Ich wiederhole:
Sparguthaben steigen wegen dem Zinseszinseffekt exponentiell.
Ja?/Nein?Kommt drauf an. Wenn Du davon ausgehst, daß kein Sparer jemals
einen Euro abhebt, keine weiteren Gelder bei den
Kreditinstituten angelegt werden und sich die Verzinsung der
Spareinlagen nicht ändert, wachsen die Sparguthaben
exponentiell.
Die Guthaben wachsen exponentiell.
Es ist offensichtlich, dass die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer und nicht die Armen immer reicher und die Reichen immer ärmer. Dafür braucht man nicht einmal ein Studium, sondern es reicht, wenn man sich umsieht im Alltag oder in den Statistiken. Vor einigen Jahrzehnten war ein DM-Millionär reich, heutzutage rechnet man mit Milliardären…
Wohlan, wenn die Reichen, die ihre hohen Zinseinkünfte ohnehin nicht verkonsumieren können, auf den Sparguthaben zu wenig Zins haben, investieren sie in andere Assets, wo eine grössere Rendite winkt. Schlussendlich sammelt sich die Rendite wieder auf ihrem Konto (- oder in immer grösseren Besitztümern). Die Zinsen müssen immer von denjenigen bezahlt werden, die verschuldet sind. Also wandert das Geld unumgehbar von Arm nach Reich, von den Schuldnern zu den Gläubigern.
Die Geldmengen steigen weltweit, wie man an den diversen Statistiken unschwer erkennen kann:
http://www.ecb.int/pub/mb/html/index.en.html
oder beispielsweise in der Schweiz von 478 Mia. auf 664 Mia. innert 10 Jahren (soll mir einmal jemand sagen, jeder Einwohner hätte 100’000 Franken auf seinem Konto - die Schweiz hat ca. 7 Mio. Einwohner, inkl. Kinder… - weit gefehlt, das meiste Geld liegt in den Händen weniger). Das macht ein Durchschnittswachstum von 664 - 478 = 1,389, davon die 10. Wurzel, ergibt 3,3 % jährlich. Die Geldvermögen sind also jährlich um 3,3 % gestiegen, immer jeweils von der neuen Basis aus, also exponentiell. Soll mir mal jemand sagen, das sei beim Mittelstand oder bei den Arbeitslosen angewachsen…
Wenn nein, dann hast Du vielleicht recht. Wenn ja, dann steigt
das Fremdkapital exponentiell. Ja?/Nein?Kommt darauf an. Wenn Du davon ausgehst, daß keine anderen
Verbindlichkeiten aufgenommen oder zurückgezahlt werden, sich
das Eigenkapital genauso wenig verändert wie alle anderen
Passivpositionen, dann steigt das Fremdkapital exponentiell.Wenn nein, weshalb? Wenn ja: OK, wenn das Fremdkapital
(exponentiell) steigt, müssen die Aktiven (exponentiell)
steigen, andernfalls sich das Fremdkapital zu Lasten des
Eigenkapitals ausdehnt. Ja?/Nein?Nein, da das Kreditinstituten auch andere Verbindlichkeiten
zurückführen wird, weil Sparguthaben normalerweise die
billigste Refinanzierungsmöglichkeit sind.
Nun, wenn also die Sparvermögen (inkl. Sicht- und Termineinlagen) exponentiell wachsen, so muss zwingend das Fremdkapital wachsen, weil die anderen Fremdkapitalien nicht exponentiell schrumpfen können: Bei Null ist nämlich Schluss. Hinzu kommt, dass die Aktiven sich vermehren mit den Sparguthaben, weil die Gegenbuchung üblicherweise in den Aktiven stattfindet (zB Kasse/Sparheft).
Hinzu kommt, daß die obenstehenden Annahmen allesamt nicht
erfüllt sind. Insofern lauten die Antworten tatsächlich eher
„nein“ als „ja“.Weiterhin mißfällt mir, daß Du ständig übergeht, daß der
niedrigen Verzinsung der Spareinlagen eine viel höhere
Verzinsung der „dazugehörigen“ Kredite gegenübersteht.
Das hat keinen Einfluss auf die Feststellung, dass immer mehr Fremdkapital verzinst werden muss (zB in der Schweiz jedes Jahr 3,3 % mehr - exponentiell, im Euroraum gar mehr). Wer diese Zinsen schlussendlich bezahlt, ist offensichtlich: nämlich diejenigen, bei denen der Zins nicht anwächst, sondern die ihn bezahlen müssen. Die Schere arm-reich öffnet sich.
Dass die Kredite höher verzinst werden, ist offensichtlich: Die Differenz ist die Bankmarge, aus der sie ihren Aufwand bezahlt (Löhne, Gebäudekosten, Dividenden usw.). Diese Zinsen marschieren via Aufwand wiederum in den Markt und die Dividenden in die Konti der Aktionäre und erhöhen deren Geldvermögen. Das hat aber, wie gesagt, nichts zu tun mit der Verzinsung der Sparguthaben, ausser dass ein Teil der bezahlten Zinsen halt eben für Zinsaufwand aufgewendet werden muss. Wie die Bankeinnahmen verwendet werden, sieht man aus der G&V.
Dass die Kreditnehmer höhere Zinsen bezahlen, unterstützt nur meine Argumentation, dass es den Schuldnern erschwert ist, Vermögen zu bilden, wobei die Vermögenden keine teuren Schuldzinsen zu zahlen haben (und wenn, dann machen sie das aus Renditegründen - Stichwort: Leverage).
Tatsächlich, und jetzt kommt der Hammer, sind in
Deutschland gerade Kreditinstitute in Schwierigkeiten, bei
denen die Spareinlagen nur eine absolut unwesentliche
Finanzierungsquelle sind und die sich stattdessen ihr Geld
auf den Kapitalmärkten beschafft haben.
Das hat vorerst nichts mit den Spareinlagen zu tun, sondern damit, wo sie ihre Investitionen getätigt haben: Die Aktiven sind zusammengebrochen resp. schlicht faul, was nichts mit der Finanzierung zu tun hat. Dass sie das Geld kurzfristig geborgt und langfristig ausgeliehen resp. investiert haben, kommt nur noch erschwerend hinzu. Da ist es offensichtlich, dass, wenn der Nachschub fehlt, ein Problem entsteht. Die Fristentransformation ist riskant, das sollte jedem Banker bekannt sein.
Genau das ist eine Ursache der Krise, denn dort bekamen sie
das Geld zu billig und investierten es in untermargige
Produkte. Kaum gab es da Schwierigkeiten, sprangen die anderen
Kapitalgeber ab, die Margen auf der Passivseite waren auf
einmal höher als die auf der Aktivseite und schon war - in
Verbindung mit den Abschreibungen, Wertberichtigungen und
fehlenden Marktpreisen - die Krise da.Mit einer aufgrund von verzinsten Sparguthaben wachsenden
Passivseite hat das ganze genau nichts zu tun.
Die Banken dürfen - und müssen wegen der Konkurrenz - ihre Bargeldreserven auf ein bestimmtes Minimum hinunterfahren. Also wird das überschüssige oder billige Geld verliehen oder angelegt, ja, es muss angelegt werden, um Rendite zu erwirtschaften: Bargeldreserven kosten Geld. Und die Sparguthaben müssen verzinst werden, andernfalls fliehen sie. Die Bank kann also die Sparguthaben nicht einfach im Tresor einschliessen, sie ist quasi gezwungen, sie anzulegen. Das Spiel geht so lange, bis die Masse ausgepowert ist, keinen Kredit mehr erhält, die Zinsen und Schulden nicht mehr bedienen kann, nämlich bis sich alles Geld auf einer Seite angesammelt hat, genau wie beim Monopoly. Nur, in der Realität springt der Staat ein und verschuldet sich, bis auch er pleite ist und schützt so die Vermögen auf Kosten der Allgemeinheit, sonst ist das Spiel nämlich sofort aus. Es ist sowieso ein Witz, die gesparten Ersparnisse via Politik, d.h. via Steuern zu verbürgen: Der Sparer verbürgt sich für sein Erspartes und zahlt es, wenn es verloren geht, wiederum über die Steuern, so ist er und sein Erspartes sicher. Der Witz des Jahres 2008 
C.
