Was für ein Unsinn, sorry
Hallo Ray,
Der „Output“ einer Automobilfabrik wird durch die Lackierung
(Lackieranlage) bestimmt.
Quatsch, der Output bestimmt sich durch die konstante Bandgeschwindigkeit im Gesamtsystem, auf die alle Prozesse eingerichtet sind. Es gibt kein künstliches Bottleneck, es sei denn, es gäbe ein Prozessproblem, was etwas anderes, kurzfristiges ist.
Nun stehen aber 5312* Autos in der speziellen Farbe F1* im
Auftrag und dann 1497* Autos in einer anderen Farbe (A2*) und
dann 14* in Farbe A3*, dann 27564* in der Farbe A4*. Durch die
Lackierung laufen natürlich immer die Autos einer Farbe, dann
wird umgestellt, dann die Autos einer anderen Farbe.
Moderne Lackieranlagen verarbeiten Batches von 3(!) Fahrzeugen und haben mehrere parallele Stränge. Die Umstellung auf eine andere Lackfarbe ist innerhalb der Taktzeit möglich. Und das über alle Lackstufen (auch die Grundierung ist farblich unterschiedliche, allerdings in weniger Varianten)
Wenn nun
aber nur 250* Autos pro Tag durch die Lackerung laufen können
(wenn man das schneller machen würde, würde die Farbe nicht
wie gewünscht kommen oder es gäbe Qualitätsprobleme),
bräuchten allein die 27564* Autos der Farbe A4* fast 3 Jahre
um die alle zu lackieren. Dann werden diese lackierten
Karrossen fertig montiert, d.h. die Technik und der
Innenausbau kommt rein. Da gibt es auch erhebliche
Unterschiede. Und auch bei der Montage sind sinnvolle Abläufe
gefragt. Da muss dann dieser ganz spezielle eine Wagen „Kriket
VI“ mit 35,4 PS Turbodieselmotor, Doppelklimaanlage,
horizontal verschiebbarer Radioantenne, doppeltem
Rückwärtsgang und in der beliebten Farbkombination
senfgrün/rosa eben ein klein wenig warten.
Unsinn, es wird ein konstanter und nivellierter Typenmix zwischen hochausgestatteten und niedrigausgestatteten Varianten gefahren, um den Taktzeitausgleich herzustellen. D.h. es muss zwangsläufig an jeder z.B. dritten Stelle ein hochausgestattetes Fahrzeug kommen. Nebenbei: Die Prozess-Varianz ist trotz hoher Variantenvielfalt nicht besonders hoch, moderene Automobilwerke bearbeiten mehrere Fahrzeugklassen auf 1(!) Linie.
Hier haben die Grossserienhersteller ein massives Problem. Die
Zeiten des Massenabsatzes sind vorbei aber die
Produktionsstätten sind genau auf diese Massenproduktion
konzipiert (und nur dann laufen diese wirtschaftlich). Und nun
verkaufen sich eben keine 100.000* Stck von diesen einem
Modell in dieser einen Ausstatung mehr - die Kunden wünschen
sich individuellere Fahrzeuge und so bestellen sie auch.
In der Fabrik muss nun andauernd umgestellt und umgebaut
werden und das kostet Zeit und Geld.
Ach Gott, nein, es wird nicht dauernd umgebaut, die gravierenden Umbauten finden in den Werksferien im Sommer (oder im Winter) statt, weswegen auch die facelifts und neue Typen Ende August (oder auch im Januar) kommen…
Resümee: Lieferzeiten ergeben sich schlicht aus der nivellierten Fertigungsmenge und der Bedarfskurve. Diese ist am Anfang sehr steil (zusätzlich: Vorbestellungen!) und überschreitet die Kapazitäten (=> Wartezeit) und sackt dann mit dem Produktlebenszyklus ab (=> z.T. Überkapazitäten, Lieferzeit 0)
Dem versuchen die Hersteller natürlich durch ihren Fertigungsverbund entgegenzuwirken, der aber auch nur begrenzt das rel. starre System flexibilisiert. Am Anfang wird aber immer mit einer gewissen Unterkapazität geplant, da ansonsten die Fertigung überdimensioniert wäre für den gesamten Lebenszyklus…
Grüße
Jürgen