Wie sich motivieren?

Ich bin in einer ziemlichen Lebenskrise. Ich versuche mich zu motivieren, aber es gelingt nicht so recht. Mache immer wieder Dinge, die mir schaden. Weiß aber genau, was jetzt wichtig wäre, sage mir, das ist dein einziges Leben, und es gibt so viele, die dich mögen, aber irgendwie kommt dann der Gedanke, seht ihr, ich bin halt Versager, es wird halt nichts. Fühle mich sauunwohl, und ich weiß, da ist viel Selbstmitleid dabei.
So enthalte ich mir natürlich auch Erfolgserlebnisse vor; das ist wie eine Spirale, dann schäme ich mich, komme mir minderwertig vor gegenüber anderen. Wie komme ich da raus? Dann verstelle ich mich auch, und das ist ja auch nicht toll. Würde gern „einfach“ sagen, bis hierher und nicht weiter, ganz konkret werden und immer zu mir stehen! Funktioniert das?

Hallo Jokotian,

hast Du schon therapeutische Hilfe in Anspruch genommen?

(Üblicherweise haben Krankenkassen eine Liste, auf der man alle zugelassenen TherapeutInnen finden kann; die schicken einem diese Liste auch i.d.R. gerne zu.)

Falls nicht, rate ich Dir dazu.

Du scheinst sehr gut wahrzunehmen, was alles schief läuft und wie Du das „fertig bringst“… Du wirst mit einem Menschen zusammen, der professionell ist, ganz sicher Wege finden können, aus dem Teufelskreislauf raus zu kommen.

Du scheinst in Deiner Umgebung außerdem auch (liebe) Menschen zu haben, die Dich - wie Du sagst - mögen. Sie werden erstens gute Gründe dafür haben. Zweitens werden sie Dich auch mögen (und respektieren), wenn Du zeigst, wo Deine Grenzen liegen… und wenn Du Dich (noch) nicht traust, Deine Grenzen zu setzen: Das ist auch etwas, was man lernen kann!

Suche Dir eine professionelle Person, mit der Du Dich wohl fühlst und lass Dir dabei helfen, mehr Selbstwertgefühl aufzubauen!

MfG
Istiden

Hallo Jokotian,

ich schließe mich den Tipps von Constantin (Antwort auf dein posting weiter unten)
/t/wie-kann-ich-mich-wieder-moegen/6100575
und Istiden an, dass eine Therapie das förderlichste Mittel wäre, um aus deinen Mustern auszubrechen.

Da du dennoch weiterhin nach Ratschlägen für deine Lebenskrise suchst, nehme ich an, dir mangelt es am Verständnis, warum eine Therapie hilfreich sein könnte.

Constantin hat ebenfalls bereits angedeutet, dass die Ursachen für dein Lebensgefühl in deiner Kindheit liegen könnten. Ich möchte das noch mal vertiefen.
(Natürlich ist es nur Interpretation deiner Worte, dennoch sehr naheliegend)

  • Ich versuche mich zu motivieren, aber es gelingt nicht so recht.
  • Mache immer wieder Dinge, die mir schaden.
  • der Gedanke, ich bin halt Versager
  • enthalte mir Erfolgserlebnisse vor
  • schäme mich, komme mir minderwertig vor gegenüber anderen.
  • Würde gern „einfach“ sagen, bis hierher und nicht weiter, ganz
    konkret werden und immer zu mir stehen!(= die eigenen Grenzen wahrnehmen und setzen)
  • hab viel falsch gemacht, gönne mir nichts Gutes, beschimpfe mich in Gedanken.
  • anderen Menschen gegenüber keine guten Empfindungen
  • Habe sehr negative Gedanken

Wie du es beschreibst, scheint es, als bemühtest du dich stets, deine Muster zu durchbrechen, würdest dennoch stets in alte Bahnen zurückgeworfen. (Wieder mal mit Gruß an Constantin:smile: Es ist anzunehmen, dass das o.g. Selbstbild das Bild ist, dass dir von deinen Erziehungsberechtigten eingetrichtert wurde. Wenn dich das näher interessiert, dann beschäftige dich mit der Transaktionsanalyse. (Zum Beispiel: „Ich bin o.k., du bist o.k.“)

Das ist die Theorie. In der Praxis sieht es dann so aus, dass wir die Glaubenssätze, die wir durch unsere Eltern verinnerlicht haben, immer und immer wieder leben, ja sogar uns bemühen sie zu bestätigen. Weil wir uns somit in uns bekannten und vertrauten Schemata befinden.

Am konkreten Beispiel: Wenn dir deine Eltern (bzw. d/eine Bezugsperson) immer wieder vermittelt hat, dass sie dich für einen Versager hält, dann kannst du im Beruf oder im Privatleben noch so erfolgreich sein, du wirst dir selbst nie genügen, nie mit dir zufrieden sein. Wahrscheinlich wirst du dich sogar stets bemühen, diesem Bild stets gerecht zu werden.

Dass es so schwer ist, dass wir uns von unseren alten Mustern lösen, liegt daran, dass unser Gehirn entsprechend verknüpft ist. Daher gelingt es i.d.R. meist auch nie, sich völlig von Altem zu lösen; im besten Falle schaffen wir es, neue -einfachere- Bahnen zu schaffen, d.h., ein neues Muster über das alte zu legen.

In manchen Bereichen ist es möglich, sich alleine von den alten Strukturen zu befreien. In deinem Fall -nach meiner Einschätzung- braucht es dazu psychologische Hilfe. Wenn es nur allein darum ist, dass es schneller geht.

Wenn du diesen Weg momentan noch scheust, dann würde ich dir raten, dich zuerst einmal mit psychologischer Fachliteratur zu beschäftigen. Hierzu möchte ich gar kein konkretes Buch empfehlen, sondern dir raten, in einer Buchhandlung in der psychologischen Ecke zu schmökern und das zu kaufen, was dich anspricht.

Für deinen Alltag gibt´s Tipps in der Richtung, wie du bereits erhalten hast und wie du sie deinen Zeilen nach zu urteilen schon ansatzweise lebst: Setze deinen negativen Gedanken immer einen positiven entgegen! Irgendwann einmal -aus meiner Erfahrung dauert es mitunter sogar Jahre! :frowning: - rutscht das Wissen dann vom Kopf in den Bauch.

Weiterhin: Bemühe dich, dich nicht zu verurteilen, wenn du so negativ denkst! Der erste Schritt, sich selbst zu verändern, ist immer, sich selbst in seinem So-sein zu akzeptieren.
Alles Verhalten hat seinen Sinn, wenn nicht in der Gegenwart, so machte es in der Vergangenheit Sinn.

Und, mein Tipp zuguterletzt:
Lass dir nicht einreden, diese oder jene Therapie sei die richtige für dich! Schau, was dich anspricht und achte in erster Linie darauf, dass die Chemie zwischen dem Therapeuten und dir stimmt! (Notfalls musst du sie selbst zahlen.)

Lieben Gruß von jeanne
und alles Gute für dich!

Hallo Jokotian!

Ich bin wegen meiner Motivationslosigkeit auch derzeit in psychotherapeutischer Behandlung und muss verschiedene „innere Dialoge“ üben.
Zum einem soll ich täglich affirmative Gedanken lesen die mir aufzeigen, dass das negative (und damit falsche) Bild, das man von sich hat, ersetzt wird durch positive Gedanken.
Desweiteren soll ich mich zur Motivation „zwingen“, in dem ich mir sage, dass ich TROTZDEM etwas mache.
Hinterher - also nach dem Machen - sich selber loben.

Ich kann Ihnen - aus eigener Erfahrung - sagen, dass es gerade am Anfang extrem schwierig ist, sich aufzuraffen, aber durch das tägliche Üben (und das ist Voraussetzung!) wird es tatsächlich - irgendwann - einfacher.

Was Ihr „Versagen“ angeht: Versagen darf man meiner Meinung nur dann sagen, wenn man Träume hat oder Ziele hat, sich aber weigert, etwas dafür zu tun, weil ja die anderen einen dafür auslachen.
Aber das ist Blödsinn!
Wenn Sie etwas versuchen und Ihr Ziel - zu diesem Zeitpunkt - nicht erreicht haben, haben Sie nicht versagt! Sie sind nur einen Schritt weiter in Richtung ihres Ziels.
Wer etwas versucht, kann nicht versagen!

Nixdestotrotz kann ich mich meiner Vorredenerin nur anschließen und Sie bitten, zu einem Therapeuten zu gehen; auch wenn diese Übungen ein Teil sind, um aus diesem Loch zu kommen, sind sie eben nur ein Teil.
Ein Psychotherapeut wird mit Ihnen erstmal den Hintergrund für das Denken herausarbeiten und dann die Therapie umsetzen.
Auch wenn es nicht von jetzt auf gleich geht.
Es geht.
Denken Sie immer daran: Sie sind stärker als jene „Stimme“, die Ihnen einreden will, dass Sie minderwertig sind.
Die Stimme will natürlich, dass dieser Zustand so bleibt.
Und wenn Sie, Jokotian, das nicht wollen, dann sind Sie schon mal auf dem richtigen Weg.
Ich weiß, es ist schwer, abe rich weiß auch, dass es geht, wenn Sie „kämpfen“.
Also: auf in den „Kampf“!

LG
Michael Vogl