Wirksamkeit Psychotherapie

… aber ich glaube nicht, dass Du das in diesem Teilthread diskutieren willst;

um Himmels willen, nein *lach*

aus meiner Sicht wäre halt die „Wandlung“ zum Hobby-Ornithologen
durchaus eine Symptomverschiebung (ich verstehe den Begriff in
einem sehr weiten Sinne)

Naja, man kann Begriffe privatim so erweitern, daß sie aus dem ursprünglichen kommunikativen Kontext herausfallen. Ich wollte es aber wirklich nicht diskutieren hier. Außerdem ist es absolut off topic.

Gruß

Abschließend …
… bißchen baff bin ich doch, wie gering die Bereitschaft war, die Frage ernstzunehmen (oder sie überhaupt mit Verständnis zur Kenntnis zu nehmen).

Zumal ich hier keinerlei Originalität beanspruche, für Leute aus dem Umfeld Wissenschaftstheorie oder Grundlagen der Psychologie und Kognitionswissenschaft ist das eher ein alter Hut und das Problem ein Gemeinplatz.

Ist mir auch klar, dass es in eher praktischen Zirkeln (Therapeuten sowieso, aber auch Leute aus der Evalutation) unwiedersprochene Lehrmeinung ist, dass der Nachweis für die Wirksamkeit von Pth erbracht ist.

Aber das es mir nicht mal gelingen will ein Gefühl dafür zu vermitteln, welche Schwierigkeiten man mit dieser Behauptung haben kann … uff, frustriend …

Naja, man kann Begriffe privatim so erweitern, daß sie aus dem
ursprünglichen kommunikativen Kontext herausfallen.

ich verstehe nicht, warum das bei meiner Verwendung des Begriffes der Fall sein soll, aber werde da mal genau nachschlagen

Gute Nacht
franz

P.S.: Danke für die informativen Erklärungen zum Splatten

Hallo Paul!

… bißchen baff bin ich doch, wie gering die Bereitschaft
war, die Frage ernstzunehmen (oder sie überhaupt mit
Verständnis zur Kenntnis zu nehmen).

Und ich bin jetzt ein bisschen erstaunt, wieso es sich für dich so darstellt, als wäre dein Beitrag nicht ernst genommen worden. Das kommt bei mir nicht so an, auch wenn ich nicht jeden einzelnen Faden intensiv gelesen und mitgedacht habe.

Grüße
Christiane

1 „Gefällt mir“

gute & nicht so gute Therapeuten

das sind sie in der Tat; deshalb habe ich auch so dafür
plädiert zwischen Therapie-Verfahren und Therapeuten als
Personen zu differenzieren.

yesss, ich glaub auch, dass einige Therapeuten besser sind als andere.

Sind die die Guten besser, weil die das überlegene Verfahren beherrschen oder das regelgerechter anwenden?
Oder sind andere Faktoren entscheidend, z.B. Talent oder ‚praktische‘ Erfahrung (‚praktisch‘ meint: nicht Erfahrung im Umgang mit der Technik, sondern allgemeiner).

Und da deutet vieles auf die zweite Möglichkeit (z.B. Therapeuten, die unorthodox arbeiten, d.h. gegen den Buchstaben des Verfahrens scheinen bessere Ergebnisse zu haben - vor allem in der Psa)

Grüße, Paul

Hallo

zum Abschluss dieser anregenden Diskussion noch ganz schnell
ein paar Richtigstellungen:

Mann los.

Wenn die mit Sotaria eine gleiche Wirkung oder bessere Wirkung
erzielen als die bislang wirkungsvolsten Therapien, dann habe
ich da nichts dagegen. Sollen die das nachweisen.

Da hast Du mich missverstanden; es geht eben jeder
Therapierichtung darum, nach ihren Kriterien gleiche
oder bessere Wirkung zu erzielen;

Na, wenn Du vorher schreibst, „Z.B. behauptet ja auch das Soteria-Konzept bei Schizophrenie effektiv zu sein (…)“, dann kann man schon davon ausgehen, dass die Kollegen dort meinten, sie könnten Schizophrenie effektiv behandeln. Ist aber nicht der Punkt, den ich ansprechen möchte - grundsätzlich ist es eben nicht so, dass jede Therapieform eigene Kriterien für die Effektivität heranziehen kann; in der Therapieforschung werden die Ergebnisse z.B. verschiedener Therapien miteinander verglichen und gerade hier kann man durch die standardisierten Kriterien (z.B. der Symptome, die die Schizophrenieformen ausmachen) Vergleichbarkeit herstellen. Ansonsten sind ja Fälschungen und unsaubere, pseudowisschenschaftliche Arbeit viel besser möglicht. Das genauer auszuführen, sprengte aber hier den Rahmen.

und hier im Falle von Soteria wäre ein solches Kriterium eben:
Verzicht auf Medikamente (und da ist Soteria eben
höchst-wirksam; die Frage ist nur; wie wichtig ist dieses
Kriterium?, etc…das ist der Punkt, den ich meinte)

Äh, also stimmst Du mir doch zu? Das ist genau das, worauf es ankommt (siehe meine vorangegangenen Postings).

Na, dann nehme doch auch bitte gleich noch den nächsten Satz
des Wikipedia-Eintrages mit in Dein Zitat: "Da die Qualität
der Ausbildung allerdings keinerlei staatlicher Aufsicht
unterliegt, fallen bei der Überprüfung der angehenden
Heilpraktiker je nach Bundesland zwischen 20 und 80 Prozent
der Probanden durch
Das heisst nichts anderes, als das,
was ich schon deutlich machte - und das sogar in Deinem
Wikipedia-Artikel, den jeder, auch Heilpraktiker, editieren
kann -, nämlich dass in dem einen Bundesland eine strengere
Überprüfung stattfindet und hier die Interessenten ohne
Ausbildung durchfallen, aber im nächsten auch die noch die
„Überprüfung“ absolvieren können ohne durchzufallen.

Nein, diese Interpretation stimmt nicht; der Satz heißt, dass
die „Ausbildungsinstitute“ (dem Namen nach kenne ich nur
Paracelsus), die einem versprechen, ihn -für relativ viel
Geld- durch die Prüfung zu bringen, nicht staatlich
kontrolliert sind, und deshalb teilweise so mangelhaft
ausbilden, dass der Proband an der Prüfung scheitert;

Nö, das stimmt nicht - in dem von mir zitierten Wikipedia-Text gibts nichts zu interpretieren. Da steht (und Du kannst es ja auch im Gesetz nachlesen, den Durchführungsverordnungen und auch in diversen weiteren Quellen), dass die Gesundheitsämter unterschiedliche Prüfungen ablegen lassen. Deine Meinung, dass die Ausbildungsinstitute auch noch schlechte Lehre machten, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Es existieren jedoch tatsächlich die beriets angesprochenen Kurse, die über ein Wochenende die angehenden „Heilpraktiker“ auf die Prüfung vorbereiten, vergleichbar mit den Ausbildungsstätten, die auf den „Idiotentest“ vorbereiten. Wenn Du meinst, dass dies nicht unbedingt die einzige Grundlage des Heilpraktikers sein sollte, stimme ich dem voll und ganz zu und dem entspricht auch der Inhalt meiner vorangegangenen Postings.

das hat nichts mit dem HPG oder einzelnen Heilpraktiker selbst
zu tun (und dieses Phänomen gibt es in absolut allen Bereichen
des Wirtschaftslebens oder auch schulischer Ausbildung)

Natürlich hat es damit zu tun - die Ausbildungsstätten würden doch wohl kaum diese Kurse anbieten, wenn es nicht einen Markt dafür geben würde. Und dieser speist sich doch aus der Masse von Menschen, die durch die Gesetzgebung eine einfache Möglichkeit haben, sich einen Beruf ohne langwierige Ausbildung zu schaffen. Das HPG setzt ja explizit keine Ausbildung voraus.

Ja, Moment: aber auch nur, wenn sich die einzelnen
Gesundheitsämter auch wirklich danach orientieren - und das
ist uneinheitlich. Und die Orientierung (wie auch das Gesetz
selber) sagt nichts über die Ansprüche aus. Es mag in einem
Gesundheitsamt genügen, einen Multiple-Choice-Test
auszufüllen, während im nächsten unter Zeitbegrenzung eine
Abhandlung geschrieben werden muss, beides z.B. zu
Entstehungstheorien bestimmter psychischer Störungen. Die
Orientierung am Stoff ist dann zwar in beiden Fällen gegeben,
aber der zweite Fall ist ungleich schwieriger.

Ja, das ist tatsächlich ein Problem!

Dann sind
natürlich noch die Bewertungskriterien willkürlich festgelegt,
reichen in einem Fall x Punkte zum Bestehen, müssen es im
nächsten Fall y Punkte sein.

Das weiß ich nicht

Ich finde das alles nicht sehr
überzeugend -

ich auch nicht, aber wie gesagt: das kann man genausowenig dem
Heilpraktiker anlasten, wie dem saarländischen Abiturienten,
dass in seinem Bundesland kein Zentralabitur ist (ich weiß gar
nicht, ob das jetzt genau für das Saarland tatsächlich trifft,
aber den Sachverhalt trifft es jedenfalls)

Ich laste es keinem Heilpraktiker an, dass es keine einheitliche Ausbildung gibt. Ich machte nur darauf aufmerksam, dass es für den Heilpraktiker aufgrund mangelnder gesetzlicher Grundlagen nicht besonders gut aussieht (wer hat schon Vertrauen, wenn er nicht sicher sein kann, dass der HP, der ihm gegenübersitzt, als Nachweis für seine Berufsbezeichnung keine Ausbildung benötigte?) und die Heilpraktiker daher eine inhomogene Masse darstellen mit ausgebildeten Psychologen auf der einen Seite und ungebildeten Scharlatanen, die ausschließlich einen Wochenendkurs zur Prüfungsvorbereitung besuchten, auf der anderen Seite. Der Vergleich mit dem Abiturienten hinkt, denn der kann sich seine Ausbildung aufgrund der Wohnortbindung im Normalfall nicht aussuchen, ein Heilpraktiker kann jedoch dahin gehen, wo er die beste Ausbildungsmöglichkeit bekommt.

insgesamt sind die Psychotherapeuten (HPG) eine
sehr heterogene Masse mit sicherlich hochqualifizierten Leuten
auf der einen Seite (z.B. den von der Überprüfung
freigestellten Psychologie-Absolventen) und Laienhelfern auf
der anderen Seite, die keine Ahnung haben

Ok, möglich, aber…

Na, siehst Du.

und den bei vielen
Heilpraktiker-Ausbildungsstätten angebotenen
Kurzinformations-Veranstaltungen, die mit den
Idiotentest-Vorbereitungen sicherlich eher vergleichbar sind
als mit einer fundierten Ausbildung.

… ich kann mir nicht vorstellen, dass die einzelnen
Gesundheitsämter tatsächlich die Schwere der Prüfungen nach
Gutdünken festlegen können; auch diese unterstehen ja
staatlicher Kontrollinstanzen

Nö, die können das schon für sich festlegen.

Ja und ja. Aber die „schweren“ Eignungsprüfungen halte ich
dann immer noch für wenig aussagekräftig, solange nicht
gesetzlich gefordert wird, dass ein Ausbildungsnachweis zu
erbringen ist.

Wofür benötigst Du den Ausbildungsnachweis? Wenn jemand eine
aussagekräftige (das ist ja die Crux der Sache) Prüfung
bestanden hat, dann ist er definitv qualifiziert, ob er sich
das nun im Eigenstudium angeeignet hat oder ein teures
Internat besucht hat, ist doch dann vollkommen egal;

Naja, dann setzt Du aber eine Qualität der Prüfung voraus, die es nicht (nicht nur nicht überall) gibt - darum geht es ja. Laut Gesetz ist sogar von der Prüfung nur nachzuweisen, dass keine Gefahr vom Prüfling ausgeht. Da wäre es doch besser, wenn man das Gesetz ändere und eine Ausbildung verlangt.

als Magister-Philosoph werde ich ja auch nicht danach gefragt,
welche Scheine ich in welchen Seminaren bei welchen Dozenten
in welcher Reihenfolge gemacht habe.

Das hat ja auch damit nichts zu tun, weil die Ausbildungsinhalte im Studium vorgegeben sind. Vergleichbar wäre es erst, wenn man einen Philosophie-Magister bekommt, indem man an irgendeiner Uni z.B. einen Fragebogen als Prüfung ausfüllte ohne andere Voraussetzungen erfüllt zu haben, als nicht so kriminell zu sein, dass man eine Gefahr darstellt als Philosoph, mindestens 25 Jahre alt zu sein, ausreichend gesund zu sein und den Hauptschulabschluss zu haben. Von Scheinen für Prüfungszulassungen wäre dann ja nicht die Rede. Aber im Studium musst Du ja schon bestimmte Ausbildungsnachweise erbringen, damit zu Prüfungen zugelassen wirst - das sind ja die Scheine. Und nachfragen, welche Scheine das gewesen sind, braucht man einen Philosophen nicht, denn der muss ja bestimmte gemacht haben, sonst hätte er keine Prüfung absolvieren dürfen. Dein Vergleich hinkt.

Na, spricht es denn besonders dafür, wenn als Mindestforderung
der Hauptschulabschluss und der Nachweis, dass keine
Gesundheitsgefährdung vom Interessenten ausgeht so für die
Heilpraktiker? Ich denke, diese Anfordeungen sind
selbstverständlich; viel besser würde es den HPn doch stehen,
wenn gesetzlich verankert wäre, dass es eben nicht ausreicht,
die niedrigste Schulbildung absolviert zu haben und keine
Gefahr für die Allgemeinheit darzustellen.

Mich persönlich interessiert die Schuldbildung eines
Heilpraktikers eigentlich überhaupt nicht, solange ich sicher
sein kann, dass er einigermaßen qualifiziert ist; und das soll
eben sein Eignungstest leisten.

Und das kann der leider nicht.

Überhaupt muss ich mal loswerden, dass es genauso großer
Schwachsinn ist, den Psychologen einen Numerus clausus
vorzusetzen, als hätte die Befähigung zum Psychologiestudium
irgendetwas mit der Abi-Note zu tun; das finde ich einfach nur
kleinkariert

Hat damit auch nichts zu tun, sondern mit der Menge an Interessenten und der knappen Anzahl Studienplätzen. Die Abi-Noten sind übrigens korreliert mit Prüfungsergebnissen (zumindest bei den Psychologen).

(übrigens, nur um dem Neid-Hinweis vorzubeugen:

Der wär nicht von mir gekommen.

mit meinem Abi hätte ich (fast) jeden NC genommen, jedenfalls
den der Psychologie :wink:

Auch dem aktuellen? Immerhin wird der NC ja jedes Semester neu ausgerechnet… und kann dann auch höhere Anforderungen haben als manch anderes NC-Fach…

das HPG besagt: „…nicht zu einer Gefahr für die
Volksgesundheit“; wie kannst Du daraus schließen, dass dafür
bereits „geringes Grundwissen“ ausreicht? Daraus lässt sich
erstmal gar nichts schließen! Und die Gesundheitsämter
schließen daraus: „Staatsexamina-Orientierung“.

Ach ja? Bist Du die Gesundheitsämter?

Nein, ich hätte dazu schreiben sollen: laut Wikipedia und
anderen Quellen, die sich so finden lassen;
um es klar zu sagen: wir führen hier zum Großteil eine
Scheindebatte, weil keiner von uns beiden sich mit der
rechtlichen und faktischen Ausbildungslage der HP so richtig
gut auskennt.

Immerhin bin ich in der Therapieforschung beschäftigt…

Nö, Du kannst die Kosten steuerlich geltend machen.
Welche
empirischen Untersuchungen meinst Du denn? Etwa die zur
Therapieevaluation? Die haben aber nichts mit der
Zugänglichkeit zu einer Therapie zu tun, oder ob die Kasse sie
bezahlt.

Ich meine ganz grundsätzlich schon die Binsenweisheit, dass
sich der Normalbürger, der die Wirksamkeit von
Therapierichtungen selbst kaum einschätzen können wird, ganz
selbstverständlich für eine derjenigen entscheidet, die von
seiner KK übernommen wird.

Das ist so allgemein nicht zu sagen, denn oft richtet sich der Patient nach den Empfehlungen des ersten Ansprechpartners (z.B. Hausarzt, Freunde, Bekannte), es ist aber zu hoffen, dass eine Entscheidung für eine von der Kasse finanzierte Form erfolgt, denn da kann man (mit der Ausnahme der PA und ähnlichem) jedendfalls sicher sein, dass eine wissenschaftliche Grundlage des Verfahrens existiert und Nachweise für die Wirksamkeit erbracht wurden.

Damit schließe ich dann ebenfalls das Thema.

Viele Grüße

Viele Grüße
franz

1 „Gefällt mir“

Hallo Sam,

gut dass ich immer so weiter runterscrolle :wink:

und hier im Falle von Soteria wäre ein solches Kriterium eben:
Verzicht auf Medikamente (und da ist Soteria eben
höchst-wirksam; die Frage ist nur; wie wichtig ist dieses
Kriterium?, etc…das ist der Punkt, den ich meinte)

Äh, also stimmst Du mir doch zu?

Ja, in diesem Punkt stimme ich Dir zu;
nicht aber darin, dass sich so einfach Verfahren zum Therapievergleich aufstellen lassen;

diese ergreifen meiner Meinung nach unweigerlich(!) immer Partei für die eine und gegen die andere Therapierichtung - und zwar nicht in den Ergebnissen der Vergleichsstudien (was ja der Sinn der Studie wäre), sondern eben bereits im Aufbau der Studie, in den Fragestellungen (was soll wie gemessen werden? was ist relevant? was soll als Therapieerfolg gewertet werden? etc.)

Das ist genau das, worauf es
ankommt

Richtig!!!

das hat nichts mit dem HPG oder einzelnen Heilpraktiker selbst
zu tun (und dieses Phänomen gibt es in absolut allen Bereichen
des Wirtschaftslebens oder auch schulischer Ausbildung)

Natürlich hat es damit zu tun - die Ausbildungsstätten würden
doch wohl kaum diese Kurse anbieten, wenn es nicht einen Markt
dafür geben würde. Und dieser speist sich doch aus der Masse
von Menschen, die durch die Gesetzgebung eine einfache
Möglichkeit haben, sich einen Beruf ohne langwierige
Ausbildung zu schaffen. Das HPG setzt ja explizit keine
Ausbildung voraus.

Naja, das HPG setzt aber doch die Existenz eines bestimmtes Wissens voraus, welches für das Bestehen der Überprüfung vorhanden sein soll.
Ob nun dieses Wissen im Rahmen einer geregelten Ausbildung erworben worden ist (etwa bei Paracelsus und den vielen anderen Anbietern) oder autodidaktisch, halte ich für völlig irrelevant.

Genauso wie es irrelevant ist, ob der Student seine Leistungsnachweise durch Besuch der Vorlesung oder durch Nachlesen im Skript erwirbt…
(ich halte diese Vergleiche durchaus für aussagekräftig; dazu unten)

(wer hat
schon Vertrauen, wenn er nicht sicher sein kann, dass der HP,
der ihm gegenübersitzt, als Nachweis für seine
Berufsbezeichnung keine Ausbildung benötigte?)

  1. kann der Patient natürlich sehr wohl sicher sein, dass der HP eine bestimmte Mindestkompetenz besitzt (ich glaube, das kann man bei jeder Gesundheitsamt-Willkür-Problematik nicht wegdiskutieren).

  2. ist die Frage nach dem Vertrauen natürlich bei jeder Form von Psychotherapie unbestreitbar eine sehr heikle, die PsA hat diesen Aspekt ja sehr ausgiebig diskutiert, und die VT erkennt ihn ja genauso an.

Ich persönlich als Patient würde also dem HP durchaus vertrauen, was wohl vor allem daran liegt, dass ich auf Grund meiner Kenntnisse relativ schnell merken würde, was der HP mit mir in der Therapie macht;
grundlegend anders würde ich aber bei einem Diplom-Psychologen als Psychotherapeuten auch nicht vorgehen …

und die
Heilpraktiker daher eine inhomogene Masse darstellen mit
ausgebildeten Psychologen auf der einen Seite und ungebildeten
Scharlatanen, die ausschließlich einen Wochenendkurs zur
Prüfungsvorbereitung besuchten, auf der anderen Seite.

  1. sollte man sich nicht zu sehr an diesem „Wochendendkurs“ aufhängen. Er dient wohl in erster Linie der Prüfungsvorbereitung, nicht der Wissensvermittlung als solcher.

Wenn man sich vorurteilsfrei die Amtsarztfragen der HP-Prüfung anschaut, dann stellt man fest, dass sich diese ohne Vorkenntnisse nicht an einem Wochendene erlernen lassen.

  1. So sehr viel homogener sind die Diplom-Psychologen auch nicht, wenn man bedenkt, wie sehr machen tricksen müssen, um neben den anerkannten Therapieverfahren auch Elemente solcher Verfahren einbringen zu können, „von deren Wirksamkeit sie selbst überzeugt sind“.

Der große Homogenisator im Bereich der letztgenannten Psychotherapeuten ist zweifelsohne die Krankenkassenfinanzierung, welche eben bei den HP als homogenisierende Kraft wegfällt.

Und zur Frage der KK-Finanzierung kann man nicht einfach mit „wissenschaftlich erwiesen“, etc. antworten, denn ist es nicht völlig absurd, dass ein deutscher Psychoanalytiker, der der IPA verpflichtet ist, Lacansche Elemente der Analyse „unter dem Ladentisch“ einbinden muss, obwohl in allen romanischen Ländern (also Frankreich, Italien, vor allem Spanien, aber auch Mittel-und Südamerika) die AMP, also auf Lacan aufbauende Psychoanalyse, anerkannt bzw. führend innerhalb der PsA ist?

Unabhängig davon, dass Du Dir wahrscheinlich denkst „Psychoanalyse ist sowieso un-wissenschaftlich“, wirst Du wahrscheinlich zustimmen, dass in den Entscheidungen der Krankenkassen noch ganz andere Einflußfaktoren wirken als nur die „Wissenschaftlichkeit“.

Der
Vergleich mit dem Abiturienten hinkt, denn der kann sich seine
Ausbildung aufgrund der Wohnortbindung im Normalfall nicht
aussuchen, ein Heilpraktiker kann jedoch dahin gehen, wo er
die beste Ausbildungsmöglichkeit bekommt.

Das ist richtig; wie gesagt, bin ich auf jeden Fall für angemessene einheitliche Standards.

Naja, dann setzt Du aber eine Qualität der Prüfung voraus, die
es nicht (nicht nur nicht überall) gibt - darum geht es ja.
Laut Gesetz ist sogar von der Prüfung nur nachzuweisen, dass
keine Gefahr vom Prüfling ausgeht. Da wäre es doch besser,
wenn man das Gesetz ändere und eine Ausbildung verlangt.

Der einfachere Weg wäre doch ganz einfach, einen vernünftigen Prüfungsstandard zu etablieren.

Und: was für eine Ausbildung stellst Du Dir denn vor?

Der Witz des HPG ist ja gerade zu ermöglichen, dass solche Verfahren wie etwa die „Reinkarnationstherapie“ (was wir davon halten sollen, wissen wir wohl beide!) ermöglicht werden, ohne dass der „Therapeut“ damit ständig mit einem Bein im Knast steht (aus bestimmten hier nicht zu erörternden Gründen halte ich es für sinnvoll, an solchen „Therapien“ festzuhalten, auch wenn ich sie für totalen Blödsinn halte).

Mit einer einheitlichen Ausbildung (und nur eine solche kannst Du meinen) zerstörst Du aber solche Möglichkeiten, damit aber auch den Sinn des HPG.

als Magister-Philosoph werde ich ja auch nicht danach gefragt,
welche Scheine ich in welchen Seminaren bei welchen Dozenten
in welcher Reihenfolge gemacht habe.

Das hat ja auch damit nichts zu tun, weil die
Ausbildungsinhalte im Studium vorgegeben sind.

Im Philosophie-Studium (allgemein in Magisterstudiengängen) ganz bestimmt nicht; im Studium der Soziologie (obwohl Diplomstudiengang) nur im Grundstudium (soviel zu meinen Studiengängen);
und in dem der Psychologie bestehen ja auch beträchtliche Freiheitsgrade (nicht nur im Nebenfach).

Vergleichbar
wäre es erst, wenn man einen Philosophie-Magister bekommt,
indem man an irgendeiner Uni z.B. einen Fragebogen als Prüfung
ausfüllte

Ich glaube fast, Du hast ein Problem mit dem „Multiple Choice“-Verfahren; wenn solche MC-Tests korrekt gemacht sind, dann sind sie in keinster Weise weniger valide in Bezug auf den Kenntnisstand als offene Fragestellungen;

abgesehen davon besteht die HP-Prüfung aus zwei Teilen, einer MC-schriftlichen Prüfung, und einer mündlichen Prüfung.

ohne andere Voraussetzungen erfüllt zu haben, als
nicht so kriminell zu sein, dass man eine Gefahr darstellt als
Philosoph, mindestens 25 Jahre alt zu sein, ausreichend gesund
zu sein und den Hauptschulabschluss zu haben.

Ich verstehe nicht, wo ein Problem sein sollte, wenn ein 25jähriger nicht krimineller Hauptschüler in der Lage wäre, Texte auf lateinisch, englisch und französisch zu lesen, und dann die Magisterprüfung Philosophie bestehen würde.

Der Grund, weshalb man hier das Allgemeinabitur als Voraussetzung verlangt, ist der, dass das Studium dem Staat teuer kommt, und dieser deshalb nicht bereit ist, in einen Hauptschüler das Vertrauen zu setzen, dass er trotz geringerer schulischer Vorkenntnisse ein solches Studium erfolgreich bestehen könnte.

Der HP kostet aber dem Staat keinerlei Ausbildungskosten, die Prüfungskosten von ca. 500 Euro muss er alleine bezahlen; also warum sollte dann ein bestimmter Schulabschluss eingefordert werden?

Die Tatsache, dass die Durchfallquote bei den HP (ich weiß leider nichts genaues darüber, wie hoch die „Abbruchquote“ ist, schätze sie aber als sehr hoch ein) relativ hoch ist, zeigt doch anschaulich, dass eben bei vielen, die auf eigene Kosten den Versuch unternommen haben, solche schulischen Vorkenntnisse fehlen, und deshalb die Prüfung nicht bestanden wird (hier wird also einfach die Selektion nach-verlagert).

Ich gehe stark davon aus, dass unter den HP unter 50 Jahren Hauptschüler sehr stark unterrepräsentiert sind, warum sollte man also auf diesem Punkt so rumreiten?

Von Scheinen für
Prüfungszulassungen wäre dann ja nicht die Rede. Aber im
Studium musst Du ja schon bestimmte Ausbildungsnachweise
erbringen, damit zu Prüfungen zugelassen wirst - das sind ja
die Scheine.

Ja, ich habe zum Beispiel in Psychologie einen Schein gemacht, weil ich mit einer Freundin, die Psychologie im Hauptfach studiert, gewettet habe, dass ich die Püfung bestehe, ohne auch nur einmal die Vorlesung zu besuchen. Ich habe den Schein bekommen, meine Freundin nicht, obwohl sie immer in der Vorlesung war, also „Ausbildung“ hatte;

entscheidend ist doch Wissen, nicht eine Formalie, denn wäre es „besser und sinnvoller“ gewesen, sie hätte den Schein bekommen und ich nicht?

Und nachfragen, welche Scheine das gewesen sind,
braucht man einen Philosophen nicht, denn der muss ja
bestimmte gemacht haben, sonst hätte er keine Prüfung
absolvieren dürfen. Dein Vergleich hinkt.

Nein, ganz und gar nicht, denn in Philosophie hatte ich nur zwei absolute Pflichtscheine; ansonsten hätte ich meinetwegen alle anderen Scheine zu Plotin machen können, dennoch hätte ich aber die Philosophie-Prüfung bestehen müssen, nicht die Prüfung in Plotinismus.

Mich persönlich interessiert die Schuldbildung eines
Heilpraktikers eigentlich überhaupt nicht, solange ich sicher
sein kann, dass er einigermaßen qualifiziert ist; und das soll
eben sein Eignungstest leisten.

Und das kann der leider nicht.

Doch das kann er in den meisten Fällen sehr wohl, was er leider nicht kann, ist dieses Können zu garantieren, weil hier die notwendige Standardisierung fehlt.

Überhaupt muss ich mal loswerden, dass es genauso großer
Schwachsinn ist, den Psychologen einen Numerus clausus
vorzusetzen, als hätte die Befähigung zum Psychologiestudium
irgendetwas mit der Abi-Note zu tun; das finde ich einfach nur
kleinkariert

Hat damit auch nichts zu tun, sondern mit der Menge an
Interessenten und der knappen Anzahl Studienplätzen.

Wenn es damit überhaupt nichts zu tun hätte, dann könnte man genauso die Plätze verlosen, oder mehr Plätze schaffen, was ich für das sinnvollste und auch für völlig problemlos halte.

Die
Abi-Noten sind übrigens korreliert mit Prüfungsergebnissen
(zumindest bei den Psychologen).

Das sind sie wohl in vielen Studiengängen, jedenfalls auch bei den Soziologen (da musste ich sogar mal als „Praktikum“ das Ausmaß der Korrelation berechnen) und auch bei den Philosophen;

das hat in erster Linie wohl mit allgemeiner Lernfähigkeit und der Beherrschung von Lerntechniken zu tun, sagt aber noch nicht so viel darüber aus, was dann später der feldforschende Soziologe oder der therapierende Psychologe leistet.

(übrigens, nur um dem Neid-Hinweis vorzubeugen:

Der wär nicht von mir gekommen.

Freut mich :wink:

mit meinem Abi hätte ich (fast) jeden NC genommen, jedenfalls
den der Psychologie :wink:

Auch dem aktuellen? Immerhin wird der NC ja jedes Semester neu
ausgerechnet… und kann dann auch höhere Anforderungen haben
als manch anderes NC-Fach…

ich kenne den aktuellen NC nicht, aber ich glaube mit meinen 1,5 in Bayern (nur gegen die Bayern muss ich ja konkurrieren!) hätte ich gute Chancen.

Immerhin bin ich in der Therapieforschung beschäftigt…

Fass es nicht als Beleidigung auf, so ist es auch gar nicht gemeint, aber hier geht es um Gesetzestexte, deren Auslegungen, faktischen Standards, etc., Therapieforschung ist „andere Baustelle“.

Das ist so allgemein nicht zu sagen, denn oft richtet sich der
Patient nach den Empfehlungen des ersten Ansprechpartners
(z.B. Hausarzt, Freunde, Bekannte), es ist aber zu hoffen,
dass eine Entscheidung für eine von der Kasse finanzierte Form
erfolgt, denn da kann man (mit der Ausnahme der PA und
ähnlichem) jedendfalls sicher sein, dass eine
wissenschaftliche Grundlage des Verfahrens existiert und
Nachweise für die Wirksamkeit erbracht wurden.

Naja, der Glaube versetzt halt auch Berge - in beide Richtungen :wink:

Damit schließe ich dann ebenfalls das Thema.

Viele Grüße
franz