Wie kann ich jemandem eine Depression erklären?

Hallo,

ich benötige dringend eure Hilfe, weil ich nicht mehr weiß, was ich tun soll.

Ich habe letzte Woche Mittwoch zum wiederholten Mal versucht, mir das Leben zu nehmen und es ist das zweite mal, dass ich mir dabei eine schwere arterielle Verletzung am Handgelenk zugefügt habe. Doch das erste mal, dass ich mir Hilfe gesucht habe. Ich war drei Tage in der Psychiatrie und habe mich dann gegen den dringenden Rat der Ärzte nach Hause entlassen, um mich ambulant weiterbehandeln zu lassen. Diagnose: rez. Depression (mittelschwere Episode)

Mein eigentliches Problem dreht sich nicht um mich, sondern um meinen Freund, auch wenn mir dazu eigentlicch die Kraft fehlt und ich meine Energie für meine baldige Genesung einsetzen will. Er versteht einfach nicht, was mit mir los ist und ich glaube, momentan ist er sogar in einer noch schlechteren Verfassung als ich. Ich habe ihm mehrfach erklärt, was eine Depression ist und worum es sich dabei handelt und da ich selbst Krankenschwester bin, kenn ich mich damit auch ein wenig aus. Doch er macht mir nur Vorwürfe und fragt mich ständig, wie ich ihm das antun konnte, unterstellt mir, ihn nicht zu lieben und macht mir ständig ein schlechtes Gewissen, indem er mir sagt, wie schlecht es ihm geht.

Mehrfach habe ich ihm erklärt, dass ich krank bin, dass ich nur MIR etwas antun wollte und niemandem sonst und dass ich das getan habe, weil ich einfach am Ende meiner Kräfte war, ich einfach nicht mehr konnte.

Anstatt froh zu sein, dass nichts schlimmeres passiert ist, ich bereit bin, mir helfen zu lassen und es mir langsam wieder besser geht, zieht er mich immer weiter runter. Ich war schon so weit zu sagen, dass er demnächst erstmal keinen Kontakt zu mir suchen soll, aber das will er auch nicht. Da mein Freund (übrigens 28 und somit auch kein Kleinkind mehr) zur Zeit im Ausland arbeitet, tel. wir täglich über Skype. Ihn da zu sehen, zerreißt mich förmlich und während ich so langsam wieder fähig bin, auch mal wieder über etwas lachen zu können, verzieht er keine Miene und ich schäme mich dafür.

Im Großen und Ganzen: Mein Freund versteht die Situation nicht und macht mir alles schwerer, als es von allein schon ist. Was kann ich tun? Wie kann ich ihm die Krankheit plausibel erklären? Oder ist er einfach nur egoistisch?

Bitte helft mir, ich will ihn nicht verlieren, aber so wird es kommen, wenn er sich nicht einkrieg

Hallo Beccl,

lachen

wirst Du von ihm eher bekommen, wenn Du über allerlei ausserhalb dieses Themas diskutierst und über Erlebnisse aus Vergangenheit und Zukunft mit ihm redest, die nicht spontan den Zusammenhang zur Krankheit nahelegen.

Gruss,
Mike

Gutentag Becci,

dein Freund wird es nicht schaffen zu begreifen was du durchgemacht hast und durchmachst. Denn ich denke, dass es ihm geht wie die meisten Leute: die Angst vor einer so unerklärliche Krankheit wie eine Depression blockiert das Verständnis dafür. Was er macht: er blockt einfach ab.

Ich wünsche dir, dass du Kraft genug bekommen wirst um wieder gesund zu werden. Und eigentlich wäre es gut wenn du dein Wohlbefinden nicht von seiner An-oder Abwesenheit in deinem Leben abhängig machen könntest

Gruss: Ge-es

Hallo,

ich benötige dringend eure Hilfe, weil ich nicht mehr weiß,was ich tun soll.

Dringend therapeutische Hilfe annehmen und dich nicht selbst aus der Psychiatrie entlassen.

und es ist das zweite mal, dass ich mir dabei eine schwere arterielle Verletzung am Handgelenk zugefügt habe.

Offenbar nicht schwer genug. Heißt: Bislang wolltest du nicht wirklich sterben.

Mein eigentliches Problem dreht sich nicht um mich, sondern um meinen Freund,

Falsch. Dein Problem dreht sich ausschließlich um dich. Du erwartest Verständnis von außen, das du umgekehrt (derzeit) nicht in der Lage bist, aufzubringen. Nicht dein Freund ist krank, und auch wenn es schwer fällt: Er hat ein Recht darauf, deine Krankheit nicht zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen - auch wenn ein gewisses Verständnis sicher hilfreich ist.

Mehrfach habe ich ihm erklärt, dass ich krank bin, dass ich nur MIR etwas antun wollte und niemandem sonst

Richtig. Selbstmord ist ein zutiefst egoistischer Akt.

Anstatt froh zu sein, dass nichts schlimmeres passiert ist,

Wenn es dabei angeblich nur um dich ging, warum erwartest du dann von ihm, dass er froh ist, dass du noch lebst? DU solltest dich darüber freuen und nicht versuchen, andere damit zu manipulieren.

ich bereit bin, mir helfen zu lassen

Mit einer akuten Suizidgefährdung bist du im ambulanten Bereich falsch. Hier wäre eine stationäre Unterbringung sinnvoller.

Im Großen und Ganzen: Mein Freund versteht die Situation nicht

Es ist für einen nicht Betroffenen nicht leicht, das Wesen einer Depression zu verstehen. Und noch schwerer ist es, über einen längeren Zeitraum als Partner einer depressiven Person zu leben, ohne selbst vor die Hunde zu gehen.

und macht mir alles schwerer, als es von allein schon ist.

Dann trennt euch. Wenn er deine Krankheit nicht aushält und du dich von ihm runtergezogen fühlst, wird das nichts mit einer guten Beziehung.

Wie kann ich ihm die Krankheit plausibel erklären?

Schicke ihm ein paar gute Links, die das Phänomen erklären. Wenn er Interesse hat, wird er sie lesen und sich möglicherweise anders auf dich einlassen können. Wenn ihm dazu die Kraft und die Bereitschaft fehlen, kannst du nichts tun.

Oder ist er einfach nur egoistisch?

Was tust du für ihn, damit es ihm gut geht und er glücklich ist? Ich halte es für dringend notwendig, dass du dich erst mal um dich selbst und deine Genesung kümmerst, dann hat vielleicht auch die Beziehung eine Chance.

Schöne Grüße,
Jule

ist er einfach nur egoistisch?

Das auch, das hängt aber damit zusammen, dass er, obwohl schon 28, der Psyche nach ein Säugling geblieben sein dürfte, also ein Alter, in dem der Mensch noch nicht fähig ist, nicht zwischen sich und der Mutter zu unterscheiden. Ihm dies erklären zu wollen - also warum er all Dein Tun auf sich bezieht (in Dir eine Art Mutterersatz sehend) -, hat nicht viel Erfolgsaussichten - eher müsste es ein Aspekt Deiner Problematik erachtet werden, dies unablässig zu versuchen, anstatt Dich darauf zu konzentrieren, mit therapeutischer Hilfe die Ursachen Deiner Schwierigkeiten aufzudecken.

Hallo,

Das auch, das hängt aber damit zusammen, dass er, obwohl schon 28, der Psyche nach ein Säugling geblieben sein dürfte, also ein Alter, in dem der Mensch noch nicht fähig ist, nicht zwischen sich und der Mutter zu unterscheiden.

Woraus schließt du das?

Ihm dies erklären zu wollen - also warum er all Dein Tun auf sich bezieht (in Dir eine Art Mutterersatz sehend)

Wovon leitest du diese Aussage ab?

Schöne Grüße,
Jule

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Im Großen und Ganzen: Mein Freund versteht die Situation nicht
und macht mir alles schwerer, als es von allein schon ist. Was
kann ich tun? Wie kann ich ihm die Krankheit plausibel
erklären? Oder ist er einfach nur egoistisch?

Hallo,

wer noch nie damit zu tun hatte, kann das Verhalten eines Depressiven nicht verstehen.

Er wird nicht verstehen, dass es für jemand, der depressiv ist, eine schier unlösbare und nicht zu bewältigende Aufgabe ist, beim Bäcker 3 Brötchen zu holen, danach mit dem Auto tanken zu fahren und anschließend einen Brief in den Briefkasten zu werfen.

In der Lage deines Freundes war ich mit Mitte 20 auch und ich konnte es ebensowenig verstehen, wusste aber auch nicht, dass es sich um Depressionen handelt.

Grüße,

To.i

Das auch, das hängt aber damit zusammen, dass er, obwohl schon 28, der Psyche nach ein Säugling geblieben sein dürfte, also ein Alter, in dem der Mensch noch nicht fähig ist, nicht zwischen sich und der Mutter zu unterscheiden.

Woraus schließt du das?

Aus den Details, mit denen sein egoistisch-/infantiles Verhalten eingangs beschrieben wurde, u.a.:

er macht mir nur Vorwürfe und fragt mich ständig, wie ich ihm das antun konnte, unterstellt mir, ihn nicht zu lieben und macht mir ständig ein schlechtes Gewissen, indem er mir sagt, wie schlecht es ihm geht.

Hi,

ich hab keine praktischen Antworten, aber ein Bekannter von mir hat gerade einen unheimlich guten Dokumentarfilm gedreht über Depressionspatienten, der hat die 2 Jahre lang begleitet. Der Film hat grade morgen Kinopremiere. Ich hab ihn schon gesehen und er erklärt eigentlich alles.
Jeder, der anderen seine Krankheit erklären will, muss ihm eigentlich nur den Film zeigen, dann ist anderen alles klar. hier die Website dazu:

http://www.schattenzeit-derfilm.de/

ich hoffe, das läuft jetzt nicht unter Werbung… Ich würd echt jedem empfehlen, den Film zu sehen und schon gar den Leuten, die unmittelbar mit der Krankheit zu tun haben.

Gruß

Hi!

Aus den Details, mit denen sein egoistisch-/infantiles
Verhalten eingangs beschrieben wurde, u.a.:

er macht mir nur Vorwürfe und fragt mich ständig, wie ich ihm das antun konnte, unterstellt mir, ihn nicht zu lieben und macht mir ständig ein schlechtes Gewissen, indem er mir sagt, wie schlecht es ihm geht.

Das ist doch Quatsch. Ich finde es nicht in Ordnung von ihr, dass sie so wenig Verständnis für ihn aufbringt, auch wenn sie schwer krank ist. Ein gesunder Mensch kann nun mal nicht verstehen, was in einem Depressiven vorgeht - so geht es mir jedenfalls. Ich habe darüber gelesen und „weiß“ daher, wie sich ein Depressiver fühlen muss, aber verstehen oder nachvollziehen kann ich es deswegen trotzdem nicht.

Daran ist aber nicht die Angst vor dieser Krankheit schuld, wie Ge-es mutmaßte, sondern wahrscheinlich einfach die Tatsache, dass man selber noch nie in so einer Situation war und sich einfach nicht vorstellen kann, wie man sich fühlen muss, dass man morgens nicht aufstehen möchte.

Sie versteht halt genauso wenig, warum er es nicht versteht, wie er nicht versteht, warum sie so handelt. Bei so einer extremen Situation sind beide natürlich überfordert und Vorwürfe völlig fehl am Platze, auch wenn sie nachvollziehbar sind.

Da sind Gespräche mit einem Experten für beide Seiten wohl das Richtige.

Gruß
Steffie

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Dringend therapeutische Hilfe annehmen und dich nicht selbst aus der Psychiatrie entlassen.

Woraus schließt Du, dass in der Psychatrie, aus der sie sich entlassen hat, die Art von therapeutischer Hilfe angeboten wird, die sie benötigt?

Hallo Becci,

versteh meine Zeilen bitte nicht als Sarkasmus oder gar Zynismus - ich spreche hier gerade von Kollegin zur Kollegin, wenn auch einer anderen Fachrichtung (ich war bei den Knochenflickern und auf der ITS).

Ich habe letzte Woche Mittwoch zum wiederholten Mal versucht,
mir das Leben zu nehmen

Wenn du wirklich aus dem Leben hättest scheiden wollen, hättest du dich so verletzt (wie bzw. an welchen Stellen das am wirkungsvollsten ist, wissen wir beide - das soll hier auch kein Thema sein…), dass dich selbst ein schnell auftauchender Notarzt nicht hätte retten können.

Doch das erste mal, dass ich mir Hilfe gesucht habe.

Das war vernünftig, weil bei dir offenbar etwas aus dem Ruder läuft.

Ich war drei Tage in der Psychiatrie und habe mich dann
gegen den dringenden Rat der Ärzte nach Hause entlassen,

Das war weniger vernünftig, ist aber in unserer Branche eher die Regel denn die Ausnahme (Stichwort: Compliance)… Um meinen Hausarzt zu zitieren: „Himmelherrje! Ihr Mediziner seid ja das Schlimmste, was einem Arzt passieren kann!“ :wink:

Depression (mittelschwere Episode)

Wie lange hat sich die hingezogen?

Mein eigentliches Problem dreht sich nicht um mich, sondern um
meinen Freund,

Nein, es dreht sich auch um euch beide und es kann damit enden, dass du einen Co-Depressiven an deiner Seite hast

Er versteht einfach nicht, was mit mir los ist und ich
glaube, momentan ist er sogar in einer noch schlechteren
Verfassung als ich.

Sage ich doch: Co-Depression - ein Teufelskreis…

Ich habe ihm mehrfach erklärt, was eine
Depression ist und worum es sich dabei handelt und da ich
selbst Krankenschwester bin, kenn ich mich damit auch ein
wenig aus.

Vielleicht hast du es ihm ein wenig zu „technisch“ erklärt…

Doch er macht mir nur Vorwürfe und fragt mich
ständig, wie ich ihm das antun konnte, unterstellt mir, ihn
nicht zu lieben und macht mir ständig ein schlechtes Gewissen,
indem er mir sagt, wie schlecht es ihm geht.

Ach du lieber Himmel - typisch Egoist/Egozentriker!

weil ich einfach am Ende meiner Kräfte war,
ich einfach nicht mehr konnte.

Ich frage mal direkt: was hat deine Kraft aufgefressen? Der stressige Job? Die Beziehung?

Ich war schon
so weit zu sagen, dass er demnächst erstmal keinen Kontakt zu
mir suchen soll, aber das will er auch nicht.

Ich halte das für durchaus sinnvoll. Du schreibst, dass er kein Kleinkind ist - mag sein, aber er benimmt sich wie ein trotziger Bengel!

Im Großen und Ganzen: Mein Freund versteht die Situation nicht
und macht mir alles schwerer, als es von allein schon ist.

Dass ich jetzt „Geh auf Abstand“ sage, ist keine Überraschung, gell? Ich verstehe zwar, dass du ihn nicht verlieren willst, aber was willst du mit einem Mann, der eine Krankheit nicht versteht. Stell dir vor, du bleibst mit diesem Mann 30, 40, 50 Jahre lang zusammen und bekommst Alzheimer…

Grüße
EP

Hallo

vielen Dank für den Link

http://www.schattenzeit-derfilm.de/

Gruß
Silvia

Hallo Joshua,

Woraus schließt Du, dass in der Psychatrie, aus der sie sich entlassen hat, die Art von therapeutischer Hilfe angeboten wird, die sie benötigt?

Es ging mir mitnichten um den konkreten Ort, sondern lediglich um die Tatsache, dass bei einer tatsächlichen Suizidgefährdung ein stationärer Aufenthalt das Mittel der Wahl ist.

Der Entschluss gegen einen solchen und die alternative Aufnahme einer ambulanten Therapie birgt unter Umständen ziemliche Risiken, wobei ich im genannten Fall nicht an eine konkrete Gefährdung glaube.

Schöne Grüße,
Jule

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Du m u s s t ihm nichts erklären. Das macht seinen Schock und seine Sorgen um Dich auch nicht besser.

Warum willst Du es ihm unbedingt erklären?
S o l l er sich noch mieser fühler.
Willst Du nicht alleine leiden?
Willst Du Mitleid?

Versetz Dich mal in seine Lage. Wenn es umgekehrt wäre: da handelt ein Mensch, den man liebt, so unfassbar und so unerwartet. Man ist soweit räumlich entfernt und macht sich Tag für Tag Sorgen, was dieser Mensch denn nun wohl gerade tut.
Wie fröhlich wärst Du denn dann drauf?
Er wird sich auch nach seiner „Schuld“ daran fragen.

Was also willst Du? Was willst Du, wie er sich fühlen soll?
Kannst Du ihm darauf wirklich offen und ehrlich eine Antwort oder
einen Hinweis geben?

Wenn Du ihn liebst, dann zeig und beweis ihm, dass Du jetzt alles mögliche für Dich tust.
Mach einen Punkt hinter dem Geschehenen und rede mit ihm über die Gegenwart und vor allem über die Zukunft.

Eine große Erleichterung wäre für ihn, wenn Du Dich zu
einem stationären Aufenthalt / einer Reha entschließen würdest.

Meine Erfahrung mit Menschen mit Suizidgedanken/-versuchen:

Kaum einer möchte „nicht mehr leben“, sondern nur „dieses Leben“ nicht
mehr. Wenn Du dem zustimmst, dann weißt Du, wo Du anpacken kannst.
Warum willst Du dann noch Deine Heilung hinauszögern durch eine langdauernde ambulante Therapie? Mach den ersten Schritt, nutz die
stationäre Hilfe.

.

Hi Jule

Richtig. Selbstmord ist ein zutiefst egoistischer Akt.

Ich sehe es nicht so. Ein Mensch ist so verzweifelt und leidet viel zu sehr um weiterleben zu können.

Inwiefern ist das ein egoistischer Akt?

Gruß

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Hallo,

Ich sehe es nicht so. Ein Mensch ist so verzweifelt und leidet viel zu sehr um weiterleben zu können.

Dieser Mensch ist offenbar auch in sozialen Beziehungen gescheitert. Nichts und niemand ist ihm soviel wert, dass er die Mühe auf sich nehmen und sich dem weiteren Leben stellen würde. Er entschließt sich, zu sterben, weil er das Leben (so wie es ist) nicht mehr will. Menschen, die ihn lieben, sind ihm ebenso egal, wie das Leid, das sie spüren werden, wenn er sie zurücklässt.

Diese Entscheidung trifft er für sich allein, ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer. Das unterscheidet übrigens in der Regel Selbstmörder von denen, die es nur versuchen: Letztere wollen meist ganz bewusst betimmte Gefühle und Gedanken bei den Hinterbliebenen ins spe auslösen. Sie erhoffen sich dadurch Reaktionen, die ihr eigenes Leben verbessern. Auch das ist egoistisch, aber zudem manipulativ und berechnend. Ganz besonders dramatisch ist das allerdings dann, wenn es daneben geht und man quasi „aus Versehen“ stirbt.

Ein Selbstmörder interessiert sich nur für sich selbst und seine Qual. Das bedeutet nicht, dass er deswegen nicht zu bedauern wäre. Egoistisch bleibt das Verhalten dennoch.

Schöne Grüße,
Jule

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Hi Jule!

Das mag Deine ganz persönliche Betrachtungsweise sein Jule, ich möchte Dir jedoch vehement widersprechen.

Ich muss aber nun zur Arbeit. Daher meine knappe Antwort.

Gruß
Sin

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Guten Tag,

zunächst möchte ich sagen, dass ich einzig und allein aus persönlicher Erfahrung spreche. Seit meiner Teenagerzeit leide ich an Depressionen unterschiedlicher Graduierung, allerdings wurden die meisten Phasen als „mittelschwer“ diagnostiziert.

Dieser Mensch ist offenbar auch in sozialen Beziehungen
gescheitert.

Ein depressiver Mensch ist gar nicht in der Lage, „soziale Beziehungen“ wie ein gesunder Mensch zu pflegen. Mangelnder Kontakt zu sich selbst und damit zu dem Außen ist ein (!) Wesen der Depression.

Nichts und niemand ist ihm soviel wert, dass er
die Mühe auf sich nehmen und sich dem weiteren Leben stellen
würde.

Er empfindet für sich selbst keinen Wert, für das Leben keinen Wert - wie soll er, unfähig zu lieben, noch „Mühen auf sich nehmen“? Depressionen sind ein einziges Mühsal und das Selbst zu (er-)tragen ist schon schwer genug.

Er entschließt sich, zu sterben, weil er das Leben (so
wie es ist) nicht mehr will.

Er will es nicht, weil es unerträglich ist. Und wer will schon ein unerträgliches Leben?

Menschen, die ihn lieben, sind
ihm ebenso egal,

„egal“ ist ein völlig falscher und zudem sehr abwertender Begriff. Er selbst kann doch die Liebe gar nicht empfinden!

wie das Leid, das sie spüren werden, wenn er
sie zurücklässt.

Wie auch?

Diese Entscheidung trifft er für sich allein, ohne Rücksicht
auf die Gefühle anderer.

Richtig. Aber nicht, weil er die Gefühle anderer verletzen will (es mag Fälle geben, wo ein Suizid dazu dienen soll, „es den anderen mal zu zeigen“, aber da spielt noch eine andere Störung hinein).

Das unterscheidet übrigens in der
Regel Selbstmörder von denen, die es nur versuchen:

Allein die Überlegung, dass es bessere oder schlechtere Suizidanten geben soll, finde ich äußerst fragwürdig.

Letztere
wollen meist ganz bewusst betimmte Gefühle und Gedanken bei
den Hinterbliebenen ins spe auslösen.

S.o. - das ist aber nicht die Depression allein, die diese Idee verfolgt.

Sie erhoffen sich
dadurch Reaktionen, die ihr eigenes Leben verbessern.

Im Fall des gewollten Nichtgelingens sind diese „Hilferufe“ doch letztlich positiv zu betrachten, immerhin will der Proband es noch weiter versuchen mit dem Leben - aber unter anderen Umständen.

Auch das ist egoistisch,

Ich kenne eigentlich keine Handlungsweise, die letztlich nicht Ich-bezogen, sprich: egoistisch ist. In diesem Zusammenhang aber völlig fehl am Platze, denn:

aber zudem manipulativ und berechnend.

Damit gestehst Du dem Depressiven psychische und kognitive Fähigkeiten zu, die er oft gar nicht mehr besitzt.

Ganz
besonders dramatisch ist das allerdings dann, wenn es daneben
geht und man quasi „aus Versehen“ stirbt.

Das erlebt der Betreffende ja nun nicht mehr… Und wer will beurteilen, ob es nur ein „Versuch“ oder ein „Vollzug“ sein sollte, der den Menschen zu dieser Handlung bewegt hat?

Ein Selbstmörder interessiert sich nur für sich selbst und
seine Qual.

Es bleibt ihm oft nichts anderes übrig, weil es sonst nichts mehr für ihn gibt.

Das bedeutet nicht, dass er deswegen nicht zu
bedauern wäre.

Das ist jetzt aber freundlich!

Egoistisch bleibt das Verhalten dennoch.

Nein. Es ist krank.

Ich kann aus meinen „suizidalen Phasen“ (die glücklicherweise schon lange zurück liegen) sagen, dass in dem akuten Moment, wo der Suizid Ziel allen Denkens und letztlich Handelns wird, so eine Art „Tunnelblick“ entsteht, in dem rechts und links nichts mehr wahrgenommen wird. Da ist auch kein Platz mehr für Gefühle und Spekulationen darüber, wie es den Angehörigen nach seinem Ableben geht. Es ist einfach nichts mehr da als der zwanghafte Gedanke, sich aus seinem unerträglichen und hoffnungslosen Leben lösen zu wollen.

Gruß,

Anja
Ex-Versuchs-Suizidantin

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Hallo!

Das mag Deine ganz persönliche Betrachtungsweise sein
Jule, ich möchte Dir jedoch vehement widersprechen.

Das Wort „egoistisch“ hat einen so schlechten Ruf, daß man automatisch Widerspruch erntet, wenn man etwas als egoistisch bezeichnet. „Egoistisch“ heißt aber zunächst einmal nur, daß man etwas für sich tut und nicht für andere.

Es fällt mir schwer, mir einen Selbstmord vorzustellen, mit dem man nicht seine eigenen Interessen verfolgt, auch wenn diese Interessen möglicherweise einer kranken Seele entspringen.

Gruß,
Max

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