Hallo,
Die Frage ist, wen du da benachteiligt siehst? Denn der Mann
ist ja derjenige, der gezwungenermassen arbeiten gehen muss
(stell dir immer den Montag vor) während die Frau nichts
wirklich machen muss). Wenn die Frau dann arbeitet (sie kann
ja auch für sich arbeiten lassen), dann behält sie ihr Geld
für sich und muss dem Mann nichts geben.
Der Mann „muss“ überhaupt nichts. Genau so wenig „muss“ eine
Frau irgendwas. Warum „muss“ eine Frau verheiratet sein, wenn
sie ein Kind haben will _und_ gleichzeitig ihr Leben selbst
bestreiten möchte - ohne jede männliche Hilfe (von dem einen
Moment mal abgesehen, wo der männliche Anteil unablässig ist)?
Warum lässt man nicht Männern und Frauen ihren freien Willen?
Weil es nicht im Interesse der Gesellschaft ist, ganz besonders nicht im Interesse des Kindes. Willst du denn auch, dass Anarchie herrscht, wenn jeder tun und lassen kann, was er will ohne moralische oder rechtliche Grenzen?
Warum gibt es in konservativ-islamisch geprägten Familien für
die Töchter nicht das Recht, sich ihren Lebenspartner selbst
auszusuchen?
konservativ-islamisch. Da braucht man inziwschen schon fast
gar nichts zu sagen!
Warum nicht? Was ist so schlimm am Begriff
„konservativ-islamisch“?
Du hast mich missverstanden, bitte auch den weiteren Text in deine Antwort einarbeiten. Du hast die Zwangsehe mit den „konservativ-islamischen“ Menschen verbunden, was ich sehr komisch fand.
Ich bin fest davon überzeugt, es gibt auch
„progressiv-islamisch“, z.B. jene islamischen Kreise, die
versuchen, einen Euro-Islam aufzubauen, der sich mehr als
deutlich von jenem Islam unterscheidet, der in Nordafrika, auf
der arabischen Halbinsel oder jenseits von Euphrat und Tigris
propagiert wird. Treibende Kräfte eines solchen Euro-Islams
sind z.B. Tahar Ben Jelloun oder der Iman von Paris oder auch
in Deutschland Bassam Tibi.
Taher, da kann ich dir vielleicht zustimmen, den Imam(?) von Paris kenne ich nicht, aber bei Bassam Tibi bin ich mir sicher, dass er weiterhin keinen Einfluss auf die hiesigen Muslime haben wird. Vielleicht gründet er aber den Ein-Mann-Euro-Islam, das ist vorstellbar.
Die
Zwangsehe in ihrer heutigen Form ist vor allem nach der
Einführung der zivilen Ehe aufgetaucht. Denn vorher stellte
ein Imam der die Heirat beurkundet hat sicher, dass beide
Seiten (und zwar die Eheschliessenden) einverstanden sind. Die
Heirat im Islam ist eine sehr leichte Sache. Die Erfordernisse
dazu können folgendermassen zusammengefasst werden: Das
Einvernehmen beider Seiten (Al-Qubul), zwei Zeugen (Schuhud)
und die Bekanntgabe (Ischhar). Das ist schon alles, aber wie
du siehst, es sind an vorderster Stelle die beiden zukünftigen
Partner erwähnt, danach die Zeugen, die eine Sicherheit für
die beiden Parteien sind und danach die Bekanntmachung, die
eher gesellschaftliche Auswirkungen hat, da dann alle
(zumindest die meisten) wissen, dass die beiden
zusammengehören.
Schön erklärt.
Doch warum werden gerade derzeit so viele junge Frauen aus
islamischen Ländern als Ehefrauen nach Deutschland gebracht,
die ihren Ehemann noch nie zuvor gesehen haben?
Vermutlich wirst du antworten: „Das stimmt nicht, so etwas
gibt es nicht.“ Dann frage ich mich allerdings, warum die
Bundesregierung Zwangsehe demnächst unter Strafe stellen will,
wenn es diesen Sachverhalt gar nicht gibt.
Bitte leg mir keine Worte in die Postings. Das ist unfair. Das scheint es zu geben, obwohl nicht in meinem Bekanntenkreis! Muslime im Allgemeinen haben denke ich nichts dagegen, wenn die Zwangsehe (härter) bestraft würde. Ich persönlich glaube, dass das Gesetz nicht umsetzbar ist, da man nicht so leicht an die Info kommt, dass Zwangsheirat stattgefunden hat, vor allem da der Zwang nicht klar definierbar ist.
Viel besser wäre es, wenn man mit den muslimischen Organisationen zusammenarbeitet, um dieses Problem aus der Welt zu schaffen. Dazu kann einen lokaler Imam oder auch eine überregionale Fatwa herangezogen werden, wenn im Jugendamt bspw. ein solcher Fall vorliegen sollte. Dadurch kann der Beamte/der Betreuer grösseren Einfluss auf die Eltern ausüben. Man kann mit den Moscheen Vortragsreihen zur Ehe im Islam und dem Eherecht in Deutschland veranstalten usw… Leider werden diese Wege immer noch nicht eingeschlagen.
Warum gibt es in solchen Familien den Grundsatz „Die Reinheit
der Frau ist die Ehre des Mannes“? Warum überlässt man
Reinheit und Ehre nicht der Frau, statt ihr Vorschriften zu
machen?
Zunächst einmal kenne ich diese „Vorschrift“ nicht.
Keine Vorschrift. Aber ein Grundsatz in vielen islamischen
Familien. Nicht umsonst gibt es in Europa etwa 5.000
„Ehrenmorde“ pro Jahr (allein in Deutschland deren 40 pro
Jahr). Da töten Männer ihre Frauen, Väter ihre Töchter, Brüder
ihre Schwestern, weil sie der Familienehre Schande bereitet
haben.
Ich muss hier ehrlich sagen: weiss ich nicht!
Auf der
anderen Seite ist ausserehelicher Geschlechtsverkehr im Islam
verboten.
Verbot bedeutet Strafe. Darf ich fragen, welche Strafe eine
Frau erwartet, die außerehelichen Verkehr hatte? Und zum
Vergleich dazu: Welche Strafe erwartet einen Mann, der
außerehelichen Verkehr hatte? Die gleiche Strafe, oder gibt es
da - mal wieder - fein säuberliche Unterschiede zwischen
Männern un Frauen (also nix Gleichberechtigung)?
Die Strafe ist zunächst einmal im Jenseits, und da wird es keinen Unterschied zwsichen Mann und Frau geben. Aber auch im Diesseits sieht der Islam keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Auf der anderen Seite ist die Strafe das äusserste Mittel. Zuvor und in den meisten Fällen kommt es auf den einzelnen Menschen an. Wann ist es möglich, vier Zeugen bei Geschlechtsverkehr heranzuziehen?
Aber als Antwort auf deine Frage: Auch hier wird zwischen Mann und Frau nicht unterschieden.
Und wenn du sagst, alle Menschen sind gleicberechtigt - wie
stehst du zum Problemfall der gleichgeschlechtlichen Liebe?
Ist das nicht ganz allein Sache der beiden Menschen, in die
sich niemand von außen, weder Staat noch Religion einzumischen
haben? Wird mit den Drohungen gegen homosexuelle Paare nicht
deren Gleichberechtigung gegenüber den anderen, „normalen“
Menschen mit Füßen getreten?
Wie stehst du zur Inzest? Sollte es nicht die Sache der beiden
Partner sein, ob sie sich lieben?
Inzest bedeutet Schäden am Erbgut (siehe dazu auch die
Familiengeschichte des europäischen Hochadels, insbesondere
der russischen Romanows, wo durch Inzest sich die
Bluterkrankheit festsetzte). Es gibt daher biologische Gründe,
diesen Tatbestand unter Strafe zu stellen, da nur so der
notwendige Schutz für Kinder aus derartigen Beziehungen
gegeben ist. Die Strafe des Inzestes hat also rationale
Gründe.
Das stimmt so ja nicht. Es ging um Geschlechtsverkehr, nicht um Reproduktion, da Letztere auch unter Homosexuellen nicht möglich ist. Dürfen dann Familienmitglieder (ausgenommen Mutter und Vater natürlich) Geschlechtsverkehr haben, wenn sie Kondome oder Pillen benutzen?
Oder Geschlechtsverkehr mit
Kindern. Beides ist im deutschen (und anderen) Gesetz
verboten. Ist Deutschland ein repressives und totalitäres
System? Wie sieht es da mit der Gleichberechtigung aus?
Geschlechtsverkehr mit Kindern ist keine Beziehung, bei der
ein freier Wille auf beiden Seiten besteht. Ein Kind kann
nicht abschätzen, was eine solche Situation bedeutet. Ferner
ist es aufgrund seines Alters gar nicht in der rechtlichen
Lage, eine freie Willensäußerung zu treffen, da Minderjährige
rechtlich nicht oder nur beschränkt geschäftsfähig sind. Aus
diesem Grunde muss der Staat durch Gesetzt seine Schutzaufgabe
wahrnehmen.
Wer gibt dir (oder irgendwem sonst) das Recht zu bestimmen, ob ein Kind schon selbstständig entscheiden kann oder nicht? Ab welchem Alter kann das Kind denn selbst entscheiden und wie legt man sowas fest?
Völlig anders sieht das aber bei gleichgeschlechtlichen Paaren
aus, die laut Gesetzt voll für ihre Taten verantwortlich sind.
Das selbe Gesetz, das sowohl ihren Verkehr erlaubt, als auch den Verkehr mit Kindern verbietet?! Damit drehen wir uns im Kreis: Es ist erlaubt, weil das Gesetz es erlaubt; das Gesetz erlaubt es, weil es erlaubt ist…
Die Frage wurde von dir nicht beantwortet. Vielmehr bist du
auf ein anderes Feld ausgewichen. Ich frage mich, warum?
Fehlende Argumente? Oder weil der Islam hier sehr deutlich
Position bezieht, die völlig von der derzeitigen
Moralvorstellung der westlichen Welt abweicht?
Die Antwort kennst du: Der Islam verbietet homosexuellen Geschlechtsverkehr! Und du meinst nicht die „derzeitige Moralvorstellung der westlichen Welt“ sonder die aktuellen Gesetze in Europa und teilweise in Amerika. Das sind grundsätzlich zwei verschiedene Dinge. Denn ein Grossteil der Menschen in diesen Bereichen lehnen diese Gesetze ab.
So, weiche ich nun aus? Im Übrigen sind im Islam sowohl Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen als auch in der Familie verboten.
Gruss, Omar Abo-Namous