ist doch klar
Hallo Sven,
also „elegant regeln“ wird sich da nicht machen lassen. Es ist doch klar, dass Deine Mutter die Krise hat. Das ist auch ganz normal, wenn die Kinder aus dem Haus gehen (ich rede nicht aus eigener Mutter-Erfahrung, sondern aus Tochter-ging-aus-dem-Haus-Sicht). Außerdem wäre es bedenklich, wenn Deine Mutter vor Freude auf dem Tisch tanzen und sofort einen Untermieter für Dein Zimmer suchen würde, oder? ;o)
Stell Dir mal vor: Da bekommst Du ein Kind und Ihr seid immer zusammen. Und Du weißt schon irgendwie: Mann, mit 18 Jahren zieht mein Kind vielleicht aus.
Und jetzt verkürzt sich diese Zeit auch noch unerwarteterweise durch Deine Pläne. - Das haut rein. Erst recht, weil Deine Mutter auch noch alleine ist.
Der Zeitpunkt, wo Du das Haus verlässt, kommt immer. Und egal, ob es jetzt ist oder „erst“ nächstes Jahr oder in zwei Jahren: Es wird sicher immer genauso schwer sein. Nicht nur für Deine Mutter. Auch für Dich wird’s ungewohnt sein.
Bei uns war’s so: Ich habe noch einen Bruder, der drei Jahre älter ist. Als er ausgezogen ist, war das die totale Krise für meine Mutter. Mein Bruder ist 100 km weit weg gezogen und zusätzlich zu der Tatsache, dass er dann weg sein wird, haben sich meine Eltern natürlich auch Sorgen gemacht - junger Mann, auf sich alleine gestellt, in der Stadt, ob er nicht alleine ist, ob er alles managen kann, und und und
Meine Mutter war ein paar Tage regelrecht krank. Und später hat sie erzählt, dass sie tagsüber immer mal noch in sein Zimmer ist, sich auf sein Bett gesetzt und geweint hat.
Ich denke, das ist ein abnabeln. Da spielt ja viel mehr mit rein als die Tatsache, dass Du nicht mehr zuhause bist. Da geht ein neuer Lebensabschnitt los. Einer, der ungewohnt ist, als vorher. Außerdem denke ich, haut’s auch „voll rein“ unter dem Gesichtspunkt: Mann, wie die Zeit vergeht! Ich bin alt! Gerade war mein Sohn noch ein kleines Kind, ich kann mich noch erinnern, wie ich im Krankenhaus gelegen bin. Und jetzt ist er groß und hat sein eigenes Leben.
Bei uns war dann „wenigstens“ noch ich daheim. Drei weitere Jahre. Ich war völlig unbekümmert und hab mich riesig über meinen Auszug gefreut. Völlig unsensibel gegenüber meiner Mutter (ich hab’s damals gar nicht gecheckt) hab ich sechs Monate vor meinem Auszug immer einen Countdown verkündet - und ihr immer die Monate vorgerechnet, die noch bleiben. Nicht, weil ich gemein sein wollte, sondern weil ich mich damals einfach nicht in meine Mutter reinversetzt habe - und nur mein Ziel, endlich auszuziehen gesehen habe.
Langer Rede, kurzer Sinn:
Da müsst Ihr beide durch.
Nimm die Traurigkeit Deiner Mutter ernst - und redet darüber, wie’s Euch damit geht. Dass dieser Schritt ja nicht bedeutet, dass Euer Kontakt abreißt (auch wenn er rein räumlich weniger intensiv sein wird).
Vielleicht bist Du erstmal auch ein Wochenend-Heimfahr-Wäschwascher … dann geht der Übergang sanfter.
Viele Grüße
Gitte