Hallo!
Wir haben ganz bewusst auf
Unterspannbahnen verzichtet, weil schon der Großvater
propagiert hat…
Beim Hausbau sollte man sich von etlichen Weisheiten der Großväter verabschieden. Früher gab es viele der heute zur Verfügung stehenden Materialien nicht, etliche früher gängige Materialien und Bauweisen taugten noch nie viel und insbesondere haben sich Ansprüche an Wohnqualität und Energiebedarf deutlich verändert.
Früher bestand ein Dach aus Dachstuhl mit Lattung und Eindeckung - fertig. Die Deckung diente als Schutz vor Wärme und Kälte, als Schutz vor Regen, Wind und Schnee und als mechanischer Schutz. Diese Simpelbauweise hat zu keiner Zeit viel getaugt, aber sie passte zum Rest der Gebäudebauweise. Es war nämlich alles simpel aufgebaut und mit den Schwächen hat man eben gelebt. Wenn der Wind durch die Ritzen pfiff, machte das gar nichts. Die Häuser brauchten diese Art der Zwangsbelüftung sogar, weil es sonst überall geschimmelt hätte. Über ein bisschen Staub unterm Dach hat niemand geredet. War auch nicht der Rede wert angesichts des unsäglichen Drecks, den die Kohleheizungen im Haus verursachten und in die Luft pusteten. Um Heizkosten, überhaupt um Energiebedarf, scherte sich kaum jemand. Ein VW-Käfer mit 30 oder 34 PS brauchte satte 10 Liter Benzin auf 100 km und eine kWh aus Heizöl kostete nur wenig mehr als einen einzigen Pfennig, 1970 waren es 1,8 Pfennig. Braunkohle und Koks waren noch billiger. Man muss sicherlich nicht erläutern, warum es nicht schlau ist, heute noch wie vor 40 oder 50 Jahren nach Großvaters Art zu bauen.
Im bewohnten Bereich des Daches machen wir keinen Kompromiss
und machen einen heute üblichen Aufbau. Aber, im Bereich des
Spitzbodens, der noch eine erhebliche Fläche des Daches
ausmacht, würden wir gerne auf UD und UDB verzichten.
Vernünftig ist das nicht. Außerdem liegt die Eindeckung im sachgerecht gedeckten Dachbereich durch Unterspannbahn mit Konterlattung um eine Lattenstärke höher als im nach Großväter-Art eingedeckten Bereich.
„Normale“ Dachfenster einbauen. Vielleicht auch einige
Glasziegel. Auch Durchgänge für Entlüftungsrohre und Solar
wären sicher problemloser.
Nein.
Jetzt die Frage an Euch: Wie weit kann man Tonziegel als
winddicht betrachten?
Gar nicht. Die nur dem mechanischen Schutz dienende Deckung war noch nie dicht und ist auch heute nicht dicht. Früher wurde die Dacheindeckung oftmals furchtbar mühsam von innen mit Mörtel verstrichen. Das war Murks, weil der Verstrich nach wenigen Temperaturwechseln riss und schadhaft wurde. Den Flugschnee hatte man schaufelweise unter dem Dach. Deshalb werden die einzelnen Funktionen mechanischer Schutz, Winddichtigkeit und thermische Isolation voneinander getrennt. Eine Schicht kann das nicht leisten.
Gruß
Wolfgang