Wozu brauchen wir Gefängnisse?

Hallo!

Ganz unabhängig vom zockenden Ballspielvereinsmenschen: Wozu brauchen wir Freiheitsstrafen?

Es gibt Täter, insbesondere Gewalttäter, vor denen sich die Gesellschaft schützen muß. In solchen Fällen hat Einsperren einen erkennbaren Sinn, einen gesellschaftlichen Nutzen. In allen anderen Fällen sollte man den Sinn von Freiheitsstrafen hinterfragen.

Irgendeine strafbare Tat wurde begangen. Sie läßt sich nicht ungeschehen machen und der Täter sieht ein, Mist gebaut zu haben. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Es geht mir nicht darum, Straftaten womöglich nicht zu verfolgen. Es geht mir vielmehr um den Sinn von Freiheitsstrafen und darum, ob wir durch Nachdenken zu einer anderen, möglicherweise besseren Methode kommen können, Straftaten zu ahnden.

Im Regelfall (vielleicht nicht bei Herrn Hoeneß, aber um den geht es mir gar nicht) wirkt eine Gefängnisstrafe über den Freiheitsentzug hinaus existenzvernichtend. Die Folgen trägt der Betroffene, aber auch die Gesellschaft in Euro und Cent verdammt teuer. Außerdem wird u. U. wertvolles Potential durch Stigmatisierung dauerhaft der Gesellschaft entzogen. Besonders betroffen ist das persönliche Umfeld des zu Freiheitsstrafe Verurteilten. Familien werden zerstört, soziale Bindungen gekappt. Das alles kann kein sinnvolles Ziel von Strafverfolgung sein. Noch einmal: Bitte nicht reflexhaft reagieren und behaupten, ich wolle auf gesetzlose Anarchie hinaus. Ganz im Gegenteil, mir geht es um den Schutz des Gemeinwesens, das sich mit jeder Verurteilung zu Freiheitsstrafe mit hohen Kosten und sozialen Lasten befrachtet.

Zugegeben, eine Patentlösung habe ich nicht parat. Ungeachtet dessen rege ich an, über Alternativen zur so gar nicht konstruktiven Freiheitsstrafe zu diskutieren, mit der im Gefolge einer Straftat weiterer Schaden angerichtet wird. Mir ist bewußt, welch seltsame Vorstellungen mancherorts bestehen und mit welchen Vorschlägen aus solchen Ecken zu rechnen ist, von Rübe ab bis Zwangsarbeit. Urheber solcher Vorschläge werden vermutlich nie irgendwas begreifen. 

Die Zeiten beliebig austauschbarer Malocher gehen zu Ende. In jeden einzelnen Bürger wurden 20 Jahre elterliche Erziehungsmühe investiert, 10 bis 13 Jahre schulischer Ausbildung und 3 bis über 10 Jahre beruflicher Ausbildung und Studium - eine auch in Geld richtig wertvolle Ressource. Dann macht der Träger dieser Ressource einen Fehler, wird eingebuchtet und damit ist seine wirtschaftliche und soziale Existenz im Regelfall beendet, Statt gesellschaftlichen Nutzen zu generieren wird Elend produziert, entstehen Kosten und Bindung anderer menschlicher Ressourcen.

Die bisher praktizierten Methoden erscheinen mir mittelalterlich, obrigkeitlich tradiert, für die Betroffenen dauerhaft fatal und das Gemeinwesen wird durch Kosten und den Entzug von menschlichen Ressourcen belastet. Gibt es bereits konstruktivere Ansätze als die überwiegend unsinnigen Freiheitsstrafen?

Gruß
Wolfgang

Hallo,
ja, ich sehe auch die Notwendigkeit für Straftaten dieser Art nicht als zielführend an.
Gefängnis nur für Gewaltverbrechen !!!
Bei anderen Straftaten würde beispielsweise Einzug des Personalausweises reichen und/oder tgl. Meldung bei der Polizei - Fußfessel oder Haft nur als Folge von Missbrauch.
Dann könnten nämlich die Täter aktiv daran arbeiten die finanziellen Schäden, die sie verursacht haben wieder zu beheben zzgl. der verhängten Geldstrafe.
Von der Verhältnismäßigkeit will ich erst gar nicht reden.
Der Steuerbetrüger wandert in den Knast - u.U. bis zu 10 Jahren und kostet den Geprellten noch sehr viel Geld nur der Strafe wegen, und am Ende kommt der Statt trotzdem nicht an die geprellte Kohle weil beim Täter (nix) mehr zu holen ist, also ein Zugschussgeschäft.
Der Täter, der z.B. einen Menschen tot gefahren hat, bekommt, weil er ja nicht vorbestraft war, mildernde Umstände und mit 90 Tagessätzen davon. Und damit er
er im seinem Privatleben keine Nachteile hat, wird u.U. seine Identität und sein Verfahren
nicht veröffentlicht.
Ich habe auch keine Lösung, die allen gefallen wird, aber ich mach mir so meine Gedanken.
Gruss
Czauderna

Irgendeine strafbare Tat wurde begangen. Sie läßt sich nicht
ungeschehen machen und der Täter sieht ein, Mist gebaut zu
haben.

Da ist schon das erste große Fragezeichen. Wenn es so einfach wäre, da was einzusehen, hätte man als potentieller Täter schon vor der Straftat drauf kommen können, oder? Ein Soziopath etwa sieht erst mal garnix ein.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Es geht mir nicht
darum, Straftaten womöglich nicht zu verfolgen. Es geht mir
vielmehr um den Sinn von Freiheitsstrafen und darum, ob wir
durch Nachdenken zu einer anderen, möglicherweise besseren
Methode kommen können, Straftaten zu ahnden.

Im Regelfall (vielleicht nicht bei Herrn Hoeneß, aber um den
geht es mir gar nicht) wirkt eine Gefängnisstrafe über den
Freiheitsentzug hinaus existenzvernichtend.

Die Existenz, die da „vernichtet“ wird, war doch in aller Regel schon vor der Freiheitsstrafe eine, die von der ehrlich arbeitenden Allgemeinheit ausgehalten werden musste. Insofern ändert sich da in der Regel erstmal nichts.

Die Folgen trägt
der Betroffene, aber auch die Gesellschaft in Euro und Cent
verdammt teuer.

Nee, schon die Ursache finanziert die Allgemeinheit.

Außerdem wird u. U. wertvolles Potential durch
Stigmatisierung dauerhaft der Gesellschaft entzogen.

Wertvoll für wen außer für jene Leute, die eine immer weitere Gesellschaftszersetzung anstreben?

Besonders
betroffen ist das persönliche Umfeld des zu Freiheitsstrafe
Verurteilten. Familien werden zerstört, soziale Bindungen
gekappt.

Das stimmt. Wenn ein Straftäter Kinder hat, wird deren Umgangsrecht durch die Freiheitsstrafe verletzt.

Das alles kann kein sinnvolles Ziel von
Strafverfolgung sein.

Wir reden vom Straf vollzug , oder?

Noch einmal: Bitte nicht reflexhaft
reagieren

Das tust eher du selbst, siehe unten.

und behaupten, ich wolle auf gesetzlose Anarchie
hinaus. Ganz im Gegenteil, mir geht es um den Schutz des
Gemeinwesens, das sich mit jeder Verurteilung zu
Freiheitsstrafe mit hohen Kosten und sozialen Lasten
befrachtet.

Sehr löblicher Ansatz.

Zugegeben, eine Patentlösung habe ich nicht parat. Ungeachtet
dessen rege ich an, über Alternativen zur so gar nicht
konstruktiven Freiheitsstrafe zu diskutieren, mit der im
Gefolge einer Straftat weiterer Schaden angerichtet wird. Mir
ist bewußt, welch seltsame Vorstellungen mancherorts bestehen
und mit welchen Vorschlägen aus solchen Ecken zu rechnen ist,
von Rübe ab bis Zwangsarbeit. Urheber solcher Vorschläge
werden vermutlich nie irgendwas begreifen. 

Also dass „Rübe ab“ von den „Vätern des Grundgesetzes“ aus dem Katalog der Strafen gestrichen wurde, ist mir bekannt, aber dass „Zwangsarbeit“ als Mittel der Strafvollzugs sogar ausdrücklich als zulässig erwähnt wird, weiß ich genau. Vermutlich haben die alle nichts begriffen?!

Möglicherweise ist ja der linke Denkansatz falsch, wonach es einem gesunden Menschen im allgemeinen eher nicht zuzumuten ist, für sein Heim, für seine Nahrung, für seine Kleidung oder die seiner Angehörigen - oder für den von ihm angerichteten Schaden - durch eigene, ehrliche, harte Arbeit aufzukommen, statt „Staatsknete“ (Branchenjargon) zu kassieren?

Die Zeiten beliebig austauschbarer Malocher gehen zu Ende. In
jeden einzelnen Bürger wurden 20 Jahre elterliche
Erziehungsmühe investiert, 10 bis 13 Jahre schulischer
Ausbildung und 3 bis über 10 Jahre beruflicher Ausbildung und
Studium - eine auch in Geld richtig wertvolle Ressource.

Nein, nicht für jeden einzelnen und noch nicht mal für jeden ehrlichen Bürger wurde das aufgewendet. Viele Knackis haben es noch nicht mal bis zu einem Hauptschulabschluss geschafft. Es ist in diesem Land nur einfach und ungefährlich genug, sich von der Sozialhilfe aushalten zu lassen und die Kasse dann mit Kriminalität aufzubessern, das ist die ganze Erklärung.

Und die Zeiten der Malocher gehen übrigens nicht zu Ende, sie fangen gerade erst an. Oder wer von der ganzen Akademikerschwemme stellt in Zeiten der Massenverrentung und des fehlenden Nachwuchses noch die Erbsen ins Regal, wer repariert die Kanalisation, wer bringt den Müll weg, wer karrt die Kranken durch die Gegend? Sozialpädagogen etwa? Oder Rechtsanwälte?

Dann
macht der Träger dieser Ressource einen Fehler, wird
eingebuchtet und damit ist seine wirtschaftliche und soziale
Existenz im Regelfall beendet, Statt gesellschaftlichen Nutzen
zu generieren wird Elend produziert, entstehen Kosten und
Bindung anderer menschlicher Ressourcen.

Wie gesagt: Da war in der Regel schon vorher kein Nutzen. Durch Zwangsarbeit würde ein Deliquent erstmals in seinem Leben wissen, wie es sich anfühlt, nach einem harten Arbeitstag mit Blasen an den Händen, aber um 200 Euro reicher als am Vortag ins Bett zu sinken. Wovon nur hundert Euro für Kost und Logis einbehalten würden. Steuern bräuchte man im Knast keine zu bezahlen, schließlich erbringt der Staat ja auch keine Gegenleistung. Mit dem ganzen Rest wären also die Folgen der Straftat zu begleichen und was dann nach ein paar Jahren noch bleibt, ist ein hübsches Startkapital in eine bessere Zukunft. Einen geregelten Tagesablauf und/oder einen einfachen Beruf könnte man noch dazu erlernen, und um im Knast mit Drogen in Kontakt zu kommen oder an einer „Knasthierarchie“ teilzunehmen, wären ohnehin abends alle viel zu müde und auch eine Muckibude ist dann nicht mehr nötig im Knast.

Die bisher praktizierten Methoden erscheinen mir
mittelalterlich, obrigkeitlich tradiert, für die Betroffenen
dauerhaft fatal und das Gemeinwesen wird durch Kosten und den
Entzug von menschlichen Ressourcen belastet. Gibt es bereits
konstruktivere Ansätze als die überwiegend unsinnigen
Freiheitsstrafen?

Ja, s.o.

Ich weiß, dass Arbeitstherapie nicht für alle denkbaren Straftäter der richtige Ansatz ist. Ein Päderast kann etwa vor seiner Entdeckung ein hochbezahlter und somit auch viele Steuern entrichtender Politiker gewesen sein und auch ein typischer Steuerhinterzieher gehört eher zur Minderheit derjenigen, die mehr in die öffentlichen Kassen einzahlen als sie von dort erhalten.

Aber es ist eben für 80 % der Straftäter der richtige Ansatz.

s.

Die armen Gesetzesbrecher.
Moin!

Es gibt einige Dinge in deiner These hier, wo ich mal nachfragen muss:

Irgendeine strafbare Tat wurde begangen. Sie läßt sich nicht
ungeschehen machen und der Täter sieht ein, Mist gebaut zu
haben
.

Gehst du jetzt davon aus, dass das auf jeden Täter zutrifft?
Das fände ich eine sehr starke, in meinen Augen unzulässige Vereinfachung.

(Mal abgesehen davon, wie das festgestellt werden soll, und: Warum sollte das eine Rolle spielen? Der Täter weiß vorher, was er tut und was ihm blüht, also hat er doch - wie überall sonst im Leben - die Konsequenzen zu tragen.)

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Es geht mir nicht
darum, Straftaten womöglich nicht zu verfolgen. Es geht mir
vielmehr um den Sinn von Freiheitsstrafen und darum, ob wir
durch Nachdenken zu einer anderen, möglicherweise besseren
Methode kommen können, Straftaten zu ahnden.

Dann solltest du Vorschläge machen.

Eine Strafe soll zum Einen abschrecken, zum Anderen vor allem den Täter die Konsequenz seines Tuns spüren lassen.
Welche Methoden gibt es dafür?

  • Geldstrafe
  • Freiheitsstrafe
  • Prügelstrafe
  • Hand abhacken
  • Steinigung
  • Auspeitschen
    etc.

Wir haben uns auf die ersten beiden geeinigt in unserer Gesellschaft. Wenn du „bessere“ Methoden kennst: Nenne Sie!

Im Regelfall (vielleicht nicht bei Herrn Hoeneß, aber um den
geht es mir gar nicht) wirkt eine Gefängnisstrafe über den
Freiheitsentzug hinaus existenzvernichtend.

Das weiß jeder Täter vorher!

Die Folgen trägt
der Betroffene, aber auch die Gesellschaft in Euro und Cent
verdammt teuer.

Nur weil es etwas kostet, können wir kaum sagen, wir schaffen die Strafen ab.

Wir haben uns nunmal entschieden, uns Gesetze und eine Verfassung zu geben, und das kostet eben etwas.

Wir könnten auch die Polizei abschaffen, soll doch jeder Reiche mal gucken, wie er seinen Reichtum alleine schützt. Wirklich?

Außerdem wird u. U. wertvolles Potential durch
Stigmatisierung dauerhaft der Gesellschaft entzogen.

Übersetzt heißt das: Wer Talente hat, wird nicht so stark bestraft wie jemand, der nicht so begabt ist. Hmm, gefällt mir nicht, überzeugt mich nicht.

Ich frage mich vielmehr, warum jemand, der Potentiale hat, sich nicht Regel und Gesetzes konform verhalten sollen muss.

Besonders
betroffen ist das persönliche Umfeld des zu Freiheitsstrafe
Verurteilten. Familien werden zerstört, soziale Bindungen
gekappt.

Ja, das Leben ist eben kein Ponyhof. Wenn mein Mann mich verlässt leide ich auch, ohne dass nun jemand Gesetze verletzt hätte.

Die Zeiten beliebig austauschbarer Malocher gehen zu Ende. In
jeden einzelnen Bürger wurden 20 Jahre elterliche
Erziehungsmühe investiert

In jeden einzelnen??? Da kenne ich genug Exemplare, die von ihren Eltern total vernachlässigt wurden, guck doch mal in die Asozialen-Viertel deiner Stadt.

:10 bis 13 Jahre schulischer

Ausbildung

…und guck dir an, was davon manchmal hängenbleibt

:und 3 bis über 10 Jahre beruflicher Ausbildung und

Studium

Ja, aber das trifft doch gar nicht auf alle zu, im Gegenteil kommen viele Straftäter doch oft aus bildungsfernen Schichten.

  • eine auch in Geld richtig wertvolle Ressource.

In meinen Augen vereinfachst du hier viel zu stark. Das Leben draußen sieht doch anders aus.

Dann
macht der Träger dieser Ressource einen Fehler , wird
eingebuchtet und damit ist seine wirtschaftliche und soziale
Existenz im Regelfall beendet,

Einen Fehler?
Hört sich an wie „Dummer-Jungenstreich“.
Steuern in Millionenhöhe zu hinterziehen, über Jahre hinweg, ist nicht nur ein „Fehler“:
Warum verharmlost du das insgesamt so sehr?

Statt gesellschaftlichen Nutzen
zu generieren wird Elend produziert, entstehen Kosten und
Bindung anderer menschlicher Ressourcen.

Das Zahlen der Steuern wäre doch auch ein gesellschaftlicher Nutzen gewesen.
Aber auf den kann man ja verzichten?
Und das Elend produziert doch der Täter, der sich nicht an die Gesetze hält!!
Was verdrehst du hier alles?

Die bisher praktizierten Methoden erscheinen mir
mittelalterlich, obrigkeitlich tradiert, für die Betroffenen
dauerhaft fatal und das Gemeinwesen wird durch Kosten und den
Entzug von menschlichen Ressourcen belastet. Gibt es bereits
konstruktivere Ansätze als die überwiegend unsinnigen
Freiheitsstrafen?

Leider hört man von dir ja bis jetzt nichts Konstruktives, dass einen überzeugen könnte, von den bisherigen Regeln abzuweichen.

Ich wünsche mir ein paar konkrete Vorschläge, wodurch man o.g. Strafen ersetzen könnte, damit ich einen Anhaltspunkt hätte, mir eine andere Meinung zu bilden.

Gruß, Fo

Gefängnisse sind unnötig…
…und kosten nur Geld.

Ich hätte lieber folgende vorgehensweise:

für Mord -> Vierteilen

für Totschlag -> HInrichten mittels Guillotine

für Diebstahl jedweder Art -> Hand abhacken

für Meineid, Beleidigung usw. -> Zunge abschneiden

für Steuerhinterziehung, Betrug, Veruntreuung usw. -> Einzug sämtlichen Vermögens aller Angehörigen(Grosseltern, Eltern, Geschwister, Kinder, Enkel )des „Täters“ und Aberkennung der Staatsbürgerschaft sowie Ausweisung aus der BRD

für Verkehrsdelikte jedweder Art -> 4Wochen Steinbruch

für Sexualvergehen -> Schwanz bzw. Kitzler abschneiden

für Vegetarier und Veganer -> Brandzeichen auf der Stirn

usw. usw.

Gruß Angus

Hallo Wolfgang,

ich finde dein Statement sehr nachvollziehbar und gut! Als Schöffe weiß ich, dass auch viele Richter und Staatsanwälte genau wissen, wie problematisch die Haftstrafe ist. Wenn einem da etwas wirklich Sinnvolleres einfallen würde, wäre es gut!

Karl

Erstmal zur Statistik: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Gesellschaft…

Wie man sieht, ist die Zahl der Strafgefangenen rückläufig. Die letzte Zahl beträgt 56.562 (31.03.2013). Das ist deutlich weniger als 0,1 % der Gesamtbevölkerung. Man kann sich also relativ sicher sein, dass - entsprechend deiner Anregung - in erster Linie diejenigen im Knast sitzen, die wirklich eine akute Gefahr für die Gesellschaft darstellen bzw. bei denen es eben nicht anders ging, als sie ins Gefängnis zu stecken.

In den USA ist der Anteil der Strafgefangenen deutlich höher, weil man einen anderen Ansatz verfolgt. Letztendlich handelt man in Deutschland also faktisch schon so, wie du es dir vorstellst. Weiter nach unten sollte man vielleicht aber auch nicht gehen, sonst entfiele der Abschreckungseffekt. Wenn ich mal exemplarisch das Beispiel Verkehrsüberschreitungen aufgreife: Ohne drohende Fahrverbote würden sich die Autofahrer vermutlich noch weniger an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Ein paar hundert Euro sorgen sicherlich nicht dafür, dass der Mann im Porsche mit einem Wert von mehreren zehntausend Euro langsamer fährt.

Aber wie immer gilt: Zur Vermeidung von Straftaten ist vor allem der Aufklärungsdruck wichtig, weniger die Strafandrohung. Und, weder Aufklärungsdruck noch Strafe bringen etwas, wenn ein festgenommener Krimineller durch einen anderen ersetzt wird. Momentan sind daher kriminelle Banden sowie importierte Strukturen (Einbrecherbanden) ein großes Problem. Angesichts der aktuellen Tatenlosigkeit der Politik („wer gegen offene Grenzen ist, ist ein rückwärtsgewandter Europagegner“), ist daher Strafvollzugspolitik eher am Ende der Kette anzusiedeln. Wie sieht da deine eigene Position aus?

Hallo

Ich finde auch, dass besonders Taten, die nur mit Geld zu tun hatten, mit Geld gesühnt werden sollten.

Und insbesondere sollte im Vordergrund stehen, dass der Täter, sofern möglich, den verursachten Schaden wieder gutmacht. Das kann er ja meistens gar nicht, wenn er im Gefängnis sitzt.

Allerdings müsste man auch eine Idee entwickeln, was man macht, wenn der Betroffene kein Geld mehr hat. Zwangsarbeit? Auch nicht so der Renner … außerdem ginge das ja auch nur, wenn man denjenigen einsperrt.

Viele Grüße

  • Geldstrafe
  • Freiheitsstrafe
  • Prügelstrafe
  • Hand abhacken
  • Steinigung
  • Auspeitschen
    etc.

Wir haben uns auf die ersten beiden geeinigt in unserer
Gesellschaft. Wenn du „bessere“ Methoden kennst: Nenne Sie!

Früher waren Leibstrafen statt Freiheitsstrafen deshalb nichts ungewöhnliches, weil sie die Familie des Straftäters nicht der Verelendung anheim und damit den öffentlichen Kassen zur Last fallen ließ. Der Eierdieb stand am Pranger und bekam 20 auf das Hinterteil und dann durfte er am nächsten Tag wieder arbeiten gehen. Freiheitsstrafen erschienen im Vergleich dazu unmenschlich, sie waren im Mittelalter entgegen der Ansicht von Wolfgang für Kleinkriminelle die Ausnahme, nicht die Regel. So ändern sich eben die Zeiten, Sitten und Ansichten. Es gibt da kein absolut richtig und absolut falsch.

s.

Hallo Angus,

ich wusste gar nicht, dass du den Koran wörtlich auslegst!

s.

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In zeiten political correctness der einzige Nenner…
Hallo Wolfgang,

Ganz unabhängig vom zockenden Ballspielvereinsmenschen: Wozu brauchen wir Freiheitsstrafen?

Als politisch korrekte Strafe, die „alle gleiche“ trifft.

Zugegeben, eine Patentlösung habe ich nicht parat. Ungeachtet
dessen rege ich an, über Alternativen zur so gar nicht
konstruktiven Freiheitsstrafe zu diskutieren, mit der im
Gefolge einer Straftat weiterer Schaden angerichtet wird.

Der Lösungen gibt es viele, nur die Anwendbarkeit ist politisch korrekt nicht zu diskutieren. Ein Führerscheinentzug trifft Verurteilte in der Tat unterschiedlich hart. Einigermaßen objektiv sind Tagessätze oder Zeit, egal ob hinter Gittern oder Sozialstunden. Bei letzterem wird es allerdings schon schwierig, objektiv zu bestimmen, ob diese abgeleistet wurden.

Haftstrafen treffen jedoch ebenso unterschiedlich hart. Dieser Ansatz ist jedoch politisch schon nicht korrekt zu führen, weil der Entzug der „Freiheit“ ja ideologisch weit über den unterschiedlichen konkreten Folgen (von „nun Dach überm Kopf“ bis Existenzverlust) steht.

Solange also der Führerschein nicht kommt, bewegt sich nichts in Deine mir sehr genehme Richtung.

Gruß
achim

Aus genau zwei wohlbedachten Gründen
Hallo,

Wozu brauchen wir Freiheitsstrafen?

a) Zur Vermeidung/Verhinderung von Fremd- und Selbstgefährdung (geschlossene Psychiatrie gehört übrigens auch hierzu).
b) Der Abschreckung wegen. Länger andauernder Freiheitsentzug, sofern der Strafvollzug hier auch funktionieren würde, ist eine äußerst grausame Strafe.

Außerdem wird u. U. wertvolles Potential durch Stigmatisierung dauerhaft der Gesellschaft entzogen.

Derartige Gegenverrechnungen werden derzeit regelmäßig praktiziert und sorgen dementsprechend für Unmut ob der offensichtlichen „Ungerechtigkeiten“. Das „wertvolle“ Potential hat auch Schäden, nicht nur finanzieller Art, verursacht.

Besonders betroffen ist das persönliche Umfeld des zu Freiheitsstrafe Verurteilten. Familien werden zerstört, soziale Bindungen gekappt. Das alles kann kein sinnvolles Ziel von Strafverfolgung sein.

Ich kann nicht nachvollziehen, inwiefern ich für die Taten/Untaten einer jedweden Person die Verantwortung hätte oder gar übernehmen könnte. Insofern ist Abschreckung vielleicht ein sehr wirkungsvolles Instrument zur Vermeidung von Straftaten, für die ein jeder ausschließlich selbst verantwortlich ist. Mit allen Konsequenzen seines Umfelds und seiner Zukunft.

Ganz im Gegenteil, mir geht es um den Schutz des Gemeinwesens, das sich mit jeder Verurteilung zu Freiheitsstrafe mit hohen Kosten und sozialen Lasten befrachtet.

Sie trägt auch die Kosten der Nachverfolgung/Überwachung/Sicherstellung anderer Strafen wie etwa Wiedergutmachung gegenüber Opfern.

Die bisher praktizierten Methoden erscheinen mir mittelalterlich, obrigkeitlich tradiert, für die Betroffenen dauerhaft fatal und das Gemeinwesen wird durch Kosten und den Entzug von menschlichen Ressourcen belastet.

Man sollte nicht den Eindruck des persönlich wahrnehmbaren Schadens (wie in einem Fall Uli) als Maßstab für grundsätzliche Betrachtungen machen. Gelegentlich hilft hier die nüchterne Betrachtungsweise, dass andere geschädigt oder ihnen etwas vorenthalten wurde.

Gruß
nasziv

Hallo,

Ein Führerscheinentzug trifft Verurteilte in der Tat unterschiedlich hart.

Haftstrafen treffen jedoch ebenso unterschiedlich hart.

Beides halte ich für falsch bewertet. Ein jeder ist sollte sich seines persönlichen Risikos und den damit verbundenen Folgen bewusst sein. Sonderbehandlung sollte man nicht erwarten dürfen, weil ausgeschlossen.

Daher hat es nichts mit pc, diesem gefühlten Verständnis, zu tun. Es ist schlicht eine sachlich neutrale Regelung für jedermann.

Political uncorrect dagegen wäre es, wenn man „unterschiedliche“ Strafmaße in dem Sinne pflegt, dass die persönlichen Verhältnisse eine Rolle spielen. Den einen beschützen, den anderen missachten.

Gruß
nasziv

Hallo,

ganz „reflexartig“ fällt mir das Abschrecken ein. Was soll es denn für eine adäquate Strafe als Alternative geben? Wenn einer nach einer Wirtschaftsstraftat frei herumlaufen kann, dann würde Herr Meyer und Frau Müller das morgen auch machen - „kann uns ja nichts passieren“.

Viele Grüße

Hallo,

Freiheitsstrafen waren im Mittelalter und davor wegen der Kosten nicht „angesagt“…

Man wollte keine Verbrecher „durchfüttern“,sondern sie entweder sofort hinrichten oder durch das Brandmarken/Abtrennen von Körperteilen Stigmatisieren.
Was im übrigen erst recht zur Kriminialität beitrug…

Hallo,

Ich finde auch, dass besonders Taten, die nur mit Geld zu tun
hatten, mit Geld gesühnt werden sollten.

Das klingt wie ein Freibrief für alle die Geld haben.

Und insbesondere sollte im Vordergrund stehen, dass der Täter,
sofern möglich, den verursachten Schaden wieder gutmacht. Das
kann er ja meistens gar nicht, wenn er im Gefängnis sitzt.

Du würdest Dich sehr wundern, was man alles im Gefägnis machen kann - Du kannst sogar Dein Geschäft weiterführen. Kein Mensch sitzt in Deutschland seine Gefägnisstrafe in Isolationshaft ohne Kontakt zur Außenwelt ab.

Allerdings müsste man auch eine Idee entwickeln, was man
macht, wenn der Betroffene kein Geld mehr hat. Zwangsarbeit?
Auch nicht so der Renner … außerdem ginge das ja auch nur,
wenn man denjenigen einsperrt.

Warum soll es überhaupt ein „Renner“ sein? Eine Strafe soll wehtun, sonst ist es keine Strafe. Was soll das denn für Strafarbeit sein? Kohlekraftwerke gibt es kaum noch, die Müllabfuhr ist ein festen Händen und ich würde es nicht wünschen, dass alle, die normalerweise im Knast sitzen würden, meinen Kindern im Kindergarten das Frühstück macht oder meinem Opa im Altersheim die Windel wechselt. Im Gefägnis wird übrigends auch gearbeitet.

Es ist schon erstaunlich, wie milde manche Leute mit Wirtschaftsverbrechern umgehen möchten - „sie haben ja soo ein großes Potenzial…“

Viele Grüße

Hallo,

weil wir leider nicht eine „Gute Gesellschaft“ sind…viele Probleme ließen sich enfach beseitigen…
zum B. durch eine richtige Erziehung ohne „Beeinflussung“ von irgendwelchen Religionen…

Freigabe von Drogen zum B.,weil damit nämlich die ganze Beschaffunsgkriminalität wegfiele und die Leute hinter den Kulissen nicht mehr den Reibach machen könnten.

Mindestlöhne und MIndeststandards für das Lebensniveau…

die Liste ließe sich lange fortsetzen…

Hallo

Ich finde auch, dass besonders Taten, die nur mit Geld zu tun hatten, mit Geld gesühnt werden sollten.

Das klingt wie ein Freibrief für alle die Geld haben.

Wieso Freibrief?
Wenn jemand kriminell wird, um mehr Geld zu kriegen als ihm zusteht, den wird es doch wohl hart treffen, wenn er nicht nur den Schaden wieder gutmachen, sondern auch noch eine hohe Geldstrafe bezahlen muss.

Das Problem, was man dann mit denjenigen macht, die kein Geld haben, das habe ich durchaus erkannt.

Viele Grüße

Lieber Wolfgang,

„in jeden einzelnen Bürger wurden 20 Jahre elterlicher Erziehungsmühe investiert“? In welchem Land lebst Du denn? Es gibt Lehrerinnen und Lehrer, die morgens mit einer Tüte Brötchen in die Klasse kommen, weil die Schüler zuhause nicht mal ein Frühstück bekommen. Die Zahl verwahrloster, in Armut lebender Kinder nimmt in Deutschland zu. Sehr viele von denen geraten auf die schiefe Bahn. Wenn die gesellschaftlichen Organisationen und Initiativen diese Jugendlichen nicht erreichen, beginnen sie eine kriminelle Laufbahn, die oft genug im Knast endet.

Für viele wird dieser Aufenthalt aber zur letzten Chance. Sie sind dem Ghettomillieu entzogen und können den Hauptschulabschluss nachholen oder einen Beruf erlernen.

Dein Thema „Gesellschaftlicher Nutzen von Freiheitsentzug“ sollte in einem demokratischen Staat permanent diskutiert werden. Nach meiner Überzeugung sind aber viele Deiner Argumentationen nicht zutreffend, weil sie von falschen Prämissen ausgehen. Siehe das Beispiel zu Beginn meiner Ausführungen.

Vielleicht solltest Du zunächst Texte im Netz suchen, die zu Deiner Fragestellung passen. Und die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen, die Nutzen und Schaden des Freiheitsentzuges untersuchen. Das wäre dann die Basis für eine echte Diskussion.

Freundliche Grüße

Hans-Jürgen Schneider

Hallo,

das ist eigentlich realtiv einfach. Wir wollen die Leute resozialisieren, das erreichen wir, in dem wir ihr Grundrecht auf Freiheit einschränken. Der Gedanke der Strafe steht dabei nicht im Vordergrund. Schutz der Gesellschaft gibt es eigentlich nur bei Sicherungsverwahrung, die aber die Ausnahme ist.

Das Ziel, den Straftäter durch zeitnahe körperliche Bestrafung so zu konditionieren, dass er die Verfehlung nicht wiederholen will wäre ein Ansatz, ist aber durch unser GG nicht möglich.

hth