Götter – eine «moderne» Erscheinung!
Lieber Fritz
Auch wenn es für Viele schwer vorstellbar ist:
Es gab eine Zeit VOR den Religionen.
Ich versuche, dies zu beschreiben:
In der Frühzeit der Menschen war man der «Natur»
in ihrer Ganzheit wesentlich näher als heute.
Damit meine ich damit aber mehr als die Welt der
sichtbaren Erscheinungen (Umwelt, Pflanzen,
Tiere, Wetter, Jahreszeiten, Elemente …),
nämlich eben auch die unsichtbare Ebene der
Elementgeister, Pflanzengeister, Tiergeister,
Ortsgeister usw.) – darum rede ich von der Natur
«in ihrer Ganzheit».
Es gab in diesen Zeiten auch noch nicht diese
Kluft zwischen Mensch und Tier. (Bitte nicht
falsch verstehen: ich rede nicht davon, dass
sich der Mensch aus dem Tier entwickelt habe!)
Wer solcherart in den Kosmos, in dem er lebt,
eingebunden und verwoben ist, braucht keine
Götter, Priester oder Religionen.
Wir können uns heute kaum mehr vorstellen, wie
solch ein Lebensgefühl gewesen sein muss und
projizieren darum gerne UNSER heutiges Denken
und Fühlen auf diese Frühzeit des Menschen.
Daher kommen die Behauptungen wie «Die Menschen
haben doch immer etwas gesucht, woran sie
glauben konnten», und kaum jemand bemerkt, wie
haltlos und bar jeden Wissens diese sind. Schon
nur die Vorstellung, Menschen seien
veschüchterte, ängstliche Wesen gewesen, die bei
jedem Donnergrollen wimmernd zusammenzucken, ist
völlig daneben und lächerlich.
Wer sich nicht nur ethnologisch (akademisch-
distanziert) mit Schamanismus beschäftigt, wird
der Sache etwas näher kommen. Das Wirken solcher
Menschen, die aufgrund ihrer Fähigkeit, mit der
Geistwelt im Kontakt zu sein, in ihrer
jeweiligen Volksgruppe als Heiler, Seher,
Medizinmann/Medizinfrau gewirkt haben, ist bis
zurück in die frühesten Spuren des Menschen
(eiszeitliche Felsritzungen) belegbar.
Bevor es aber nötig war, dass ein Mitglied einer
Gruppe diese Funktion als Vermittler einnahm,
dürfte wohl jeder einzelne Mensch selber in
diesen kontinuierlichen Kontakt mit der
«beseelten» Umwelt gestanden haben. (Dies
hingegen ist eine kaum belegbare Spekulation.)
Mit freundlichem Gruss von Basel nach Zürich
Rolf