… na hier!
Hallo Karin,
ellenlange Postings über Altnazis, die aus dem politischen
Leben verschwinden sollten.
Wen meinst du denn damit? Glaubst du Hohmann wäre ein Altnazi? Man könnte nun die Rede von Hohmann einmal lesen. Falls noch nicht geschehen, bitte hier nachholen:
http://www.heise.de/bin/tp/issue/dl-artikel.cgi?arti…
Dann wird sicherlich vieles befremdend klingen und man kann sich über die Motive dieser nicht sehr gelungenen Rede Gedanken machen. Gepaart mit Hintergrundinformationen, die aus den w-w-w-Reihen kommen, kann man sich auch gerne ein eigenes, vielleicht vernichtendes Bild dieser Person machen. Aber diese Pauschalisierung „Altnazi, soll aus dem politischen Leben verschwinden“ sind typisch für dieses Land.
Es gibt so viele Themen in Deutschland, die es wert sind
aufgegriffen zu werden - aber hier beisst man sich an
rechtsorientierten Dumpfbacken fest, die aus der Vergangenheit
nichts gelernt haben.
Hier kann ich auch nur empfehlen, die Rede der „rechtsorientierten Dumpfbacke“ zu lesen. Der erste Teil der Rede befasst sich ausschließlich mit der wirtschaftlichen Situation in Deutschland. Natürlich populistisch, auf BILD-Niveau. Da wird von Viagra-Kalle und Florida-Dingens geschrieben. Da will einer Wählerpontezial vom Stammtisch binden. Warum auch nicht? Dumme Menschen wird es immer geben. Lieber sie wählen eine demokartische Volkspartei, als einen charmanten Rattenfänger am rechten Rand á la Haider, der sicher auch in Deutschland auftauchen wird.
Gibt man solchen Leuten damit nicht eine Plattform?
Da hast du sicher recht. Aber diese Plattform haben sie jetzt nun einmal. Warum sie diese haben, ist ein anderes Thema. Offensichtlich bewegt das Thema „Schuldfrage“ oder „Schlußstrich-Debatte“ die Menschen. Daher die Diskussion.
Um nicht missverstanden zu werden:
Mein Großvater war Sozialist und hat im dritten Reich immer
seine Klappe aufgemacht, wenn es um das Unrecht an
Minderheiten ging.
Man versuchte ihn mehrere Male für seine „lockeren“ Reden zur
Verantwortung zu ziehen.
Sein „Glück“ war, dass er eine Kugel aus dem Krieg im Hirn
hatte und er deshalb als vermindert Schuldfähig galt.
Die Familie hat unter dem Regime gelitten - Vertreibung -
Armut.
Ich bin stolz auf meinen Großvater.
Args … wieder dieses Rechtfertigen. Mein Oppa war Widerstandskämpfer, deshalb darf ich eine Meinung haben! Die darfst du auch haben, wenn dein Oppa eine Nazi-Größe gewesen wäre.
Ich habe mich intensiv mit dem Thema Nationalsozialismus
auseinandergesetzt und Tränen über das Schicksal vieler
betroffener Personen vergossen.
Du hast dich so intensiv damit auseinander gesetzt, daß du heute zweifelsfrei Menschen als „Altnazis“ bezeichnen kannst? Ich würde mich noch ein bißchen weiter beschäftigen, ganz ohne Tränen und mit Sinn und Verstand.
Aber irgendwann sollte Schluss sein.
Es gibt doch auch eine Gegenwart und hoffentlich eine Zukunft.
Eine interessante Feststellung. Die Berechtigung dafür ist dein Großvater? Ich finde nicht, daß Schluß sein sollte. Es hat ja nie richtig begonnen. Ich finde den hier irgendwo zitierten Text von Brode herrlich („Lieber Täter als Opfer“)
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,273199,00.html
Ich zitiere daraus:
"Kommt ein israelischer Minister zu Besuch nach Deutschland, um über den Verkauf von israelischer Software und den Ankauf deutscher Waffen zu verhandeln, eilt er als Erstes nach Dachau, Sachsenhausen oder Buchenwald, um dort einen Kranz niederzulegen und ins Gästebuch „Nie wieder Holocaust!“ zu schreiben. Fährt ein deutscher Minister nach Israel, wird er, kaum dass er gelandet ist, nach Jad Waschem geschleppt, um das Bekenntnis abzugeben, dass sich der Holocaust nicht wiederholen darf.
Es sind peinliche, geschmacklose und sinnfreie Rituale, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben."
So wahr geschrieben, herrlich. Aber der Autor ist selbst Jude und darf sowas. Es darf keinen Schlußstrich geben. Wir müssen erst mit der Aufarbeitung beginnen. Bisher haben wir das voller Betroffenheit getan und ritualisiert. Vielleicht braucht man noch ein paar Generationen. Wenn die Rollen so geklärt sind, daß es eine Gleichberechtigung gibt, keine klaren Opfer- und Täterzuordungen mehr gibt, weil alle ehemaligen Mörder tot sind, dann kann eine echte Aufarbeitung beginnen.
Wer Möglichkeiten zur Betroffenheit sucht, kann sie in
Deutschland auch an anderer Stelle finden.
Man kann z.B. Altenpflegeheime aufsuchen oder sich bei sozial
schwachen Familien über ihre Lebensumstände informieren.
Dann stelle doch hier einen Zusammenhang her. Ganz persönlich, nur für Dich. Stell Dir vor, die Bundesregierung würde einen Brief an alle Naziopfer schreiben: „Sehr geehrter Herr/Frau x, wir Deutschen haben über Jahrzehnte Millarden an die Opfer der Naziherrschaft gezahlt. Wir können aber mit keinem Geld der Welt das Unrecht tilgen, das seinerzeit begangen wurde. Daher wollen wir ab dem 1.1.04 alle diese Gelder verwenden, um die sozialen Strukturen in Deutschland zu sichern. Damit wollen wir erreichen, daß durch Bildung der jungen Generation, sowie bessere Versorgung der Alten und Schwachen im Land, kein Nährboden für fachistoide Gedanken entstehen kann.“
Und nun meine ketzerische Frage des Tages: Würdest Du eine solche Aktion unterstützen?
Gruß,
Klaus