mir kommen die Tränen
Hallo
Ich antworte hier mal, obwohl ich nicht der Adressat Deiner Nachricht bin. Im Folgenden Genanntes spiegelt nicht zwingend meine Sichtweise wieder.
Du bist ja vielleicht witzig, fragst mich, wie ich darauf
komme, dass hinter der Schöpfung ein Sinn steckt? Gegenfrage:
kannst Du Dir wirklich vorstellen, dass ein so derartig
detailliertes Gedöns (=Schöpfung) einfach mal eben so geworden
ist, ohne jeden tieferen Sinn?
Kann ich mir gut vorstellen. Mit der kleinen Korrektur: anstelle von „ist geworden“ möchte ich lieber „hat sich entwickelt“ stehen sehen.
Wenn Du das wirklich glaubst, wozu gehst Du dann arbeiten,
Um meinen Lebensunterhalt finanzieren zu können --> Selsbterhaltungstrieb
Um mir luxus leisten zu können --> Hedonismus --> resultiert auch aus Lebenserhaltungstrieb
liebst einen Menschen,
Hedonismus (Ausleben des Sexualtriebes) --> Selbsterhaltungstrieb (Wunsch nach Arterhaltung)
setzt Kinder in eine so sinnlose Welt
Dasselbe wie oben, insbes. Arterhaltung
hältst Dich an Regeln und Gesetze?
Kosten/Nutzen-Abwägung; kulturelle Prägung
Wenn
kein tieferer Gesamtsinn hinter all dem wäre, also dann könnte
Dir all das doch egal sein.
Was soll das bitte für eine „Argumentation“ sein? Das von Dir Genannte lässt sich auf plausible Ursachen zurückführen. Wenn Du an einen Gott glauben willst, dann tu das von mir aus - aber das Vorbringen solch dummer Scheinargumente geht mir jedenfalls gehörig gegen den Strich.
Du hältst das für Aberglaube? Ich nicht, ich sehe es so, dass
jeder an irgendetwas glauben muss, denn sonst -siehe
oben–> ist von vornherein alles sinnlos, oder nicht?
Ich folgere: Jeder, der nicht an einen tieferen Sinn im Leben glaubt, muss sich auf der Stelle umbringen. Indes leben sehr viele Menschen sehr gut auch ohne den von Dir genannten Glauben; Deine Rechnung scheint nicht wirklich aufzugehen. Und ich wittere wieder ein Scheinargument.
Du führst Religionen an als Beispiel für die Fehlkonstruktion
und meinst, ohne Religionen hätte es sehr viel Leid niemals
gegeben. Also das stimmt schon erstmal einerseits, aber Du
kannst doch jetzt Religion nicht mit der Schöpfung
gleichsetzen.
Was Du vielleicht noch nicht bemerkt hast: Das Wort „Schöpfung“ implizert, dass etwas von einer Entität geschaffen worden ist. Und da sind wir dann selbstverständlich im Bereich Glaube/Religion.
Du bist ein Mensch des 21. Jahrhunderts,
aufgeklärt, modern, hältst Dein Denken für logisch: ohne Reli
keine Kriege, ohne Kriege, kein Leid, klare Sache.
Stand das irgendwo oder erläuterst Du grade nur Dein Feindbild? Ich glaube, dass kaum ein Nicht-Religiöser sich zu solch einer naiven Denke hinreissen lässt.
Ob und wie die ersten Menschen dachten, kann ich Dir nicht
sagen, aber sie hatten keinerlei Erfahrungen mit noch nichts,
es gab keine geistigen Hochkulturen, keine Götter
Wieso sollte es keine Götter gegeben haben? Warst Du dort und hast sie gefragt?
Diese ersten Menschen
unterschieden sich nur geringfügig von ihren Vorfahren, aber
man entwickelte sich, der Geist reifte zunehmend aus, und ganz
offenbar wird ersichtlich, dass auch der frühe Mensch eben
schon gespürt haben muss, dass es da mehr geben muss zwischen
Himmel und Erde, sonst hätte es ja niemals ein Bestreben
gegeben, sich solchen Dingen zuzuwenden.
Erst einmal: Kompliment. Ein absolut brillianter Abriss der Menschheitsentstehung. Und zum Zweiten: Auch Deine „Argumentation“ glänzt durch Logik und Präzision. Weil sie glaubten ist das der Beweis, dass da auch etwas sein muss? Es wird noch viel geglaubt unter der Sonne…stell Dir vor, das alles wäre wahr: Da wären die gegenseitigen Widersprüche wohl noch das kleinste Problem.
Wieso glaubt also der Mensch und insbesodnere der frühe Mensch? Rligiöse bzw. magische Handlungen (die in archaischen Religionen nicht klar zu unterscheiden sind) suchen Probleme zu lösen, die auf „natürlichem“ Wege nicht zu bewältigen sind. Ebenso erleichtern sie den Umgang mit Phänomenen, die (noch) nicht erklärbar sind. Z.B. will man das Wetter beeinflussen, um eine bessere Ernte zu erlangen. Man fürchtet sich vor dem Blitz und schreibt die Erscheinung einem Gott zu - dies alles geschieht aus einem Gefühl der Machtlosigkeit.
Genauso sieht es heutzutage mit der Zuwendung an einen Schöpfergott aus: Wer auf normalem Wege seine Ziele nicht zu erreichen glaubt…nicht glücklich zu werden glaubt, sucht eben den übernatürlichen Weg. Ob dies dann tatsächlich gewinnbrignend ist, ist eine andere Frage. Es gibt übrigens nicht nur Atheisten, die sich plötzlich dem Glauben zuwenden, sondern auch sehr viele umgekehrte Fälle; das von Christen oft propagierte Allheilmittel „Glaube“ scheint also nicht bei jedem zu greifen.
Und so steht das auch mit den Religionen: es wird wohl Zeiten
gegeben haben, zu denen diese Relis den Menschen das gaben,
wonach sie sich sehnten, aber natürlich wurden Fehler gemacht,
Macht wurde missbraucht durch egozentrische einzelne
machtgierige Männer, die die Massen dumm hielten um ihres
eigenen Vorteils wegen. Das hat aber nichts mit einem Glauben
zu tun, sondern war eiskalte Berechnung der niederen Triebe
des Menschen.
Ah…die pösen Triebe, die ja des Teufels sind und der liebe heilige Geist. Wird aber Dein Gott nicht auch als „allmächtig“ bezeichnet? Macht ist doch sein zweiter Vorname. Und Du wilslt Dich gegen Macht als „triebhaft“ aussprechen?
Einige „zivilisierte“ Gesellschaften der „westlichen Welt“
haben inzwischen begriffen, was hinter Religionsgedöns steht,
viele viele ander auf der Welt immernoch nicht, doch wären
!wir" nun heute schon so schlau, wenn die Menschheit nicht
eben genau diesen Weg durch all das Elend gegangen wäre?
Ich bin überzeugt davon, das alles ist Teil und Plan der
Schöpfung. Selbsterkenntnis und Reinigung der Seelen hier auf
Erden durch Schmerz und Leid -denn wäre dem nicht so, dann
wären all die Jahrtausende voll Qualen der Menschen auch
völlig sinnlos und umsonst gewesen, und das kann ich wirklich
nicht glauben.
Die Schöpfung wollte also den Holocaust? Sehr interessant.
Grüsse
Wiesel