meine Tochter (fast 11) und ich tragen uns mit dem Gedanken, sie einen Kampfsport erlernen zu lassen. Tja - leider haben wir zwar einen riesigen Wortberg von Namen für diverse Kampfsportarten und doch keine Ahnung, worin sie sich unterscheiden.
Ich benenne einfach mal unsere Motivationen - vielleicht kann dann jemand Tipps geben - oder zumindest Licht ins Dunkel bringen:
sie ist sehr zierlich und dazu deutlich jünger als ihre Schulkameraden - das läd offensichtlich dazu ein, immer auszuprobieren, ob man sie nicht doch piesacken kann -> Zielwunsch: Ausstrahlung und Körperhaltung in Konfliktsituationen verbessern
sie ist hyperaktiv, braucht Bewegung wie die Luft zum Atmen. Zielwunsch: Auspowern
anknüpfend an den letzten Punkt: In ihrer Welt ist das Verhältnis von Anspannung und Entspannung gestört. Zielwunsch: Neben auspowern auch zur Ruhe finden lernen
Selbstdisziplin geht fast nur da, wo der Spaß bleibt (also sie KANN selbstdiszipliniert sein, geht bereits 3x die Woche schwimmen und wehe es fällt aus), aber ich habe den Eindruck, dass sich auch in diesem Punkt die Kampfsportarten unterscheiden. Wunsch: Disziplinierter Sport, ja, aber nicht millitärmäßig.
Auch die Frustrationsgrenze liegt relativ weit unten, insofern wäre es auch der Disziplin förderlich, wenn der Sport eher einfach zu erlernen und viele, kleine, schnelle Erfolge bringen kann.
naja, zu guter Letzt… ich bin ja auch nur eine Mutter… sollte sie sich durchaus auch verteidigen können, wenn sie in ein paar Jahren anfängt um die Häuser zu ziehen.
Ich hoffe, dass uns jemand helfen kann! Bei weiteren Fragen: Nur zu.
hyperaktive kinder und jugendliche profitieren sehr von klaren anforderungen, da sie ihnen struktur geben. also kann die kampfsport-disziplin, die vielleicht auch militätische anmutet, sogar von vorteil sein. im taekwon-do geht es ziemlich straff zu, aber ein viel lobender trainer ist der schlüssen für deine tochter, weihe ihn doch ein, was sie braucht. haltung und selbstbewusstsein stellen sich über diesen sport ebenso von alleine ein wie auch das ausgepowerte gefühl.
aber wenn deine tochter schon gerne 3 x die woche schwimmen geht, wieso steigert sie dort das pensum nicht? auch der schwimmlehrer könnte sie mehr loben und ihre stärken gezielt fördern. vielleicht taucht sie besonders gut oder kann gut vom turm runter (hyperaktive kinder mögen den thrill!) spingen. da geht auch was.
vielen Dank, dass Du noch die Muße hattest, zu antworten… mir war nicht klar, dass ich hier gerade ein Nerv-Thema anspreche.
aber wenn deine tochter schon gerne 3 x die woche schwimmen
geht, wieso steigert sie dort das pensum nicht?
Weil sie dort schon alles macht, was möglich ist. Sie schwimmt erfolgreich in der höchsten Leistungsgruppe, geht auf Wettkämpfe und irgendwie würde sie gerne noch etwas anderes ausprobieren.
Selbstdisziplin geht fast nur da, wo der Spaß bleibt (also
sie KANN selbstdiszipliniert sein, geht bereits 3x die Woche
schwimmen und wehe es fällt aus), aber ich habe den Eindruck,
dass sich auch in diesem Punkt die Kampfsportarten
unterscheiden. Wunsch: Disziplinierter Sport, ja, aber nicht
millitärmäßig.
naja, zu guter Letzt… ich bin ja auch nur eine Mutter…
sollte sie sich durchaus auch verteidigen können, wenn sie in
ein paar Jahren anfängt um die Häuser zu ziehen.
Hallo,
auch wenn zum Thema schon was geschrieben wurde, hier ein paar kurze Sätze zur Orientierung. Es wird schwierig eine Kampsportart zu finden, die alle o.g. Voraussetzungen erfüllt (Austoben, Disziplin, kein Militärgetue, realistisch). Zum Austoben und zur Disziplin ist sicherlich Taekwodo und Karate gut, diese haben aber schon etwas militärisches an sich und sind nicht zur realistische Selbstverteidigung geeignet. Hier würde ich eher eine westliche Sportart wie Boxen oder Kickboxen empfehlen. Hat nur den Nachteil, dass es hier was auf die Nase gibt. Ob du das als Mutter willst, kann ich nicht entscheiden. Realistische Verteidigung kann man jedenfalls nicht anders lernen, als durch den freien Kampf. Im Taekwondo/Karate gibt es hier leider zu viele Trockenübungen, die nichts bringen. Aber für ein 11jähriges Mädel sind realistische Techniken nicht das entscheidende, deswegen kann ich diese beiden Sportarten trotzdem mit gutem Gewissen empfehlen solange einem bewußt ist, dass das ganze in der Realität anders aussehen würde.
hyperaktive kinder und jugendliche profitieren sehr von klaren
anforderungen, da sie ihnen struktur geben. also kann die
kampfsport-disziplin, die vielleicht auch militätische
anmutet, sogar von vorteil sein.
Das hängt allerdings auch noch vom Verein ab. Hier in der näheren Umgebung sind 3 Vereine, bei denen das Training nicht unterschiedlicher sein könnte:
bei A geht es zu wie im Kindergarten - zum Aufwärmen wird Völkerball gespielt. Viel Lärm, es wird häufig nicht richtig trainiert
bei B geht es disipliniert zu. Wird es zu laut und leidet die Aufmerksamkeit gibt es einen passenden Kommentar, dann ist gut. Das Aufwärmtraining ist recht vielseitig und abwechslungreich. Dauer nie unter 0,5 h
bei C geht es zu wie beim Militär - Disziplin! Aufwärmtraining wie bei B.
Im Endeffekt muss jeder für sich das passende finden, man kann nicht einfach pauschalisieren was Spaß macht. Viele Vereine bieten doch heutzutage ein Probetraining an, einfach mal hingehen und überraschen lassen. Ich bin bei Verein B geblieben, werde aber demnächst auch wieder C besuchen (andere Sportart aber auch Kampfkunst)
Hallo Muecke,
ich habe ettliche Jahre Ju Jitsu praktiziert. Dort hatten wir auch eine Kindergruppe und ich hatte den Eindruck, daß diese Kampfkunst einigermaßen zu Deiner Tochter passt.
Ju Jitsu ist zum einen sehr körperbetont, aber nicht brutal.
Es powert aus, man muß aber auch sehr diszipliniert sein.
Und das wichtigste, man verliert die Opferhaltung und - gehabe.
Das führt dazu, daß man sich zwar wehren kann, es aber meist nicht muß.
ich danke Euch allen für Eure Schilderungen! Und sehe ein, dass unsere Entscheidung kaum vom Schreibtisch aus gefällt werden kann.
Gerade auch der Hinweis „auf den Trainer kommt es an“ hat mich zu der Überzeugung gebracht, dass wir wohl eben doch einfach mal überall in Trainingsstunden reinschneien sollten und dann sehen, was ihr am meisten Spaß macht. Was nutzt uns eine toll zu den Anforderungen passende Sportart, in der aber der Trainer (oder seine pädagogische Fähigkeit)nicht zusagt…
Ob es dann eben etwas mehr oder weniger realistische Selbstverteidigung sein wird, nehme ich als Mutter dann einfach so hin. Ist ja auch nicht mein Hauptanliegen.
Da haben wir dann jetzt einige Wochen Ausprobiererei vor uns. Bin da wohl mal wieder zu überorganisatorisch dran gegangen…