Wie ist es richtig?

Hallo!

In meinem Gehirn herrscht gerade Leere, deswegen benötige ich Eure Hilfe.

Das möchte ich sagen/schreiben (Beispiel):
„Ihre Chefin sagt, Sie würden kaum noch Absprachen treffen und lediglich Briefe schreiben“

Wäre es so auch korrekt? Wo liegt der Unterschied?
„Ihre Chefin sagt, Sie träfen (?) kaum noch Absrachen und schrieben (?) lediglich Briefe“

Ich möchte gerne richtig formulieren und diese ständigen „würden“, „hätten“ usw. nicht verwenden.

Danke!

Hi,

beide Varianten sind richtig, die zweite ist eleganter. Die zweite verwendet eben bloß keine Modalverben, sondern setzt den Konjunktiv direkt am Vollverb an.

Grüße,

Susanne

Hallo nochmal,

ich bin mir hinsichtlich des Konjunktivs oft unsicher. Kennst Du vielleicht eine hilfreiche Quelle?

Danke

Hallo Daisy,

die indirekte Rede kann man im Deutschen relativ großzügig handhaben; es ergeben sich meist nur stilistische Varianten. Schau dir mal diese Seite an: http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ver…

Tschüß
gargas

Hallo!

Vielleicht sollte man zuerst sich klarmachen, dass dies vertrackte Sätze sind. Denn man verwendet hier die indirekte Rede und müsste daher den Konjunktiv I gebrauchen.
Da aber in der dritte Person Plural der Konjunktiv I nicht vom Indikativ Präsens zu unterscheiden ist, nimmt man hier ersatzweise den Konjunktiv II, der eigentlich den Irrealis ausdrückt.

Das möchte ich sagen/schreiben (Beispiel):
„Ihre Chefin sagt, Sie würden kaum noch Absprachen treffen und lediglich Briefe schreiben“

Zur Klärung noch: Wer ist „Sie“? Ist eine Person gemeint, die höflich angeredet wird? Oder eine Personengruppe, die höflich angeredet wird?

Oder einfach mehrere Personen? Dann müsste man es klein schreiben.

Wäre es so auch korrekt?
„Ihre Chefin sagt, Sie träfen (?) kaum noch Absprachen und
schrieben (?) lediglich Briefe“

Ja, und das ist, wie schon gesagt, eleganter und besseres Deutsch!

Wo liegt der Unterschied?

Im ersten Satz ist der Konjunktiv mit dem Hilfsverb „werden“ (nicht Modalverb!) gebildet, was heute umgangssprachlich ganz korrekt ist; im zweiten Satz wird der korrekte Konjuntiv verwendet; was manchem heute überkandidelt vorkommt

Bei unregelmäßigen Verben (treffen, sie trafen, sie träfen) kann man den Konjunktiv II, der hier anstelle des mit dem Indikativ Präsens formgleichen Konjunktiv I verwendet wird, vom Präteritzm unterscheiden; deshalb kann man hier auf des „werden“ verzichten.

Bei regelmäßigen Verben (schreiben, sie schrieben, sie schreiben) sieht man den Unterschied zwischen Präteritum und Konjunktiv II nicht; deshalb nimmt man da heute eher die Form „würde schreiben“. Da aber der Kontext hier den Konjunktiv nahelegt, wird man „sie schrieben“ eben als solchen deuten und nicht als Präteritum.

Ich möchte gerne richtig formulieren und diese ständigen
„würden“, „hätten“ usw. nicht verwenden.

Du kannst nur das „würden“ vermeiden, denn „wären und hätten“ treten unweigerlich bei den Konjunktiven der Vergangenheit auf.

Und um die Frage deines zweiten Artikels zu beantworten. Schau in eine der Übungsgrammatiken - etwa die von Helbig/Buscha - für Ausländer, die hier in der Literatursammlung genannt werden. Dort ist das sehr genau und ausführlich dsrgestellt.

Und google nach „Konjunktiv“, Indirekte Rede"! Da findest du etwa: http://karlsgymnasium.bestnetz.de/Deutsch/sprachlehr…

Gruß Fritz

Verzeih, Garges,

aber solche Ansichten

die indirekte Rede kann man im Deutschen relativ großzügig handhaben; es ergeben sich meist nur stilistische Varianten.

sind Ursache dafür, dass nur noch wenige Leute die indirekte Rede korrekt verwenden können.

Gruß Fritz

Nicht

Modalverben,

sondern Hilfsverben, S. o.

Fritz

Hallo!

Zur Klärung noch: Wer ist „Sie“? Ist eine Person gemeint, die
höflich angeredet wird? Oder eine Personengruppe, die höflich
angeredet wird?

Es handelt sich um einen förmlichen Brief, in welchem eine Person angesprochen wird.

Im ersten Satz ist der Konjunktiv mit dem Hilfsverb
„werden“
(nicht Modalverb!) gebildet, was heute
umgangssprachlich ganz korrekt ist; im zweiten Satz wird der
korrekte Konjuntiv verwendet; was manchem heute überkandidelt
vorkommt

Ich empfinde die Formulierungen mit dem Hilfsverb „werden“ häufig als holperig. Insbesondere, wenn es sich um lange Schriftstücke oder gar Protokolle mit indirekter Rede handelt (die mich in den Wahnsinn treiben).

Danke für die Hilfe.

Daisy

Das würde des Menschen ist antastbar!
Hallo!

Es handelt sich um einen förmlichen Brief, in welchem eine Person angesprochen wird.

Ich war wohl etwas undeutlich; das höfliche „Sie“ wird nur in der direkten Rede groß geschrieben; in der indirekten Rede aber klein.

Ich empfinde die Formulierungen mit dem Hilfsverb „werden“ häufig als holperig. Insbesondere, wenn es sich um lange Schriftstücke oder gar Protokolle mit indirekter Rede handelt (die mich in den Wahnsinn treiben).

Der Ersatzkonjunktiv mit „würde + Infinitiv“ ist in der Tat holprig und bei zu häufigem Gebrauch richtig grausam.

Darum wechselt man oft schon einfach in den Indikativ.

Gruß Fritz

Hallo!

Es handelt sich um einen förmlichen Brief, in welchem eine Person angesprochen wird.

Ich war wohl etwas undeutlich; das höfliche „Sie“ wird nur in
der direkten Rede groß geschrieben; in der indirekten Rede
aber klein.

Wirklich? Das halte ich für unlogisch.

Dann müsste es ja heißen: „Er sagte mir, dass Sie krank sind.“ aber „Er sagte mir, dass sie krank seien.“, weil es im einen Fall Indikativ und im anderen Konjunktiv ist. Das kann doch nicht Dein Ernst sein.

Michael

Hallo!

Von hinten durch die Brust ins Auge!

Dann müsste es ja heißen: „Er sagte mir, dass Sie krank sind.“
aber „Er sagte mir, dass sie krank seien.“, weil es im einen
Fall Indikativ und im anderen Konjunktiv ist.

Du hast hier den Sonderfall aufgegriffen, bei dem die indirekte Rede eine Wiederholung einer Anrede an eine gesiezte Person an die gesiezte Person darstellt.

Was ich meine, ist:

Scheffe bei der Betriebsversammlung: „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Sie sind unser bestes Kapital!“

Reporter in der Zeitung: Der Scheffe sagte bei der Betriebsversammlung zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sie seien das beste Kapital der Firma.

Gruß Fritz

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Guten Abend, Fritz,

ja, ich verzeihe dir - Quatsch! Auch ich hatte bis vor einigen Wochen eine ganz andere Meinung über den Gebrauch der Zeiten und Modüsse in der indirekten Rede als die, die auf der Seite von canoo dargestellt wird. Ein Bekannter verwies mich dann auf die Seite, und ich musste klein beigeben.
Wenn diese Formen in der schriftlichen STANDARDsprache inzwischen „richtig“ sind, dann muss man sie auch akzeptieren. In der GEHOBENEN Sprache gelten andere Regeln -aber das wissen leider viele nicht, die sich eigentlich dieses Stils bedienen müssten; da hast Du völlig Recht.

Gruß
gargas

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Hallo!

Was ich meine, ist:

Scheffe bei der Betriebsversammlung: „Liebe
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Sie sind unser bestes
Kapital!“

Reporter in der Zeitung: Der Scheffe sagte bei der
Betriebsversammlung zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,
sie seien das beste Kapital der Firma.

Du sprachst aber von dem „höflichen Sie“. Das „sie“ in Deinem Beispielsatz ist nicht irgendwie höflich, sondern einfach nur das Personalpronomen 3. Person Plural. Bei der indirekten Rede wechselt ja die Perspektive: Aus den angeredeten Personen werden plötzlich dritte. Wenn der Scheffe seine Mitarbeiter duzt, lautet nämlich der Satz immer noch wie von Dir geschrieben, und nicht: „Der Scheffe sagte bei der Betriebsversammlung zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ihr seid das beste Kapital.“

(Was übrigens ganz nebenbei die Frage aufwirft, wie die zweite Person Plural Präsens Konjunktiv 1 von „sein“ lautet… aber das nur am Rande).

Aber Dein Einwand hat sich immerhin geklärt und ich kann ruhig schlafen!

Gruß, Michael

Du sprachst aber von dem „höflichen Sie“. Das „sie“ in Deinem
Beispielsatz ist nicht irgendwie höflich, sondern einfach nur
das Personalpronomen 3. Person Plural.

Ich fürchte, jetzt verrennst du dich, Michael.

Diese Sie in dem Satz:

Scheffe bei der Betriebsversammlung: „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Sie sind unser bestes Kapital!“

ist eindeutig die groß geschriebene höflich Anrede.

In der indirekten Rede ist das „sie“ dann in der Tat 3.Pers.Sing.

Und das meinte ich mit meinen Eingangsaussage.

Gruß Fritz

Scheffe bei der Betriebsversammlung: „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Sie sind unser bestes Kapital!“

ist eindeutig die groß geschriebene höflich Anrede.

In der indirekten Rede ist das „sie“ dann in der Tat
3.Pers.Sing.

Ich verstehe ihren Satz aber so:
Sehr geehrter Herr Maier, Ihre Vorgesetzte, Frau Müller, sagte mir, Sie (also Herr Maier) seien …

Dann ist auch im Konjunktiv die höfliche Anrede angebracht, oder?

In meinen Ohren klingt der Satz ziemlich degradierend für den Angesprochenen (in meinem Beispiel Herr Maier). Hat er sich etwa angemaßt, etwas zu veranlassen, obwohl ihm die dazugehörige Kompetenz entzogen wurde? Diese Frage kam mir beim Lesen der Ausgangsfrage sofort in den Sinn.

Bis denne
Schnoof

Korrektur

In der indirekten Rede ist das „sie“ dann in der Tat
3.Pers.Sing.

Es muss natürlich: Plural heißen.

Frutz

Hallo Fritz!

Dann sind wir uns ja einig.

In Deinem ursprünglichen Posting hörte es sich so an, als würde „Sie“ in indirekter Rede generell klein geschrieben. Tatsächlich ist es aber so, dass „Sie“ als Anrede immer groß und „sie“ als Personalpronomen gewöhnlicher Art immer klein geschrieben wird - unabhängig davon, ob es sich um indirekte oder direkte Rede handelt.

Michael

Oha …
Hallo!

Ich gebe ehrlich zu, dass ich Eurer Diskussion nicht mehr folgen kann/konnte. Und das trotz einer Abiturprüfung im Fach Deutsch. Lang ist es her…

Nun zum „Fall“:

Ich gehe davon aus, dass das große Sie in diesem Fall als höfliche Anrede richtig ist. Dies war auch nicht mein Problem. Der Adressat des Briefes ist gemeint und angesprochen.

In meinen Ohren klingt der Satz ziemlich degradierend für den
Angesprochenen (in meinem Beispiel Herr Maier). Hat er sich
etwa angemaßt, etwas zu veranlassen, obwohl ihm die
dazugehörige Kompetenz entzogen wurde? Diese Frage kam mir
beim Lesen der Ausgangsfrage sofort in den Sinn.

Leider bringt es mein Beruf mit sich, immer wieder schriftlich Kritik am Verhalten und Vorgehen von Herrn ZXY und Frau XYZ anbringen zu müssen.

Ich werde auf jeden Fall am Ball bleiben und meine Kenntnisse der indirekten Rede weiter auffrischen. Zur Not gibt es ja noch dieses hilfreiche Forum.

DANKE!

Daisy

hinweis

Ich war wohl etwas undeutlich; das höfliche „Sie“ wird nur in
der direkten Rede groß geschrieben; in der indirekten Rede
aber klein.

Wirklich? Das halte ich für unlogisch.

Dann müsste es ja heißen: „Er sagte mir, dass Sie krank sind.“
aber „Er sagte mir, dass S ie krank seien.“, weil es im einen
Fall Indikativ und im anderen Konjunktiv ist.

das ist beides DIREKTE rede.
ANREDE und INDIREKTE rede schliesst sich aus.

mfg:smile:
rene

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es ist nicht so wie du denkst…

der konditional[konjunktiv mit wuerde] ist keine abfallform des konjunktiv. verwende ihn im schriftlichen, wenn es unklar ist, ob indikativ oder konjunktiv ist.

und im muendlichen, wenn du nicht gerade vortraege an ner uni haelst, verwende ihn immer.

mfg:smile:
rene