buenos,
Ihm
war dieses Konzept also durchaus bekannt und er versuchte in
einer Sprache zu sprechen, die auch verstanden wurde.
Wenn er sich dieser theistischen Sprache und Terminologie
zumindest bedient,
ich meinte nicht, dass er sich dieser Terminologie bedient, nur, dass ihm schon bewusst war, zu wem er sprach. Er hat meines wissens nie gesagt, dieser oder jener Gott existiert nicht. Was macht das für einen Sinn, soetwas zu jemandem zu sagen, der an einen Gott glaubt. Keinen, oder ? Das hieße doch bestenfalls (falls derjenige einem dann Glauben schenkt), einen Glauben durch einen anderen zu ersetzen. Ich denke, das war aber nicht Buddhas Absicht.
Er sagte einfach, alles was du suchst, kannst du in dir selbst finden. Mehr nicht. Man kann darüber dann entweder mit den Schultern zucken, oder sich auf die Suche machen.
(du sagst, lediglich aus
didaktischen/pädagogischen Erwägungen) wie kannst Du sicher
sein, ob er das dahinterstehende Konzept negiert oder
akzeptiert?
Negieren, bzw. akzeptieren entspricht unserem gewohnten dualistischen Denken, nicht aber dem buddhistischen Weltbild. Grade dieses Denken soll ja überwunden werden.
Abgesehen natürlich davon, dass für die
„lebenspraktische“ Umsetzung seiner Lehre der Gottesbegriff
völlig irrelevant ist. Aber das kann ja theoretisch auch eine
schlicht pragmatischer Ansatz sein, nach dem Motto: ob ein
Gott ist, oder nicht, ist belanglos,
genau so belanglos wie die Frage, ob man selbst ist oder nicht 
Aber um dies vielleicht etwas verständlicher zu machen: wenn irgend etwas ist, oder nicht ist, was ist es dann, oder was ist es nicht ? Bleibt bei der Beantwortung dieser Fragen zum Schluss etwas übrig von dem du sagen kannst: genau das ist es ? Und wird es in all seinen Facetten dadurch beschrieben und erfasst ?
Und ist es im nächsten Moment immer noch das gleiche ? Oder in einem Jahr ? Und wenn es das dann nicht mehr ist, was ist es dann ? Und wenn es sich eh ständig ändert, was für einen Sinn macht es dann, irgend etwas zu benennen ? Hast du dir jeh alte Familienphotos angeschaut und gedacht: Oh ja, das war ich …und das bin ich jetzt…Aber ist das ich von damals noch mit dem ich von jetzt identisch ? Und wenn nicht, was ist dann das ich ?
Wenn Buddha als ehemaliger Brahmane in einer theistisch
geprägten Umwelt lehrte, ist doch anzunehmen, dass er sich
klar abgrenzend geäußert hat. Gibt es derartige überlieferte
Äußerungen Buddhas, in denen die Ablehnung einer Gottheit klar
formuliert wird? Versteh’ mich bitte nicht falsch, es geht mir
nicht darum, aus meiner monotheistisch geprägten Tradition in
den Buddhismus irgendeine Wunschvorstellung
hineinzuprojizieren, ich möchte mich lediglich um ein
genaueres Verständnis bemühen.
Siehe oben. Aus diesem Grund hatte ich ja meine erste Textstelle ausgewählt, um genau diese Frage zu beantworten.
Die Anführung von Zen-Texten finde ich in dem Zusammenhang
allerdings wenig hilfreich, da dies wohl nicht exakt mit der
Lehre des historischen Buddha identisch ist, oder?
Zen ist eine annerkannte buddhistische Schule. Es gibt sogar Leute, die behaupten, im Zen befände sich die Essenz der buddhistischen Leere. Darüber kann man vermutlich diskutieren, aber kein Buddhist käme auf die Idee, Zen nicht als eine Ausprägungsform der Lehre des historischen Buddha zu sehen, da die Begründer des Zen (damals hieß er noch Ch’an und befand sich in China) sich auf die Lehrreden des historischen Buddha berufen.
Man darf sich beim Buddhismus nicht täuschen. Buddhismus kann sehr unterschiedliche Ausprägungen haben. Die größten Gegensätze finden sich vermutlich zwischen dem sehr minimalistisch wirkenden Zen und dem recht folkloristisch wirkenden tibetischen Buddhismus. Dennoch gibt es innerhalb der buddhistischen Welt keine Zweifel daran, das dies beides buddhistische Schulen sind.
Nur, wenn man zu einer bestimmten Fragestellung aus buddhistischer Sicht Stellung nehmen soll, dann kann es manchmal sinnvoller sein, eine Antwort in dieser oder jener buddhistischen Schule zu suchen. So hat sich der Zen eben sehr intensiv mit der Aufhebenung der Dualität und der Objekt/Subjekt Beziehung auseinandergesetzt. Bei Fragen, die das Ursache-Wirkung-Prinzip betreffen, würd ich vielleicht eher im tibetischen Buddhismus nach Antworten suchen und bei Fragen der allgemeinen Lebensführung oder „Ethik“ im Theravada-Buddhismus. Dennoch beruhen alle buddhistischen Schulen auf den gleichen Grundsätzen. Sie setzten nur ihre Schwerpunkte etwas anders (man verzeihe mit diese stark vereinfachte Darstellungsweise).
- Das unterscheidende Denken drängt sich dem Menschen durch
die Wahrnehmung seiner Umwelt nahezu zwingend auf. Ich würde
sagen, das unterscheidende Denken ist das, was z.B. die
Entwicklung des Menschen vom Säugling zum Erwachsenen
bestimmt. Wie ist die Entstehung eines Ideals erklärbar, dass
Ablehnung oder Verlust der kognitiven und mentalen Leistungen
und Fähigkeiten des Menschen so verklärt und zum Ziel erhebt?
Versuche es nicht als Verlust, sondern Erweiterung der Wahrnehmungsfähigkeit zu sehen
Es kommt halt immer drauf an, was du wahrnehmen willst…die Erscheinungsform oder das Wesentliche ? Dadurch, dass man etwas benennt, kann man seine Wahrnehmungsfährigkeit auch einschränken.
- Ferner beinhaltet dieses System doch einen fundamentalen
Widerspruch:
schon die Erkenntnis, dass es so etwas wie unterscheidendes
und nichtunterscheidendes Denken gibt, ist doch nur dem
unterscheidenden Denken möglich. Das Erreichen des Ideals kann
also nur durch Negation desselben erreicht werden?
Nein, das wäre paradox oder absurd. Man kann z.B. nicht denken, dass man nicht denkt. Die Erkenntnis, dass es unterscheidendes Denken gibt, ist banal. Das Ziel ist, diese Art zu Denken, und (so nenne ich das jetzt mal) Herrschaft des Denkens zur Verhinderung der Erkenntnis unserer wahren Natur zu überwinden.
lieben Gruss
Marion