

Wohlgemerkt, der Umkehrschluss gilt absolut nicht: Nicht jeder, der gute Noten hat ist automatisch unfähig - genausowenig wie schlechte Noten von hoher Qualifikation zeugen :wink:

Gruss,
Michael

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Hi!

Oder kommt das häufig vor, daß Leistungen im Betrieb und in
der Berufschule eklatant auseinanderklaffen?

Ich weiß nicht, was oft ist.

Ich war nur knapp 18 Monate Mitglied im Prüfungsausschuss und wurde nur 2 mal von der IHK zur Prüfung bestellt, aber zumindest unmöglich war das nicht.
Es kam halt vor.

VG
Guido

Hi!

Vollkommen richtig. Nur: Wir haben es in diesem Fall mit einer
staatlichen Ausbildung mit einem staatlichen Ausbildungsplan
zu tun,

Staatlich ist etwas anderes.
Hier handelt es sich um eine ganz normale Ausbildung gemäß der Ausbildungsordnung der zuständigen Kammer.
Hat nicht wirklich was mit dem Thema zu tun, wollte ich aber nicht so stehen lassen.

Die Urteile beklegen, was im allgemeinen richtig ist - aber
trifft das auf diesem Einzelfall auch zu?

Auch ein Ausbildungszeugnis ist ein Arbeitszeugnis und nach den Kriterien zu schreiben, welche allgemein gültig sind.

3 Punkte wäre zu wenig - so wie 21 Punkte zu viel sind.

Und in einer zusammengesponnen Verbindung:
2 Punkte bei den Tätigkeiten, von denen ist eine dann

  • Kaffee kochen
    und anderthalb Seiten Firmenbeschreibung

wird dieses Zeugnis zu einem miesen Zeugnis.

Genau deshalb rede (nicht nur) ich die ganze Zeit davon, dass ein Zeugnis komplett bekannt sein muss…

VG
Guido

Dann lass es halt
Wenn Du nicht verstehen WILLST, was man Dir sagt, dann lass es halt.

Dann solltest Du aber auch darauf verzichten, hier Anfragen zu stellen, wenn Du keine sinnvollen Antworten möchtest und eh alles zu wissen scheinst.

Kurz:
21 Punkte sind zu viel

Gruß
Guido

Hi!

Dass
mein HR-Fuzzi (so nennt man das heute wohl)

Na, da hast Du aber was zum Aufhängen gefeunden, oder?

Wäre Dir wohler, wenn da stünde
HR Managing Director mit Personalverantwortung für 3300 MA in Deutschland?

Gruß
Guido

Du bist schon ein Held

So sehe ich das auch: Leute wie Du und ich entscheiden am
Ende, wer in meiner Abteilung oder meinem Standort antritt.

Genau!

IHR stellt die Arbeitskräfte der Nation ein, alle anderen sind ahnungslos, und die Erde ist eine Scheibe.

So geht es meiner Kenntnis nach auch in vielen anderen
mittelständischen und großen Unternehmen zu. In kleinen
Unternehmen macht’s der Chef eh selbst.

Wie willst Du das denn beurteilen als Anfänger mit Grundkenntnissen?

Die HR-Tante

Die Wahl Deiner Termini sagt sehr viel aus über den Respekt, welchen Du gegenüber Deinen Mitarbeitern an den Tag legst.
Ich mag ein Arschloch sein, aber ich würde mich in Grund und Boden schämen, wenn ich über Kollegen und vor allem Mitarbeiter, welche ich selbst ausgesucht habe, so reden würde.

Und im hier besprochenen Fall ist es noch eindeutiger: Die
Betroffene hat auch noch einen IHK-Auszeichnung. Was soll da
noch passieren?

Du ignorierst ja beharrlich, WAS da alles schief gehen könnte (wurden genügend Beispiele genannt)

Guten Morgen,

Dass
mein HR-Fuzzi (so nennt man das heute wohl)

Na, da hast Du aber was zum Aufhängen gefeunden, oder?

Wäre Dir wohler, wenn da stünde
HR Managing Director mit Personalverantwortung für 3300 MA in
Deutschland?

Wie wohl es mir geht, steht hier nicht zur Diskussion. Unwohl wäre mir allerdings, wenn ich einer dieser 3.300 MA wäre, und du im Job genau so überzogen ausfällig reagieren würdest, wie du es hier machst.

Gruß
Rainer

Unwohl
wäre mir allerdings, wenn ich einer dieser 3.300 MA wäre, und
du im Job genau so überzogen ausfällig reagieren würdest, wie
du es hier machst.

Ich reagiere weder überzogen noch ausfällig - ich reagiere der Qualität der Beiträge, auf welche ich antworte, angemessen.

Ich finde es nur ziemlich arm, wie auch Du über Mitarbeiter (HR-Bereich) schreibst, die Du offensichtlich selbst eingestellt hast (korrigiere mich, wenn ich falsch liege).

Hättest Du die Fähigkeit besessen, Bewerbungen vernünftig zu sichten, hättest Du dort Mitarbeiter, die Dir den ganzen Kram weitestgehend abnehmen (**können), sodass Du aus den ganzen Bewerbungen nur die Top 5 (in %) begutachten müsstest…

Im Gegensatz zu Dir haben gute Personaler das nämlich richtig gelernt - mit Abschlussprüfung und so weiter.

Gruß
Guido**

Ich finde es nur ziemlich arm, wie auch Du über Mitarbeiter (HR-Bereich) schreibst, die Du offensichtlich selbst eingestellt hast (korrigiere mich, wenn ich falsch liege)

Ich verweise auf meine Antwort an Thomas Reiter: /t/wie-beurteilt-ihr-das-arbeitszeugnis/5423059/20
Ich habe, wie du siehst, keinerlei Erfahrung in einer HR-Funktion und habe dies auch nie behauptet.

Und jetzt ist Schluß mit diese Hick-Hack auf Kindergarten-Niveau

Rainer

Gerne würde ich mich mal mit deiner"HR-Tante" unterhalten über den Teil der Bewerbungen die gar nicht erst auf deinen Schreibtisch als Line-Manager landen…

Die Erde ist eine Scheibe und die Sonne dreht sich um die Erde… nur weil du das sagst.

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Ich habe, wie du siehst, keinerlei Erfahrung in einer
HR-Funktion und habe dies auch nie behauptet.

Zitat
_Ich habe 35 Jahre Berufserfahrung, davon 25 mit Personalverantwortung hinter mir. In dieser Zeit habe ich einiges erlebt, was Bewerbungen und Zeugnisse anbelangt, sowohl als Bewerber wie als Rekrutierer _

Recruiting ist ein klassisches Feld aus dem HR-Bereich, genauso, wie der komplette Einstellungsprozess von der Bedarfsanalyse bis zur Stellenbesetzung (dies natürlich nach Absprache mit der Fachabteilung) und im Zweifel auch bis zur Freisetzung.

Und jetzt ist Schluß mit diese Hick-Hack auf
Kindergarten-Niveau

Och, magst Du unbedingt das letzte Wort haben, oder wie kommst Du darauf, dass Du entscheidest, ob ich noch antworten darf?

Von meinen Tätigkeit in der Abteilung steht da in der Aufzählung nichts, man kann sich bloß denken, dass ich in der Personalabrechnung Personalabrechnung gemacht habe. Das ich in der Ausbildung teilweise alle zwei Wochen die Abteilung (planmäßig) gewechselt habe, führt zu der Menge an aufgezählten Bereichen mit den unterstellten Abteilungen. Ist halt eine Holding mit einen Dutzend Unternehmensteilen, wo man dann auch herum gekommen ist. 8 Unternehmensbereiche mit den besagten Unterpunkten.

Deswegen nimmt die Aufzählung der Tätigkeitsfelder der Holding auch 5 Zeilen ein. Aber das sind zusammen mit den Bereichen und Abteilungen keine halbe Seite. Und ich hab gesehen, dass bei den anderen die Zeugnisse in etwa die gleiche Länge hatten und gleich strukturiert waren, also münz ich das nicht auf mich persönlich.

Ansonsten kann ich nur sagen, der Ton macht die Musik. Aber letztlich muss jeder hier selber wissen, was er nach außen darstellen möchte.

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