Hallo Sam,
gut dass ich immer so weiter runterscrolle 
und hier im Falle von Soteria wäre ein solches Kriterium eben:
Verzicht auf Medikamente (und da ist Soteria eben
höchst-wirksam; die Frage ist nur; wie wichtig ist dieses
Kriterium?, etc…das ist der Punkt, den ich meinte)
Äh, also stimmst Du mir doch zu?
Ja, in diesem Punkt stimme ich Dir zu;
nicht aber darin, dass sich so einfach Verfahren zum Therapievergleich aufstellen lassen;
diese ergreifen meiner Meinung nach unweigerlich(!) immer Partei für die eine und gegen die andere Therapierichtung - und zwar nicht in den Ergebnissen der Vergleichsstudien (was ja der Sinn der Studie wäre), sondern eben bereits im Aufbau der Studie, in den Fragestellungen (was soll wie gemessen werden? was ist relevant? was soll als Therapieerfolg gewertet werden? etc.)
Das ist genau das, worauf es
ankommt
Richtig!!!
das hat nichts mit dem HPG oder einzelnen Heilpraktiker selbst
zu tun (und dieses Phänomen gibt es in absolut allen Bereichen
des Wirtschaftslebens oder auch schulischer Ausbildung)
Natürlich hat es damit zu tun - die Ausbildungsstätten würden
doch wohl kaum diese Kurse anbieten, wenn es nicht einen Markt
dafür geben würde. Und dieser speist sich doch aus der Masse
von Menschen, die durch die Gesetzgebung eine einfache
Möglichkeit haben, sich einen Beruf ohne langwierige
Ausbildung zu schaffen. Das HPG setzt ja explizit keine
Ausbildung voraus.
Naja, das HPG setzt aber doch die Existenz eines bestimmtes Wissens voraus, welches für das Bestehen der Überprüfung vorhanden sein soll.
Ob nun dieses Wissen im Rahmen einer geregelten Ausbildung erworben worden ist (etwa bei Paracelsus und den vielen anderen Anbietern) oder autodidaktisch, halte ich für völlig irrelevant.
Genauso wie es irrelevant ist, ob der Student seine Leistungsnachweise durch Besuch der Vorlesung oder durch Nachlesen im Skript erwirbt…
(ich halte diese Vergleiche durchaus für aussagekräftig; dazu unten)
(wer hat
schon Vertrauen, wenn er nicht sicher sein kann, dass der HP,
der ihm gegenübersitzt, als Nachweis für seine
Berufsbezeichnung keine Ausbildung benötigte?)
-
kann der Patient natürlich sehr wohl sicher sein, dass der HP eine bestimmte Mindestkompetenz besitzt (ich glaube, das kann man bei jeder Gesundheitsamt-Willkür-Problematik nicht wegdiskutieren).
-
ist die Frage nach dem Vertrauen natürlich bei jeder Form von Psychotherapie unbestreitbar eine sehr heikle, die PsA hat diesen Aspekt ja sehr ausgiebig diskutiert, und die VT erkennt ihn ja genauso an.
Ich persönlich als Patient würde also dem HP durchaus vertrauen, was wohl vor allem daran liegt, dass ich auf Grund meiner Kenntnisse relativ schnell merken würde, was der HP mit mir in der Therapie macht;
grundlegend anders würde ich aber bei einem Diplom-Psychologen als Psychotherapeuten auch nicht vorgehen …
und die
Heilpraktiker daher eine inhomogene Masse darstellen mit
ausgebildeten Psychologen auf der einen Seite und ungebildeten
Scharlatanen, die ausschließlich einen Wochenendkurs zur
Prüfungsvorbereitung besuchten, auf der anderen Seite.
- sollte man sich nicht zu sehr an diesem „Wochendendkurs“ aufhängen. Er dient wohl in erster Linie der Prüfungsvorbereitung, nicht der Wissensvermittlung als solcher.
Wenn man sich vorurteilsfrei die Amtsarztfragen der HP-Prüfung anschaut, dann stellt man fest, dass sich diese ohne Vorkenntnisse nicht an einem Wochendene erlernen lassen.
- So sehr viel homogener sind die Diplom-Psychologen auch nicht, wenn man bedenkt, wie sehr machen tricksen müssen, um neben den anerkannten Therapieverfahren auch Elemente solcher Verfahren einbringen zu können, „von deren Wirksamkeit sie selbst überzeugt sind“.
Der große Homogenisator im Bereich der letztgenannten Psychotherapeuten ist zweifelsohne die Krankenkassenfinanzierung, welche eben bei den HP als homogenisierende Kraft wegfällt.
Und zur Frage der KK-Finanzierung kann man nicht einfach mit „wissenschaftlich erwiesen“, etc. antworten, denn ist es nicht völlig absurd, dass ein deutscher Psychoanalytiker, der der IPA verpflichtet ist, Lacansche Elemente der Analyse „unter dem Ladentisch“ einbinden muss, obwohl in allen romanischen Ländern (also Frankreich, Italien, vor allem Spanien, aber auch Mittel-und Südamerika) die AMP, also auf Lacan aufbauende Psychoanalyse, anerkannt bzw. führend innerhalb der PsA ist?
Unabhängig davon, dass Du Dir wahrscheinlich denkst „Psychoanalyse ist sowieso un-wissenschaftlich“, wirst Du wahrscheinlich zustimmen, dass in den Entscheidungen der Krankenkassen noch ganz andere Einflußfaktoren wirken als nur die „Wissenschaftlichkeit“.
Der
Vergleich mit dem Abiturienten hinkt, denn der kann sich seine
Ausbildung aufgrund der Wohnortbindung im Normalfall nicht
aussuchen, ein Heilpraktiker kann jedoch dahin gehen, wo er
die beste Ausbildungsmöglichkeit bekommt.
Das ist richtig; wie gesagt, bin ich auf jeden Fall für angemessene einheitliche Standards.
Naja, dann setzt Du aber eine Qualität der Prüfung voraus, die
es nicht (nicht nur nicht überall) gibt - darum geht es ja.
Laut Gesetz ist sogar von der Prüfung nur nachzuweisen, dass
keine Gefahr vom Prüfling ausgeht. Da wäre es doch besser,
wenn man das Gesetz ändere und eine Ausbildung verlangt.
Der einfachere Weg wäre doch ganz einfach, einen vernünftigen Prüfungsstandard zu etablieren.
Und: was für eine Ausbildung stellst Du Dir denn vor?
Der Witz des HPG ist ja gerade zu ermöglichen, dass solche Verfahren wie etwa die „Reinkarnationstherapie“ (was wir davon halten sollen, wissen wir wohl beide!) ermöglicht werden, ohne dass der „Therapeut“ damit ständig mit einem Bein im Knast steht (aus bestimmten hier nicht zu erörternden Gründen halte ich es für sinnvoll, an solchen „Therapien“ festzuhalten, auch wenn ich sie für totalen Blödsinn halte).
Mit einer einheitlichen Ausbildung (und nur eine solche kannst Du meinen) zerstörst Du aber solche Möglichkeiten, damit aber auch den Sinn des HPG.
als Magister-Philosoph werde ich ja auch nicht danach gefragt,
welche Scheine ich in welchen Seminaren bei welchen Dozenten
in welcher Reihenfolge gemacht habe.
Das hat ja auch damit nichts zu tun, weil die
Ausbildungsinhalte im Studium vorgegeben sind.
Im Philosophie-Studium (allgemein in Magisterstudiengängen) ganz bestimmt nicht; im Studium der Soziologie (obwohl Diplomstudiengang) nur im Grundstudium (soviel zu meinen Studiengängen);
und in dem der Psychologie bestehen ja auch beträchtliche Freiheitsgrade (nicht nur im Nebenfach).
Vergleichbar
wäre es erst, wenn man einen Philosophie-Magister bekommt,
indem man an irgendeiner Uni z.B. einen Fragebogen als Prüfung
ausfüllte
Ich glaube fast, Du hast ein Problem mit dem „Multiple Choice“-Verfahren; wenn solche MC-Tests korrekt gemacht sind, dann sind sie in keinster Weise weniger valide in Bezug auf den Kenntnisstand als offene Fragestellungen;
abgesehen davon besteht die HP-Prüfung aus zwei Teilen, einer MC-schriftlichen Prüfung, und einer mündlichen Prüfung.
ohne andere Voraussetzungen erfüllt zu haben, als
nicht so kriminell zu sein, dass man eine Gefahr darstellt als
Philosoph, mindestens 25 Jahre alt zu sein, ausreichend gesund
zu sein und den Hauptschulabschluss zu haben.
Ich verstehe nicht, wo ein Problem sein sollte, wenn ein 25jähriger nicht krimineller Hauptschüler in der Lage wäre, Texte auf lateinisch, englisch und französisch zu lesen, und dann die Magisterprüfung Philosophie bestehen würde.
Der Grund, weshalb man hier das Allgemeinabitur als Voraussetzung verlangt, ist der, dass das Studium dem Staat teuer kommt, und dieser deshalb nicht bereit ist, in einen Hauptschüler das Vertrauen zu setzen, dass er trotz geringerer schulischer Vorkenntnisse ein solches Studium erfolgreich bestehen könnte.
Der HP kostet aber dem Staat keinerlei Ausbildungskosten, die Prüfungskosten von ca. 500 Euro muss er alleine bezahlen; also warum sollte dann ein bestimmter Schulabschluss eingefordert werden?
Die Tatsache, dass die Durchfallquote bei den HP (ich weiß leider nichts genaues darüber, wie hoch die „Abbruchquote“ ist, schätze sie aber als sehr hoch ein) relativ hoch ist, zeigt doch anschaulich, dass eben bei vielen, die auf eigene Kosten den Versuch unternommen haben, solche schulischen Vorkenntnisse fehlen, und deshalb die Prüfung nicht bestanden wird (hier wird also einfach die Selektion nach-verlagert).
Ich gehe stark davon aus, dass unter den HP unter 50 Jahren Hauptschüler sehr stark unterrepräsentiert sind, warum sollte man also auf diesem Punkt so rumreiten?
Von Scheinen für
Prüfungszulassungen wäre dann ja nicht die Rede. Aber im
Studium musst Du ja schon bestimmte Ausbildungsnachweise
erbringen, damit zu Prüfungen zugelassen wirst - das sind ja
die Scheine.
Ja, ich habe zum Beispiel in Psychologie einen Schein gemacht, weil ich mit einer Freundin, die Psychologie im Hauptfach studiert, gewettet habe, dass ich die Püfung bestehe, ohne auch nur einmal die Vorlesung zu besuchen. Ich habe den Schein bekommen, meine Freundin nicht, obwohl sie immer in der Vorlesung war, also „Ausbildung“ hatte;
entscheidend ist doch Wissen, nicht eine Formalie, denn wäre es „besser und sinnvoller“ gewesen, sie hätte den Schein bekommen und ich nicht?
Und nachfragen, welche Scheine das gewesen sind,
braucht man einen Philosophen nicht, denn der muss ja
bestimmte gemacht haben, sonst hätte er keine Prüfung
absolvieren dürfen. Dein Vergleich hinkt.
Nein, ganz und gar nicht, denn in Philosophie hatte ich nur zwei absolute Pflichtscheine; ansonsten hätte ich meinetwegen alle anderen Scheine zu Plotin machen können, dennoch hätte ich aber die Philosophie-Prüfung bestehen müssen, nicht die Prüfung in Plotinismus.
Mich persönlich interessiert die Schuldbildung eines
Heilpraktikers eigentlich überhaupt nicht, solange ich sicher
sein kann, dass er einigermaßen qualifiziert ist; und das soll
eben sein Eignungstest leisten.
Und das kann der leider nicht.
Doch das kann er in den meisten Fällen sehr wohl, was er leider nicht kann, ist dieses Können zu garantieren, weil hier die notwendige Standardisierung fehlt.
Überhaupt muss ich mal loswerden, dass es genauso großer
Schwachsinn ist, den Psychologen einen Numerus clausus
vorzusetzen, als hätte die Befähigung zum Psychologiestudium
irgendetwas mit der Abi-Note zu tun; das finde ich einfach nur
kleinkariert
Hat damit auch nichts zu tun, sondern mit der Menge an
Interessenten und der knappen Anzahl Studienplätzen.
Wenn es damit überhaupt nichts zu tun hätte, dann könnte man genauso die Plätze verlosen, oder mehr Plätze schaffen, was ich für das sinnvollste und auch für völlig problemlos halte.
Die
Abi-Noten sind übrigens korreliert mit Prüfungsergebnissen
(zumindest bei den Psychologen).
Das sind sie wohl in vielen Studiengängen, jedenfalls auch bei den Soziologen (da musste ich sogar mal als „Praktikum“ das Ausmaß der Korrelation berechnen) und auch bei den Philosophen;
das hat in erster Linie wohl mit allgemeiner Lernfähigkeit und der Beherrschung von Lerntechniken zu tun, sagt aber noch nicht so viel darüber aus, was dann später der feldforschende Soziologe oder der therapierende Psychologe leistet.
(übrigens, nur um dem Neid-Hinweis vorzubeugen:
Der wär nicht von mir gekommen.
Freut mich 
mit meinem Abi hätte ich (fast) jeden NC genommen, jedenfalls
den der Psychologie 
Auch dem aktuellen? Immerhin wird der NC ja jedes Semester neu
ausgerechnet… und kann dann auch höhere Anforderungen haben
als manch anderes NC-Fach…
ich kenne den aktuellen NC nicht, aber ich glaube mit meinen 1,5 in Bayern (nur gegen die Bayern muss ich ja konkurrieren!) hätte ich gute Chancen.
Immerhin bin ich in der Therapieforschung beschäftigt…
Fass es nicht als Beleidigung auf, so ist es auch gar nicht gemeint, aber hier geht es um Gesetzestexte, deren Auslegungen, faktischen Standards, etc., Therapieforschung ist „andere Baustelle“.
Das ist so allgemein nicht zu sagen, denn oft richtet sich der
Patient nach den Empfehlungen des ersten Ansprechpartners
(z.B. Hausarzt, Freunde, Bekannte), es ist aber zu hoffen,
dass eine Entscheidung für eine von der Kasse finanzierte Form
erfolgt, denn da kann man (mit der Ausnahme der PA und
ähnlichem) jedendfalls sicher sein, dass eine
wissenschaftliche Grundlage des Verfahrens existiert und
Nachweise für die Wirksamkeit erbracht wurden.
Naja, der Glaube versetzt halt auch Berge - in beide Richtungen 
Damit schließe ich dann ebenfalls das Thema.
Viele Grüße
franz