Hallo,
Hier würde ich durchaus zustimmen, wobei
a) zu sagen ist, dass ein Vergleich von Therapieverfahren und
sogar die Evaluation einer Einzeltherapie methodisch
unglaublich schwierig/unmöglich ist; hier kann einfach jede
Position geeignetes statistisches Material heranziehen (wie es
in diesem Thread ja geschehen ist),Nein, das ist z.B. durch einfache Prä-Post-Vergleiche sehr
wohl ökonomisch und leicht durchführbar möglich. Natürlich
muss man dabei wissen, was man macht und braucht eine
entsprechende methodische Ausbildung.
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Dass man dabei in der Methodenlehre bewandt sein sollte, ist unbestritten.
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In der Frage des Therapievergleiches stimmst Du zu?
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Es ist schon richtig, dass man in weniger komplexen Fällen recht leicht und ökonomisch die Wirksamkeit der Therapie messen kann bzw. zu messen können glaubt, wenn man etwa bei spezifischen Phobien, sagen wir mal der Akrophobie, den Post-Zustand, dass der Patient nach der Therapie in der Lage ist angstfrei seinen Balkon betreten zu können, mit dem Prä-Zustand vergleicht, dass er das vor der Therapie nicht konnte.
Hier ist klarerweise eine Wirkung festzustellen, aber:
a) bei den meisten anderen Störungen ist es sehr viel schwieriger, ein geeignetes Design zu entwickeln.
b) die Frage nach der Wirksamkeit der Therapie kann nur auf dem Hintergrund theoretischer Annahmen beantwortet werden (das ist die Crux der Sache!); bereits bei unserem Beispiel mit der Akrophobie könnte die Psychoanalyse einwenden, dass nur eine Symptomverschiebung stattgefunden habe, der neurotische Konflikt perseveriere, etc.
Du wirst nun natürlich diese Annahmen der Psychoanalyse ablehnen, aus der Welt schaffen kannst Du sie aber nicht, das heißt, Du musst akzeptieren, dass alle möglichen Wirksamkeitsbefunde bereits in den theoretischen Annahmen bestritten werden können (die Psychoanalyse war hier ja nur ein Beispiel für andere)
und
b) zugleich versucht werden muss, das Kind nicht mit dem Bade
auszuschütten, weil:
- Wie in jedem anderen Berufszweig gang und gäbe, ist eben
auch der „Psychotherapeut“ ein einigermaßen standardisierter
und damit vergleichbarer Bildungstitel;Nein, durch die unterschiedlichen Schulen und durch die
Auflösung des Begriffs z.B. durch das Heilpraktikergesetz ist
ein „Psychotherapeut“ nicht gleich dem nächsten - das mag auf
dem ersten Blick nur so erscheinen.
wir streiten hier um den blonden Schopf des gegenwärtigen Königs von Frankreich!
Unbestritten ist, dass jeder, der sich „Psychotherapeut“ nennen kann, ein gewisses Grundlagenwissen (erworben im Rahmen der Ausbildung zum Diplom-Psychologen oder zum Heilpraktiker) besitzt, welches (gesundheits)politisch festgelegt und damit weitgehend vergleichbar ist; was dann in der Sekundärausbildung geschieht ist eine andere Sache (deshalb habe ich ja von „einigermaßen standardisiert“ gesprochen).
Dass nicht alle Psychotherapeuten intellektuelle Klone sind, ist unbestritten.
und das hat
unbestreitbar große Vorteile für den Hilfesuchenden, weil der
so einigermaßen sicher sein kann, dass der Therapuet zumindest
kein totaler Quacksalber ist;Leider ist dem nicht so.
Ist in Ordnung, dass Du das bestreitest; das mag ja auch teilweise zutreffen, aber wenn wir uns vorstellen, dass der Begriff „Psychotherapeut“ oder jeder andere geschützte Begriff gänzlich wegfällt, dann dürfte klar sein, dass das Risiko für den Hilfesuchenden beträchtlich steigen würde, weil der dann gar keinen Anhaltspunkt für die Trennung von Spreu und Weizen mehr hätte, wenn jeder selbsternannte Coach formal nicht vom ausgebildeten Psychotherapeuten zu unterscheiden wäre.
dieselbe Problematik, dass oft Laien „besser“ als Experten
sind, besteht in allen anderen Bereichen der Arbeitswelt ganz
genauso und ist in erster Linie ein Problem von
Pfründe-Verteidigung.Das ist falsch, wie man der entsprechenden Literatur entnehmen
kann (siehe Olivers Links). Auch bezüglich der übrigen
Arbeitswelt wäre es ja erschreckend, wenn Du Recht hättest,
dassoft Laien „besser“ als Experten sind
Darüber müssten wir in einem anderen Brett streiten.
Ein Beispiel dafür wäre die heutige Entwertung des deutschen Titels des „Handwerksmeisters“ durch EU-Gesetzgebung; es geht eben auch ohne, wie man sieht (aber wie gesagt, das ist ein anderes Thema, Dein „falsch“ kann ich aber nicht so ohne weiteres akzeptieren).
Dann bräuchten wir keine Ausbildungs- und Studienplätze, die
einzelnen Berufsgruppen könnten sich auflösen…
Hier schüttest Du das Kind mit dem Bade aus, weil:
- habe ich nicht den totalen Relativismus gepredigt,
und - ist klar, dass sich die Psychotherapie verfahren selbstverständlich nur im Rahmen von Forschung und Studium entwickeln, verbessern können; dies besagt aber noch nichts über die „Laienfrage“
(übrigens: ich spreche ja auch bei „Laien“ nicht von Hobby-Psychologen, sondern in erster Linie von Quereinsteigern, welche sich erstens intensiv mit der Materie befasst haben, und zweitens ihre Kenntnisse aus anderen Wissensbereichen hernehmen können; die alte Diskussion bei Freud um die Laienfrage hat sich ja auch um Literaten, Priester, etc. gedreht, nicht um Herrn Müller, der sich für gleichschwebende Aufmerksamkeit ein paar schnelle Mark machen wollte)
Klar ist nun jeder dieser beiden Punkte kritisierbar, aber
meines Erachtens nicht so einfach mit einer Einebnung aller
Differenzen zwischen Ausgebildeten und Nicht-Ausgebildeten,
sondern eher mit Forderungen nach größerer Offenheit der
Systeme für Seiteneinsteiger mit anderen akademischen und
nicht-akademischen Qualifikationen, etc. bzw. allgemein nach
einer größere Offenheit für andere psychotherapeutische und
soziotherapeutische Verfahren.Schon mal was vom Heilpraktikergesetz gehört?
Dort ist genau
das umgesetzt, was Du forderst - teilweise aber leider mit
gruseligen Ergebnissen, die für Patienten ungünstig sind. Oder
weisst Du was von der Ausbildung zum Kinder- und
Jugendpsychotherapeuten? Dort ist eine medizinische oder
psychologische Ausbildung keine Forderung. Vielleicht ist’s
interssant für Dich, Dich mal über die Materie zu informieren.
Dass da (und eben nicht nur da!) vieles gruselig ist, würde ich nicht bestreiten, wohl aber dass dies ein reiner Effekt der Offenheit ist; aus meiner Sicht ist dies mehr ein Effekt dessen, wie faktisch Mensch zum Heipraktiker wird, nämlich vermittelt meist durch recht dubiose und profitorientierte Institutionen; das aber ist wiederum ein anderer Aspekt.
Viele Grüße
franz
ie VT mag besser sein als sonne ‚Therapie‘, dass heißt aber nicht, dass sie zu :erlernen ein Vorteil wäre
Aber selbst wenn er zu dem würde, was du meinst, ein Hobby-Herpetologe, wäre es keine Symptomverschiebung. Da diese Phänomene die Struktur 1. der freien Assoziation und 2. des Abwehrmechanismus haben, wären hypothetische Beispiele ein fanatischer Herpetologe oder eine andere Phobie, eine Allergie oder irgendein Zwangssymptom …