Hallo!
Ganz unabhängig vom zockenden Ballspielvereinsmenschen: Wozu brauchen wir Freiheitsstrafen?
Es gibt Täter, insbesondere Gewalttäter, vor denen sich die Gesellschaft schützen muß. In solchen Fällen hat Einsperren einen erkennbaren Sinn, einen gesellschaftlichen Nutzen. In allen anderen Fällen sollte man den Sinn von Freiheitsstrafen hinterfragen.
Irgendeine strafbare Tat wurde begangen. Sie läßt sich nicht ungeschehen machen und der Täter sieht ein, Mist gebaut zu haben. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Es geht mir nicht darum, Straftaten womöglich nicht zu verfolgen. Es geht mir vielmehr um den Sinn von Freiheitsstrafen und darum, ob wir durch Nachdenken zu einer anderen, möglicherweise besseren Methode kommen können, Straftaten zu ahnden.
Im Regelfall (vielleicht nicht bei Herrn Hoeneß, aber um den geht es mir gar nicht) wirkt eine Gefängnisstrafe über den Freiheitsentzug hinaus existenzvernichtend. Die Folgen trägt der Betroffene, aber auch die Gesellschaft in Euro und Cent verdammt teuer. Außerdem wird u. U. wertvolles Potential durch Stigmatisierung dauerhaft der Gesellschaft entzogen. Besonders betroffen ist das persönliche Umfeld des zu Freiheitsstrafe Verurteilten. Familien werden zerstört, soziale Bindungen gekappt. Das alles kann kein sinnvolles Ziel von Strafverfolgung sein. Noch einmal: Bitte nicht reflexhaft reagieren und behaupten, ich wolle auf gesetzlose Anarchie hinaus. Ganz im Gegenteil, mir geht es um den Schutz des Gemeinwesens, das sich mit jeder Verurteilung zu Freiheitsstrafe mit hohen Kosten und sozialen Lasten befrachtet.
Zugegeben, eine Patentlösung habe ich nicht parat. Ungeachtet dessen rege ich an, über Alternativen zur so gar nicht konstruktiven Freiheitsstrafe zu diskutieren, mit der im Gefolge einer Straftat weiterer Schaden angerichtet wird. Mir ist bewußt, welch seltsame Vorstellungen mancherorts bestehen und mit welchen Vorschlägen aus solchen Ecken zu rechnen ist, von Rübe ab bis Zwangsarbeit. Urheber solcher Vorschläge werden vermutlich nie irgendwas begreifen.
Die Zeiten beliebig austauschbarer Malocher gehen zu Ende. In jeden einzelnen Bürger wurden 20 Jahre elterliche Erziehungsmühe investiert, 10 bis 13 Jahre schulischer Ausbildung und 3 bis über 10 Jahre beruflicher Ausbildung und Studium - eine auch in Geld richtig wertvolle Ressource. Dann macht der Träger dieser Ressource einen Fehler, wird eingebuchtet und damit ist seine wirtschaftliche und soziale Existenz im Regelfall beendet, Statt gesellschaftlichen Nutzen zu generieren wird Elend produziert, entstehen Kosten und Bindung anderer menschlicher Ressourcen.
Die bisher praktizierten Methoden erscheinen mir mittelalterlich, obrigkeitlich tradiert, für die Betroffenen dauerhaft fatal und das Gemeinwesen wird durch Kosten und den Entzug von menschlichen Ressourcen belastet. Gibt es bereits konstruktivere Ansätze als die überwiegend unsinnigen Freiheitsstrafen?
Gruß
Wolfgang