Hallo,
so, weshalb muss dieser Gewinn immer weiter steigen???
ich will auf die anderen Punkte nicht eingehen, weil wir wahrscheinlich allein drei Tage damit beschäftigt wären, uns darauf zu verständigen, worum es überhaupt geht - zu groß sind die (genauer: Deine) Unsicherheiten bei den einzelnen Vokabeln.
Der Wunsch nach Gewinn ergibt sich daraus, daß jemand Geld in das Unternehmen steckt, daß er einerseits ausgeben und andererseits anderweitig investieren könnte. Diesen Ansatz nennt man Opportunitätskostenansatz, d.h. man betrachtet die anderen Gelegenheiten (Opportunitäten), die sich einem für die Geldanlage bieten und vergleicht diese. Dies sind zwei Gründe von einer knappen Handvoll, warum es Zinsen auf Kredite gibt: Entschädigung für Konsumverzicht und Konkurrenz der Anlagemöglichkeiten. Ein anderer wichtiger Grund für Zinsen ist das Risiko, was man bei einer Kreditvergabe hat. Dieses Risiko wird mit der Risikoprämie bezahlt, die einen Teil des Zinssatzes ausmacht.
Diese Überlegungen betreffen aber nicht nur die Kreditvergabe (also Vergabe von Fremdkapital), sondern auch die Vergabe von Eigenkapital, wie das bspw. bei Aktien der Fall ist. Der Unterschied zum Fremdkapital ist, daß das Risiko eines Ausfalls bei Eigenkapital höher ist und bei Eigenkapital auch keine Rückzahlung erfolgt, der Konsumverzicht also „auf ewig“ erfolgt.
Nun stellen wir uns mal vor, ein Unternehmen habe ein gezeichnetes Kapital von 1 Mio. Euro, eingeteilt in 1000 Aktien, so daß auf jeden Aktionär in der Stunde 0 1000 Euro Einsatz entfielen.
Für die Verzinsung von Eigenkapital rechnet man je nach Risiko 10-20% (es gibt auch Branchen und Unternehmen, in denen 25 oder gar 30% gefordert werden, aber das sind uninteressante Einzelfälle), wobei ich hier einfach mal der Bequemlichkeit 10% wähle. Im ersten Jahr wird also ein Gewinn von 100.000 erwartet und auch erzielt. Da man als schlauer Aktionär davon ausgeht, daß das Unternehmen Kapital besser investiert als man selber (sonst hätte man der Bude gar nicht erst Geld gegeben), verzichtet man auf Dividende (d.h. auf die (Teil)Auszahlung des Gewinns). Das Kapital beläuft sich nun auf 1.100.000.
Für das nächste Jahr werden darauf 10% Verzinsung erwartet, also 110.000. Und so entsteht die Erwartung steigender Gewinne.
Alternatives Szenario: Das Unternehmen erzielt im zweiten Jahr wieder den gleichen Gewinn wie im Vorjahr, d.h. 100.000 Euro. Damit ist die Verzinsung von 10 auf 9,1% zurückgegangen. In dem Augenblick überlegen schon die ersten Aktionäre, ob sie die Aktien nicht doch lieber verkaufen und bei gleichem Risiko in ein besser wirtschaftendes Unternehmen investieren sollen. Der Aktienkrus sinkt, die Fähigkeit, zusätzlich Kapital zu bekommen geht zurück.
Steigende Gewinne sind also kein Selbstzweck sondern sichern die Existenz des Unternehmens.
Gruß,
Christian