Hallo Idomeneo,
Soweit ich es verstehe, gibt es bei einer Depression u. a.
zwei wichtige Merkmale: die herabgesetzte düstere Stimmung und
das Fehlen von Antrieb (der Depressive kann nicht wollen).
Wenn Du nun sagst, der Druck zu handeln sei riesig, wäre das
im Widerspruch zum Antriebsmangel.
Findest Du wirklich, das ist ein Widerspruch?
Ich denke, der Druck entsteht nicht durch ein Zugehen auf positive Ziele, sondern dadurch, den unerträglichen Zustand vermeiden zu wollen. Also Rückzug, so eine Art „negatives Wollen“. Oder besser: das Gefühl „das MUSS aufhören“, „so nicht mehr“. (Vielleicht ist der Begriff „wollen“ tatsächlich schlecht gewählt.)
„Antrieb“ hätte für mich mit dem Mut zu tun, dass sich etwas ändern lässt, dass man sich vorstellen kann, dass es besser wird und die Kraft hat, etwas dafür zu tun.
Aus diesem Grunde heißt es sogar, daß der depressive Zustand
selbst sogar eher ein Schutz vor der Suizidalität sei und die
Gefahr größer ist bei einer beginnenden Besserung.
Ja, weil dann die Umsetzung möglich wird. Um sich umzubringen, muss man es schaffen, etwas zu tun. D.h. man braucht tatsächlich Antrieb.
Bei den nicht-gelingen-sollenden Suizidversuchen ist das dann sicher auch ein ins Negative gewendeter Versuch, einen Ausweg zu finden, Hilfe einzufordern und die Dramatik der Lage klarzumachen. Ich vermute, oft mit dem durchaus ernsthaften Beiklang „Wenn ich keine Hilfe finde, will ich wirklich sterben“. (Die Suizidversuche, die vorrangig dazu dienen, die Umgebung zu manipulieren, lasse ich mal außen vor.)
Viele Grüße,
Jule