Wieviele stunden arbeitet ein lehrer

Hallo Christian,

schöne Einstellung - wenn’s davon auch heute nur noch mehr gäbe…!!!

Kannst Du nicht einen „Motivationskurs“ für Kollegen anbieten :wink:))
Ich kenne da einige - auch ein paar ganz spezielle Kandidaten…

Viele Grüße

Gabi

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Mit 20 Stunden/Woche kein Vollzeit
Hallo,

dann geh ich wohl nach Belgien, in Deutschland läuft unter 24 oder 25 Stunden/Woche gar nichts als Vollzeit. In manchen Schulart auch mehr Stunden, z. B. Grundschule, wobei das da auch OK ist weil weniger Vorbereitungsaufwand besteht

Hallo Michael,

Ein Blick in meine Vika verrät dir, daß ich in Belgien mein
Abi gemacht habe. Dort werden die Lehrer nach dem von mir
genannten System beschäftigt. Die Schule war ein Gymnasium,
gleiches Prinzip gilt aber auch für andere Schulen.

Gruß
Sticky

Hallo Christian,

das ist schön geschrieben, da kann ich dir nur zustimmen :smiley:
Es gibt Leute die mir erzählen wie viel Geld sie verdienen und wie wenig Stress sie dabei haben. Diese Leute werden aber nie nachvollziehen können, wie spannend, befriedigend und schön es sein kann, mit Jugendlichen zu arbeiten.

Ich würde glaub ich depressiv, wenn ich den ganzen Tag in einer Bank irgendwelche Fonds an alle möglichen Leute aufschwatzen sollte. Da würde ich mir wirklich sinnlos vorkommen, dann würde ich nur für das Geld arbeiten.

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z. B. Grundschule, wobei das da
auch OK ist weil weniger Vorbereitungsaufwand besteht

Hä???
Lieber Michael, ich wünsche dir ja nichts Schlimmes, aber mal für ein Vierteljahr ein 3.Schj. mit 20% Anteil Kindern aus bildungsfernen Familien, 10% Anteil an Kindern mit Konzentrationsmängeln, 10% Lernschwachen, 3 Legasthenikern, 5 Hyperaktiven, drei wirklichen und 5 eingebildeten Hochintelligenten.

Und dann bereite Mathearbeitsblätter, ein Diktat, eine Reizwortgeschichte und eine Sachkundestunde vor - aber bitte differenziert! (Wir wollen die Kinder ja da abholen, wo sie stehen geblieben sind).

Die restlichen Stunden des Schulvormittages darfst du dann je nach Gusto mit Religion, Sport oder Fluor-Einbürsten (Der Schulzahnarzt will auch sein Recht!) zubringen.

Und dann reden wir noch einmal über „weil weniger Vorbereitungsaufwand besteht“

Grüße
Eckard

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Über den Tellerrand…
Jeder Projektleiter, jeder Teamarbeiter und insbesondere jeder Angestellte mit Führungsaufgaben tut genau das. Die Welt außerhalb der Schule besteht nur zum kleinen Teil aus isolierten Zahlenschubsern und Schalter-Bankangestellten.

„Diese Leute“ sind zum Beispiel Elektriker- Mechaniker- Müller-Meister, die Lehrlinge ausbilden, Bäcker, die Gesellen ausbilden. Und neben ihrer Lehrtätigkeit schaffen sie es sogar noch Maschinen zu bauen und Brötchen zu backen…

Also bitte nicht alles, was außerhalb der Schule liegt, für pädagogisch unqualifiziert halten!

Nick

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Hallo Wolfgang,

Man(n) kommt im Laufe der Jahre viel herum und auch so manche
Lehrerin war dabei :smile:. Insgesamt habe ich durchaus den
Überblick über mehrere Jahre. Mit Ausnahme einer besonders
engagierten Rektorin, deren Tätigkeit ich mit Wohlwollen als
Vollzeittätigkeit mit üppigem Jahresurlaub bezeichnen würde,
kommt die Jahresarbeitszeit eines Lehrers nach etwa 10
Berufsjahren über den Zeiteinsatz eines Halbtagsjobs kaum
hinaus. Dabei sind Schulferien für Lehrer kein Urlaub, sondern
unterrichtsfreie Zeit - jedenfalls nach offizieller
Sprachregelung. Kommt aber jemand auf die Idee, in die
unterrichtsfreie Zeit eine Veranstaltung zu legen oder
womöglich eine mehrtägige Fortbildung, gibts säuerliche
Gesichter. Die Ferien werden ohne weiteres privat verplant und
sind von seltenen Ausnahmen abgesehen vollwertiger Urlaub.

Schön, dass du so viel „rumkommst“ und dabei so wertvolle Erfahrungen sammelst. Schade nur, dass das Wissen um den „goldenen Lehrerhalbtagsjob mit üppigem Gehalt und Jahresurlaub“ dich nicht schon zu Zeiten der Berufsfindung erreicht hat, denn warum um alles in der Welt wird man Ingenieur, wenn es solche Berufe gibt? Oder bist du durch die Aufnahmeprüfung fürs Sportstudium gefallen??
Gruß Orchidee

Hallo,

„Diese Leute“ sind zum Beispiel Elektriker- Mechaniker-
Müller-Meister, die Lehrlinge ausbilden, Bäcker, die Gesellen
ausbilden. Und neben ihrer Lehrtätigkeit schaffen sie es sogar
noch Maschinen zu bauen und Brötchen zu backen…

Also bitte nicht alles, was außerhalb der Schule liegt, für
pädagogisch unqualifiziert halten!

Wo habe ich das geschrieben? Ich finde es jedenfalls nicht. Und nun gibt es ja in einem Betrieb nicht nur Meister, die ausbilden. Die große Mehrheit hat nichts mit Ausbildung zu tun, falls der Betrieb überhaupt ausbildet.

Hallo,

Lieber Michael, ich wünsche dir ja nichts Schlimmes, aber mal
für ein Vierteljahr ein 3.Schj. mit 20% Anteil Kindern aus
bildungsfernen Familien, 10% Anteil an Kindern mit
Konzentrationsmängeln, 10% Lernschwachen, 3 Legasthenikern, 5
Hyperaktiven, drei wirklichen und 5 eingebildeten
Hochintelligenten.

Diese Zusammensetzung habe ich auch in 11. Klassen einer weiterführenden Schulart. Zum Beispiel nahezu 30% Spätaussiedler, für die Deutsch erste Fremdsprach ist … oder die elementare Abkürzungen, wie „i. d. R.“ nicht kennen - wohlgemerkt 11. Klasse (Reaktion „Was`n das???“). Das Kleitnel ist also genauso bunt und heterogen wie in der Grundschule, mit dem Unterschied, dass der Stoff als solcher deutlich anspruchsvoller ist. Ichhabe auch schon in einer Hauptschule unterrichtet und den Stoff kann man sich da selbst bei fachmfremden Unterricht locker in 10 Minuten anschauen - dann kommt natürlich cie didaktische Aufbereitung. Aber inder Oberstufe ist bereits der Stoff als solcher oftmals eine Herausforderung.

Und dann bereite Mathearbeitsblätter, ein Diktat, eine
Reizwortgeschichte und eine Sachkundestunde vor - aber bitte
differenziert! (Wir wollen die Kinder ja da abholen, wo sie
stehen geblieben sind).

Ja, das wollen wir in der Theorie. Wie willst du das denn differenziert machen? Das wüsste ich jetzt mal gerne. Gibt`s dann drei oder vier Sorten Arbeitsblätter, für jeder Gruppe eines?

Im Schulalltag mit 25 Stunden pro Woche kannst du das leider vergessen. Klingt hart, aber bei 32 Schülern in der Klasse gibt es keinen differenzierten Unterricht. Ich kenne KEINEN Lehrer, der da differenzierten Unterricht macht.

Die restlichen Stunden des Schulvormittages darfst du dann je
nach Gusto mit Religion, Sport oder Fluor-Einbürsten (Der
Schulzahnarzt will auch sein Recht!) zubringen.

Na ja, über den Aufwand für Sport und Religionsunterricht wollen wir doch jetzt besser nicht laut reden. Zitat einer Hauptschullehrerin mit dem 2. Fach Sport: „Blöd, dass ich nicht mehr Sportsunden bekommen habe, sonst hätte ich jetzt (mit vollem Deputat) wirklich einen tollen Halbtagsjob“.

Und dann reden wir noch einmal über „weil weniger
Vorbereitungsaufwand besteht“

Jo, dabei bleibe ich.

auch Grüße :smiley:

Hallo,

das Interessante an solchen Diskussionen ist doch immer wieder, dass Lehrer immer wieder über ihre angeblich „viele Freizeit“ beneidet werden, ab keiner freiwillig mit einem tauschen möchte.

Gruß
Michael

Hallo,

das Interessante an solchen Diskussionen ist doch immer
wieder, dass Lehrer immer wieder über ihre angeblich „viele
Freizeit“ beneidet werden, ab keiner freiwillig mit einem
tauschen möchte.

Das mag an den eigenen Erfahrungen mit Lehrern liegen. Weil viele, denen man so im Laufe seines Schullebens begegnet, einfach menschlich und fachlich Versager sind, haben sicher viele Menschen Angst, dass das am Beruf an sich liegen könnte…
Ich beneide die Lehrer nicht für ihre angeblich viele Freizeit, sondern ich frage mich, ob es notwendig und richtig ist, dass sie sich in diesem Staat immer noch zu großen Teilen in ihr Beamtennest setzen und dort verweilen können. Ich möchte nicht behaupten, dass es keine guten Lehrer gäbe. Aber es gibt eine Menge Lehrer, die ihren Job derart schlecht machen, dass sie in der freien Wirtschaft niemals überleben könnten. Man sollte über die Verbeamtung der Lehrer nachdenken und über eine Evaluierung ihrer Leistungen.

Frank

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Ich unterstütze Menschen bei der Bewältigung
ihres Lebensweges. Und mit Kindern zu arbeiten ist einfach
unglaublich erfrischend!

Glückwunsch, solche Lehrer braucht das Land!
Kann es sein, dass Dein Arbeitseinsatz etwas damit zu tun hast, dass Du noch Ideale hast? An meinen Lehrern habe ich derartige Einstellungen nicht beobachten können.

Frank

Hallo,

Und dann reden wir noch einmal über „weil weniger
Vorbereitungsaufwand besteht“

Jo, dabei bleibe ich.

Fein, dass sich Lehrer nicht einmal untereinander einig sind, wer denn nun den laueren Lenz hat. Ich kann nur sagen, dass ich jederzeit einen Oberstudienratsposten als Urlaub annehmen würde. Das zunächst etwas mickrig aussehende Gehalt relativiert sich sehr schnell, wenn man bedenkt, dass keinerlei Sozialabgaben und Krankenversicherung abgezogen werden.

Es scheint so, als ob Lehrer jegliche Tätigkeit, die nicht unmittelbar im „Fun“ Bereich liegt, als Arbeit betrachten (Gespräch mit dem Hausmeister, Gespräch mit Therapeuten, etc.)

Wenn ich meine Stunden lehrermäßig zusammenrechne, dann komm ich bei minimal höherem Brutto-Einkommen auf ne 65h Woche – wenn’s gut läuft – und kann mir nicht mal eben aussuchen, wann und wo ich die Hälfte dieser Arbeit erledige.

Wenn man das alles bedenkt ist es in der Tat bemerkenswert, wie grottenschlecht viele Lehrer ihren Job erledigen.

Warum ich nicht selbst Lehrer geworden bin? Wegen der Kollegen, die ich dann hätte.

Mir sind die Lehrämtler vom Studium in lebhafter Erinnerung. Ständig am nölen, wieso sie denn soviel Fachwissen erlernen müssten (war bis zum Vordiplom der gleiche Stoff), stets am wenigsten Plan von der Materie und – für mich am schlimmsten zu beobachten – mit dem geringsten Spaß an der Wissenschaft. Frage nach ihrer Berufswahl war in den meisten Fällen: Viel Freizeit und sicherer Beamtenjob. Ausnahme waren diese behüteten Zimmerpflänzchen, die in der Schule besonders kuschelige „alles Eins“ Kandidaten waren und es da soo schön fanden, dass sie da gleich wieder hinwollten.

Und solchen Leuten muss ich meine Kinder ausliefern.

Gruß

Fritze

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Hallo,

Das mag an den eigenen Erfahrungen mit Lehrern liegen. Weil
viele, denen man so im Laufe seines Schullebens begegnet,
einfach menschlich und fachlich Versager sind, haben sicher
viele Menschen Angst, dass das am Beruf an sich liegen
könnte…
Ich beneide die Lehrer nicht für ihre angeblich viele
Freizeit, sondern ich frage mich, ob es notwendig und richtig
ist, dass sie sich in diesem Staat immer noch zu großen Teilen
in ihr Beamtennest setzen und dort verweilen können. Ich
möchte nicht behaupten, dass es keine guten Lehrer gäbe. Aber
es gibt eine Menge Lehrer, die ihren Job derart schlecht
machen, dass sie in der freien Wirtschaft niemals überleben
könnten. Man sollte über die Verbeamtung der Lehrer nachdenken
und über eine Evaluierung ihrer Leistungen.

Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass die „Versager“, über die du hier sprichst, vielleicht Opfer der Situation sind, in der sie sich befinden?

Das sogenannte Beamtennest (das du als Rechtsreferendar ja offenbar selbst anstrebst) würde ich nicht zu hoch bewerten. Lehrer sein ist ein knallharter Job, der einem oft erheblich mehr abverlangt als das, was in der freien Wirtschaft verlangt wird.

Und entschuldige, wenn ich das so hart sage, aber für mich (und auch für andere Lehrerkollegen) ist es ein Schlag ins Gesicht, wenn ich höre, wie Lehrer einfach so als schlecht, unfähig oder als Versager hingestellt werden - und das noch dazu von jemandem, der nur die andere Seite (die des Schülers) kennt. Lehrer sind auch nur Menschen und machen mit Sicherheit nicht absichtlich schlechten Unterricht.

Gruß,
Gwen

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gäääähnn…
Immer das gleiche…

Das zunächst etwas mickrig aussehende Gehalt
relativiert sich sehr schnell, wenn man bedenkt, dass
keinerlei Sozialabgaben und Krankenversicherung abgezogen
werden.

Dass sich ein (verbeamteter) Lehrer privat versichern muss, ist dir vermutlich nicht bekannt, wie auch, wenn man so engstirnig versucht zu pauschalieren…

Es scheint so, als ob Lehrer jegliche Tätigkeit, die nicht
unmittelbar im „Fun“ Bereich liegt, als Arbeit betrachten
(Gespräch mit dem Hausmeister, Gespräch mit Therapeuten, etc.)

Pauschalierung…

Wenn ich meine Stunden lehrermäßig zusammenrechne, dann komm
ich bei minimal höherem Brutto-Einkommen auf ne 65h Woche –
wenn’s gut läuft – und kann mir nicht mal eben aussuchen,
wann und wo ich die Hälfte dieser Arbeit erledige.

Gratuliere!

Wenn man das alles bedenkt ist es in der Tat bemerkenswert,
wie grottenschlecht viele Lehrer ihren Job erledigen.

Pauschalierung…

Warum ich nicht selbst Lehrer geworden bin? Wegen der
Kollegen, die ich dann hätte.

Vielleicht haben da beide Seiten Glück gehabt…

Mir sind die Lehrämtler vom Studium in lebhafter Erinnerung.
Ständig am nölen, wieso sie denn soviel Fachwissen erlernen
müssten (war bis zum Vordiplom der gleiche Stoff), stets am
wenigsten Plan von der Materie und – für mich am schlimmsten
zu beobachten – mit dem geringsten Spaß an der Wissenschaft.

Pauschalierung…

Frage nach ihrer Berufswahl war in den meisten Fällen: Viel
Freizeit und sicherer Beamtenjob. Ausnahme waren diese
behüteten Zimmerpflänzchen, die in der Schule besonders
kuschelige „alles Eins“ Kandidaten waren und es da soo schön
fanden, dass sie da gleich wieder hinwollten.

Pauschalierung…

Und solchen Leuten muss ich meine Kinder ausliefern.

Pauschalierung…

Alles weitere:

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

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Hallo!

Das sogenannte Beamtennest (das du als Rechtsreferendar ja
offenbar selbst anstrebst) würde ich nicht zu hoch bewerten.

Das ist ein interessanter Rückschluss. Dass ich gezwungen bin, das Referendariat abzuleisten, auch wenn ich Rechtsanwalt werden möchte, kommt Dir dabei nicht in den Sinn? Ich kann nichts dafür, dass die Juristenausbildung in Deutschland grundsätzlich falsch läuft, weil sie Menschen, die in die Anwaltschaft wollen, auf den öffentlichen Dienst vorbereitet…

Und entschuldige, wenn ich das so hart sage, aber für mich
(und auch für andere Lehrerkollegen) ist es ein Schlag ins
Gesicht, wenn ich höre, wie Lehrer einfach so als schlecht,
unfähig oder als Versager hingestellt werden,

Das tut mir leid und so war es nicht gemeint. Ich kann nur meine eigenen Erfahrungen zugrunde legen. Und wenn man in der Schule zwischen der 7. und 10. Klasse von einem der unfähigsten Lehrer die man je kennenlernen durfte als Klassenlehrer (Da hat er sich menschlich als Niete erwiesen) als Physiklehrer und Mathelehrer (wo er sich didaktisch als ungeeignet erwiesen hat) und in Politik (wo er dem Fach nicht gerecht wurde, weil er Diskussionen im Keim erstickt hat) unterrichtet wurde, ist das sicher prägend für das eigene Bild, das man über den Lehrerberuf hat. Dieser Mann hat unsere Klasse gehörig ausgedünnt und nachdem ich mit Mühe und Not die 10. Klasse geschafft hatte war ich plötzlich auf dem Weg zum Einser-Abitur und bin in einem halben Jahr von einer fünf in Mathe auf eine sehr gute zwei gesprungen. Also woran lag das?
Dann betrachte ich die Oberstufe und stelle fest, dass es dort Lehrer gab, die zwar fachlich sehr sehr gut waren, die den interessantesten Unterricht veranstaltet haben, den ich je erlebt habe. Und dennoch betrachtet man es mit Argwohn, wenn man merkt, dass man wie der Nebenmann ziemlich am Arsch wäre, wenn einen dieser Spitzenlehrer nicht leiden könnte.

  • und das noch

dazu von jemandem, der nur die andere Seite (die des Schülers)
kennt. Lehrer sind auch nur Menschen und machen mit Sicherheit
nicht absichtlich schlechten Unterricht.

Ist das nicht normal? Wenn jemand über seinen Anwalt schimpft, zum Beispiel weil der seiner Meinung nach in der Hauptverhandlung seinen Mund nicht aufbekommen habe, dann kann ich als „Insider“ auch sagen:„Wenn der Anwalt gut vorbereitet ist und im Vorfeld gute Arbeit gemacht hat, dann braucht er in der mündlichen Verhandlung eigentlich nichts weiter sagen, weil schon alles in den Schriftsätzen steht“. Die Menschen beurteilen andere Berufsgrupppen natürlich von außen. Wenn Du Deine Handwerkerrechnung überteuert findest, dann sagst Du Dir sicher auch nicht „Nun ja, ich kann das ja von außen nicht beurteilen, also rege ich mich besser nicht auf.“ Man steckt halt selbst nicht drin.

Ich hatte nicht vor, den Lehrerberuf grundsätzlich hinzustellen als ein Sammelbecken von faulen Säcken und fachlichen Nieten, ganz sicher nicht. Aber ich bin mir sicher, dass jeder Lehrer, wenn er sich mal offen in seinem Kollegenkreis umsieht, Menschen entdeckt, die mit den Schülern schlechter klarkommen als er, die ihre Unterrichtsmaterialien das letzt mal vor fünf Jahren überholt haben, wobei man selbst immer wieder stundenlang damit beschäftigt ist, sich Gedanken zu machen, wie man vielleicht aktuelle Entwicklungen in den Nachrichten zum Beispiel in seinen Englischunterricht einbauen kann. Gibt es nicht überall Kollegen, bei denen man den Eindruck hat, dass sie seit 10 Jahren nur noch auf die Pension warten und denen es egal ist, welcher Schüler noch mitkommt bei und welcher nicht? Unflexibilität ist da das geringste Problem. Eine kleine Anekdote aus sicherer Quelle: Der Schulleiter geht auf eine Kollegin zu und eröffnet ihr, dass sie im kommenden Schuljahr eine Oberstufenklasse in Englisch unterrichten soll. Daraufhin bricht sie in Tränen aus, weil sie ja schon seit fünf Jahren keinen Unterricht mehr in Englisch erteilt habe. Noch eine? Eine Lehrerin - mit einer halben Stelle - sagt kurz nach der ersten großen Pause folgenden Satz:„Endlich Feierabend, schade nur, dass jetzt der ganze Tag so gut wie vorbei ist“ - Um kurz nach zehn? Hallo? Wer meint denn, dass diese Person zu Hause noch Motiviationen aufbringt, irgendwelchen Unterricht vorzubereiten?
Diese „Kollegen“ hatte ich bei meinem Kommentar im Hinterkopf, denn das sind einfach Lehrer, die ihren Job schlecht machen. Ist denen klar, dass sie mit der Arbeit die sie abliefern in jedem Unternehmen rausflögen?
Ich will nicht alle Lehrer über einen Kamm scheren, ich denke nur, dass diese angesprochenen Beispiele dafür sorgen, dass Lehrer insgesamt bei manchen Menschen nicht das Ansehen genießen, dass ein motivierte Lehrer meine Meinung nach klar verdient hat. So ist das halt, man kann nicht alle Lehrer persönlich kennenlernen, also schließt man vom kleinen Teil auf das ganze. Das liegt in der Natur des Menschen. Wie gesagt, ich bin der Meinung, wenn man die meiner Meinung nach vollkommen unnötige Verbeamtung der Lehrer grundsätzlich überdenkt, dann ist die Schule auch kein System mehr, das dazu anstiftet, sich so zu verhalten.
Um es noch einmal klarzustellen: Ich habe einer Menge Lehrer eine Menge zu verdanken, und wenn ich sie jetzt grüßen könnte, würde ich das tun!

Frank

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Hallo!

Dass sich ein (verbeamteter) Lehrer privat versichern muss,
ist dir vermutlich nicht bekannt, wie auch, wenn man so
engstirnig versucht zu pauschalieren…

Bei dem Leistungskatalog der gesetzlichen KV wären viele Menschen über eine private Versicherung froh, allerdings verdienen die meisten Menschen nicht genug, um diese Wahl zu haben…

Wenn man das alles bedenkt ist es in der Tat bemerkenswert,
wie grottenschlecht viele Lehrer ihren Job erledigen.

Pauschalierung…

Das Wort „viele“ sollte man nicht überlesen, dann ist’s auch keine Pauschalierung.

Mir sind die Lehrämtler vom Studium in lebhafter Erinnerung.
Ständig am nölen, wieso sie denn soviel Fachwissen erlernen
müssten (war bis zum Vordiplom der gleiche Stoff), stets am
wenigsten Plan von der Materie und – für mich am schlimmsten
zu beobachten – mit dem geringsten Spaß an der Wissenschaft.

Pauschalierung…

Die Lerhämtler vom Studium kann ja hier nur meinen „die ich in meinem Studium kennengelernt habe“, ist ja logisch, das er nicht alle Lehramtsstudenten der Republik kennengelernt hat. Also wieder nicht pauschal, sondern einfach persönliche Erfahrung…

Frage nach ihrer Berufswahl war in den meisten Fällen: Viel
Freizeit und sicherer Beamtenjob. Ausnahme waren diese
behüteten Zimmerpflänzchen, die in der Schule besonders
kuschelige „alles Eins“ Kandidaten waren und es da soo schön
fanden, dass sie da gleich wieder hinwollten.

Pauschalierung…

Persönliche Erfahrungen, sagt ja keiner, dass es alle so gesehen haben.

Und solchen Leuten muss ich meine Kinder ausliefern.

Pauschalierung…

Da könnte man drüber nachdenken, ob das nicht ein wenig pauschal ist. Steht ja nicht fest, dass gerade an der Schule, die von den eigenen Kindern besucht wird, die angesprochenen versammelt sind.

Gruß,

Frank.

Sagen wir es mal so:
Ich versuche eine gesunde Mischung aus

  1. pädagischen Zielen und Idealen,
  2. einem realistischem Blick auf meine Schüler, deren Eltern und dem ganzen politisch, sozialem Umfeld in Hamburg/ Deutschland
  3. eine Prise Egoismus (was brauche ich, damit es mir gut geht?)

Wer 2. vernachlässigt, wird sehr schnell frustriert,
wer 3. vernachlässigt, bricht früher oder später zusammen und hält nicht bis 65 durch,
wer 1. vernachlässigt, nun, der hat allerdings wirklich den Beruf verfehlt!
Gruß!
Christian

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an sich einverstanden (mit Diskussionsgrudlage)
Hallo Frank,

Das mag an den eigenen Erfahrungen mit Lehrern liegen. Weil
viele, denen man so im Laufe seines Schullebens begegnet,
einfach menschlich und fachlich Versager sind, haben sicher
viele Menschen Angst, dass das am Beruf an sich liegen
könnte…

natürlich gibt es im Lehrerberuf auch Versager, das müssen nicht mal ältere Kollegen sein. Ein Hauptgrund liegt bzw. lag sicherlich an der praxisfernen Ausbildung, bis vor kurzem konnte man ins Referendariat kommen, ohne EINE EINZIGE Unterrichtsstunde gehalten zu haben.
Ich käme allerdings nicht auf die Idee, viele Handwerker oder Rechtsanwälte als Versager zu halten, nur weil ich mal eine überhöhte Rechnung erhalten oder einen Prozess verloren hätte. Das meine ich weiter unten auch mit „Pauschalierung“.

Aber
es gibt eine Menge Lehrer, die ihren Job derart schlecht
machen, dass sie in der freien Wirtschaft niemals überleben
könnten. Man sollte über die Verbeamtung der Lehrer nachdenken
und über eine Evaluierung ihrer Leistungen.

Evaluierung ist ein sehr schönes Wort, mit dem wir Lehrer momentan häufig zu tun haben. Gut, dann schaffen wir die Verbeamtung mal hypothetisch ab und überlegen, wie eine Evaluation und demzufolge auch die daraus folgende Bezahlung aussehen könnte. Darum geht es ja doch.

Schüler werden befragt: Das birgt die Gefahr, dass Lehrer versuchen könnten, diese mit guten Noten zu „bestechen“.

Eltern werden befragt: Diese könnten von Vorlieben bzw. Abneigungen der Kinder beeinflusst werden, da sie ja häufig nur „eine Seite der Medaille“ kennen

Unterrichtsmaterialien, Methoden- und Medienkompetenz: Hier könnte man ansetzen. Woran erkennt man gute Unterrichtsmaterialien, z.B. in Mathe? Neu heißt nicht gleich gut, auch „alte“ Materialien können lehhreich sein. Methodenkompetenzen sind sicherlich wichtig, ebenso die Fähigkeit, das Internet nutzen zu können.

Schulleitung und Kollegen werden befragt: Dies würde unweigerlich zu einer Verschlechterung des „Betriebsklimas“ führen.

Krankenstand? Verweildauer an der Schule?

Wie man sieht, ist Evaluation gar nicht so einfach. Übrigens, ich befrage alle meine Schüler halbjährlich zu meinem Unterricht (natürlich anonym) und bekomme zum allergrößten Teil sehr positive Rückmeldungen. Dazu habe ich eine eigene Homepage und arbeite mit meinen Schülern über eine Internetplattform (http:www.lo-net.de) zusammen. Ich versuche, in meinen Unterricht aktuelle Themen einzubringen und Methodenwechsel einzubauen, auch wenn das natürlich nicht immer gelingt. Ich bin SV-Lehrer (Vertrauenslehrer) und verbringe daher durch entsprechende Gespräche, wie Planungen für Karneval oder Elternsprechtage oder einfach nur „Problemgespräche“ mit Schüler und Eltern sehr viel mehr Zeit an der Schule als mein Deputat von 28 Stunden.

Also, seit umschlungen, Millionen :wink:

Gruß Alex

Frank

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… das Lebensziel, so viele Autos wie möglich zu verkaufen
oder alle Computer einer Waschpulver-Firma am Laufen zu halten
mich nicht befriedigen würde. Hoffentlich klingt es nicht
arrogant, aber als Lehrer habe ich das Gefühl, etwas ganz
wichtiges zu tun

najaaa… natürlich könntest du deiner berufung auch in schmutzigen klamotten nachgehen, zur arbeit laufen und auf tontafeln kritzeln, aber auto, pc, beamer, etc. erleichtern dir deine tätigkeit doch erheblich, oder?
wenn man sich mit den damit verbundenen berufen nicht identifizieren kann - ok. aber man sollte nicht der gefahr erliegen, die qualität dieser berufe mit füßen zu treten - auch wenn’s durchaus tätigkeiten gibt, die die welt weder gesellschaftlich noch technologisch noch sonstwie weiterbringen.

gruß

michael

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Hallo Frank,

Das ist ein interessanter Rückschluss. Dass ich gezwungen bin,
das Referendariat abzuleisten, auch wenn ich Rechtsanwalt
werden möchte, kommt Dir dabei nicht in den Sinn? Ich kann
nichts dafür, dass die Juristenausbildung in Deutschland
grundsätzlich falsch läuft, weil sie Menschen, die in die
Anwaltschaft wollen, auf den öffentlichen Dienst
vorbereitet…

Ist vermutlich an dieser Stelle nicht der Diskussionspunkt - aber einem Anwalt schadet ja die praktische Ausbildung auch nicht oder? So weit ich weiß hat ein Jurist mit 1.Staatsexamen noch keinen Gerichtssaal von innen gesehen?

Und wenn man in der
Schule zwischen der 7. und 10. Klasse von einem der
unfähigsten Lehrer die man je kennenlernen durfte als
Klassenlehrer (Da hat er sich menschlich als Niete erwiesen)
als Physiklehrer und Mathelehrer (wo er sich didaktisch als
ungeeignet erwiesen hat) und in Politik (wo er dem Fach nicht
gerecht wurde, weil er Diskussionen im Keim erstickt hat)
unterrichtet wurde, ist das sicher prägend für das eigene
Bild, das man über den Lehrerberuf hat. Dieser Mann hat unsere
Klasse gehörig ausgedünnt und nachdem ich mit Mühe und Not die
10. Klasse geschafft hatte war ich plötzlich auf dem Weg zum
Einser-Abitur und bin in einem halben Jahr von einer fünf in
Mathe auf eine sehr gute zwei gesprungen. Also woran lag das?

Das kann auch daran gelegen haben, dass du vielleicht „nur“ Mathe Grundkurs gewählt hattest und damit die Anforderungen nicht mehr so hoch waren, muss aber nicht.

Dann betrachte ich die Oberstufe und stelle fest, dass es dort
Lehrer gab, die zwar fachlich sehr sehr gut waren, die den
interessantesten Unterricht veranstaltet haben, den ich je
erlebt habe. Und dennoch betrachtet man es mit Argwohn, wenn
man merkt, dass man wie der Nebenmann ziemlich am Arsch wäre,
wenn einen dieser Spitzenlehrer nicht leiden könnte.

Ehrlich gesagt wende ich in der Regel nicht so viel emotionalen Stress auf, um mir zu überelgen, ob ich einen Schüler"nicht leiden" kann. Klar gibt es bequeme und unbequeme Schüler, wobei der Umgang mit den unbequemen oft der interessantere ist. Aber so lange beide Seiten die in Mitteleuropa üblichen Spielregeln des Umgangs mit einander beherzigen sollte eigentlich die emotionale Komponente außen vor sein.

Eine kleine Anekdote aus sicherer Quelle: Der
Schulleiter geht auf eine Kollegin zu und eröffnet ihr, dass
sie im kommenden Schuljahr eine Oberstufenklasse in Englisch
unterrichten soll. Daraufhin bricht sie in Tränen aus, weil
sie ja schon seit fünf Jahren keinen Unterricht mehr in
Englisch erteilt habe.

Ja, das gibt es, das habe ich selbst an meiner Schule auch schon erlebt und finde es genauso hammermäßig wie du. Die Dame hat bei uns den Kurs natürlich trotzdem bekommen. Wenige Woichen nach Schuljahresbeginn wurde sie von einem Arzt krank geschrieben. Allerdings wurde sie beständig in der Stadt, beim Radeln, im Schwimmbad etc. gesehen. Wir schickten sie zum Amtsarzt, der ihr bescheinigte, dass sie aus medizinischen Gründen nur in der Lage sei, in der S I zu unterrichten. Was sind das für Ärzte?? Die Dame war dann 2 Jahre (!!) bei vollem Gehalt krank geschrieben, bis der Arbeitgeber (das Land) in der Lage war, sie zum Dienstantritt an einer anderen Schule (ohne S II ) zu zwingen. Was sind das für Gesetze?? Was sind das für Juristen und Politiker??

denn das sind einfach Lehrer, die ihren Job schlecht machen.
Ist denen klar, dass sie mit der Arbeit die sie abliefern in
jedem Unternehmen rausflögen?

Vermulich ist ihnen das sogar klar…Aber glaube mir, genau diese Kollegen sind uns Lehrern selbst ein Dorn im Auge, weil wir wegen denen beständig in der Verteidigungsposition sind, uns rechtfertigen müssen wie viel wir tatsächlich arbeiten, und so weiter. In jedem Beruf gibt es Leute, die ihren Job gut machen und welche, die ihn schlecht machen. Leider fallen die Lehrer, die ihren Job schlecht machen, immer sofort ins Auge und es ist für uns von der Schulleitung wahnsinnig schwierig, so einen Kollegen loszuwerden.

ich bin der Meinung, wenn man die meiner Meinung nach
vollkommen unnötige Verbeamtung der Lehrer grundsätzlich
überdenkt, dann ist die Schule auch kein System mehr, das dazu
anstiftet, sich so zu verhalten.

Für den Beamtenstatus können wir nichts, das war nicht unsere Idee. Es gibt viele Gründe, die dagegen sprechen. Fakt ist, dass ein verbeamteter Lehrer für den Staat wesentlich billiger ist als ein Angestellter (denn für den Beamten zahlt er keinen Arbeitgeberanteil an den Sozial - und Krankenversicherungen, sondern nur im tatsächlichen Krankheitsfall einen gewissen Prozentsatz der anfallenden Kosten. Dass die Pensionskosten dann den Staatshaushalt zu sprengen drohen hat man auch vorher gewusst, seriöse Unternehmen nehmen für betriebliche Altersversorgung beizeiten Rückstellungen in den Etats vor…). Eine Freundin von mir war ein Jahr lang dafür eingestellt, für das Land BW genau das zu berechnen und man ist ausschließlich wegen der laufenden Kosten nicht von der Verbeamtung des Lehrer abgewichen!
Übrigens kann man auch einen Angestellten nicht einfach so feuern…aber du bist ja Jurist, das weißt du ja selber.
Es ist sehr schade, dass die schwarzen Schafe in unserem Beruf das Sozialprestige derartig ruinieren, dass die wirkliche Seite - und die ist ganz oft sehr positiv, wie du ja selbst auch festgestellt hast, kaum noch zum Vorschein kommt.
Gruß Orchidee