Wie wirken Medikamente gegen Zwänge?

Hallo,

Ich bin momentan ziemlich überrascht darüber, was Medikamente bewirken können. Konkret hatte ich krankhaftes Zwangsverhalten (dass es krankhaft ist meinte mein Arzt und stellte die Medikamente um), ich habe jeden Weg mit dem Taxi erledigt was natürlich das Börsel belastete, und es musste aus finanziellen Gründen gestoppt werden.

Bevor ich die neuen Medikamente bekam wurde mir übel bei dem Gedanken mit den Öffis zu fahren, und - Geldknappheit hin oder her - ich bin wieder Taxi gefahren.

Mein Arzt hat letzten Samstag die Medikamentenzusammenstellung geändert, und die Ängste sind vollkommen verschwunden, ich fahre öffentlich als wäre es das natürlichste der Welt.

Und daher meine Frage: Wo setzen Medikamente gegen Zwangsverhalten an, was genau regulieren diese Mediakamente im Körper? Aufgefallen ist mir auch im Beipacktext, dass Ess-/Brechsucht u. a. Zwänge ebenfalls mit diesem Medikament behandelt werden können. Gibt es da Zusammenhänge?

Vielleicht kann mich jemand aufklären

lg
Morrighan

Hallo Morrighan,

welche Medikamente nimmst Du denn derzeit? Ich frage deshalb, weil gegen Zwänge und bei bestimmten Eßstörungen bestimmte Antidepressiva wirksam sein können, die Wirkung aber meistens nicht so schnell eintritt, wie sie bei Dir eingesetzt hat. Ich vermute deshalb, daß Dein Arzt Dir noch etwas anderes gegeben hat, dessen Wirkung sehr viel schneller und mit so viel Erfolg einsetzt.

Die Wirkung der Antidepressiva wird über die Erhöhung der Aktivität eines bestimmten Botenstoffes zwischen den Nervenzellen des Gehirns vermittelt. Der Botenstoff heißt Serotonin.

Beste Grüße

Hallo,

Danke erstmal für die Antwort.

tatsächlich ist das Medikament ein selektiver Serotonin Wiederaufnahmehemmer mit Wirkungen gegen Zwangsstörungen. Es heißt Mutan (Österreich). Serotonin Wiederaufnahmehemmer nehme ich schon lange, aber Mutan das erste mal. Wahrscheinlich ist es aber wirklich die Kombination der Medikamente die ich nehme (angstlösend (Bromazepam), Antriebssteigernd (Fluanxol) und für den Abend enspannendes (Seroquel).

Meine Frage zielt jedoch nicht speziell auf meinen „Fall“. Ich möchte einfach wissen wie solche Medikamente wirken. Es ist mir ein Rätsel, dass man Zwangsverhalten mit Medikamenten wegbekommt. Ist es wirklich nur die Regulierung des Serotoninausstoßes im Körper? Oder steckt mehr dahinter?

Grüße
Morrighan

Hallo,

handelt es sich hier bei nicht eher um eine Angststörung als um eine Zwangsstörung?

Angststörungen (in dem Fall wohl eine Agoraphobie?!) lassen sich recht gut mit Antidepressiva behandeln.
Eigentlich sollte es auch Aufgabe das Arztes im Rahmen der Psychoedukation sein, den Patienten über die diagnostizierte Störung, Symptome und Wirkung der Medikamente aufzuklären.

Gruß,
TeaAge

Hallo,

danke für die Antwort. Mit der Aufklärung durch den Arzt hast Du natürlich recht. Das vernachlässigt er aus Zeitnot (denke ich), denn die Ordination ist Mo - Sa geöffnet und wenn ich Samstag um 16:00 Uhr einen Termin habe, warten nach mir noch 20 Leute auf ihren Termin. Pro Kontrollpatient (wie er es nennt) bleiben da mal nur 5 - 10 Minuten in denen ich ihn über mein Befinden berichte und er sich Notizen macht, ggfalls auch Anpassung bei der Dosierung, wenn etwas nicht ganz nach Wunsch läuft. Ich muss aber sagen, dass ich trotzdem seit 2002 mit dieser Vorgangsweise top behandelt wurde. Ich werde mir aber trotz Zeitmangel ein Herz nehmen und ihn beim nächsten Termin darauf ansprechen. Sich selber was aus den Beipackzetteln zusammenreimen bringt eh nix.

Trotzdem bleibt meine allgemeine Frage zu Medikamenten und Zwangsstörung - unabhängig von meiner Diagnose - leider (noch) unbeantwortet.

Grüße
Morrighan.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Morrighan,

obwohl Deine Frage nicht auf Deinen „Fall“ bezogen war, habe ich nach Deinen Medikamenten gefragt, weil ich aufgrund Deiner Beschreibung vermutet habe, daß die Sache nicht ganz so einfach ist, wie Deine Frage zunächst impliziert. Tatsächlich nimmst Du Psychopharmaka verschiedener Wirkungsgruppen ein:

  • Fluanxol (Flupentixol): ein klassisches Antipsychotikum,
  • Seroquel (Quetiapin): ein atypisches Antipsychotikum,
  • Bromazepam: ein Benzodiazepin-Tranquilizer,
  • Mutan (Fluoxetin): ein Antidepressivum.

Diese Medikamente wirken auf verschiedene Botenstoffsysteme im Gehirn:

  • dopaminerges System: die beiden Antipsychotika,
  • serotonerges System: das Antidepressivum, Seroquel
  • GABAerge System: das Benzodiazepin.

Aufgrund Deiner Beschreibung hatte ich vermutet, daß Du ein Benzodiazepin einnimmst, denn ein solches Medikament zeigt die sehr schnelle Wirkung, wie Du sie geschildert hast. Die schnelle und hohe Wirksamkeit deutet darauf hin, daß Ängste ebenfalls im Vordergrund Deiner Beschwerden stehen, denn Benzodiazepine wirken gegen Angst.

Neuropharmakologisch beruht die Wirkung der Benzodiazepine auf der Verstärkung sogenannter GABAerger Nervenzellen. Das Medikament dockt an Benzodiazepin-Rezeptoren dieser Nervenzellen an und verstärkt die hemmende Wirkung der GABA-Rezeptoren an der Oberfläche der Nervenzellen. GABA-Rezeptoren haben die Eigenschaft, die Membran der Nervenzellen für Chloridionen durchlässiger zu machen. Dadurch wird die Aktivität der Nervenzellen herabgesetzt. Wenn man Angst als überschießende Nervenzellaktivität konzeptualisiert, so kann man sich die angstreduzierende Wirkung der Benzodiazepine durch die Herabsetzung der Aktivität GABAerger Nervenzellen erklären.

Bezüglich des Zwangs, seiner Entstehung und der Therapie mit Antidepressiva möchte ich auf meine Website verweisen:

vermutete Ursachen:
http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Psy…
(Hier sind vor allem die neurobiologischen Ursachen von Interesse.)

Medikamentöse Therapie:
http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Psy…

Beste Grüße

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Hallo,

Danke, für die aufklärende Antwort und die Links. Fühle mich nun aufgeklärt. :smile:

Danke nochmal

Morrighan.

tatsächlich ist das Medikament ein selektiver Serotonin
Wiederaufnahmehemmer mit Wirkungen gegen Zwangsstörungen. Es
heißt Mutan (Österreich). Serotonin Wiederaufnahmehemmer nehme
ich schon lange, aber Mutan das erste mal. Wahrscheinlich ist
es aber wirklich die Kombination der Medikamente die ich nehme
(angstlösend (Bromazepam), Antriebssteigernd (Fluanxol) und
für den Abend enspannendes (Seroquel).

Der Kommentar meiner Freundin dazu (Psychologie Studentin, Hauptstudium):
Das ist ja ein ganz schöner Medikamentencocktail.
Bist du denn zusätzlich noch in psychologischer Betreuung?
Einige deiner Medikamente können ein hohes Suchtpotential haben.

Was hat der Arzt dir eigentlich gesagt, welche Kriterien welcher Störung denn auf dich zutreffen?

Gruß
TeaAge

hi,

ich rate, wenn nicht schon geschehen, dringend dazu, fachärztliche hilfe aufzusuchen. haus- und allgemeinärzte verschreiben gerne hilfswütig drauflos, deine medikamenten-mischung ist sehr bedenklich, vor allem wegen des stark süchtig machenden benzodiazepins (das angstlösende mittel).

ich kenne auch aus meiner tätigkeit in der psychiatrie nur ganz wenige fälle, in denen derartig stark medikamentiert wurde, und dann auch nur kurz. du wirst nicht um eine psychotherapie herumkommen, wenn du dir selbst lieb bist. in jedem falle lass die medikation nochmal fachärztlich sichern.

mit einer benozodiazepin-abhängigkeit ist nicht zu spassen, mein langjähriger ausbildender psychiater sagte uns dazu: „das ist was ganz übles!“

kurzantwort auf deine eigentliche frage: die stoffe im gehrin, die für angst zuständig sind, erzeugen auch zwang. neurobiologisch läuft dasselbe dabei ab. streng genommen ist zwang ein verzweifelter lösungsversuch, etwas gegen angst zu unternehmen. zwangsstörungen sind angststörungen -kann man sagen.

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Der Kommentar meiner Freundin dazu (Psychologie Studentin,
Hauptstudium):
Das ist ja ein ganz schöner Medikamentencocktail.
Bist du denn zusätzlich noch in psychologischer Betreuung?
Einige deiner Medikamente können ein hohes Suchtpotential
haben.

Mein Arzt hat mir schon vor längerer Zeit, als ich noch andere Medikamente nahm, dringend empfohlen eine Gesprächsttherapie zu machen. Er hat mir auch zwei Therapeuten empfohlen und ich habe diese Empfehlung befolgt.

Leider hat mir mein Arzt nichts von dem Suchtpotential gesagt, das habe ich erst aus dem Beipacktext. Ich habe ihn aber beim letzten Termin darauf angesprochen.

Was hat der Arzt dir eigentlich gesagt, welche Kriterien
welcher Störung denn auf dich zutreffen?

Leider nein, vermutlich aus Zeitmangel. Ich bin seit 2002 bei ihm in Behandlung und immer gut gefahren damit. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass ich von ihm immer eine Medikamentenkombination erhalte, während andere Psychiater, dich ich vor ihm konsultierte sich auf ein oder zwei Medikamente beschränkten. Richtig gut gehts mir erst seit ich bei ihm bin, daher nehme ich das mit der mangelnden Aufklärung in Kauf, obwohl ich nicht glücklich bin darüber.

Aber ich hatte vor ca. 1 1/2 Jahren einen Burnout der eine ziemlich schwere psychotisch-schizoide Persönlichkeitsstörung ausgelöst hat. Das war die Hölle und seither dreht er die Medikation etwas hoch. Mir ist nur wichtig, dass ich normal leben kann, also voll tauglich im Beruf, Antrieb, keine Angst. Die jetzt verordnete Kombination hat mir mein Leben bereichert.

Gruß
TeaAge

Gruß
Morrighan.

hi,

ich rate, wenn nicht schon geschehen, dringend dazu,
fachärztliche hilfe aufzusuchen. haus- und allgemeinärzte
verschreiben gerne hilfswütig drauflos, deine
medikamenten-mischung ist sehr bedenklich, vor allem wegen des
stark süchtig machenden benzodiazepins (das angstlösende
mittel).

Ich habe diese Medikamente von einem Facharzt für Psychiatrie, bei dem ich schon seit 2002 in Behandlung bin. Er will mich jede Woche sehen. Also er lässt mich nicht allein sondern kontrolliert jede Woche wie es mir geht. Therapie mache ich schon seit längerem. Leider läuft jetzt die letzte von der Krankenkasse genehmigte Serie aus, und ich muss sehen was ich danach mache, denn die Gespräche helfen mir echt.

ich kenne auch aus meiner tätigkeit in der psychiatrie nur
ganz wenige fälle, in denen derartig stark medikamentiert
wurde, und dann auch nur kurz. du wirst nicht um eine
psychotherapie herumkommen, wenn du dir selbst lieb bist. in
jedem falle lass die medikation nochmal fachärztlich sichern.

Das wollte ich auch schon fragen, nämlich ob das andere Ärzte nicht anders halten. Hmm. Noch habe ich Vertrauen zu meinem Arzt.

mit einer benozodiazepin-abhängigkeit ist nicht zu spassen,
mein langjähriger ausbildender psychiater sagte uns dazu: „das
ist was ganz übles!“

Ich hoffe mein Arzt weiß was er tut, noch (wie schon gesagt) vertraue ich ihm.

kurzantwort auf deine eigentliche frage: die stoffe im gehrin,
die für angst zuständig sind, erzeugen auch zwang.
neurobiologisch läuft dasselbe dabei ab. streng genommen ist
zwang ein verzweifelter lösungsversuch, etwas gegen angst zu
unternehmen. zwangsstörungen sind angststörungen -kann man
sagen.

Verstehe, naja, Angst habe ich jetzt jedenfalls überhaupt keine mehr. Überhaupt hat sich in meiner Lebensführung schlagartig einiges geändert. Ich habe mehr Antrieb etwas zu unternehmen (nicht immer zuhause sitzen und grübeln/weinen), mein Kaffeekonsum ist auf ein normales Maß geschrumpft, und beim Rauchen bin ich schlagartig von 1 1/2 Packungen pro Tag auf eine halbe Packung gerutscht. Ich bin heiter-fröhlich entspannt und ausgeglichen. Und meine Krankenstände, die die letzten 1 1/2 Jahre schon überhand genommen haben, brauche ich jetzt auch nicht mehr. Dass das mit Medikamenten „erkauft“ ist, ist mir momentan egal, denn so gut wie jetzt gings mir schon seit 1 1/2 Jahren nicht.

Gruß
Morrighan.

Mein Arzt hat mir schon vor längerer Zeit, als ich noch andere
Medikamente nahm, dringend empfohlen eine Gesprächsttherapie
zu machen. Er hat mir auch zwei Therapeuten empfohlen und ich
habe diese Empfehlung befolgt.

Eine reine Gesprächstherapie bringt gar nichts, das ist nach gewiesen.
Geh zu einer Verhaltenstherapie!

Ist es denn dein Ziel dein ganzes Leben lang Medikamente zu nehmen? Die eventuellen Nebenwirkungen und die Suchtgefahr in Kauf zu nehmen?
Du musst etwas aktiv verändern, denn die Angst sucht sich ihren Weg und wird in immer neuen Syntonem zum Vorschein kommen und so wirst du dann immer mehr Medikamente nehmen müssen.
Die Medikamente sind in Ordnung, wenn man ein schwere Phase zu überstehen hat, danach sollte man sofort in eine Verhaltenstherapie anfangen.

Und lass deinen Cocktail von einem weiteren Arzt prüfen, dass sollte dir deine Gesundheit wirklich wert sein.

Gruß.
TeaAge

Hallo TeaAge,

Eine reine Gesprächstherapie bringt gar nichts, das ist nach
gewiesen.
Geh zu einer Verhaltenstherapie!
Ist es denn dein Ziel dein ganzes Leben lang Medikamente zu
nehmen? Die eventuellen Nebenwirkungen und die Suchtgefahr in
Kauf zu nehmen?

ich finde es gut, daß Du so besorgt um Morrighans Gesundheit bist. Aber hier gehst Du doch zu weit. Eine Internetdiskussion ist keine Basis für Therapieratschläge. Dazu bedarf es immer der konkreten medizinischen und psychologischen Untersuchung.

Darüber hinaus sind Deine Ratschläge zwar gut gemeint, aber sie hängen sich zu sehr an bestimmten Begriffen wie „Gesprächstherapie“ auf. Im Alltag wird so manche kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung, die für den Patienten häufig in erster Linie als Gespräch „rüberkommt“, nämlich gern als „Gesprächstherapie“ bezeichnet, auch wenn damit nicht die Therapie nach Rogers gemeint ist. Deshalb würde ich mich an Deiner Stelle etwas zurückhalten.

Was die Medikation anbelangt: Ja, Benzos haben ein hohes Suchtpotential. Aber ich würde erst einmal davon ausgehen, daß der behandelnde Psychiater - immerhin hat der eine Facharztausbildung - darüber Bescheid weiß und weiß, was er tut. Offensichtlich ist die Angst so groß geworden, daß jeden Tag teure Taxifahrten zur Vermeidung öffentlicher Verkehrsmittel unternommen worden sind.

Beste Grüße

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Hallo Ihr beiden,

Tatsächlich ist mein Therapeut ein klinischer Gesundheitspsychologe, der eine Ausbildung zum Therapeuten gemacht hat (Transaktionsanalyse und ich glaube auch Verhaltenstherapie, ich weiß da über die einzelnen Schulen nicht so gut bescheid).

Er hat im Laufe der Therapie viele Ängste bei mir wegbekommen (erleben der Ängste in einer sicheren Umgebung, immer wieder die als bedrohlich empfundene Situation durchlebt und im Gespräch behandelt), aber am Taxifahren sind wir gescheitert.

Ich nehme die Medikamente nun seit letztem Samstag und fühle mich so wohl wie vor dem Zusammenbruch vor 1 1/2 Jahren (also die letzten 1 1/2 Jahre gings mir mit Schwankungen nie richtig gut). Von daher finde ich diesen Cocktail wie TeaAge es nennt erstmal ok, zumal der Arzt mich jede Woche sehen will.

Wie es weitergeht und ob nach einer Stabilisierung meines Zustandes dann auf weniger heftige Medikamente umgestellt wird werde ich noch sehen.

Danke auf jeden Fall für Eure Sorge und Hilfestellung bei meiner Frage.

Grüße
Morrighan.