Hallo allerseits, es klingt vielleicht ein bisschen altmodisch, aber ich würde mein Brot gern öfter in einer regionalen Bäckerei kaufen als im Supermarkt. Mir gefällt einfach das Handwerk an sich und ich möcht es auch wieder mehr schätzen. Außerdem verbind ich schöne Kindheitserinnerungen damit, allein schon wegen des Geruchs in einer Bäckerei.
Jetzt gibt es im Raum Wien und Umgebung viele Bäcker, die sicher gut sind. Ich möchte bei Gebäck und Brot lieber zu biologischen Produkten greifen. Deswegen frag ich alle werten Brotesser da draußen, wo ihr regionales, frisches Bio-Brot im Raum Wien kauft? Kennt ihr vielleicht nette Familienbetriebe? Bin gespannt auf eure Erfahrungen damit.
Ach - welche tollen Erinnerungen - bei mir DDR - Rostock! Ich kenne das von da auch noch aus den 70gern: Eine Bäckerei hat man schon in mehreren 100 Metern Entfernung gerochen - so ab 100m drum herum, war der Geruch so stark, als man ihn heute vielleicht 1-2m um den Backofen herum hat. Die Fensterscheiben im Bäcker waren triefend nass vor Feuchtigkeit, das wasser lief dort in Bahnen herunter, die Bäcker waren weiß gekleidet mit Mützen… und es hat sich am Samstag um 7-8h natürlich eine Schlange gebildet von 10-20m vor dem Geschäft, da nur 5-10 Personen rein passten und man musste 20-30 min. warten, bis man dran kam - da die Ausbringung nicht so war wie bei heutiger Industrieware… Es gab Schrippen und Knüppel (mit Milch) bei uns.
Die Kehrseite war, dass die langsame Teigführung und das fehlen vieler Vorprodukte (außer Sauerteig…) natürlich dazu führte, dass die Bäcker ich glaube um 23 - 01h angefangen haben mit arbeiten / vorarbeiten. Da wird’s heute extrem schwierig mit den Arbeitszeiten und sozial verträglichem Leben - außer natürlich wenn man schichten muss (Gesundheitswesen…).
Vielleicht gibt es in 20-30 Jahren so etwas mal wieder, wenn künstliche Intelligenz zusammen mit Roboter oder manuelle autarke Technik (kneten von flexiblen Teigen) so weit ist, so was autark zu händeln und die Nachfrage danach noch weiter wächst, wenn wir z.B. in Rente kommen und so etwas wieder wollen wie in der Kindheit.
Aber im Moment kann ich dir in unserer Umgebung (Tübingen) auch keine solchen Bäcker nennen, die letzten der Art haben während Corona zugemacht. Ich muss mir jetzt mal ein Brötchen aufbacken um in Erinnerungen weiter schwelgen zu können. Grüße nach Wien!
gibt es denn den Brunnenmarkt im 16. und den Naschmarkt in Magyarhilf nicht mehr?
Es ist mir völlig unvorstellbar, dass es heute, wo Krethi und Plethi der „Bio“-Mode nachrennen, egal ob sie wissen, was „Bio“ bedeutet oder auch nicht, in Wien keine handwerklich arbeitenden Bäckereien geben soll, die „Bio“ Brot anbieten.
Natürlich gibt es auch in Tübingen (einem der „Zentren“, wo sich im Zuge ihrer Gründung die „Grünen“ sammelten, mit der ältesten „Bio“-Szene im Württembergischen) „Bio“-Brot und in jeder deutschen Stadt mit einigermaßen zentraler Funktion. Wie sollte es in Wien keines geben?
Den Naschmarkt kann man großteils vergessen, in jüngerer Vergangenheit zur “Flaniermeile" verkommen, fast nur noch Gastro. (Dank dem ungefragten Alleingang der Grünen wildgewordenen Hühner)
Außer dem legendären Flohmarkt, der darf aber nur noch bis 13.00.
“Ungarshops" sind in den 90ern so schnell verschwunden wie aufgetaucht.
Den Brunnenmarkt gibt’s natürlich noch, da Tummeln sich Raketes’ Freunde.
Was ich eigentlich mit meiner Abhandlung sagen wollte ist, dass man “gute” Bäcker an Ihrem Duft in einem größeren Radius erkennt. Das gibt es m.E. bei uns in der Region heute so gut wie nicht mehr. Sind alles nur noch Teiglinge-Aufbacker-Bäcker.
Als ich dort war (ich müßte allerdings rechnen - ist eine Weile her) gab es dort kulinarisch ungefähr alles, was in irgendeiner Ecke Groß-Kakaniens angebaut wurde, und zu meiner Freude (wenigstens „damals“, muss in den Nuller Jahren gewesen sein) keineswegs überkandidelt, sondern wie man halt auf den Markt geht.
Fischer - Gehr - Veit (um mal bei Dibenga zu bleiben): Alles nur „Aufbacker“ ? - ich glaube, wenn Du das einem von den Dreien (und es gibt noch mehr) sagst, hörst Du eine Probe von der guten alten Grobheit aus der Gogerei.
(Ach, wenn wir grad dabei sind - eine Szene aus der Zeit, als in Dibenga und Reidlenga noch Wingert am Neckar standen:)
Kurz vor der Lese, ein frisch zugereister Altphilologe ergeht sich lustwandelnd in den Dibenger Wingerten - dass man dort die Wochen vor der Lese nicht reindarf, ist ihm nicht bekannt. Da hört er den Bammert:
- Maaachsch Du dass Du dohanne rauskommschd oder i schlaa Dr d’Fiaß a dass D’ auf de Schdompa hoimkrattla kaasch!
- Oh Verzeihung - ich wusste nicht, dass es verboten ist, hier zu Fuß zu gehen!
Oh-oh! Wenn der geneigte Österreicher etwas überhaupt nicht ausstehen kann, dann die “Lieblingsnachbarn" (zwischen spitzen Zähnen ausgesprochen), noch weniger als die Türken und Ex-Yu zusammen.
Alles Teiglinge! Die sind zwar hochwertiger als Supermarkt aber auch weit weg von der traditionell hergestellten Ware. Natürlich wird das niemand der Gilde gern hören.
Ja zu den Goke Witzen gibt es viel köstliches - weiß gar nicht ob ich die darbieten kann als Reig’schmeggder:
Stehen ein Goke (Tübinger) und ein Berliner auf der Neckarbruck und wollen Dichter-Wettstreit machen.
Berliner: Ick steh hier auf der Neckarbrück und spuck den Fischen ins Jenick.
Schwabe: Ich stand hier uff der Neckarbruck und steck den Finger in den Arsch.
Hochdeutscher: Aber das reimt sich doch gar nicht?
Schwabe: Aber dichte tut’s.
Schieben 2 Goka einen Jauchefass den Berg rauf - um den Acker / Weinberg zu düngen - und wie es kommen muss, verlieren sie es ungeschickt und es rollt den Berg ra und zerschellt komplett. Darauf der eine: Jetzt henn ma wieder oi Johr umsuschd bronzt und gschissa.
Steht ein Hochdeutscher am Neckar und trinkt.
Drauf der Schwabe: Ha des koschd doch edd dringa des Dreckszeich.
Darauf der Hochdeutsche: Wie bitte? Ich habe sie nicht verstanden!
Darauf der Schwob: Trink langsam, des Wasser isch doch kalt!
allerdings sind Gôga nicht Dibenger, sondern bloß die Dibenger wo aus dr Gôgerei (zwischen Kornhausstr. - Ammergasse und Stadtgraben - Kelternstraße) drhoi sent.
Ond zomma
sait ma z’Dibenga
Dräggszuig!
Vom Gehr weiß ich, dass er a) „Bio“ (Kontrollstelle DE-ÖKO-006) im Sinn der Anfrage macht und b) handwerklich im Sinn von klassischem Sauerteig und langer Teigführung bäckt.
Und jetzt kommst Du: Was verstehst Du konkret unter „Teiglingen“? Wie genau werden diese hergestellt, und woran erkennt man das „Aufbacken“ - das beiläufig auch in industrieller Bäckerei niemals mit Brot, sondern immer nur mit Kleingebäck praktiziert wird.
Auch der Gehr kriegt Teiglinge angeliefert und backt vor Ort nur diese dann im Ofen aus.
Die Unterbrechung im Backvorgang meine ich mit Teiglingen, die zentral industrieller gefertigt werden und in die lokalen Geschäfte dann verteilt werden. Das Endprodukt ist m.E. näher am Supermarkt als an dem was ich handwerklich nenne.
Bis vor kurzem gab es in Holzgerlingen (Bäckerei Binder hieß er) in der Ortsmitte noch einen lokalen Bäcker - das Ergebnis dort hat besser geschmeckt. Solche Qualität sucht man in der Region hier Tü/RT umsonst.
Ja es gibt Goga und … ?
Fällt mir leider nicht mehr ein wie die Gegenspieler hießen.
Und was „Teiglinge“ eigentlich sein sollen, hast Du immer noch nicht erklärt. Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich dabei um Wortgeklapper handelt?
mir ging es eher darum, @FritzFreundlich auf seine Frage hin keinen Stuß zu erzählen. Aber sei’s drum - wenn er lernt, dass das, was alle plappern, schon irgendwie richtig sein wird, kommt er in einer Umgebung von kinschdlichen Deppen umso besser zurecht…
In Wien gibts schon noch einige Bäckereien. Kleine Familienbetriebe jetzt nicht unbedingt aber ich zähle da jetzt auch die Bäckereiketten dazu. Die haben auch schon viel bessere Qualität als der Supermarkt oder gar Discounter. Ich hole mir mein Brot immer bei der Bäckerei Geier. Die haben viel Bio Ware und Zutaten aus der Region (deshalb gibt es die auch nur in Wien und Teilen Niederösterreichs).
Für die Bobos gibts noch andere Bäcker mit teilweise unverschämten Preisen. Aber da kaufe ich lieber zu faireren Preisen ein. Habe halt das Glück, dass es noch einen Bäcker bei mir in der Nähe gibt. Vielleicht würde ich sonst auch alles im Supermarkt kaufen.
@oldy22 Meine Frage hat bei dir scheinbar auch einige Erinnerungen geweckt. Du verstehst, was ich meine. Und der Duft in den Straßen, um den geht es ebenso. Habe scheinbar auch eine Diskussion über die Bäckereiqualität in unserem lieben Nachbarland angeregt. Gut so.
Für mich wäre die Arbeit in einer Bäckerei nichts. Arbeiten immer in der Nacht wär ein Stress für mich persönlich. Was die Roboter betrifft, so weit möcht ich trotzdem nicht denken. Eine Bäckerei lebt ja auch davon, dass viele Produkte hochwertige Handarbeit sind. Sonst kann ich’s gleich weiter im Supermarkt kaufen.
@Zynotom Geier hab ich mal gesehen, bin aber noch nie drinnen gewesen. Es klingt aber gut, wenn der Betrieb nur in Wien und Niederösterreich verkauft und seine Zutaten aus der Region bezieht. Vielleicht probier ich den mal. Mir ist es mittlerweile wert extra beim Bäcker vorbeizugehen als das Brot im Supermarkt mitzukaufen.
Wie du sagst, die Bobo-Bäcker mit 15-€-Brotaiben oder ihren 6-€-Punschkrapfen, wo einer dann 2 × 2 cm groß ist, und das Ganze kommt in eine Riesen-Papierbox mit einem französischen Namen drauf, da kann ich verzichten. Das hat dann mit einer Bäckerei nichts mehr zu tun.
Brot vom Bäcker kann man nicht wirklich mit dem Supermarkt Brot vergleichen. Hin und wieder haben die zwar auch ein paar Sorten vom Bäcker, aber das meiste ist halt industriell hergestellt. Und was da alles für Inhaltsstoffe drinnen sind, will man am liebsten gar nicht wissen. Schmecken tut es ja eigentlich auch oft. Wenn man da auf etwas bessere Qualität wert legt, muss man echt lange suchen oder man geht eben gleich zum Bäcker. Und es gibt ja auch beim Bäcker günstigere Alternativen. Also so groß ist der Unterschied da gar nicht.