vor beleidigtem einschnappen erst GANZ lesen…
hallo constanze,
schon seit meinem 15. Lebensjahr spiele ich mit dem Gedanken
einen eigenen Roman zu verfassen.
hast du eine ahnung, wie viele millionen „zukünftige autoren“ es gibt? so gut wie jeder studienrat hat einen angefangenen roman in der schublade, von den hausfrauen ganz zu schweigen.
nein, ich will jetzt nicht einzelne berufs- oder bevölkerungsgruppen „diffamieren“, sondern nur darauf hinweisen, dass es an verhinderten möchtegern-autoren nicht mangelt.
nun zu deinem problem (so es denn eins ist):
die jenigen, die seit ihrem 15. lebensjahr - oder seit wann auch immer - ein buch schreiben wollen, unterteilen sich in 2 gruppen - die, die nur drüber reden. und die, die es wirklich tun.
die, die es wirklich tun, lesen viel, schreiben tausenderlei kleine geschichtchen allein zur fingerübung, nehmen vielleicht - um sich mit anderen zu messen - an ebensovielen schreibwettbewerben teil und treiben sich idealerweise in mindestens einem der zahllosen literatur-foren rum (z.b. bei http://www.literaturcafe.de oder http://www.leselupe.de um nur 2 zu nennen), um ihre werke den kritischen blicken der mit-schreibenden auszusetzen und mittels schonungsloser kritik zu reifen. (mindestens die hälfte derer, die das tun, werden jetzt das handtuch schmeißen und sich beleidigt jede äußerung, die nicht einer literarischen heiligsprechung gleichkommt, verbitten.)
wer jetzt noch immer spaß am schreiben hat, wird es weiterhin tun, und wird, weil er (= der mensch. geschlechtsneutral gemeint!) ja inzwischen durch erfahrungsaustausch mit anderen autoren in unterschiedlichen reifestadien dazugelernt hat und jetzt auch die wege kennt, mit verlagen und/oder agenten kontakt aufzunehmen versuchen.
wer das geschafft hat und tatsächlich mit seinem werk zu einem verlag gefunden hat (wir sprechen jetzt nur noch von einem bruchteil der leute, die alle seit jahrzehnten schon ein buch schreiben wollen!) und wer zudem die angleichung seines werkes an den main stream zwecks erzielung größtmöglicher verkaufszahlen überlebt und im verlauf dieses prozesses seinen lektor nicht hassen gelernt hat - der darf sich so langsam autor/schriftsteller/scrittore/writer nennen.
NICHT schriftsteller nennen darf sich hingegen jener, der zur bereicherung sogenannter zuschußverlage beigetragen hat, indem er dort - vorbei an jeglichen literarischen maßstäben - sein werk verlegen ließ.
auch die damen und herren, die auf buchmessen im kantinenbereich mit stolzgeschwellter brust und auf ihr montiertem pappschild mit der aufschrift „Ich bin ein Schriftsteller“ (nicht lachen! die gibt es wirklich!) sind nicht etwa ebensolche, sondern erbarmungswürdige opfer geldgeiler und literaturferner bezahl-mich-dann-druck-ich-dir-was-du-willst-verleger.
Ich brauche dringend Tipps, wie ich anfangen sollte.
Könnt ihr mir vielleicht helfen?
messe dich mit anderen, gehe in (z.b. o.g.) literaturforen, beteilige dich an mitschreibprojekten, stelle deine arbeiten dort vor.
habe keine angst, dir könnte jemand die idee klauen, denn die paar grundmotive stehen seit aristoteles fest und lassen sich an den fingern abzählen. alles was danach kam, sind nur noch varianten.
und vielleicht möchtest du noch wissen, wann eine story, ein roman interessant ist?
1.) nun, auf keinen fall interessant sind persönliche tagebucheinträge, krankheitsverläufe (auch psychische nicht!), vermeintlich tragische schicksale (die gibts zu tausenden) und auch nicht das gegenteil - eine glückliche kindheit/liebe/ehe/was auch immer. das alles sei sachbüchern vorbehalten.
2.) spannernd wird eine story erst, wenn sie eine entwicklung nimmt, bzw. ihr protagonist. er/sie muß grenzen überschreiten, sei es räumlich, interlektuell, psychisch, physisch (idealerweise in kombination) und dabei durch niederlagen reifen.
3.) hauptperson ist stets, wer zuerst denkt.
4.) richtig gut wird eine story erst dann, wenn die personen anfangen zu „leben“, d.h. auch für den autor überraschende entwicklungen nehmen.
so, mehr fällt mir jetzt nicht ein.
wenn du soweit bist, sage ich dir, wie man ein exposé zwecks vorstellung bei verlag/agenten ausfertigt.
nun ran ans werk! 
gruß
ann