Moin, Camilla!
… dass sich (fast) alle hier so rassistisch äussern.
Irgendwie ist mir wohl die Stelle entgangen, an der sich hier jemand rassistisch geäußert hat. Mir scheint, Du reagierst diesbezüglich etwas überempfindlich (das ist nicht böse gemeint!).
Ich unterrichte russische Jugendliche, habe den ganzen Tag mit
ihnen zu tun.
Daher möchte ich auch etwas dazu sagen:
Ich räume gern ein, das ich keine russischen (also doch keine „deutschen“?) Jugendlichen unterrichte. Aber ich lebe in Berlin-Marzahn, vielfach auch bekannt als Little-Moskau. Von daher habe ich auch täglich mit selbigen zu tun und maße mir an, dazu auch etwas zu sagen.
- Diese Jugendlichen sprechen tatsächlich kaum Deutsch -
woher auch?
Liebe Camilla, die Frage muß lauten: Wozu auch? Meine Erfahrung zeigt, das die Russen hier lieber unter sich bleiben wollen. Vielfach weigern sie sich geradezu, sich die Deutsche Sprache anzueignen. Wir haben hier die paradoxe Situation, das die Russischen Mitbürger (tolle Formulierung) inzwischen bereits öffentlich fordern, ihnen doch bitte „eigene“ Kulturhäuser und Jugendclubs zur Verfügung zu stellen, selbstverständlich aus öffentlicher Finanzierung. Nennt sich das dann Integration? Hier bei uns gibt es inzwischen öffentliche Jugendclubs, in denen das Personal händerringend um Versetzung bettelt, weil sich dort keine Deutschen Jugendlichen mehr aufhalten. In diesen Jugendclubs haben die Russen inzwischen sogut wie Hausrecht. Deutsche Jugendliche, die sich dorthin verirren, werden systematisch rausgeekelt. Das sorgt sicher dafür, das die Russen ihren Beliebtheitsgrad unermesslich steigern, oder?
Ihre ausgesiedelten Grosseltern durften in der
ehemaligen UdSSR kein Deutsch sprechen - ich glaube, dass
weiss doch jeder, oder? Auch in zu Hause nicht, aus lauter
Angst, jemand würde sie hören und sie würden deswegen ihre
Arbeitsstelle verlieren oder ins Gefängnis kommen. Also, woher
solten die Enkelkinder Deutsch können?
Sorry, aber dieser Absatz ist irgendwie nicht ganz das Gelbe vom Ei. Das die wirklich Deutschstämmigen Russen kein Deutsch reden durften, war vielleicht bis in die späten 60er/frühen 70er so schlimm. Spätestens danach (wie Günther schon schrieb) hat sich die Situation deutlich verändert.
- Es stimmt, dass viele russische/kasachische Jugendliche
Drogenprobleme haben. Wundert’s Euch? Es sind ihre Eltern, die
entscheiden, nach Deutschland zu kommen, die 16-17jährige
Kinder werden mitgenommen udn natürlich nicht gefragt, ob sie
Lust dazu haben. Und sie verlieren auf einem Schlag ihr
Zuhause, ihre Freunde, ihre restliche Verwandtschaft… Und
befinden sich in einem Land, in dem sie sich fremd fühlen und
die Sprache nicht können. In so einer Situation ist es meiner
meinung nach verständlich, dass besonders schwache/labile
junge Menschen drogenabhängig werden.
Sorry, Camilla, aber wenn ich mir diesen letzten Absatz auf der Zunge zergehen lasse, dann wird mir schlicht übel. Diese Begründung von Dir trieft geradezu vor sozialem Mitgefühl. Das ist sicher ehrenvoll für Dich, ich kann es leider nicht persönlich nachvollziehen.
Die Entscheidung, sich in ein kriminelles Umfeld zu begeben, trifft immer noch jeder für sich allein! Es ist aus meiner Sicht einfach abartig, wenn Kriminelle mit dem Verweis auf ihr labiles Wesen, schlechtes Elternhaus, mieses Umfeld oder sonstwelche Ausflüchte in Schutz genommen werden. Diese Unsitte ist leider in D weit verbreitet. Nur weil jemand nicht mit dem goldenen Löffel im Hals aufgewachsen ist und ihm hier niemand pausenlos den Allerwertesten pudert, ist es zu entschuldigen, wenn er Drogen nimmt oder sonstwie kriminell wird? Das kann es doch nicht sein.
Einem Freund von mir haben sie letzte Woche zum dritten Mal in sechs Wochen den Laden aufgebrochen. Gullideckel ins Fenster, rein, diverse Playstationgames und andere Nettigkeiten eingepackt und weg. Inzwischen wissen wir, wer es war. Es sind jedesmal dieselben, Jugendliche Russen. Meinst Du, meinen Bekannten interessiert in irgendeiner Form, ob die ein sozial-schwaches Umfeld haben? Inzwischen hat ihn der Spaß eine vierstellige Summe gekostet, beim nächsten Mal wird es noch teurer, weil seine Versicherung das nicht mehr mitmacht.
Leider ist auch die Polizei hier machtlos. Sie haben zwar ein paar der Täter gefasst, diese behaupten jedoch, „Nix verstehen. Ich dreizehn“ und das wars. Die wissen ganz genau, wie sie es anstellen müssen. Seitens Polizei und Staatsanwaltschaft wird alles eingestellt, weil die Aussicht auf einen greifbaren Erfolg vor Gericht gleich Null ist. Und warum sind die Aussichten auf Erfolg gleich Null? Weil immer die Begründung kommt, die Betreffenden hätten doch eine schwere Kindheit und dafür muß man Verständnis haben. Bei mir nicht mehr. Null Toleranz sollte die Devise da lauten.
- Viele russische/kasachische Jugendliche sind fleissige und
zuverlässige Menschen, die versuchen, hier Fuss zu fassen, die
Sprache zu lernen, eine Ausbildung zu finden (ihre wird hier
fast ausnahmslos nicht anerkannt).
Hoppala, wo lebst Du denn? Ist das bei Euch so? Die Jugendlichen, die hier leben, sind irgendwie anders. Deren Lebensunterhalt wird ganz gut gedeckt durch kriminelle Aktivitäten jeder Art. Ein echtes Interesse an einer Ausbildung kann man bei denen nicht erkennen.
Als ich noch in einem Jugendclub als Betreuer gearbeitet habe, hatte ich mehrere Gespräche mit einigen von denen. Einhelliger Tenor: Warum Arbeiten? In D gibt es doch gute Sozialhilfe. Und im Supermarkt kriegt man was zu essen auch umsonst.
Es kann natürlich durchaus möglich sein, das das nur hier so ist. Überall anders sind die Russen natürlich anders. Obwohl, bei meiner Tante in Niedersachsen sieht es irgendwie nicht so wirklich anders aus. Woran mag das liegen? Sind die Ausnahmen jetzt eher bei mir oder bei Dir zu finden?
Sie stossen aber so oft auf
Vorurteile und Ablehnung, dass es mich oft wundert, dass sie
durchhalten.
Mich wundert eigentlich diesbezüglich nix. Außer vielleicht die Dreiste Art der hier angesiedelten Russen. Insgesamt gibt es mittlerweile hier bei uns einen richtig schönen explosiven sozialen Sprengsatz. Früher oder später wird die Situation hier eskalieren. Und hinterher weiß wieder keiner, warum.
Warum gibt es denn eine derart offenkundige Ablehnung gegen die Russen? Gerade hier in Ostberlin ist die Situation relativ einfach zu erklären.
Die hier lebenden Ossis wurden vierzig Jahre lang gezwungen, die Russen toll und nett zu finden. Und laß Dir gesagt sein, so richtig toll und nett fand sie eigentlich niemand. Dazu ist seitens der Russen gerade hier im Besatzungsgebiet zuviel Scheiße gebaut worden. Angefangen mit der Vertreibung nach 45 über die Militärlager bis hin zum Siegergehabe bis in die späten 80er hinein. Die Russen haben im Osten vierzig Jahre lang deutlich gezeigt, wer den Krieg gewonnen hat. Das hat ihren Beliebtheitsgrad unheimlich gesteigert.
Dann kam die Wende und die Menschen im Osten waren froh, das sie weg waren. Und jetzt? Nun sind sie wieder hier, jetzt wollen sie Deutsche sein und angeblich hier mit uns leben. Schön und gut.
Um aber normal zusammenzuleben, ist es zwingend erforderlich, sich zu integrieren. Um sich zu integrieren, ist es zunächst zwingende Voraussetzung, das ich die Sprache des Landes spreche. Mindestens muß ich jedoch versuchen, die Sprache ernsthaft zu lernen! Die meisten Russen, die wir hier haben, bleiben lieber unter sich, Deutsch ist da überflüssig.
Die Russen kommen hierher, weil sie irgendwann um 1700 mal einen Deutschen Schäferhund in der Familie hatten und deswegen Deutschstämmig sind. Meist kommen irgendwelche älteren Leute im Rentenalter. Die weisen dann hier nach, das sie in Rußland vierzig Jahre gearbeitet haben. Solch Nachweis ist in Russland genauso leicht zu beschaffen, wie der Nachweis über die Deutsche Großmutter. Und schon zahlt der Deutsche Staat ihnen die Durchschnittsrente. Hast Du eine Vorstellung, welcher Ossi die Durchschnittsrente bezieht? So gut wie gar keiner, fast alle sind weit darunter! Kannst Du Dir vorstellen, wie sich das auf das Sozialgefüge auswirkt? Ein wenig brenzlig…
Das fatale ist, das diejenigen, die als Deutschstämmig hierher kommen, auch noch ihre ganze Sippe mitbringen. Bei uns leben die teilweise zu neunt in einer Vierzimmerwohnung. Und da ja keiner von denen mangels Sprachkenntnissen arbeiten geht, leben sie dann alle von Sozialhilfe. Herzlichen Glückwunsch.
Dazu kommt, das es hier inzwischen unmöglich ist, sich auf der Straße oder in Grünanlagen ruhig und frei zu bewegen. Sämtliche Bänke, Parkanlagen und (viel schlimmer) die Kinderspielplätze sind inzwischen von den Russen annektiert worden. Am schlimmsten sind die zwischen 10 und 25 Jahren. Angeblich versteht keiner von denen Deutsch. Wenn man allerdings höflich darum bittet, eventuell mit seinem Kind einmal den Spielplatz nutzen zu dürfen (soweit isses schon), dann kommen Nettigkeiten wie „Faschist“ oder „Nazischwein“ angeflattert.
Selbst die Alten Russen führen sich hier immer noch auf wie die Sieger nach 45. Das merkst Du schon an solchen banalen Dingen, das ich mit meinem Kinderwagen von einer Gruppe Russischer Rentner gezwungen werde, über die Wiese auszuweichen, weil die Herrschaften in Fünferkette über den Gehweg marschieren und garnicht daran denken, vielleicht mal einen Meter Platz zu machen. Und wenn Du die dann höflich darauf hinweist, dann wirst Du von denen genauso angepöbelt wie von den Jugendlichen. Wie der Herr, so das Gescher…
Und jetzt Frage ich Dich, Camilla, muß ich mich da über Ablehnung wundern?
Viele Eurer Kommentare über die Russen machen mich traurig und
wütend. Wenn in einem Land irgendwelche Probleme auftreten,
wird die Schuld immer den Ausländern in die Schuhe geschoben.
Weißt Du, Camilla, ich bin bestimmt kein Ausländerfeind. Und schon gar kein Rassist. Von mir aus kann jeder hier leben, der Lust dazu hat. Das einzige, was ich erwarte, ist, das derjenige, der hier leben will, sich dem Leben hier anpasst. Wer in Deutschland leben will, der hat sich zu integrieren. Es kann nicht sein, das ich als Deutscher Russisch, Rumänisch, Albanisch oder auch Türkisch lernen muß, damit die Herrschaften sich hier alle zu Hause fühlen. MultiKulti ist ja ganz nett, aber in Deutschland gab es auch mal eine eigene Kultur. Jedes andere Land der Welt bewahrt sich seine Kultur und verlangt von Immigranten, das diese sich integrieren. Nur in Deutschland wird auf jeden der das verlangt mit dem Rassistenvorwurf eingehämmert. Das kann es doch nicht sein.
Die Grundvoraussetzung, um hier Leben zu dürfen, sollten ganz klar definiert sein: Bereitschaft zur Integration auf der einen Seite, die Fähigkeit und der Wille, sich seinen Lebensunterhalt selbst zu sichern auf der anderen Seite.
Ein großes Deutsches Problem ist nämlich weiterhin, das wir das einzige Land weltweit sind, das eine Anwesenheitsprämie zahlt. Wie oft habe ich schon hören dürfen, das Deutschland so super sei. Auf die Frage nach dem „warum“ kam meist „Sozialhilfe“. Tolle Voraussetzungen. Irgendwie spricht es sich in der Welt rum: Kommst Du nach Deutschland, kriegst Du Geld für lau. Allerdings sind daran mit Sicherheit nicht die Ausländer schuld. Schuld daran ist ein korruptes, krankes, politisches System, in dem niemand den Mut hat, die Vergangenheitsbewältigung für beendet zu erklären. Wir werden wohl noch in Hundert Jahren für die Sünden einer Generation bezahlen, die ich nicht mal kenne.
Ich beobachte mit Sorge, wie dieses Jahr (wie - stelle ich
fest -in jedem Wahljahr) die Ausländerfeindlichkeit wächst.
Fast jeden Tag höre ich (auf der Strasse, in den Geschäften,
…) ausländerfeindliche Kommentare.
Mich wundert das ehrlich gesagt nicht mehr. Ich persönlich glaube, das sich den Großteil der Ausländerfeindlichkeit die Ausländer selbst zuzuschreiben haben. Ich glaube nicht, das jemand etwas gegen den Ausländer (gleich welcher Nationalität) hat, der hierher kommt, gemeinsam mit den Deutschen hier friedlich leben möchte und seiner Arbeit nachgeht. Wogegen viele Menschen in diesem Land -ich persönlich schließe mich da ausdrücklich mit ein- etwas haben, sind jede Art von Sozialschmarotzern, die in Deutschland das Schlaraffenland des 21. Jahrhunderts sehen.
Solange sich das Anspruchsdenken der Ausländer (Ich bin Ausländer - Seid Nett zu mir) auf der einen Seite und das Sozialsystem in Deutschland auf der anderen Seite nicht ganz gravierend ändern, solange wird sich an der tendenziell steigenden Ausländerfeindlichkeit auch nichts ändern. Doch leider fehlt dazu vielen Ausländern offensichtlich die Fähigkeit und der Deutschen Politik der Mut.
Ich hoffe, Du nimmst mir meine Worte nicht übel. Aber es war mir ein Bedürfnis, das loszuwerden.
Gruß & Bye…
Der Dicke MD.