Wie kann ich jemandem eine Depression erklären?

Hallo,

Das Wort „egoistisch“ hat einen so schlechten Ruf, daß man
automatisch Widerspruch erntet, wenn man etwas als egoistisch
bezeichnet. „Egoistisch“ heißt aber zunächst einmal nur, daß
man etwas für sich tut und nicht für andere.

Es fällt mir schwer, mir einen Selbstmord vorzustellen, mit
dem man nicht seine eigenen Interessen verfolgt, auch wenn
diese Interessen möglicherweise einer kranken Seele
entspringen.

Eben. Deshalb finde ich „egoistisch“ auch eine seltsame Kategorie für einen Suizid.

Was bringt es denn, festzustellen, dass Suizid ein egoistischer Akt ist? Glaubt irgendjemand, man bringe sich im Interesse der anderen um? Wozu soll die Feststellung dienen, wenn nicht dazu, mitzuteilen, dass es unfreundlich und rücksichtslos ist, sich umzubringen - also doch als Vorwurf?

Anja hat oben doch sehr sprechend beschrieben, wie das Erleben vor dem Suizid sein kann. Was nützt es, in dieser Situation festzustellen, dass das egoistisch ist? Nichts.

Dem Krebspatienten, der verzweifelt nach irgendeiner Art sucht, seine Schmerzen loszuwerden, sagt auch niemand, dass das egoistisch sei und u.U. eine ziemliche Belastung für die Familie.

Natürlich entfaltet ein Suizid(versuch) eine gewaltige Wucht, und natürlich ist das vermutlich oft auch Sinn der Sache. Und?

Viele Grüße,

Jule (nein, eine andere!)

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