Gehören Atheisten jetzt zur Religion der Atheisten oder wie
ist das?
um etwas zu verneinen, muß man ihm zumindest eine bedeutung
beimessen.
Nicht IHM, sondern dem Umstand, dass ein ER behauptet wird …
der atheist verneint etwas, von dem er anscheinend
genau weiß, was es ist, sonst könnte er es nicht verneinen.
Das ist die berüchtigte universelle Verdachtslogigk a la „wer sich verteidigt, klagt sich an“. Du wirst doch auch einiges verneinen und nicht einfach alles glauben. Das Nirvana, die Wiedergeburt … irgendwas wirst doch auch du verneinen. Wenn jetzt jemand feststellen würde, das du in Wirklichkeit von all dem genau weist, was du da verneinst.
Wer leugnet, bestätigt! Das ist der Triumphschrei aller Folterknechte von der hl. Inquisition bis zu Stalins Lublianka. Herzlichen Glückwunsch!
also ist atheismus sowas wie ein reziproker glaube an gott.
Dann hättest doch auch du eine ganze Menge an reziproken Glauben auf dem Buckel. Wäre dir das recht? Ich glaube nicht wirklich.
ähnliches beispiel: satanismus. er ist eine verneinung des
christentums und deshalb ein „reziprokes christentum“ und
keine „nichtreligion“.
Aber für Antisemitismus gilt das nicht mit den Verneinungen; Antisemiten als reziproke Juden; da müsste es dann doch wohl aufhören.
die wirklich „religionslosen“ nennen sich agnostiker: sie
wissen gar nicht, was gott sein soll, können es nicht wissen
oder es ist ihnen egal.
„Religionslos“ ist ja ein wirklich gerissenes Wort! Wo das Wort suggeriert, das der Mensch so etwas bräuchte und ihm sonst was fehlte. Was Gott sein soll, kann sich jeder durch einfaches sich beschallen-lassen-von Gläubigen-anhören. Diese ganzen Verkündigungen sind zunächst einmal Hypothesen über das, von dem sie handeln wollen; einer Universalgenesis, eines postmortalen Daseins usw. Hypothesen höre ich mir an und behandele sie nach dem Eindruck von ihrer Brauchbarkeit für mein Leben, den sie auf mich machen. Und ich gucke mir an, welchen Eindruck ich von dem habe, was diese Hypothesen, im Falle ihres geglaubt-werdens aus ihren Gläubigen machen. Das ist natürlich nicht ganz fair, den Hypothesen gegenüber, weil mancher Zustand eines Gläubigen sicher auch anders als nur durch seinen Glauben bedingt ist.
Da mus ich also Unschärfen in Kauf nehmen, und darauf bauen, dass sich Extreme Ausschläge gegenseitig aufheben. Das Bild, was sich mir, bei aller um Unvoreingenommenheit bemühten Betrachtung von der Brauchbarkeit der angebotenen Daseinshypothesen und dem Zustand ihrer Gläubigen bietet, lässt mich auf ein Vokabular blicken, dass ich mit zunehmender sittlicher Reife immer weniger geneigt bin, in den Mund zu nehmen.
Religösität ist ein selbstgewählter Zustand minderer geistiger und sittlicher Geschäftsfähigkeit, ist mein Eindruck. Und alle religiösen Eiferer dieser Welt sind meine Zeugen sowohl in der eigenen wie in den jeweils andersgläubigen Sache.
In diesem Sinne bezeichne ich mich als Atheist. Ich lebe damit, dass ich mit einigen nicht beantwortbaren Fragen durch dieses Leben gehe und gehe davon aus, dass es danach Feierabend ist, mit meiner personalen Existenz. Dazu, etwas „angenehmeres“ zu glauben, mag es Sehnsucht geben, doch der Preis, den es kostet, diese Sehnsüchte zu laben, wie er sich in der Geschichte der Religionen und ihrer Gegenwart wiederspiegelt, erscheint mir unvertretbar hoch. Wie bei Opium. Das soll auch gut kommen, rechtfertigt aber dann doch nicht den Preis, den es fordert.
grüße
Thomas