Wie lerne ich, meine Wut zu beherrschen?

Hallo,

Ich bin Mutter einer fast 3jährigen und neige dazu, übermäßig oft die
Beherrschung zu verlieren. Viele werden jetzt denken - klar - das ist
so ein Alter, da ist das ganz normal. Aber in meinem Fall ist es
etwas zu viel. Mein Kind zeigt auch geringfügige
Verhaltensauffälligkeiten (Gelegentliche plötzliche, unbegründete
Aggression gegenüber anderen Kindern, obwohl sie grundsätzlich eher
ein empatisches, liebevolles Wesen hat; Provozierendes Verhalten -
auch normal in diesem Alter, bei ihr aber seit einigen Wochen doch so
gehäuft, daß es im Kinderladen aufgefallen ist). Das kann sicher auch
mit anderen Dingen zu tun haben (sie hat selbst wiederholt üble
Angriffe durch ein anderes Kind in ihrer unmittelbaren Umgebung
erlebt), aber mein Bauchgefühl sagt, daß ich mich ändern muß, damit
sich da was ändert. So wie es jetzt zwischen uns steht, habe ich das
Gefühl, daß ich mitunter gar keinen Draht zu ihr kriege, selbst wenn
ich sachlich und ruhig Grenzen setzen möchte. Das treibt mich dann
natürlicch erst recht auf die Palme, und schon…
Ich habe mir schon oft vorgenommen, weniger zu brüllen, nicht immer
so schnell auszurasten. Trotzdem reagiere ich immerwieder mit
Geschrei oder werde sogar grob. Kaum ein Tag, an dem ich nicht zu
weit gehe. Ich bin darüber verzweifelt, hätte nie gedacht, daß man
rational so von der Unrichtigkeit einer Sache überzeugt sein kann,
und dann von Emotionen trotzdem so überrollt werden kann. Ich fühle
mich richtig hilflos.

Meine Umstände sind sicher auch ausschlaggebend: alleinerziehnd,
Langzeitstudentin in der Studienabschlußphase, existenzielle Sorgen.
Aber das Problem ist sicher älter. Ich kenne dieses Gefühl extremer
(damals hilfloser) Wut schon aus Kindertagen. Ich habe auch allgemein
Probleme mit der Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin.

Wahrscheinlich ist es nicht unbedingt krankhaft. Wer weiß -
vielleicht würde mir schon das Erlernen einiger Strategien zur
Stressbewältigung helfen.

Wer kennt Techniken, die mir erlauben, die Kontrolle über meine
Gefühle zu behalten? Wie soll ich vorgehen, um das Problem in den
Griff zu kriegen? Wo finde ich kompetente Menschen, an die ich mich
damit wenden kann? Vielleicht weiß jemand eine gute Stelle hier in
Berlin?

Ich bin für Anregungen in jede Richtung offen. Vielen Dank!

Ellen

Ich kann dir zwar leider nicht weiterhelfen, aber ich finde es gut, dass du so denkst. Und…Einsicht ist ja schließlich der erste Schritt zur Besserung.

Grüße

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Hallo Ellen

mein großvater hat zur oma immer gesagt:bevor du mit den kindern schreist…gehst in die küche …nimmst einen schluck wasser und kommst wieder…sie hat nie geschrien mit uns …:smile:)
wird dir nicht viel helfen,aber sagen wollte ich es dir trotzdem…:smile:)

viele grüße
gerhard

Hallo Ellen,

wie schön, daß Du etwas unternehmen willst. Aufgrund Deiner Schilderungen habe ich den Eindruck, daß Du das auch keinesfalls auf die lange Bank schieben darfst. Auch habe ich den deutlichen Eindruck, daß Du hier ohne kompetente Hilfe nicht viel weiterkommst und Dein Kind eher noch mehr Auffälligkeiten zeigen wird. Welcher erwachsene Mensch hätte nicht Probleme, mit einem nahezu täglichen Ausrasten seines Mitmenschen klarkommen zu müssen…

Leider bin ich weit weg von Berlin - aber ein Weg kann auf jeden Fall schon mal ein Psychotherapeut sein, da hilft Dir auch die Krankenkasse. Ansonsten müßte doch wohl eine Anlaufstelle zu finden sein durch aktives Hinterfragen bei kirchlichen und sozialen Einrichtungen oder auch beim Kinderarzt. Auch wenn Du nicht gleich den richtigen Ansprechpartner bekommst, Hinweise, die Dir weiterhelfen, bekommst Du sicher. Also wenn Du sonst nichts weiß, schnapp Dir das Telefonbuch oder mach Dich auf den Weg und investiere mal ein paar Stunden. Alles andere dürfte wohl momentan weniger wichtig sein.

Ansonsten hilft es Dir vielleicht schon für die Anfang, Dir Prioritäten zu setzen und danach zu handeln. A l l e s schaffst Du nie, versuche Dir also schon mal selbst Druck zu nehmen. Da Dein Kind nicht einfach nur nebenbei „mitläuft“, ergibt sich von selbst, wo die Priorität ist…

Alles Gute, Eva

hallo Ellen,
ich vermute, Du bist erst einmal einfach überlastet. Allerlei Befürchtungen betreffs sehr konkreter Risiken kommen hinzu. Und nun mußt Du noch dem standhalten, was Dein Kind in dieser Phase zu lernen hat. Dein Kind, das vielleicht öfter mal hat zurückstehen müssen und nun ein paar Holpersteine mehr zu überwinden hat in einer neuen Entwicklungsphase. Ist dies nicht auch ein Trotzalter? Möglicherweise ist das jetzt genau so eine Phase, in der Du in Deiner eigenen Kinderzeit zu wenig Verständnis begegnet bist, vielleicht wurde auf Dich damals mit Härte, Starre, Unverständnis reagiert? Oder ohne Sicherheit im Grenzen-ziehen? Kannst Du Dir darunter etwas vorstellen (was ich hier schreibe) in Bezug auf die Persönlichkeit Deiner Mutter oder Hauptbezugsperson? Jedenfalls könnte es ja sein, daß Dir selbst in diesem Alter zu wenig Verständnis begegnet ist.
Was könnte Dir jetzt helfen? Ich vermute, daß Du etwas für Dich selbst bekommen mußt - z.B. Verstehen, Entlastung von Schuldgefühlen, Solidarität, offenes Durchsprechen Deiner Probleme. Ich glaube, da wäre eine Selbsthilfegruppe für Dich hilfreich. Sicher gibt es in Berlin so etwas wie „Netzwerk e.V.“, oder Frauengruppen mit den verschiedensten Themenschwerpunkten. Es geht so vielen Müttern so (daß sie darunter leiden, nicht immer mit der optimalen Mutterliebe…-güte…-nettigkeit auf ihre Kleinkinder zu reagieren).
Alernativ könntest Du in der Diakonie/Familienberatung um Beratungstermine bitten, von dort auch Tips für weitere Unterstützungsmöglichkeiten bekommen.
Insgesamt glaube ich, Du bist seelisch etwas beim Verhungern, sollst aber geben geben geben, fühlst Dich dazu nicht imstande, aber dringend verpflichtet und reagierst darauf mit Verzweiflung. Und Deine Wutausbrüche sind eigentlich Verzweiflungsausbrüche. Du brauchst innere Unterstützung - vielleicht auch äußere (mal vorübergehend Deine Kleine zu den Großeltern bringen?).
Viel Glück - mit Deinem Studienabschluß, zusammen mit Deinem Kind, in Dir selbst. Gruß und Mitgefühl, I.

Hallo Ellen,
ich bin zwar weder Mutter noch Therapeuth, aber „Leidensgenossin“.
Ich kenne auch seit frühester Kindheit diese „Wutanfälle“. Mußte deswegen auch die eine oder andere Schule verlassen :smile:
Besonders seitdem ich nicht mehr rauche, ist es seitweise kaum zu ertragen, wie schnell der Zorn in mir aufsteigt und ich am liebsten „handgreiflich“ werden würde. Der Ärger ist immer berechtigt, die Reaktion meinerseits aber auch immer übertrieben.
Folgendes habe ich seit ein paar Wochen an meinem Leben geändert, und habe das Gefühl, ich bekomme diese Aggression nun besser unter Kontrolle

1.) Bewegung. Ich fahre keinen Fahrstuhl mehr, laufe zur Arbeit (2,5 km), und gehe 2 mal die Woche ins Fitnessstudio.
Ich glaube, ich bekomme damit die überschüssige, negative Energie, die man bei solchen Wutausbrüchen nicht mehr kontrollieren kann, in den Griff.

2.) Jeden Tag eine halbe Stunde schreibe ich die kritischen Momente des heutigen Tages möglichst objektiv auf (Tatsachenbericht). Dazu meine Reaktion (gerne emotional beschrieben… "sch**, verdammt, Arsc* sind standardworte :smile:)und was ich mir vornehme (wieder sachlich, und auch nachvollziehbar, dass nächste mal besser zu machen. keinen Roman. Meistens sind das bei mir pro Anfall nicht mehr als 10 Sätze.
Bei den Sachen „wie möchte ich das nächste mal reagieren“ schreibe ich stichpunkte:

  • z.B. Herrn X.Y vor jedem Meeting briefen. Darf keinen Kundenkontakt ohne Begleitung aufbauen
  • Bei Konflikten Termin für Klärung festlegen. „Ich nehme diesen Punkt auf und werde ihnen in drei Tagen den Status mitteilen“
  • Zurechtweisungen nur unter 4 Augen
  • etc.

3.) Der Situation aus dem Weg gehen. Du merkst das ja auch, es kommt der Punkt, da sieht man rot. Die Emotionen überwältigen, man zittert, schreit, schwitzt.
Ich trainiere, bevor ich diesen Kontrollverlust erleide, gehe ich. Sofern möglich. Ich gehe!!! Ich gehe der Situation aus dem Weg
In der Firma, soweit möglich, gehe ich einmal um den Block. Zu Hause stehe ich auf und gehe zum Kiosk Gummibärchen kaufen. Und das sofort. Nichts erklären, Jacke an und weg. Bin ja in 10 Minuten wieder da. Bloß wichtig, sofort (!!!) den Raum verlassen.

Diese Punkte verlangen eine Menge Disziplin, aber mir hat es geholfen.
Wichtig ist am Anfang das Aufschreiben der Gründe, warum bin ich ausgetickt, wie habe ich mich verhalten, was mache ich das nächste mal anders.
Du wirst merken, die Gründe des „Ausflippens“ sind nicht viele. Man muss sie nur erkennen und wissen, wie man darauf dann reagieren soll/will.

Wünsche Dir viel positive Kraft

Sina

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Liebe Sina,

Wow, was für eine gute Antwort, vielen Dank.

Du hast einen Weg gefunden eigenverantwortlich und ohne Selbstvorwüfen und Schuldgefühlen einen zu großen Raum zu geben an die Sache heranzugehen - das inspiriert mich sehr. Ich werde versuchen, davon etwas umzusetzen - „Aufschreiben“ und „Energie ableiten“ klingt gut.
Aber hast Du denn nicht das Verlangen, zu erfahren, warum dieses Gefühl so stark ist, und ihm dann sozusagen „an der Wurzel das Wasser abzugraben“?

Init und Fragezeichen - danke für die kleinen Hinweise … nehme ich mit einem Augenzwinkern auf.

Eva - Ich nehme Deinen Hinweis sehr ernst. Diesen Punkt: Ich muß was tun habe ich schon erreicht. Ich habe gerade an einem Kurs des deutschen Kinderschutzbundes „Starke Eltern, Starke Kinder“ teilgenommen. Das hat mir noch stärker die Augen geöffnet dafür, wie enorm wichtig es ist, die Kinder einfühlsam und fair zu erziehen; was das genau heißt; und welche Strategien es dafür gibt. Es hat aber nicht diesen inneren Druck von mir genommen, der mich doch immer wieder das Falsche tun läßt.

Jetzt ist halt die Frage, wie ich diese Verhaltensmuster aufbrechen kann. Ich überlege eben, ob in meiner etwas verfahrenen Lebenssituation eine Sozialberatung, Studienberatung, Psychlogische Beratung, das Erlernen von Meditation oder Yoga, oder vielleicht sogar doch mal eine Therapie das Richtige wäre. Wobei mir letzteres irgendwie so übertrieben vorkommt…

Liebe Grüße und Danke für die Antworten,
Die Ellen

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Liebe Irmtraud,

Danke für die Streicheleinheiten. Du hast sicher recht, daß es sich um Überlastung handelt. Dazu kommt vielleicht noch eine besondere Disposition bei mir - ein Hang zu emotionalen Reaktionen, ein jähzorniger Charakter, ungenügende entwickelte Fähigkeiten zur Stressbewältigung, was weiß ich. Und ja - in meiner Kindheit gab es schon mal Unverständnis. Mein Vater konnte recht tyrannisch sein, und meine Mutter war manchmal Opfer ihrer Wut, genau wie ich jetzt - das erinnere ich zumindest aus meiner späteren Kindheit. Aber das kennt doch irgendwie auch jeder, und ich finde das auch entschuldbar, und denke, daß sie trotzdem einen „tollen Job“ gemacht haben

Meine Tochter länger weggeben möchte ich auf keinen Fall. Das würde meine Schuldgefühle und das Gefühl zu versagen - „es nicht hinzukriegen“ - nur total verstärken.

Aber ich habe jetzt um einen Beratungstermin bei der Caritas Familienberatungsstelle gebeten; und um einen weiteren Termin bei der Psychologischen Beratungsstelle an meiner Uni, um mir dort beim Kräftesammeln für die Beendigung dieses ewig sich hinziehenden Studiums helfen zu lassen.

Wird schon werden. Ich hoffe nur, daß sich meine Muster nicht auf meine Tochter übertragen, daß nicht schon zu viel schiefgegangen ist…

Liebe Grüße und nachmals Dank für Deine Mail
Die Ellen

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Hallo Ellen,
danke für die Blumen :smile:
Bezüglich der „Suche nach dem Quell des Bösen“, muss ich sagen, ich denke es liegt einfach in mir.
Ich war als Kleinkind schon zornig. Vor allem der Jähzorn hat meine Familie viel Kraft gekostet. Ich bin halt ein Temparamentsbolzen.
Dafür empfinde ich auch Glück sehr intensiv, intensiver als andere Menschen. Alles hat seine 2 Seiten. Deswegen muss ich doch nicht in meiner Vergangenheit wühlen. Vielleicht finde ich da auch Dinge, die schöne Seiten meines Charakters verändern. Wer will denn sowas? :smile:

Alle Menschen sind verschieden. Ich habe einfach zuviel („negative“) Energie. Deswegen ist es mir egal, warum ich mich so verhalte. Ich muss mich hier, heute und jetzt anders verhalten, weil ich mir selbst und anderen schade.
Also, nicht in der Vergangenheit wühlen, sondern die „negative“ Energie in was positives umwandeln.

Das einzige, woran es bei mir noch immer hapert, ist die Konsequenz.

Ich hatte vor 2 Jahren ein anderes psychisches Problem (innere Unruhe). Auch da habe ich mir Regeln auferlegt, die mir helfen. Aber, ich bin in letzter Zeit zu faul, sie zu befolgen. Was zur Folge hat, dass ich wieder Stunden brauche, bis ich einschlafen kann :-/
Bin schon ne ziemlich faule Socke…

Also, die psychischen Macken halten einen ständig auf Trap.

Gruß
Sina

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Ich bin für Anregungen in jede Richtung offen. Vielen Dank!

Ich würde dir Atemübungen empfehlen. Erstmal täglich eine halbe Stunde und dann eventuell länger. Die Ruhe die du dort gewinnst, läßt sich dann leichter auf den täglichen Alltag ausweiten.

Es gibt diesbezüglich doch mittlerweile schon sehr seriöse Angebote.

gruß
rolf

Hast du schon drüber nachgedacht eine Verhaltenstherapie deswegen zu machen? Also nicht nur in einer Selbsthilfegruppe oder so sondern damit zum Psychologen zu gehen? Ich weiß davor hat man am Anfang Hemmungen, aber ich musste auch (wenn auch wegen anderen Gründen) zum Psychologen…bzw. habs freiwillig gemacht und fange jetzt demnächst eine Verhaltenstherapie an um was dran zu ändern. Mich belastet das Ganze auch nicht so sehr, aber ich glaube schon, dass man da was machen kann…wie du eben auch gesagt hast Stressbewältigungstechniken o.ä. sowas gehört ja zu einer Verhaltenstherapie.

Ich weiß bloß jetzt nicht inwiefern das problematisch wär…weil einerseits dürftest du deswegen ja keine Jugendamtsprobleme kriegen oder sowas, da es ja die ärztliche Schweigepflicht gibt (mal ganz davon abgesehen, dass sich das was du geschildert hast jetzt, auch wenns dich sehr belastet, nicht SO extrem anhört)…aber andererseits hab ich keine Ahnung wie das dann mit der Krankenkasse abläuft, ob die so eine psychologische/verhaltenstherapeutische Behandlung bezahlt…aber mal salopp gesagt, wenn dein Problem mit einem psychologischen Begriff verpackt wird, der das auch gegenüber der Krankenkasse rechtfertigt, geht das ja vielleicht.

Grüße

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hi,

also das ist ja wohl wirklich schwachsinn. Wie sollen Atemübungen bei enem solchen Problem was bringen…kofschütel…ich finde es super, das sie ihr Problem erkennt, das ist der erste Schritt in die richtige Richtung.

Die Tips mit Therapie find ich gut.

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also das ist ja wohl wirklich schwachsinn. Wie sollen
Atemübungen bei enem solchen Problem was
bringen

Das ist nicht so schwachsinnig wie Du denkst. Auf jeden Impuls, der von Außen kommt heftig zu reagieren, ist immer ein Zeichen von Schwäche. Das läßt sich durch ein starkes Nervensystem vermeiden. Dazu sind Atemübungen ein wirksames Mittel.

gruß
rolf

Danke für Dein Posting.
Verhaltenstherapie isst eein mächtiges Wort, das mich ganz schön
abschreckt. Aber wer weiß - veilleicht wäre das der richtige Schritt.
Müßte dann aber nicht sowas wie Psychoanalyse (noch so ein Hammerwort

  • huh - gehören die echt in mein Leben??) vorausgehen, damit es kein
    Herumdoktorn an Symptomen bleibt, sondern das Problem auch bei der
    Wurzel packt?

E.

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Thorshammer,

Danke für Dein Posting. Ich glaube auch, daß solche
Entspannungstechniken viel bringen können - „Schwachsinn“ sind sie
sicher nicht.
Die Frage ist, ob das in meinem Fall reicht. Ich vermute, es wäre
besser, das Ganze etwas grundständiger anzupacken, mir auch das
dazugehörige Problem vorzulegen. Aber eine Technik, sich innere Ruhe

  • Nervenstärke, wie Du richtig sagst - zu verschaffen, kann sicher
    helfen, neue Erkenntnisse und Entschlüsse zu verinnerlichen.
    „Atemübungen“ ist da allerdings sehr allgemein formuliert…

die Ellen

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Hallo Ellen,

nein, Psychoanalyse und Verhaltenstherapie sind zwei unterschiedliche psychotherapeutische Verfahren, die unabhängig voneinander eingesetzt werden - je nach Problematik.

Kann mir auch gut vorstellen, dass in deinem Fall Verhaltenstherapie eher das Passende ist, da dabei eben gezielt an deinem aktuellen Problem gearbeitet wird. Der Therapeut kann dir verschiedene Strategien näher bringen, die dir helfen, deinen inneren Druck gar nicht so sehr anwachsen zu lassen, dass es eskaliert.
Es geht aber nicht von heute auf morgen, sondern braucht seine Zeit und viel Übung in Zeiten, in denen es dir gut geht ( damit du es dann auch in Krisen einsetzen kannst ).

Freundlichen Gruß
Hanna

Erfolg
Hallo alle,

Schreibe nach einem Tag ohne Wutanfall!
Heute abend hatten wir es ganz schön schwer miteinander - sie war
knatschig und weinerlich, zappelig, unkonzentriert - alles Dinge, die
mich in etwa 3 Sekunden von 0 auf 100 bringen. Auch heute.

Drei Dinge hab ich mir bewußt gemacht, und sie haben mir geholfen:

  1. Die Großmutter ging immer erstmal ein Glas Wasser trinken, ehe sie
    anfing zu schreien…

  2. Du fühlst ja, wenn der Moment kommt, wo Du rot siehst und Du
    zitterst, schreist und schwitzt… Stimmt. Man fühlt es. Es kommt
    nicht sooo urplötzlich. (Es steigt nur kochendheiß in einem hoch und
    es so verdammt viel leichter, es dann einfch übersprudeln zu lassen,
    als zu versuchen, in einem mühsamem Ringen, mit dem schwachen
    Wässerchen Vernunft so eine Stichflamme löschen zu wollen.) Heute hab
    ich sagen können: „Ach - Hallo Wut - da bist du ja. Na gut. Die
    Großmutter ging ein Glas Wasser trinken. Ich hab auch eine Wahl. Das
    ist jetzt der Stolperstein, über den ich heute nicht fallen will.“

  3. Ich hab mir bewußt gemacht, wie meine Tochter sich wohl fühlt. Und
    wie ich möchte, daß sie sich fühlt. Und zwar sollte sie auch
    erkennen, daß sie eine Wahl hat, und sich ihrem Unwohlsein und
    Geflenne nicht ergeben muß. Wenn ich brülle, gebe ich ihr einen
    Grund, sich schlecht zu fühlen. Ich möchte aber, daß sie sich
    geborgen, stark, geliebt fühlt.
    Also hab ich ihr gesagt, was mir nicht gefällt und sie dann in den
    Arm genommen. Sekunden später hat sie wegen einer anderen Kleinigkeit
    eine Szene gemacht, war aber schon schneller zu beruhigen…

So war das heute. Aber der Grat war scharf und ich bin im Augenblick
auch wild entschlossen. Ich muß lernen, das auch zu können, wenn die
Entschlossenheit wieder der Gewohnheit weicht.

Danke für’s „Zuhören“.
Ellen

Hi Ellen,

Du schreibst anderswo auch:
Du hast sicher recht, daß es sich um Überlastung handelt. Dazu kommt
vielleicht noch eine besondere Disposition bei mir - ein Hang zu
emotionalen Reaktionen, ein jähzorniger Charakter, ungenügende
entwickelte Fähigkeiten zur Stressbewältigung, was weiß ich. Und ja -
in meiner Kindheit gab es schon mal Unverständnis. Mein Vater konnte
recht tyrannisch sein, und meine Mutter war manchmal Opfer ihrer Wut,
genau wie ich jetzt - das erinnere ich zumindest aus meiner späteren
Kindheit.

Ich selbst habe ADS, und Deine Symptome hören sich da nicht untypisch
an. Ob ADS oder nicht, ich denke schon, dass es eine vererbliche
neurologische Sache ist - der ‚himmelhochjauchzend zu tode betrübte‘
Charakter, …

Ich selbst hatte früher immer viel Frust und Wut abzulassen. Noch
habe ich keine eigenen Kinder, war aber au pair, und weiss, dass ich
mit allem ‚Schwächeren‘ (dazu gehören halt auch Kinder) NICHT so
umgehe. Ein grosses Glück, weil bei ADS keine Selbstverständlichkeit.

In einem ADS Buch, in dem auch Fallbeispiele waren, beschreibt ein
mittlerweile mit ADS diagnostizierte 9jährige Tochter sagte: ‚Papa,
bei Dir merkt man vorher gar nicht, dass Du böse wirst.‘

Wow! Dieses plötzliche Explodieren, genauso war auch mein Vater. Nur
hätte ich das nie so beschreiben können - schon gar nicht mit 9
jahren.

Nun, ja, Verhaltenstherapie wäre schon sehr gut. Aber Du hast schon
recht, dass es sehr sinnvoll ist, die grundlegende Ursache für das
Verhalten zu finden - für mich war meine ADS Diagnose wie eine
Erlösung: alles machte endlich Sinn!

Bis dahin, bis Du die Möglichkeit hast, Dein Verhalten permanent zu
verändern, würde ich Dich eins bitten:

Entschuldige Dich bei Deinem Kind, wenn Du einen Wutausbruch hattest!
Erkläre, dass Du wegen bla-und-bla sauer bist, dass Du aber nicht
überreagieren wolltest. Es ist zwar schwer für Kinder, zu verstehen,
dass Erwachsene auch nur Menschen sind, und somit auch emotional
geleitet sind, aber es ist besser, das in Ansätzen zu verstehen, als
die Wut als Bestandteil des Alltags zu haben.

Ich wünsche Dir viel Glück und Erfolg!

gruss, isabel

Hallo Ellen,

da gratulier ich Dir sehr herzlich! Nach einem solchen Tag hast Du es auch verdient, Dir mal selber auf die Schulter zu klopfen. Jeder, der an sich selbst gearbeitet hat, weiß, daß es harte Arbeit ist. - Ja, und nimm Deine Tochter öfter in den Arm und zeige ihr Deine Liebe, denn ich kann mir denken, daß die Ursache ihrer Quengeligkeit zu großen Teilen in Deinem Verhalten liegt. Ich freu mich für Dich und wünsche Dir immer mehr solcher Tage!

Zum Thema Psychotherapie möchte ich nur noch folgendes anfügen: Überlege mal, ob Dein Zurückweichen nicht auf Vorurteile o.ä. zurückzuführen sind! Viele meinen heute noch, das sei so gut wie die „Klapse“. Und das ist es gewiss nicht.
Was spricht dagegen, mit Menschen über seine Probleme zu sprechen, die fachlich geeignet sind, Dir zuzuhören, Deinen Gedanken „Richtungshilfe“ zu geben, um Dich zu stärken und Dir als auch Deiner Tochter ein Leben in Zufriedenheit, Geduld und Liebe zueinander zu ermöglichen. Irgendwann lebst Du vielleicht auch in einer Partnerschaft - dann kommt einer weiterer Faktor dazu. Also keine Angst davor! Ich vermute eher, daß Du es als sehr wohltuend empfinden würdest, endlich offen mit jemandem zu sprechen. Man muß nicht immer alles alleine schaffen! Auch Du nicht! Ich wünsche Dir alles Gute!

Gruss, Eva

hallo ellen,

deine tochter spiegelt dich sicher wieder - sicher ne schwere angelegenheit.
andererseits wird sie „dinge“ nicht so bekommen wie sie sie braucht
und auf ihre weise versuchen es doch zu bekommen. toll finde ich,
wie klar du dich erkennst und das du selbst das bedürfnis hast etwas
zu verändern.
ich könnte mir vorstellen, mehrgleisig „zu fahren“ wäre hilfreich.
einerseits erstmal kurzfristig kleine tricks um „ausfälle“ zu vermeiden.
evtl auch eine art tagebuch führen, die beim nachlesen doch einiges nochmal bewusster machen. (nur ne idee grad spontan)
eine therapie halte ich hier für extrem wichtig um an den kern her- anzukommen, ohne das ich mir nicht vorstellen kann, es wirklich zu einer glücklichen veränderun kommen kann. es ist eine sache wie bei kopfschmerzen eine tablette zu nehmen aber den grund nicht zu erkennen oder beheben zu können. und ich finde, es ist wichtig die gründe zu bearbeiten.
nur wenn man an den eigentlich kern herankommt, kann man ergründen und verarbeiten etc., damit kann man dann nach und nach „seinen frieden mit sich machen“ und damit fällt jener innere groll weg. - den man eben auf andere überträgt oder an ihnen auslässt.

dinge wie eine atemtherapie kann man ja zusätzlich machen. ich habe eine freundin, die hat sowas mal gemacht, hat ihr viel geholfen.
zusätzlich hatte sie dort noch affirmationskarten erhalten und damit
hat sie auch noch gearbeitet. - hilfreich wie ich meine.
(habe hier neulich genaueres über affirmation geschrieben, evtl schaust du mal im archiv nach)

wenn dich der gedanke therapie erschreckt, so mache dir klar, du würdest dir auch nicht den arm selbst eingipsen wäre er gebrochen.
es ist also keine schande, man ist nicht bekloppt oder sonstwas.
im gegenteil, man erkennt an, das man eben nicht alles allein meistern
kann und das die seele/psyche alles im leben leitet. hat man als kind etwas nicht gelernt oder falsch gelernt, behält man es bei - man kann nicht einfach einen schalter umlegen und es nun „richtig“ machen. der mensch ist zu komplex, zuviel hängt daran, gefühle, erinnerungen, verknüpfungen und „weissderteufelwasalles“. selbst wenn man weiss warum man „soodersoreagiert“ kann man es nicht lassen, dazu bedarf es eben einer verarbeitung und das mann man dann doch nicht allein und auch freunde helfen da nichts, es muss ein profi „ran“.

vielleicht kannst du den mut entwickeln und dich einlassen.
wäre dem so, würdest du es sicher nicht bereuen sondern bald
erkennen, das die entscheidung sich hilfe zu suchen die beste
entscheidung schlechthin war.

vielleicht kannst du meiner überzeugung etwas abgewinnen und
damit ängste und vorurteile gegenüber eine therapie abbauen.

ich wünsche es dir und deiner tochter jedenfalls .-)

LG
nina