Hallo,
aaigentlich ist ja alles schon gesagt, aber daraufhin:
Unserem Bahnspezialisten Martin May wird sicherlich auch noch
einiges zum Thema einfallen …
darf ichs noch glossieren:
ICE: InterCityExpress
Sehr komfortabler Hochgeschwindigkeitszug (bis zu 280 km/h)
auf Fernstrecken.
Vermieden werden sollte betreffend Komfort die Neubaustrecke Frankfurt Flughafen - Wiesbaden - Köln. Die dort eingesetzten ICE III haben nicht mehr die Breite der ersten beiden Baureihen, außerdem wurden einige Sitzreihen mehr hineingedrückt. Nicht schön.
Ferner gibt es einen ICE (?) - IC (?) von Nürnberg nach Dresden, der purer Etikettenschwindel ist: Nachdem die ohne Erprobung auf die Strecke geschickten Diesel-ICEs (T) kläglich versagt haben, wird der inzwischen mit ICE-weiß lackierten Nahverkehrs-Desiros gefahren. Immerhin gibts zum Trost glaube ich die Bildzeitung und in der ersten Klasse das Handelsblatt gratis - ohne Gewähr. Die armen Desiros, die eigentlich dafür gebaut sind, Schüler und Pendler mit 80km/h durch die Gegend zu schaufeln, kennen in diesem Dienst bloß zwei Fahrstufen: Leerlauf und Vollast. Der jaulende, kochende, zitternde Motor wirkt auf den Fahrgast als passende Ergänzung zu den Sitzen, die eigentlich auch nicht für den Fernverkehr gebaut sind.
Den „Metropolitan“ lass ich mal weg, nicht gedacht soll seiner werden.
EC: EuroCity
Komfortable Schnellzüge (bis 200 km/h), die deutsche (IC) bzw.
europäische (EC) Groß-Städte im festen Takt miteinander
verbinden.
Der feste Takt ist seit dem letzten großen Fahrplanwechsel abgeschafft worden, er hat insbesondere an Samstagen und in den Tagesrandlagen heftige Lücken bekommen. Positiv: Die ECs, die aus der Schweiz den Rhein entlang Richtung Köln/Dortmund unterwegs sind. Einige führen SBB-Wagen - ohne Plüsch und Plastik, aber laufen wie die Nähmaschinen. Sind angefüllt mit gelungenen kleinen Ideen (z.B. Platz zwischen den Sitzlehnen für auch größere Koffer). In der ersten Klasse bei den SBB-Parks jeweils ein Panoramawagen.
Eher plüschig, aber dem gequälten deutschen Fahrgast eine rechte Erholung sind die EC-Parks, die von der ÖBB von Passau her und von der SNCF von Saarbrücken her ins deutsche Netz kommen. Bei den österreichischen Wagen schau ich mich immer unauffällig um, ob nicht doch irgendwo „1. Klasse“ steht.
Ein grenzüberschreitendes Schmankerl auch der tschechische Speisewagen zwischen Nürnberg und Cheb - fast so gediegen wie der Ungarische von Frankfurt Richtung Budapest, der in den neunziger Jahren der Süddeutschen mal eine „Kostprobe“ wert war. Vorbei, allerdings.
Seit viele der noch brauchbaren IC-Großraumwagen in den Balkan verkauft worden sind, werden ICs in großem Umfang mit den nicht mehr benötigten, aber wegen Schrott auch nicht nach Ägypten verkäuflichen Interregio-Wagen gefahren, hinter denen sich nichts anderes verbirgt als die erste Bauserie „Büm“ von Schnellzugwagen, die nach dem Krieg entwickelt wurde und seither eine (im wesentlichen innen, mit viel pastellfarbenem Plastik) Runderneuerung bekommen hat. Man merkts aber schon, dass die guten alten Kerle für Geschwindigkeiten bei 120 bis maximal 160 km/h konstruiert sind.
Für Freunde gepflegten IC-Fahrens: Die erste Schnellzuglokomotive, die von der Bundesbahn für 200 km/h in den frühen sechziger Jahren entwickelt wurde, das mittlerweile betagte Rennpferd der Baureihe 103, ist nachdem sie schon seit Jahren endgültig aus dem Verkehr gezogen werden sollte, in einem Exemplar (die Münchener 103 245, noch in alter rot/creme Lackierung) seit einiger Zeit immer am Freitag mit IC 2365/2966 zwischen München und Nürnberg unterwegs. Ohne Museumszuschlag, und laufen tut sie wie ne Junge.
[D: D-Zug
Aus der Mode gekommener Schnellzug (aber einige fahren noch).
http://de.wikipedia.org/wiki/D-Zug ]
Vor allem Nachtzüge, soweit diese nicht CityNightLine und dergleichen wurden (schade wegen der hässlichen Namen, das Material Talgo und Neubau-Einzelwagen ist schon gut).
[IR: InterRegio
Inzwischen fast vollständig weggemehdornter Schnellzug, der
die Mittelstädte mit dem IC/EC/ICE-Netz verband.
Und ein Fassbier hats da gegeben…
Viele Interregios laufen noch, umbenannt in IC und teurer geworden. Zu erkennen an der Fahrradmitnahme, die sie von den IR geerbt haben. Wer richtige Diesel-Zugkraft erleben will, fährt mit einem der eher sporadisch verkehrenden ICs von Stuttgart über Ulm nach Lindau. Ab Ulm hört der Fahrdraht auf, da zeigt die Reichsbahn-Ludmilla BR 232, dass man vielleicht ein paar weniger hätte ausmustern sollen: Die Bundesbahn-218 war mit der Leistung überfordert.
Dies waren die weißen Züge mit dem schmalen roten Streifen, jetzt kommen die roten. Allen roten ist gemeinsam, dass sie nicht von der Kundschaft, sondern von den zuständigen Ministerien der Bundesländer bezahlt werden, weswegen die Kundschaft dieser Züge Herrn M. meilenweit am A*** vorbeigeht. Man darf u.a. nicht damit rechnen, dass bei RE und RB etwa ein Anschluss abgewartet wird, und wenns bloß zwei Minuten sind. Schließlich sollen wir ja pünktlicher werden, mit oder ohne Fahrgäste.
RE: RegionalExpress
Bummelzug, der aber nicht an jedem Bahnhof hält.
RB: RegionalBahn
Bummelzug, der an (fast) jedem Bahnhof hält.
Bummeln in dem Sinn tun beide nicht mehr überall: Sie können je nach Bauart 120 bis 160 km/h. Wenn man mit etwas Glück die inzwischen auch in die Jahre gekommenen „Silberlinge“ Bnb erwischt, hat man in diesen Zügen den relativ besten Komfort: Beinfreiheit, gepolsterte Sitze, Fenster, die sich öffnen lassen, Armlehnen etc. Die äußerlich modernsten (BR 425) sind im Inneren eine Wiedergeburt der preußischen Holzklasse. Besser Stehen, das geht nicht so aufs Kreuz.
Dort, wo mit Geschwindigkeiten zwischen 10 und 40 km/h gebummelt wird, liegt das daran, dass an der Strecke in den letzten zwanzig Jahren als einzige Investition einige Ausweichgleise heraus- und Bahnhofsgebäude abgerissen wurden, was die Leistungsfähigkeit des Oberbaus nur bedingt erhöht.
Grundsätzlich ist im Nahverkehr fast jeder Mitbewerber in irgendeiner Hinsicht besser als die Börsenfähige. Etwa wurden bei der Hohenzollerischen Landesbahn einfache leichte Triebwagen, die auch die Börsenfähige einsetzt, mit normalen Reisebus-Sitzen ausgestattet, und schon schaukelt man mit Vergnügen über die Alb und durchs Donau- und Killertal.
Die nicht von der Dehback betriebenen Linien sind bei der Reiseauskunft in der Regel an den Zugnummern („DNR“ und so) zu erkennen.
Fehlen noch ein paar empfehlenswerte Mitbewerber:
Der Flex HH-Flensburg-Tondern; die Connex-Verbindung Leipzig-Berlin-Rostock; die Karlsruher S-Bahn nach Heilbronn, Freudenstadt und Baden-Baden; die Rapsölflotte der Prignitzer Eisenbahn usw. usw.
Zurück zur eigentlichen Frage: Probieren geht über studieren, und teurer ist bei weitem nicht immer besser. Einfach mal einsteigen, solange es noch geht…
Schöne Grüße
MM