Wm 54

Hallo Leute,
bin neu hier und hab was auf dem Herzen…
Wieso hat Deutschland in der Vorrunde 2x gegen die Türkei gespielt und nie gegen Südkorea (obwohl die auch in der Vorrundengruppe waren)?
Und welchen sinn soll das ganze gehabt haben?
Viele Grüße an alle!

Hallo

http://www.fussballdaten.de/wm/1954/bericht/

Kurz zitiert:

Eine Mischung aus Punktewertung und K.o.-System sollte diesmal
praktiziert werden. Da den Teams allerdings nicht so viele Spiele
zugemutet werden sollte, wurden zwei Nationen je Gruppe gesetzt, die
nicht gegeneinander spielen brauchten.

Und:

Da die Türkei Südkorea 7:0 überfahren hatte, mussten die Deutschen
ein zweites Mal gegen die Männer vom Bosporus antreten.

Gruss, Patrick

Hallo.

bin neu hier

Na dann : Willkommen …

Wieso hat Deutschland in der Vorrunde 2x gegen die Türkei
gespielt und nie gegen Südkorea (obwohl die auch in der
Vorrundengruppe waren)?

Und welchen sinn soll das ganze gehabt haben?

In Ergänzung zu Patrick : Die drei Weltmeisterschaften vor dem zweiten Weltkrieg hatten im wesentlichen den Charakter von Kontinentalmeisterschaften (die Europäer wollten nicht so gern nach Südamerika und andersherum). Deswegen war es auch nicht ganz so gravierend, wenn eine Mannschaft sich nach nur einem Spiel aus dem laufenden Turnier verabschieden musste. Man führte also die „WM“ im K.O.- System aus (mit der Ausnahme Uruquay 1930 - das aber auch nur, weil sich, s.o., eh nur ein Mini-Teilnehmerfeld ergeben hatte).

Nach dem Krieg war die 50er WM an der Reihe, und es fand ein teilweises Umdenken statt. Den 6 angereisten europäischen Teams wollte man mehr als ein Spiel bieten und spielte deswegen eine Gruppenrunde (die nach Absagen diverser Teams zur Farce wurde, wie in der „Gruppe“ mit Uruquay und Bolivien), aber auch, um dem brasilianischen Verband ein paar Kröten an zusätzlichen Einnahmen zu verschaffen.

Im Vorfeld der WM 1954 diskutierten nun die Koniferen des Fußballverbandes darüber, wie man es vermeiden könnte, dass die in den letzten Runden des Turnieres zu erwartenden Mannschaften zu viele Spiele austragen müssten. Nun legte man das Ei, dass die „Favoriten“ (aus Sicht der FIFA) „gesetzt“ wurden, dass „Gesetzte“ nicht gegeneinander spielen mussten und außerdem ein „Gesetzter“, falls nach den planmäßigen Spielen punktgleich mit einem „Ungesetzten“, nochmals gegen diesen zu spielen hatte (mit dem Hintergedanken, dass zwei Sensationen nacheinander kaum möglich sein dürften - man hatte noch die Blamage der Engländer gegen die USA 1950 vor Augen (die größte Sensation der Fußballgeschichte, vergleichbar mit Italien-Nordkorea 0:1 [1966]).

Chancengleichheit war wohl eher nicht gefragt. Vollends zur Lachnummer geriet das „Favoriten/Außenseiter“- Kriterium dann, als Spanien in der Qualifikation per Losentscheid an der Türkei scheiterte. Spanien wäre gesetzt gewesen; statt dessen wurde in der deutschen Gruppe nun die Türkei gesetzt, obwohl keineswegs eine Fußball-Großmacht.

Ungarn und die Türkei durften also Südkorea die Bude vollhauen und wären mit einem Unentschieden gegen Deutschland bereits in der nächsten Runde gewesen. Ungarn-Deutschland 8:3 war keine Sensation; Deutschland musste also zweimal gegen die Türkei gewinnen. Was man bekanntlich auch tat.

Außer den Türken schieden auch die Italiener (nach ebenfalls zwei Spielen gegen die Schweiz) und die Franzosen (Niederlage gegen Jugoslawien) bereits in der Vorrunde aus. Von 8 „Gesetzten“ waren also 3 nach der Vorrunde passé, was diesen Modus für alle Zeiten verbrannte. Ein wenig später zu dieser Zeit musste dann Rahn aus dem Hintergrund schießen, Rahn schoss, Tor. Ein „Ungesetzter“ war Weltmeister geworden und hatte die zuständigen Greise der FIFA endgültig blamoren.

Bei späteren WM-Turnieren umging man das Dilemma, auf Zuschauer- (und dann natürlich auch Fernseh-) Magnete verzichten zu müssen, durch geschickte Spielansetzungen, wie 1978 in der zweiten Finalrunde (Argentinien-Peru) oder 1982 in der ersten (Deutschland-Österreich). Zumindest beim zweiten genannten Spiel wurde es dann gar zu offensichtlich, so dass seither nicht mehr durch Spielansetzungen, sondern nur noch durch gewöhnlichen Beschiss zur Laufzeit Einfluss auf den Turnierverlauf genommen werden kann …

Gruß Eillicht zu Vensre