Wie lernt ein Baby?

Hallo,

erst erkennen sie ihren Körper, dann die Arme, Beine, wenns ein Junge ist, das „fünfte Anhängsel“. Irgendwann fangen sie an die Arme zur Fortbewegung zu nutzen, dann kommen die Beine dazu (Krabbeln), später laufen sie irgendwie. Nebenbei lernen sie Begriffe der Sprache kennen, können selbst nicht sprechen, aber verstehen eine Vielzahl von Worten.

Sind diese Fähigkeiten in den Genen verankert? Lernt ein Kind des Lernens wegen, weils ein neues Spiel ist, weil es lernen muß (um zu überleben, krass gesagt)?

Diese Fähigkeiten (bis auf das Sprechen oder Verstehen) kommen automatisch, ohne Kontakt zu anderen Menschen?

Was würde ein Kind erlernen, welches (theoretisch) völlig isoliert aufwächst?

Viele Fragen,
André

Frühkindliche Entwicklung und Lernverhalten
Hey, eines meiner Lieblingsthemen! :smile:

Da könnte man Bücher drüber füllen - hat man auch. :wink:

Grundsätzlich: Das Lernen - und das Lernenwollen - ist dem Baby von Geburt an mitgegeben.

Ein Baby beginnt schon vor der Geburt, zu lernen und sich auf die Welt vorzubereiten. Wissenschaftler finden dabei immer mehr Erstaunliches heraus.

  • Babies „üben“ die Mimik für’s Weinen bereits im Mutterleib. Also ist die erste Grimasse - das Weinen - dann schon drin, wenn sie auf die Welt kommen. Und diese Grimasse sichert ihr Überleben! Zusammen mit dem Kindchenschema macht das Weinen eines Säuglings es den Großen unmöglich, das Würmchen zu mißachten.

  • Babies lutschen schon im Mutterleib am Daumen. Das übt die Motorik.

  • Sie trinken kleine Mengen Fruchtwasser. So wird das sofort nach der Geburt lebensnotwendige Schlucken trainiert.

Grundsätzlich setzt sich das, was ein Säugling kurz nach der Geburt tut, vornehmlich aus Reflexen zusammen. Der Saugreflex ist der wichtigste zum Überleben. Es gibt aber auch den Greifreflex - streich einem Baby mal zart über die Innenfläche der Hand. Früher wurde der gebraucht, um sich an Mama festzuhalten und nicht runterzufallen.

Je mehr Babies lernen, um so mehr werden die lebensnotwendigen Reflexe durch Erlerntes ersetzt.

Alles, was ein Baby tut, sei es schauen, hören, nach etwas greifen, mit den Fäustchen spielen, lehrt es unglaublich viele Dinge.

Insofern kann man es gar nicht so trennen, wie Du es in Deiner Frage gerne hättest. Alles, wirklich alles, was das Baby tut, hat mit lernen zu tun. Auch wenn es nur, wie oben erwähnt, an den Fäustchen lutscht, bilden sich im Gehirn neue Schaltkreise, es lernt, daß da etwas ist, das es zugleich im Mund und an der Hand spürt, daß die Hand wohl ihm gehört, der Mund anscheinend auch, daß es damit Dinge tun kann … usw usf.

Ich habe einmal gelesen, daß ein Baby in den ersten drei Lebensmonaten mehr lernt als ein Student in drei Jahren, verhältnismäßig betrachtet.

Insofern gilt eine einfache Regel:

==> Babies lernen praktisch von allein! Sie brauchen zuallererst gar kein, später nur sehr wenig Spielzeug, von sogenanntem „Lernspielzeug“ ganz zu schweigen. Einem Säugling bis zu drei Monaten reicht es völlig aus, in Körperkontakt mit der Mutter zu sein. Es ist übrigens erwiesen, daß Babies durch Körperkontakt intensiver, schneller und besser lernen als ohne selbigen. Wenn sie größer werden reicht ein Spieltrapez, ein Ball, und die Dinge, die es eben ohnehin im Haushalt gibt: Ein Holzlöffel, ein Handtuch. Babies lernen von und mit allem. Vor allem natürlich von und mit der Berührung, der Mimik, der Stimme ihrer Eltern (bzw. Bezugspersonen).

Ein wirklich tolles Buch zur grühkindlichen Entwicklung und zum Lernen, imho das Standardwerk dazu ist von
Remo H. Largo
„Babyjahre“
ISBN 3492233198 Buch anschauen

Auch sehr empfehlenswert ist
Alison Gopnik, Patricia Kuhl, Andrew Meltzoff
Forschergeist in Windeln
ISBN 3492261485 Buch anschauen

Das Thema ist unglaublich umfassend. Am besten, Du nimmst Dir die beiden Bücher mal vor, dann weißt Du schon sehr viel mehr. :smile:

Liebe Grüße,
Nike

Sind diese Fähigkeiten in den Genen verankert? Lernt ein Kind
des Lernens wegen, weils ein neues Spiel ist, weil es lernen
muß (um zu überleben, krass gesagt)?
Diese Fähigkeiten (bis auf das Sprechen oder Verstehen) kommen
automatisch, ohne Kontakt zu anderen Menschen?
Was würde ein Kind erlernen, welches (theoretisch) völlig
isoliert aufwächst?

Salut, André!
Babys brauchen Anreize, Aufmerksamkeit, Lachen, usw. Nur dadurch lernen sie genug und stumpfen nicht ab. Wenn ein Baby angelacht wird, sollte es zurücklächeln.
cu later
FJ HP

Hallo Andre,

Sind diese Fähigkeiten in den Genen verankert? Lernt ein Kind
des Lernens wegen, weils ein neues Spiel ist, weil es lernen
muß (um zu überleben, krass gesagt)?

Das Kind bekommt einen Reiz und muss damit irgendwie umgehen. Man beachte dabei, dass einige Sensoren erst im Laufe der Zeit das volle Leistungsvermögen erreichen. So hat ein Baby noch ziemlich lang (einige Monate) nur ein s/w- Bild. Die visuelle Geschwindigkeitseinschätzung kommt erst im Einschulalter wirklich zum tragen.

Diese Fähigkeiten (bis auf das Sprechen oder Verstehen) kommen
automatisch, ohne Kontakt zu anderen Menschen?

Sagen wir es so:
je weniger Reize kommen, desto weniger wird das Kind lernen. Ein Kind welches mit einem Futterschlauch im dunklen Zimmer iegt entwickelt sich wesentlich schlechter als ein Kind mit dem gesprochen und gespielt wird. Wobei es natürlich eine Reizüberflutungschwelle gibt, einfach zu erkennen am Schlafbedürfnis. Und spielen heisst nicht Huper-Duper-Super-Spielzeug sondern im Babyalter ist ein Würfel, der Finger der ball ausreichend.

Was würde ein Kind erlernen, welches (theoretisch) völlig
isoliert aufwächst?

sehr wenig. Reden (kein Babykauderwelsch) hilft m.W. dem Kind sehr viel. dabei sollte man Sachen ruhig wiederholen, da die Verarbeitungskapazität noch arg gering ist. Selbst drei-/vierjährige Kindern erfassen 08/15- Märchen erst nach mehrfachen Erzählen (an vmehreren Tagen) vollständig.

Ciao maxet.

Hallo Nike,

vielleicht sollte ich die Frage anders formulieren.

Wie entwickelt sich ein Kind in einer festen Familie, und wie entwickelt sich das Kind, wenn z.B. Papi nur an wenigen Stunden in der Woche da sein darf (und das schon vor der Geburt)? Das Kind kennt es nicht anders, Papi gibt sich alle Mühe, Mami ist immer präsent, aber nur Mami, niemand sonst. Es geht es nicht um die partnerschaftliche Seite, es geht mir in der Frage ums Kind, Nachteile, eventuelle Folgen, ganz pauschal, nichts Genaues. Vielleicht sind da sogar Vorteile für das Kind?

Gruß
André

Hallo Andre

Sind diese Fähigkeiten in den Genen verankert?

Ja.
Lernt ein Kind

des Lernens wegen, weils ein neues Spiel ist, weil es lernen
muß (um zu überleben, krass gesagt)?

Auch.

Was würde ein Kind erlernen, welches (theoretisch) völlig

isoliert aufwächst?

Dieses Experiment wurde vor mehr als hundert Jahren bedauerlicherweise gemacht, undzwar von einem deutschen König, wenn ich mich recht erinnere. Alle Babies starben durch die Isolation.
Das Fehlen der mütterlichen Liebe, Begeisterung (Glanz im Auge der Mutter) und warmen, positiv gestimmten Atmosphäre ist tödlich für Menschenkinder. Vielleicht kann man ja Schildkröten unter Rotlicht so aufziehen, aber keine Babies.
Meine Buchempfehlung heute dazu wäre:
Christopher Bollas: „Der Schatten des Objekts“
Gruß,
Branden

Hallo Andre

Es ist noch nicht lange her, da gab es im Fernsehen eine Sendung, in der auch das von Branden erwähnte Experiment aufgeführt wurde (es war ein Staufer-König). Aber noch einiges andere:

Z.B. geschieht es immer wieder, daß Kinder besonders in der Dritten Welt, sich im Dschungel verlaufen und mit Tierherden zusammen aufwachsen. Das Ergebnis ist erstaunlich. Sie haben fast die gesamte Verhaltensweise der Tiere übernommen. Im Fall von Affen, wuchs dem Mädchen sogar ein Fell auf dem Körper.

Man könnte sagen, daß es das Bewußtsein ist, welches die Form bildet. Hier natürlich eine Rückbildung vom Menschsein. Im andern Fall, wird das Bewußtsein von der Mutter übermittelt und die Bemühungen des Kindes lassen Bewegung, Sprache, usw. wachsen.

Angeboren ist wahrscheinlich garnichts, nur das organische Potenzial ist vorhanden, alles andere muß erworben werden. Das geschieht, wie bereits gesagt, durch die Mutter.

gruß
rolf

Hi!

Dieses Experiment wurde vor mehr als hundert Jahren
bedauerlicherweise gemacht, undzwar von einem deutschen König,
wenn ich mich recht erinnere. Alle Babies starben durch die
Isolation.
Das Fehlen der mütterlichen Liebe, Begeisterung (Glanz im Auge
der Mutter) und warmen, positiv gestimmten Atmosphäre ist
tödlich für Menschenkinder.

Wurden solche Experimente nicht auch während der Hitlerzeit gemacht? Ich meine soetwas gelesen zu haben.

Tara

Wurden solche Experimente nicht auch während der Hitlerzeit
gemacht? Ich meine soetwas gelesen zu haben.

Weiß ich nicht, Tara, halte es aber für möglich angesichts der sadistischen Versuche in dieser Zeit.
Gruß,
Branden

Hi Tara,

nachdem schon so viel an Meinungen geäußert wurde, geb ich meinen Senf auch noch dazu:

Wurden solche Experimente nicht auch während der Hitlerzeit gemacht?

Nein, ich glaube nicht. Ich habe wirklich viel über diese Zeit gelesen, das aber ist mir nie untergekommen. Wenn ich nicht irre, war Grundlagenforschung - also Forschen um des Wissens willen - im Dritten Reich eh nicht gefragt. Was an unmenschlichen Experimenten bekannt wurde, sollte anwendungsbezogene Fragen klären oder diente der Befriedigung sadistischer Bedürfnisse.

Gruß Ralf

Hallo,
ich poste hier mal nen kurzen Abschnitt aus einer Arbeit, die ich im Studium geschrieben habe und die sich mit dem Erstspracherwerb befasst hat, vielleicht hilft Dir das ja.
Ein Wort im Voraus: Nichts genaues weiß man nicht :wink:
LG;
NOrah
_______________
Allgemein versteht man unter Erstspracherwerb das ungesteuerte Erlernen
einer natürlichen Sprache mit all ihren Aspekten. Dieser Vorgang beginnt mit
der Geburt und vollzieht sich in voneinander unterscheidbaren Phasen. Dabei
können diese zwar verschieden lang sein, sie haben aber immer die gleiche
Reihenfolge.

Vorstadium:
Die ersten Wochen direkt nach der Geburt zeichnen sich
durch das so genannte reflektorische Schreien aus. Dabei ist das zunächst
undifferenzierte Schreien ab der zweiten Woche durchaus als differenziert zu
beschreiben, da das Kind bereits verschiedene affektive Zustände
auszudrücken vermag. Diese Entwicklung nimmt zu, und in der 4. bis 6.
Woche ist das Schreien dann schon deutlich emotional gefärbt, zuerst nur
negativ, dann auch positiv. Missbehangen und Zufriedenheit können gut
unterschieden werden. Man geht davon aus, dass die Kinder in diesem
Stadium ihre Muttersprache schon von anderen Sprachen unterscheiden
können.

Lallstadium:
Im 3. bis 6.Monat kommt es zu einer stimmlichen
Expansion, das Kind spielt mit der Stimme, mit der Fähigkeit, Melodie und
Intensität zu modulieren. Der Vokaltrakt wird ausgebildet, es kommt zum
Ausprobieren aller Laute. Ab dem 6. Monat bildet sich das Phoneminventar
der Muttersprache heraus. Im 7. bis 10. Monat zeigt das Kind erstmals das
Lallen bestimmter Silben, wobei Reduplikationen (Ma-Ma, Pa-Pa, etc) gehäuft
auftreten. Wichtig ist, dass der Grundlautschatz noch bei allen Kindern
identisch ist. Erst ab etwa dem 12. Monat werden dann nichtmuttersprachliche
Kontraste nicht mehr wahrgenommen.

Einwortphase:
Mit dem 12. Monat beginnen Kinder, die ersten Wörter
zu produzieren. Dabei handelt es sich mehrheitlich um offene Wortklassen,
vor allem Substantive, Verben, Wörter mit einer einfachen Silbenstruktur. Bis
zum Alter 1;6 (1 Jahr 6 Monate) erwirbt das Kind seinen ersten Wortschatz mit
einem Umfang von ca. 40-50 Wörtern. Die Äußerungen sind oft so genannte
„Holophrasen“, die sich aus dem Wort und seinem Kontext zusammensetzen.

Zweiwortphase:
Etwa im Alter von 18 Monaten zeigen Kinder die ersten
Kombinationen von Wörtern. Dabei treten allerdings keine Flexionen auf,
vereinzelt finden sich Plurale oder Genitive. Die Äußerungen zeichnen sich
durch individuelle Wortstellungen aus. Zwischen 1;8 und 3;6 findet ein
sprunghafter Zuwachs an Wörtern statt, der sich bis etwa ins vierte Jahr so
fortsetzt.

Weiterentwicklung:
Zwischen 2;0 und 2;6 gehen die Kinder von den
Zwei- zu Drei- und Mehrwortäußerungen über, die allerdings noch eine
einfache syntaktische Struktur aufweisen. Erst danach bis etwa zum Ende des
vierten Lebensjahres bilden Kinder Sätze, die bereits eine komplexere Syntax
besitzen, die Flexionen werden ausgebaut, es tauchen Nebensätze auf.
Dieser Ausbau und der Angleich an die Erwachsenensprache setzen sich
anschließend fort.

Theorien

Die wichtigsten Theorien und Erklärungsansätze zum Spracherwerb sind der
Behaviorismus, der Nativismus, der Interaktionismus, Instruktionalismus und
der Kognitivismus.

Der Behaviorismus hat seine theoretischen Wurzeln im Empirismus
(Aristoteles), sein wohl bekanntester Vertreter ist B.F. Skinner, der 1957 mit
seinem Buch „Verbal Behavior“ die behavioristische Theorie des
Sprachverhaltens begründete.
Die Theorie des Behaviorismus geht davon aus, dass menschliches Wissen
primär auf Erfahrung und Lernen beruhe. Wissenschaftliche Theorien wie die
zum Spracherwerb nehmen ausschließlich Bezug auf unmittelbar
beobachtbare Phänomene, Annahmen über mentale Prozesse werden nicht
zugelassen sondern in der „black box“ eingeordnet.
Sprache wird als spezifische Form von Verhalten gesehen, wobei Verhalten
wiederum entsteht aus der Verbindung von Stimulus (Reiz) und Response
(Reaktion). Die Entstehung sowohl menschlichen als auch tierischen
Verhaltens basiert auf einem grundlegenden Lernmechanismus, dem
klassischen und operanten Konditionieren.
„Die Beschreibung jeglichen Verhaltens soll mit drei Grundkategorien
auskommen. Im Hinblick auf einen betroffenen Organismus können
Ereignisse entweder als Stimuli, als Responses oder als
Reinforcements klassifiziert werden. Bestimmte Stimulus-Response-
Verbindungen sind von vornherein angelegt; andere erwirbt der
Organismus, wenn eine Response auf einen Stimulus durch ein zeitlich
benachbartes Ereignis bekräftigt wird. Je häufiger auf eine Stimulus-
Response-Verbindung ein Reinforcement folgt, desto wahrscheinlicher
wird, daß der Organismus mit der bekräftigten Response auf den
entsprechenden Stimulus reagiert. […] Selbst eine so spezifisch
menschliche Eigenschaft wie Sprache – ‚verbal behavior’ in Skinners
Terminologie – soll nach den gleichen Lernprinzipien erworben
werden.“
Beim Worterwerb als Konditionierungsvorgang etwa wird ein Objekt durch das
wiederholte gemeinsame Auftreten mit der Objektbenennung zum bedingten
Stimulus und die Objektbenennung zur bedingten Reaktion. Neben den
tatsächlich auftretenden Stimuli können auch innere Vorstellungen des
Objekts die Benennung auslösen. Dementsprechend wird das Erlernen von
Sätzen auch als Kettenkonditionierung verstanden.
Zentrale Krititkpunkte am Behaviorismus sind neben der direkten Übertragung
beobachteten tierischen Verhaltens auf den Menschen auch, dass er nicht in der Lage ist, den kreativen Prozess des Erstspracherwerbs zu erklären und
der komplexen Struktur der Syntax keine Rechnung trägt:
„Children learn to speak, the popular view, by copying the utterances
heard around them, and having their responses strengthened by the
repititions, corrections, and other reactions that adults provide. In recent
years, it has become clear that this principle will not explain all the facts
of language development. Children do imitate a great deal, especially in
learning sounds and vocabulary; but little of their grammatical ability
can be explained in this way.”

Die Wurzeln des Nativismus liegen im Rationalismus und Mentalismus (Plato),
bekanntester Vertreter ist Chomsky, der sich 1959 mit seiner „Review of
Verbal Behavior of B.F. Skinner“ klar vom Behaviorismus abgrenzte und die
so genannte „kognitive Wende“ der Psychologie mitbegründete.
„Neben dem allzu direkten Schluß vom tierischen auf das menschliche
Verhalten bestritt Chomsky den Wert der von Skinner vorgenommenen
Übertragung der Laborergebnisse auf natürliches (‚real life’) Verhalten.
[…] Er gelangte zu dem Schluß, daß Skinners Vorschlag zur Analyse
des Sprachverhaltens, wörtlich genommen, nichts über linguistisches
Verhalten aussage.“18
Der Nativismus geht davon aus, dass die geistige Entwicklung des Menschen
primär auf der Interpretation von Wirklichkeit durch den menschlichen Geist
und auf der Reifung angeborener mentaler Strukturen beruht.
Wissenschaftliche Theorien bezüglich des Denkens (Kognition incl. Sprache)
und entsprechender Erwerbsmechanismen müssen auf Annahmen über
abstrakte Wissensrepräsentationen und Informationsverarbeitungsmechanismen
beruhen.
Zentrale Fragestellung ist hier also das logische Problem des sprachlichen
Strukturerwerbs: Wie können Kinder trotz fehlerhaften Inputs durch die
Erwachsenen und fehlender negativer Evidenz so schnell und scheinbar
mühelos ein derartig abstraktes und vielschichtiges Wissen über die Struktur
der Sprache und die Grammatik ihrer Muttersprache derart detailgenau
erwerben? Aus dieser Fragestellung wurde der Schluss gezogen, dass Kinder, eben da
der Input zu fehlerhaft sei um allein auf dessen Basis so schnell und genau
sprechen zu lernen, über eine bereits in ihren Grundzügen angelegte
Sprachstruktur verfügen müssten (Prädisposition).
Dieser Einzelsprachen-unabhängige „Bauplan“ wurde als Universalgrammatik
(UG) bezeichnet, wobei die UG den Spracherwerb mit Hilfe einer begrenzten
Menge von Sprachbauprinzipien und einer Auswahl an
Ausgestaltungsmöglickeiten steuert. Diese Anlage bezeichnet Chomsky als
LAD, Language Acquisition Device.
„The child uses its LAD to make sense of the utterances heard around it
[…]. This knowledge is then used to produce sentences that, after a
process of trial and error, correspond to those in adult speech: the child
has learned a set of generalizations, or rules, governing the way in
which sentences are formed.“19
Die Kritik am Nativismus macht sich an vier Punkten fest: Erstens lässt die
ausschließliche Orientierung an der Grammatik die funktionalen Aspekte des
Spracherwerbs (Kommunikativer Ausdruck, Pragmatik, Semantik) außer Acht.
Zudem berücksichtigt der Ansatz nicht die Relation nonverbaler kognitiver
Strukturen und Entwicklungsprozesse im sprachlichen Strukturaufbau. Der
sprachliche Input ist drittens auch weitaus spezifischer und weniger „arm“ als
postuliert, und schließlich stellt die genetische Verankerung von
Sprachkompetenz keine befriedigende Antwort bereit auf die zentrale Frage
nach dem Lern- bzw. Erwerbsmechanismus (vgl. Entwicklungssequenzen).

Der Interaktionismus beruht auf der Handlungstheorie und der
Sprechakttheorie (Sprache wird nicht als primär strukturelles System
betrachtet, sondern als Instrument zur Ausführung von Sprechakten).
Dabei wird von der pragmatischen Basisstruktur der Sprache ausgegangen:
Sprache wird als Form des kommunikativen Handelns gesehen, d.h. ein Kind
erwirbt Sprache immer in situativen, kommunikativen Handlungskontexten.
Der Spracherwerb beruht folglich auch auf dem grundlegenden menschlichen
Bedürfnis nach Kommunikation und Interaktion. Die pragmatischen Handlungen der Mutter/ primären Bezugspersonen fungieren dabei laut
Bruner als LASS, als Language Acquisition Support System.
Den präverbalen Mutter-Kind-Interaktionen kommt eine entscheidende
Bedeutung zu. Zu diesen kommunikativen Routinen gehören das
abwechselnde Vokalisieren, das rhythmische Blickkontaktverhalten und das
Ausführen ergänzender Tätigkeiten.
Sprachentwicklung ist die Fortführung nonverbaler Kommunikation, da sich
verbale Kommunikationsstrategien direkt aus den nonverbalen ableiten. Die
unerstellte Interpretation der Mütter in Bezug auf die Lautäußerungen ihrer
Kinder veranlasst zu verbalen und nonverbalen Handlungen. In der verbalen
Phase werden Handlungsspiele und kommunikative Routinen schrittweise zu
Sprachspielen und kommunikativen Routinen und so aus nonverbalen verbale
Handlungen. Im Lexikonerwerb entwickelt sich die Referenzfunktion von
Sprache im interaktionalen Kontext durch Aufmerksamkeitslenkung, greifende
Gesten, Zeigen, Ausführen und Benennen. Beim Grammatikerwerb bilden
kommunikative Handlungs- und Sprachspiele die Basis für die so gestaltete
Strukturierung der Umwelt durch die Mutter, dass das Kind daran lernen kann.
Dies bietet auch gleich einen Ansatzpunkt für Kritik: der Interaktionismus
erklärt einen Aspekt der sozialen Entwicklung des Kindes, nicht aber der
sprachlichen Strukturentwicklung. Es handelt sich eher um eine Theorie der
sozialen Motive des Strukturerwerbs als um eine Theorie, welche diesen
hinreichend erklären könnte. Zudem weist dieser Ansatz nur eine schmale
empirische Grundlage auf, bezieht sich zumeist auf Einzelfallstudien.

Die theoretische Grundposition des Instruktionalismus ist in der Empirie
verankert, der bekannteste Vertreter ist Snow.
Spracherwerb wird hier verstanden als indirekter Sprachunterricht vermittels
eines gezielten sprachstrukturellen Angebots und Rückmeldeverhaltens aus
der sprachlichen Umwelt. Die kindlichen Bezugspersonen reagieren intuitiv
fein abgestimmt (fine-tuning-Hypothese) auf die Informationsbedürfnisse und
Sprachverarbeitungskapazitäten ihrer Kinder. Dies tun sie durch erstens ein
gezieltes Angebot an formal und semantisch vereinfachtem Input (Motherese), und zweitens durch ein spezifisches Rückmeldeverfahren, d.h. durch
vollständige, erweiternde oder korrigierende Imitation kindlicher Äußerungen.
Motherese könnte man wie folgt charakterisieren:
„ - Prosodische Merkmale. Die mütterliche Sprache weist eine höhere
Grundfrequenz und überdeutliche Intonationsmuster auf

  • Komplexitätsmerkmale. Die mütterliche Sprache enthält kurze
    Äußerungen, viele Fragen, viele Aufforderungen, wenige
    Vergangenheitsformen
  • Redundanz. Die mütterliche Sprache ist durch konkrete Wörter,
    durch Wiederholungen von Wörtern, Äußerungsteilen und
    Äußerungen sowie durch Expansionen, das sind erweiternde
    Paraphrasen der kindlichen Äußerungen, bestimmt.“20
    Der Instruktionalismus bestreitet die nativistische These von der
    Fehlerhaftigkeit des elterlichen Inputs und postuliert, dass die
    Vorstrukturierung des Inputs beim Motherese ausreicht, um den sprachlichen
    Strukturerwerb zu erklären. Dazu wäre kein angeborener LAD nötig.
    Als Kritikpunkt kann man jedoch nennen, dass Motherese eben doch keine
    zwingende Vorraussetzung zum Spracherwerb zu sein scheint, wie
    interkulturelle Studien belegen konnten. Zudem kann der kindliche Output
    komplexer sein als der Input und die angebliche Feinabstimmung auf die
    Kapazitäten und Bedürfnisse des Kindes ist i.d.R. nicht beobachtbar21, d.h. der
    Input aus spezifischen Kommunikationssituationen reicht nicht aus, um die
    Komplexität des Strukturaufbaus zu erklären.

Der moderne kognitivistische Ansatz in der Spracherwerbsforschung beruft
sich vor allem auf Slobin. Doch auch Piagets Annahme, dass sich die
Sprachentwicklung nach den allgemeinen Regeln der Denkentwicklung
vollziehe, prägte diesen Ansatz entscheidend22.
Grundsätzlich wird von der Kontinuität und Universalität der kognitiven
Entwicklung ausgegangen. Alle kognitiven Fähigkeiten werden gesehen als
Ergebnis ein- und desselben, durch angeborene Strukturen gesteuerten,
kontinuierlichen Erwerbsprozesses, wobei Sprache als höchste Stufe in der
Entwicklung der Abstraktions- und Symbolfähigkeit darstellt, womit der Spracherwerbsprozess in die allgemeine kognitive Entwicklung eingebettet ist:
„[…] language acquisition must be viewed within the context of a child’s
intellectual development.“23
Der Kognitivismus postuliert dabei ein so genanntes Primat der Bedeutung,
d.h. Kinder können nur solche Konzepte versprachlichen, die sie auch
verstanden haben. Sprachliche Strukturen entwickeln sich nicht unabhängig
von semantisch-konzeptuellen Strukturen, d.h. wann ein Konzept ausgedrückt
und verstanden werden kann, hängt nicht primär davon ab, wie komplex die
sprachliche Kodierung erfolgt, sondern vom (universellen) Zeitpunkt des
Konzepterwerbs.

Z.B. geschieht es immer wieder, daß Kinder besonders in der
Dritten Welt, sich im Dschungel verlaufen und mit Tierherden
zusammen aufwachsen. Das Ergebnis ist erstaunlich. Sie haben
fast die gesamte Verhaltensweise der Tiere übernommen. Im Fall
von Affen, wuchs dem Mädchen sogar ein Fell auf dem Körper.

Das Fell wuchs ihr aber nicht durch Nachahmung im Sinne von Lernprozessen?
Wir haben doch noch „tierische Gene“ in uns. Es gibt doch noch einige Menschen, die sehr stark behaart sind (,was darauf hindeutet, dass wir von behaarten Tieren abstammen oder zB gibt/gab es Menschen, die noch mehr als 2 Brustwarzen haben) Kann es nicht möglich sein, dass sich das Fell einfach bildete, da das Kind im Urwald nicht ohne Fell überleben konnte? Ne positive Mutation oder so…?

LG

Z.B. geschieht es immer wieder, daß Kinder besonders in der
Dritten Welt, sich im Dschungel verlaufen und mit Tierherden
zusammen aufwachsen. Das Ergebnis ist erstaunlich. Sie haben
fast die gesamte Verhaltensweise der Tiere übernommen. Im Fall
von Affen, wuchs dem Mädchen sogar ein Fell auf dem Körper.

Das Fell wuchs ihr aber nicht durch Nachahmung im Sinne von
Lernprozessen?

Nein, durch Identifikation mit den Affen.

Kann es nicht möglich sein, dass sich das Fell einfach
bildete, da das Kind im Urwald nicht ohne Fell überleben
konnte? Ne positive Mutation oder so…?

Wie sollte solch ein Prozess stattfinden?

gruß

Scheidungsbaby?
Hallo André,

wenn Deine Frage auf „handelsübliche“ Trennungssituationen abspielt, muß ich Dich ernüchtern:

Im Grunde braucht ein Kind in den ersten Monaten nur Nahrung (am besten gestillte Muttermilch), Befriedigung der Grundbesürfnisse Schlafen und Hygiene sowie Nähe, Nähe, Nähe. Von wem genau diese Nähe kommt, ist dem Baby ziemlich wurscht.

Wichtig ist nur, daß es viel Körperkontakt erhält, viel in Kommunikation mit den „Großen“ treten kann (also mit ihm geredet, es geschmust, gekitzelt, gewiegt, ihm vorgesungen wird).

Ob das nun Mama, Papa, Oma oder Frau Müller sind, ist erst mal egal.

Wichtig nur, daß es den Großen gut geht dabei: Denn negative Stimmung spürt das Baby wie ein Echolot.

Und natürlich kann außer Mama keiner stillen.

Ich meine, vor kurzem gelesen zu haben, daß Du in Trennung lebst, geht die Frage dahin?

Wenn es so ist, wie Du schreibst: Das Baby also die Situation nur so kennt, alle von mir genannten Bedürfnisse zuverlässig erfüllt werden und beide Elternteile glücklich und zufrieden mit der Situation sind, dann wird das Baby keinen Schaden davontragen.

Liebe Grüße,
Nike

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Nein, durch Identifikation mit den Affen.

Kann ich nicht ganz nachvollziehen, dass durch die Identifikation mit dem Tier ein Fell entsteht?

Wie sollte solch ein Prozess stattfinden?

Keine Ahnung! - War deshalb ja auch eine Frage und keine Aussage :wink: Könnte mir biologische Einflüsse nur eher vorstellen als psychologische.
Ein Affe, der von einem Menschen erzogen wird, entwickelt ja auch kein menschliches Aussehen, sondern nur menschliches Verhalten.
Gibts hier irgendwelche Berichte darüber (außer jenen, der im Fernsehen zu sehen war), würd mich interessieren, was die Erklärung dazu ist bzw. wie dies zu Stande kommen kann.
Beim Verhalten ist es mir klar, kann ich auch nachvollziehen…aber Fell… *stirnrunzelt*

LG

Hallo André,

Sind diese Fähigkeiten in den Genen verankert? Lernt ein Kind des Lernens wegen, weils ein neues Spiel ist, weil es lernen muß (um zu überleben, krass gesagt)?

Erst Reflexe, dann Nachahmung.

Diese Fähigkeiten (bis auf das Sprechen oder Verstehen) kommen automatisch, ohne Kontakt zu anderen Menschen?

Nein, siehe z. B. den Artikel Wolfskinder.

Was würde ein Kind erlernen, welches (theoretisch) völlig isoliert aufwächst?

Wie isoliert, von allen menschlichen Bezugspersonen, ganz allein im Raum?

Gruß
Monika

Qualität statt Quantität
Hallo André,

Wie entwickelt sich ein Kind in einer festen Familie,

glaubst du denn, in einer festen Familie sind beide Eltern 24 Stunden zu Hause?

und wie entwickelt sich das Kind, wenn z.B. Papi nur an wenigen Stunden in der Woche da sein darf (und das schon vor der Geburt)?

Das hängt ganz davon ab, wie stark sich der Papi auf sein Kind konzentriert (z. B. mit ihm spielt, ihm vorliest, mit ihm schmust), wenn er da ist.

Das Kind kennt es nicht anders, Papi gibt sich alle Mühe, Mami ist immer präsent,

Nur dasein genügt nicht, die Art und Weise, wie sich Mami um das Kind kümmert (z. B. mit ihm spielt, ihm vorliest, mit ihm schmust), spielt auch eine Rolle.
Eine Person, die sich nur darum kümmert, daß das Kind physisch (Essen, Kleidung) gut versorgt ist, es aber psychisch (mit ihm beschäftigen) hungern läßt, ist nicht so gefragt.

aber nur Mami, niemand sonst. Es geht es nicht um die partnerschaftliche Seite, es geht mir in der Frage ums Kind, Nachteile, eventuelle Folgen, ganz pauschal, nichts Genaues. Vielleicht sind da sogar Vorteile für das Kind?

Nun, es lernt zum Beispiel, daß es Abschied (Traurigkeit) und Wiederkommen (Freude) gibt.

Gruß
Monika

Hallo Nike,

wenn Deine Frage auf „handelsübliche“ Trennungssituationen
abspielt, muß ich Dich ernüchtern:
Im Grunde braucht ein Kind in den ersten Monaten nur Nahrung
(am besten gestillte Muttermilch), Befriedigung der
Grundbesürfnisse Schlafen und Hygiene sowie Nähe, Nähe, Nähe.
Von wem genau diese Nähe kommt, ist dem Baby ziemlich wurscht.

Das kenne ich und habe es erfahren.

Wichtig nur, daß es den Großen gut geht dabei: Denn negative
Stimmung spürt das Baby wie ein Echolot.

Das ist eben meine Frage, daher in diesem Brett.

Und natürlich kann außer Mama keiner stillen.

Leider, eine innige Beziehung ist das, vielleicht die innigste, die ein Mensch je haben kann.

Ich meine, vor kurzem gelesen zu haben, daß Du in Trennung
lebst, geht die Frage dahin?

In etwa.

Wenn es so ist, wie Du schreibst: Das Baby also die Situation
nur so kennt, alle von mir genannten Bedürfnisse zuverlässig
erfüllt werden und beide Elternteile glücklich und
zufrieden mit der Situation sind, dann wird das Baby keinen
Schaden davontragen.

Den Schaden hat der Vater. Er muß damit klarkommen mit seinem Kind nur Stunden verbringen zu dürfen, das Kind immer wieder abgeben zu müssen, nicht mit einer Familie dem Kind ein Zuhause geben zu können.

Wie sieht Kind das: Papi kommt nur selten, nicht, wenn ich ihn brauche? Wie erreiche ich Papi, wenn ich was von ihm will? Wenn er da ist, ist alles vergessen, Mami, die Umgebung, meine Katze, Papi ist da. Endlich… Schmusen, umarmen, lieb haben, mit ihm spielen, ihn zu fordern, von ihm zu lernen…

Gruß
André

Hi Andrè,

geht es Dir darum wie ein Kind lernt oder was es lernt?

Ein Kind lernt schon im Mutterleib, z.B. erkennt es sofort die Stimme der Mutter nach der Geburt, auch wenn sie diese auch noch eine Weile gar nicht erkennen kann.

Teils ist die Rede von einer traumatischen Geburt, doch wie die Mutter zum Kind steht, das in ihr heranwächst, z.B. ob und welche Ängste sie plagen, Schockerlebnis durch Unfall…, wirkt sich auch auf das Kind aus.

Ich weiß nicht worum es Dir geht. Sicherlich brauchen Babys Reize um zu lernen, doch bei einer Reizüberflutung kann es auch zu Störungen (später) kommen. Kinder lernen sicherlich sehr schnell und viel in Relation zum ausgewachsenen Menschen. Sie tun dies wohl auch instinktiv aus einem Selbsterhaltungstrieb. Das kann auch bedueten, dass sie sich den Wünschen der Eltern anpassen, weil sie abhängig (Nahrung, Kleidung, Nestwärme…) sind. Es ist also auch eine Frage, was das Kind und aus welchen Gründen lernt? Wie förderlich und hilfreich ist das Erlernte für ihr Leben bzw. was erlernen sie und blockieren sich damit in ihrer Ausdrucksweise, und bekommen Ängste?

Wenn Du auf Kinder von scheinbar temporär oder ganz getrennt lebenden Eltern zu sprechen kommst, hängt das meines Erachtens primär erstmal davon ab, wie die Eltern damit umgehen und was sie vorleben. Es geht nicht um die Menge an Zeit die man mit einem Kind verbringt, sondern darum wie man die gemeinsame Zeit sinnvoll ausfüllt.

Wie stellt der Papa dem Kind gegenüber sich selbst und die Mama dar bzw. wie stellt die Mama den Papa und sich selbst gegenüber dem Nachkömmling dar? Wird dem Kind suggeriert, die Mama ist traurig, weil der Papa sich nicht kümmert oder nicht wie gewünscht ist, könnte ein negatives Vaterbild entstehen lassen. Väter die ihre Kinder nur z.B. alle zwei Wochen sehen, könnten sich dazu verführen lassen, dem Kind viele Geschenke zu machen bzw. keine gesunden Grenzen zu setzen und zuviel zu erlauben. Das stempelt die Mutter möglicherweise als die Böse ab und der Vater wird eventuell idealisiert. Das sind nur ein, zwei Beispiele.

Wie gesagt, es hängt davon ab, was das Baby / Kind bei den Eltern spürt, wie glücklich die Eltern sind, die ja für das Kind ein Lernmodell werden bis es dieses dann später vielleicht mal überprüft / hinterfragt, und mehr oder minder viel davon ersetzt.

Bücher die ich mal interessant fand:
Das Tagebuch eines Säuglings - Daniel Stern
Entwicklungspsychologie - Oerter / Mortada (ein lesenswerter Schinken)

Sicherlich ist es auch wichtiger dass der Typ Mensch der die Mutter bzw. der Vater ist auch mit dem Kind zusammen passen. Manche Eltern / Kinder haben unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe / Distanz, körperlicher Bewegung, Kommunikation… Doch ich sehe es mal so, will es so sehen, die Kinder suchen sich ihre Eltern aus.

Das A und O scheint mir erstmal zu sein, dass die Eltern für sich ein möglichst für sich glückliches und mit Zufriedenheit erfülltes Leben als Mensch und Mann bzw. Frau führen. Das trägt sicherlich auch zu einer positiven Kindesentwicklung bei. Auf dem gemeinsamen (Lebens-)Weg wird dem Kind gezeigt, dass es in dieser Welt willkommen ist, dass es sich geborgen fühlen darf, in seinen Möglichkeiten gefördert wird und geliebt wird… Und dies ist widerum eine wichtige Basis um gut und viel lernen zu können.

Ciao,
Romana

Hi Andrè,

na, hätte ich das mal früher gelesen, lesen können.

Es scheint leider keien Seltenheit zu sein, dass Eltern ihre Konflikte die sie als Paar hatten und nicht lösen konnten / wollten, über die Kinder austragen. Ergo, es sollten keine Altlasten Eurer Beziehung Eure Elternschaft belasten.

Und was Dein Kind anbelangt, habe Geduld bis es mal geboren sein wird. Du kannst im Laufe der Zeit (und Du wirst viele Jahre üben können) einen Weg für ein Miteinander mit Deinem Kind finden, der Euch beiden zusagt.

Welche Absprachen Du dann mit Deiner Ex-Partnerin und dem zugleich anderen Elternteil hast, z.B. wenn das Kind Dich mal außer der Reihe sehen mag bzw. wenn es ein Problem mit Dir besprechen mag, wird sicherlich teils auch davon abhängig sein, wie gut Ihr Euch getrennt habt bzw. wie gut Ihr als Elternpaar Euch ergänzt.

Wenn Deine Beziehung zu Deiner Ex-Frau gut ist bzw. wieder gut wird (z.B. freundschaftliches Verhältnis), dann besteht auch die Möglichkeit, dass ihr nach Euren Absprachen die Zeitenregelung nicht ganz so eng seht und mehr das Kind entscheiden läßt, auf welches Elternteil es gerade mehr Bock hat oder welches es gerade mehr braucht.

Was hältst Du davon, ein Tagebuch für Dein Kind zu schreiben, das Du ihm dann zu seinem / ihrem 18 Geburtstag gibst?

Ciao,
Romana