Moin, Winkel!
Die übliche Konstellation wäre ja, das Mann und Frau arbeiten
gehen. Wenn jetzt Mann und Frau beschließen, Nachwuchs in die
Welt zu setzen, dann wird üblicherweise eines der beiden
Einkommen wegfallen, da einer der beiden sich in der Regel ums
Kind kümmert. Insgesamt ergibt sich die witzige Folge, das
aufgrund eines Kindes die Kosten für den Lebensunterhalt
rapide ansteigen (ich weiß, wovon ich da rede), wobei
gleichzeitig ein Einkommen wegfällt. Das wird weder durch
Kindergeld, noch durch Erziehungsgeld (das es bei
Normalverdienern eh nur sechs Monate gibt) geschweige denn
durch etwaige Steuervorteile aufgefangen.
Genau der Weg wäre nämlich dies zu entüblichen:
Würden Paare im Alter von 20-25 Kinder bekommen, dann könnte
Mutter ja mit 25-30 wieder ins Berufsleben und dann den Luxus
mit den Kindern genießen.
Warum sollte das so sein? Ich finde, das jeder die persönliche Freiheit besitzt, eine Entscheidung für ein Kind ganz allein selbst zu treffen. Ich jedenfalls würde mir von niemandem diktieren lassen, wann ich ein Kind in die Welt zu setzen habe. Und am Rande vielleicht der Hinweis, das es verdammt schwierig ist, sich wie von Dir angeregt, nach der Geburt eines Kindes wieder ins Berufsleben zu stürzen und den Luxus mit den Kindern zu genießen.
Wenn nämlich Mama und Papa beide voll arbeiten gehen, täglich also im Durchschnitt zehn Stunden abwesend sind, dann muß parallel dazu die Betreuung der Kinder für diesen Zeitraum sichergestellt sein. Und genau daran scheitert es in D. Solange es nicht möglich ist, eine qualitativ hochwertige Ganztagsbetreuung sicher zu stellen, solange wird es nicht möglich sein, Kind und Beruf miteinander zu vereinbaren.
Und ist dir schonmal aufgefallen, daß je „ärmer“ die Familien
sind, desto mehr Kinder haben die? das spricht doch deiner
Logik wider.
Nein, Winkel, das widerspricht mir leider überhaupt nicht. Natürlich weiß ich, das gerade sozial schwächere (also „ärmere“) Familien in vielen Fällen viele Kinder haben. Aber genau diese Situation zeigt die Perversität unseres deutschen Sozialsystems.Eine Familie mit zwei Erwachsenen und vier Kindern beispielsweise, die vom Sozialamt lebt, bekommt im Durchschnitt (je nach Bundesland) etwa 1.350 € monatlich zuzüglich Miete vom Soz.Amt ausgezahlt. Bei einer angenommenen Miete von 600€ für eine angemessene Wohnung kannst Du also von einem monatlichen Einkommen von ungefähr 2.000€ ausgehen. Zusätzlich erhalten sie dann noch die üblichen Pauschalen für Kleidung, Möbel, Waschmaschinen oder sonstige besondere Anschaffungen, sogar für Renovierungen gibt es Kohle extra. Und das alles, ohne auch nur eine Minute arbeiten zu gehen.
Wenn ich mal nur mich selbst dagegen stelle, ich verdiene wesentlich weniger als 2.000€ netto. Und ich muß davon meine Miete und etwaige besondere Anschaffungen selbst bezahlen. Und für meine Familie sorge ich auch allein. Allerdings kann ir wohl keiner verübeln, das ich manchmal schon ein wenig sauer werde, wenn ich sehe, wie einfach ich es haben könnte, wenn ich auf´s arbeiten verzichten würde.
Und den Gewinn Kinder zu haben, finanziell gegenrechnen zu
wollen, das klappt nie, weil die, die rechnen nicht wissen,
was Kinder einem alles geben können. Und damit meine ich nicht
materielles. Den hier liegt ja der Hase im Pfeffer: Es wird zu
materiell übers Thema Kinder nachgedacht.
Ich beziehe das jetzt mal nicht auf mich. Mir ist niemand bekannt, der seine Kinder in irgendeiner Form materiell bewertet. Ich sage nur, das der Unterhalt meiner Kinder reichlich Geld kostet. Damit will ich nicht sagen, das es mir das nicht wert wäre. Davon abgesehen halte ich es für immens wichtig, meinen Kindern einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen. Und dafür ist es eben wesentlich, den materiellen Faktor zu berücksichtigen.
Unterm Strich ist es einfach so, das es einfach nur noch für
besserverdienende möglich ist, ohne nennenswerte Abstriche am
eigenen Lebensstandard ein Kind großzuziehen. Und das nenne
ich dann: „das man sich Kinder kaum noch leisten kann“.
Wer so denkt, glaubt auch, daß er fürs Kinderkriegen bezahlt
werden müsste. Gebt der Gesellschaft Kinder, so wird sie euch
Arbeit geben können. Nicht andersrum: Gebt mir gutbezahlte
Arbeit, dann gebe ich euch Kinder.
Also mal ganz ehrlich: Ich glaube nicht daran, das die Gesellschaft sich auch nur einen Bruchteil dafür interessiert, wieviele Kinder ich in die Welt setze. Ich glaube aber, das es in D durchaus so ist, das für einen normalen Menschen eine gutbezahlte Arbeit wichtig ist, wenn er Kinder großziehen will. Nicht jeder ist scharf darauf, seinen Lebensunterhalt vom Soz.Amt zu beziehen. Es soll ja auch noch Leute geben, die sich ihren Lebensunterhalt allein verdienen wollen. Ich will nicht für meine Kinder bezahlt werden, ich will für meine Arbeit bezahlt werden. Denn nur dann kann ich für meine Kinder selbst bezahlen.
Zudem sind die meisten Mittzwanziger absolut
Beziehungsunfähig.
Weia! Wo hast Du denn den her? Sowas habe ich ja schon ewig
nicht mehr gehört. Mal davon ab, das für´s Kindermachen nicht
zwingend eine Beziehung vorausgesetzt ist, diese Aussage ist
einfach nur Quark. Oder hast Du das eventuell sogar
wissenschaftlich belegt?
Guck dir dochmal die Statisken über Singlehaushalte an. und
die psyhologischen und sozialen forschungen, warum dies so
ist. Daß du davon weißt, hätte ich dir eigentlich zugetraut.
Mir sind solche Forschungen in Massen bekannt. Davon halten tue ich allerdings nix. IMHO ist die Entscheidung jedes einzelnen, als Single zu leben, seine eigene Sache. Eine Forschung über die Ursachen solcher Entscheidungen ist in meinen Augen lediglich Beschäftigungstherapie für irgendwelche gelangweilten Wissenschaftler. Welcher Single wird denn in einer Befragung ehrlich sagen, warum er Single ist? Und Gedankenlesen dürften auch all diese Forscher nicht können. Aber sei´s drum. Ich für meinen Teil lebe seit Jahren zufrieden in einer Beziehung.
Boah! Ganz schön harter Tobak, dieser Satz. Also hier bei uns
ist es leider so, das denen alle Nase lang Arbeit angeboten
wird. Öfter als den Eingeborenen. Irgendwie sind die
Herrschaften dann aber plötzlich alle verhindert, wenn es
darum geht, für seinen Lebensunterhalt selbst zu sorgen. Und
im übrigen glaube ich, das es schwer wird, Arbeit in D zu
finden, wenn man nicht mal die Deutsche Sprache sprechen will.
Mag ja sein, das es auch lobenswerte Ausnahmen gibt. Die Regel
sind die von Dir genannten Russen hier jedenfalls nicht.
Scheint ja gebietsmäßig unterschiedlich zu sein: Ich kenne
hier bei uns 3 firmen, in denen jeweils mehr als 5
Landsmannschaften arbeiten, die sich zur Not über 3 Sprachen
gegenseitig Sachen erklären.
Wenn dem so ist, dann ist das doch Klasse. Hier ist es eben anders. Erstens gibt es hier in Neufünfland schlicht und einfach nicht genügend Arbeitsplätze. Und die wenigen freien Plätze, die es gibt, werden von den Zugereisten in der Regel eben nicht gewollt. Dafür mag es vielschichtige Ursachen geben, eine ist mit Sicherheit das Sprachproblem.
Gruß & Bye…
Der Dicke MD.