Hallo,
so, damit es wenigstens etwas gibt, außer Links und dem Vorschlag, zwanzigtausend Links durchzuarbeiten …
Der W. bezeichnet das politische und soziale Klima in Deutschland von etwa 1890 bis 1918 (schließt also den 1.Weltkrieg mit ein). Es handelt sich also fast um die Zeit nachdem Bismark als Kanzler ausschied und Wilhelm II alleine machte, was er wollte.
Um zu verstehen was das bedeutet, muss man zwei Faktoren betrachten. Da ist zunächst einmal Wilhelm selber. Ein ziemlich aufgeblasener Typ, würde man heute sagen. Aber sein Spielzeug war die Armee und sicherlich auch die Flotte. Er hatte einen Hang zu epompfalen Auftritten, er versuchte, die Gelehrtenkreise am Hofe eines Friedrich zu simulieren, aber war dazu oftmals nicht helle genug, also wurde über das gesprochen, was der Kaiser eben so anschlug. Kurz, er war nicht besonders helle, aber nahm an, dass er es wäre. Er überschätzte aber nicht nur sich selbst sondern er überschätzte auch die militärischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten Deutschlands bei weitem. Das war insofern kritisch, als dass der W. ja zeitgleich mit dem Imperialismus verlief. Es gab also von Seiten Wilhelms ein gewaltiges Großmachtstreben mit dem Ziel, ein Kolonialreich zu errichten. Das war etwas, was Deutschland zwangsläufig in Konflikt mit anderen Kolonialmächten bringen musste, besonders England und Frankreich, die z.B. Afrika zwar noch nicht erobert, aber vorsorglich schon mal unter sich aufgeteilt hatten.
Damit sind wir bei der deutschen Gesellschaft dieser Zeit angelangt. Es gab ein Bürgertum und das war extrem konservativ. Sprich: Monarchistisch gesinnt. Wenn Du einen Eindruck gewinnen willst, dann ließ mal „Der Untertan“ von Heinrich Mann. Diese Schicht glaubte, genauso wie der Kaiser, an die militärische und wirtschaftliche Macht Deutschlands und leitete davon auch entsprechende Ansprüche für Deutschland ab. Selbstüberschätzung war also kein Privileg des Kaisers.
Aber am anderen Ende der Bevölkerung gab es eine Arbeiterklasse, der es nicht gut ging. Und Kaiser wie auch Bürgertum waren alles andere als gewillt, eine hinreichende Sozialpolitik zu machen, um diesem Anteil der Bevölkerung aufzuhelfen. Es ergab sich also eine durchaus manchmal auch gespaltene Bevölkerung. Während sich im Adel, im Militär und im Bürgertum der W. abspielte, machte sich im Arbeitertum bereits der Kommunismus und Sozialismus breit.
Das soll mal als Beschreibung des W. für den Augenblick reichen.
Preussen war ein Bundesland des deutschen Reiches. Aber genau genommen, war es das Bundesland. Über den Daumen gepeilt machte P. ein Drittel des Landes aus (denn z.B. das Rheinland war ja auch preussische Provinz, genauso wie z.B. Hessen-Nassau) und etwa die Hälfte der Steuereinnahmen des Gesamtreiches. Wenn man nun noch betrachtet, dass Bayern, der zweite Löwe im Käfig ein weiteres Viertel der Staatseinnahmen ausmachte und nur ein Viertel von allen anderen Teilstaaten zusammengebracht wurde, dann bekommt man ein Bild von den Machtverhältnissen innerhalb Deutschlands. Kein Wunder also, dass die preussischen Könige 1870/71 auch die einzigen Kandidaten für die Kaiserkrone gewesen waren.
Die Geschiochte Preussens würde ein paar Bücher füllen, deswegen nur ein paar Eckpunkte. Preussen war kein wirklich freiheitlicher Staat, wie es die meisten dieser Zeit nicht waren. Aber Preussen war ein ziemlich militaristischer Staat, was sich aus seiner Geschichte ergab, denn nomalerweise stand P immer mit dem Rücken zur Wand und überlebte nicht nur sondern wuchs und gewann Macht, immer mit Hilfe seines Militärs. Napoleon bekam ja auch von P. ein paar herbe Tritte versetzt, auch wenn es ihm immerhin gelang, P. zu besetzen. Nun aber, innerhalb des deutschen Reiches entwickelte sich das preussische Militär als stilgebend. Disziplin bis hin zum Kadavergehorsam, ein heute schwer zu verstehender Ehrenkodes im Offizierskorps vor allem aber die Überzeugung, beinahe jeder anderen Truppe der Welt überlegen zu sein, formten das Heer, aber auch, in nur etwas geringerem Umfang, die Flotte. Und diese zusammen (also das Militär) formte die Gesellschaft des Bürgertums und die Selbstüberschätzung des Kaisers. Das beantwortet so ein Bisschen, was Preussen war und welche Rolle es spielte.
Es gsb in Deutschland nur einen Kaiser, logischerweise, denn der war ja der Obermotz. Aber es hatte bis 1889 einen Kaiser in Brasilien gegeben (der also erst zu Beginn des W. durch Militärputsch abgesetzt wurde) und der britische König trug gleichzeitig auch den Titel eines Kaisers von Indien. Ebenso war der Herrscher von Österreich Kaiser Franz. Ergänzend sollte man auch die kurzlebigen Kaisertümer auf Haiti und in Mexiko erwähnen, sowie Japan, China, Persien (denn genau das bedeutet „Schah“ eigentlich) sowie die was Machtfülle und Regierungsstil angign vergleichbaren Sultane der Osmanen. Die Aussage es hätte keine anderen Kaiser gegeben ist also schlichtweg falsch. Es gab in Deutschland nur einen.
Gruß
Peter B.
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