„Das gildet nicht!“
Soll heißen: „Das gilt nicht.“
Woher stammt dieser Quatsch??
Ich nehme an, dass hier -scherzhaft- versucht wird, gelten analog zu z.B. bilden zu konjugieren. „Lesen bildet.“
„… und für das Feuer sammeln wir Stöcker.“
Soll heißen: „… und für das Feuer sammeln wir Stöcke.“
Woher kommt dieser Unfug?
Dieser Unfug kommt wahrscheinlich auch deshalb zustande, weil es im Deutschen so viele verschiedene Pluralformen gibt. Vielleicht haben deine Freunde dabei das Wort „Mann“ im Sinn, von dem der Plural eben „Männer“ und nicht „Männe“ lautet…
Frag sie doch einfach mal, deine Freunde. Vielleicht sagen sie dir ja, wie sie auf diese verqueren Formen kommen.
ich kenne diese ausdrücke auch und habe immer gedacht, dass es dialekt ist. ich bin in hessen-nassau groß geworden, da haben die kinder immer gildet und stöcker gesagt. und ich meine, stöcker auch in süddeutschland gehört zu haben.
Sie meinten, dass sei richtiges Deutsch, weil das in deren
Familien immer so benutzt wurde. Sie waren damit aufgewachsen.
Ach… und jetzt sind sie tot? Oder warum verwendest Du diesen Tempus? Ich würde sagen, die richtige Form wäre „Sie sind damit aufgewachsen“, allerdings ist die genaue Einschätzung wohl sehr schwammig, man könnte für beides argumentieren, denn einerseits ist der Vorgang des Aufwachsens wohl abgeschlossen, andererseits existieren die Personen, von denen die Rede ist, ja noch.
Wie du siehst, ist es gar nicht so einfach zu sagen, was nun genau falsch oder richtig ist. Dazu kommt, dass das Deutsche erst relativ spät kodifiziert wurde und sich eben bis heute viele Nebenformen erhalten haben. Regional mag es durchaus so sein, dass die Mehrzahl von „Stock“ „Stöcker“ ist. Solange es nur umgangssprachlich verwendet wird, muss man IMO nicht gleich den Sprachfaschismus walten lassen.
regional auch im Norden
… und auch bei uns im Norden (Ostholstein) sucht man oder spielt man mit Stöckern.
„Gildet“ allerdings klingt recht grausam in meinen Ohren, obwohl ich es auch schon bei uns gelegentlich gehört habe.
Gruß
R.
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn Freunde von mir
folgende zwei (in meinen Ohren falsch klingenden) Worte
benutzen: […]
2) „… und für das Feuer sammeln wir Stöcker.“
Soll heißen: „… und für das Feuer sammeln wir Stöcke.“
Woher kommt dieser Unfug?
Vielleicht solltest du doch einmal in das Grimmsche Wörterbuch schauen, dessen URL ich dir schon mehrfach gepostet habe. Da steht unter dem Stichwort „Stock“ zu deiner Frage drin:
„bemerkenswerth ist noch ein besonders auf niederdeutschem gebiet gebräuchlicher plural stöcker“.
Das Grimmsche Wörterbuch gibt es - und das ist für dich, der du so häufig danach fragst, sicher auch interessant - als CD Rom für knapp 50 Teuronen.
Im übrigen ist die Frage, wer der Sprache Gewalt antut: Diejenigen, die sprechen wie ihnen der Schnabel gewachsen ist oder jene, die bestimmte Sprachformen als Unfug regulieren und ausmerzen wollen.
Sie meinten, dass sei richtiges Deutsch, weil das in deren
Familien immer so benutzt wurde. Sie waren damit aufgewachsen.
Ach… und jetzt sind sie tot? Oder warum verwendest Du diesen
Tempus? Ich würde sagen, die richtige Form wäre „Sie sind
damit aufgewachsen“, allerdings ist die genaue Einschätzung
wohl sehr schwammig, man könnte für beides argumentieren, denn
einerseits ist der Vorgang des Aufwachsens wohl abgeschlossen,
andererseits existieren die Personen, von denen die Rede ist,
ja noch.
Nein, sie waren damit aufgewachsen. ‚Es wurde benutzt‘ ist die gleiche Zeit wie ‚sie waren aufgewachsen‘, oder??
Außerdem ist tatsächlich der Vorgang des Aufwachsens abgeschlossen.
Ein Teil der Personen lebt noch, der andere nicht.
Solange es
nur umgangssprachlich verwendet wird, muss man IMO nicht
gleich den Sprachfaschismus walten lassen.
Ich hasse Faschismus in jeder Form.
M.E. liegt hier kein Faschismus vor. Da musst du eher im Brett ‚Politik‘ suchen.
auch das kannst du bei Grimm nachschlagen, dass „giltet“ üblich war, selbst in der Literatur. Dass aus dem mittleren „t“ ein „d“ wurde -nun ja, dass kennen wir ja aus endlos vielen regionalen Beispielen.
Vielleicht solltest du doch einmal in das Grimmsche Wörterbuch
schauen, dessen URL ich dir schon mehrfach gepostet habe. :
Das Grimmsche Wörterbuch gibt es - und das ist für dich, der
du so häufig danach fragst, sicher auch interessant - als CD
Rom für knapp 50 Teuronen.
Ich finde das GWb leider etwas unübersichtlich (Meine persönliche Meinung!).
Und 50 TEUR sind mir eindeutig zu viel.
Im übrigen ist die Frage, wer der Sprache Gewalt antut:
Im Übrigen…
Diejenigen, die sprechen wie ihnen der Schnabel gewachsen ist
oder jene, die bestimmte Sprachformen als Unfug regulieren und
ausmerzen wollen.
Weder noch.
Sondern diejenigen, die behaupten, dass diese Wörter richtiges Hochdeutsch sind, obwohl es nicht so ist. Es sind vielmehr Dialekte oder Umgangssprachformen. Gegen diese ist nichts einzuwenden.
Es geht nicht darum, bestimmte Sprachformen als Unfug zu regulieren, sondern zu definieren, was Hochdeutsch ist, und was nicht. Es geht auch nicht um ausmerzen!
Da hast du etwas völlig falsch verstanden!
Nein, sie waren damit aufgewachsen. ‚Es wurde benutzt‘ ist die
gleiche Zeit wie ‚sie waren aufgewachsen‘, oder??
Außerdem ist tatsächlich der Vorgang des Aufwachsens
abgeschlossen.
Hey, das war doch gar kein Angriff! Ich sagte doch, die Sachlage ist durchaus verschieden zu beurteilen, Deine Form finde ich genauso richtig, es muss nicht immer alles ein-eindeutig falsch oder richtig sein.
Nur drängt sich bei Deiner Form die Frage auf, welche Form Du wählen würdest, wenn die Personen bereits tot wären.
Ein Teil der Personen lebt noch, der andere nicht.
Ein höchst philosophische - und damit nicht zu beweisende - Aussage.
Solange es
nur umgangssprachlich verwendet wird, muss man IMO nicht
gleich den Sprachfaschismus walten lassen.
Ich hasse Faschismus in jeder Form.
M.E. liegt hier kein Faschismus vor. Da musst du eher im Brett
‚Politik‘ suchen.
Faschismus ist zwanghafte Vereinheitlichung. Du stellst regionale Nebenformen als „Sprachvergewaltigungen“ dar, was nicht korrekt ist, da diese Formen wahrscheinlich schon lange existiert haben, als es noch gar keine kodifizierte deutsche Sprache gab. Du willst also etwas zwanghaft vereinheitlichen.
Nur drängt sich bei Deiner Form die Frage auf, welche Form Du
wählen würdest, wenn die Personen bereits tot wären.
Genau die gleiche. Denn bei allen diesen Personen liegt das Aufwachsen in der Vergangenheit. Mir ist keine grammatikalische Unterscheidung nach lebenden oder toten Personen bekannt.
Faschismus ist zwanghafte Vereinheitlichung. Du stellst
regionale Nebenformen als „Sprachvergewaltigungen“ dar, was
nicht korrekt ist, da diese Formen wahrscheinlich schon lange
existiert haben, als es noch gar keine kodifizierte deutsche
Sprache gab.
Hach, ja. Wenn man es ganz genau nimmt: ‚Sprachvergewaltigung‘ ist nicht korrekt, da man nur Personen gegen ihren Willen ‚vergewaltigen‘ kann. Sprache ist weder eine Person, noch hat sie einen Willen. q.e.d.
Du willst also etwas zwanghaft vereinheitlichen.
Schon wieder falsch. Weder ‚ich will‘, noch ‚zwanghaft‘.
Nochmal: Es geht darum, dass einige diese Wörter als ‚richtiges Hochdeutsch‘ bezeichnen. Um nichts anderes.
Na ja, dann sind dir sicher die Online-Gebühren für die Benutzung des bekannten Links auch zuviel.
Ich finde das GWb leider etwas unübersichtlich (Meine persönliche Meinung!).
Dann stelle ruhig weiter hier die Fragen; es gibt sicher andere, die dir das Lesen abnehmen. Allerdings habe ich keine Lust, weiterhin auf Fragen von Leuten zu antworten, die keinen Bock haben, selbst auf naheliegendstem Wege eine Antwort zu suchen und lieber andere dafür einspannen.
Nur drängt sich bei Deiner Form die Frage auf, welche Form Du
wählen würdest, wenn die Personen bereits tot wären.
Genau die gleiche. Denn bei allen diesen Personen liegt das
Aufwachsen in der Vergangenheit. Mir ist keine
grammatikalische Unterscheidung nach lebenden oder toten
Personen bekannt.
Es wird zwar nicht nach lebend oder tot, aber zumindest doch nach aktuell oder nicht aktuell unterschieden, dazu sind die Zeitformen ja da. Ich wollte eigentlich auch gar keine große Diskussion vom Zaun brechen.
Hach, ja. Wenn man es ganz genau nimmt:
‚Sprachvergewaltigung‘ ist nicht korrekt, da man nur Personen
gegen ihren Willen ‚vergewaltigen‘ kann. Sprache ist weder
eine Person, noch hat sie einen Willen. q.e.d.
Nein, so genau wollte ich es gar nicht nehmen. Man könnte ja die Kodifizierung der Sprache als „Willen“ auffassen. Dann sind eben neuere Barbarismen und Fehlbildungen „Vergewaltigungen“. Aber diesen Begriff dann auch auf Formen anzuwenden, die bereits bestanden, bevor die Sprache kodifiziert wurde, das geht mir eben etwas zu weit.
Nochmal: Es geht darum, dass einige diese Wörter als
‚richtiges Hochdeutsch‘ bezeichnen. Um nichts anderes.
Gut, richtiges Hochdeutsch sind diese Formen natürlich nicht, das sagte ich ja auch. Mir gefiel nur nicht, dass Du diese Nebenformen sprachlich mit Vergewaltigungen gleichsetzt, die es IMO ja tatsächlich gibt.
ich empfehle dir, ab und zu mal in Deutschland Urlaub zu machen, damit du etwas von der deutschen Sprachvielfalt mitbekommst.
Deine beiden Beispiele sind gelebter Dialekt.
PS: Auch mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn ich manche Leute aus dem hochdeutschen Sprachgebiet reden höre.
Gruss,
Einen hochdeutschen Sprachraum,
lieber Helge, gibt es nicht.
Denn Hochdeutsch ist ein schriftliches Kunstprodukt mit einer langen Entwicklungsgeschichte. Es gibt dazu einen längeren Text im Dialektbrett, ganz unten am Ende der Artikelliste.
Es gibt aber Gegenden, die auf ihren niederdeutschen Dialekt verzichteten und sich die „hochdeutsche“ Sprache angewöhnten.
Und die sprechen „nach der Schrift“, also ohne allzuviele Dialekteinflüsse. Dennoch lassen sich solche auch bei diesen nachweisen.
Deinem Protest gegen das Von-oben-Herabsehen der Schriftsprecher gegen Dialektsprecher stimme ich zu.
‚das gildet nicht‘ kenn ich aus der Kindersprache -
wenn es den Kleinen noch schwer faellt, die richtige
Zeitform zu bilden.
Somit hab ich das immer, als absichtliche
Verniedlichungsformel empfunden.