Hallo Frank,
Das ist ein interessanter Rückschluss. Dass ich gezwungen bin,
das Referendariat abzuleisten, auch wenn ich Rechtsanwalt
werden möchte, kommt Dir dabei nicht in den Sinn? Ich kann
nichts dafür, dass die Juristenausbildung in Deutschland
grundsätzlich falsch läuft, weil sie Menschen, die in die
Anwaltschaft wollen, auf den öffentlichen Dienst
vorbereitet…
Ist vermutlich an dieser Stelle nicht der Diskussionspunkt - aber einem Anwalt schadet ja die praktische Ausbildung auch nicht oder? So weit ich weiß hat ein Jurist mit 1.Staatsexamen noch keinen Gerichtssaal von innen gesehen?
Und wenn man in der
Schule zwischen der 7. und 10. Klasse von einem der
unfähigsten Lehrer die man je kennenlernen durfte als
Klassenlehrer (Da hat er sich menschlich als Niete erwiesen)
als Physiklehrer und Mathelehrer (wo er sich didaktisch als
ungeeignet erwiesen hat) und in Politik (wo er dem Fach nicht
gerecht wurde, weil er Diskussionen im Keim erstickt hat)
unterrichtet wurde, ist das sicher prägend für das eigene
Bild, das man über den Lehrerberuf hat. Dieser Mann hat unsere
Klasse gehörig ausgedünnt und nachdem ich mit Mühe und Not die
10. Klasse geschafft hatte war ich plötzlich auf dem Weg zum
Einser-Abitur und bin in einem halben Jahr von einer fünf in
Mathe auf eine sehr gute zwei gesprungen. Also woran lag das?
Das kann auch daran gelegen haben, dass du vielleicht „nur“ Mathe Grundkurs gewählt hattest und damit die Anforderungen nicht mehr so hoch waren, muss aber nicht.
Dann betrachte ich die Oberstufe und stelle fest, dass es dort
Lehrer gab, die zwar fachlich sehr sehr gut waren, die den
interessantesten Unterricht veranstaltet haben, den ich je
erlebt habe. Und dennoch betrachtet man es mit Argwohn, wenn
man merkt, dass man wie der Nebenmann ziemlich am Arsch wäre,
wenn einen dieser Spitzenlehrer nicht leiden könnte.
Ehrlich gesagt wende ich in der Regel nicht so viel emotionalen Stress auf, um mir zu überelgen, ob ich einen Schüler"nicht leiden" kann. Klar gibt es bequeme und unbequeme Schüler, wobei der Umgang mit den unbequemen oft der interessantere ist. Aber so lange beide Seiten die in Mitteleuropa üblichen Spielregeln des Umgangs mit einander beherzigen sollte eigentlich die emotionale Komponente außen vor sein.
Eine kleine Anekdote aus sicherer Quelle: Der
Schulleiter geht auf eine Kollegin zu und eröffnet ihr, dass
sie im kommenden Schuljahr eine Oberstufenklasse in Englisch
unterrichten soll. Daraufhin bricht sie in Tränen aus, weil
sie ja schon seit fünf Jahren keinen Unterricht mehr in
Englisch erteilt habe.
Ja, das gibt es, das habe ich selbst an meiner Schule auch schon erlebt und finde es genauso hammermäßig wie du. Die Dame hat bei uns den Kurs natürlich trotzdem bekommen. Wenige Woichen nach Schuljahresbeginn wurde sie von einem Arzt krank geschrieben. Allerdings wurde sie beständig in der Stadt, beim Radeln, im Schwimmbad etc. gesehen. Wir schickten sie zum Amtsarzt, der ihr bescheinigte, dass sie aus medizinischen Gründen nur in der Lage sei, in der S I zu unterrichten. Was sind das für Ärzte?? Die Dame war dann 2 Jahre (!!) bei vollem Gehalt krank geschrieben, bis der Arbeitgeber (das Land) in der Lage war, sie zum Dienstantritt an einer anderen Schule (ohne S II ) zu zwingen. Was sind das für Gesetze?? Was sind das für Juristen und Politiker??
denn das sind einfach Lehrer, die ihren Job schlecht machen.
Ist denen klar, dass sie mit der Arbeit die sie abliefern in
jedem Unternehmen rausflögen?
Vermulich ist ihnen das sogar klar…Aber glaube mir, genau diese Kollegen sind uns Lehrern selbst ein Dorn im Auge, weil wir wegen denen beständig in der Verteidigungsposition sind, uns rechtfertigen müssen wie viel wir tatsächlich arbeiten, und so weiter. In jedem Beruf gibt es Leute, die ihren Job gut machen und welche, die ihn schlecht machen. Leider fallen die Lehrer, die ihren Job schlecht machen, immer sofort ins Auge und es ist für uns von der Schulleitung wahnsinnig schwierig, so einen Kollegen loszuwerden.
ich bin der Meinung, wenn man die meiner Meinung nach
vollkommen unnötige Verbeamtung der Lehrer grundsätzlich
überdenkt, dann ist die Schule auch kein System mehr, das dazu
anstiftet, sich so zu verhalten.
Für den Beamtenstatus können wir nichts, das war nicht unsere Idee. Es gibt viele Gründe, die dagegen sprechen. Fakt ist, dass ein verbeamteter Lehrer für den Staat wesentlich billiger ist als ein Angestellter (denn für den Beamten zahlt er keinen Arbeitgeberanteil an den Sozial - und Krankenversicherungen, sondern nur im tatsächlichen Krankheitsfall einen gewissen Prozentsatz der anfallenden Kosten. Dass die Pensionskosten dann den Staatshaushalt zu sprengen drohen hat man auch vorher gewusst, seriöse Unternehmen nehmen für betriebliche Altersversorgung beizeiten Rückstellungen in den Etats vor…). Eine Freundin von mir war ein Jahr lang dafür eingestellt, für das Land BW genau das zu berechnen und man ist ausschließlich wegen der laufenden Kosten nicht von der Verbeamtung des Lehrer abgewichen!
Übrigens kann man auch einen Angestellten nicht einfach so feuern…aber du bist ja Jurist, das weißt du ja selber.
Es ist sehr schade, dass die schwarzen Schafe in unserem Beruf das Sozialprestige derartig ruinieren, dass die wirkliche Seite - und die ist ganz oft sehr positiv, wie du ja selbst auch festgestellt hast, kaum noch zum Vorschein kommt.
Gruß Orchidee