Hi,
Ich wollte eigentlich gar nicht so im Detail auf diese Dinge eingehen, weil ich darüber nach unseren Erfahrungen Bücher schreiben könnte und nie weiß, wann ich aufhören soll.
Ich hab diese Diskussion am Rande in England mitbekommen und
fand ziemlich gruselig, dass ein Kind, bei dem von 4
Großeltern nur ein Großelternteil „afro-carrabean“, und alle
anderen 3 die üblichen Engländer käsig/europäischen Typs
waren, als „coloured“ galt und zur Adoption entsprechend
vermittelt werden sollte.
Das stimmt. Entspricht aber auch der Realität. Schau dir mal die Bandbreite der äußeren Erscheinungen von Afroamerikanern in den USA an - sobald ein afroamerikanischer Urgroßvater im Spiel war, gilt die Person als „black“.
Sorry, aber ich finde das schon
reichlich rassistisch.
Ist es sicher. Ich habe mich unglücklich ausgedrückt. Es handelt sich nur nicht um den biederen „altmodischen“ Rassismus von vor (?) 30, 40 Jahren.
Gerade in den USA dürften die meisten
„Schwarzen“ auch „weiße“ Vorfahren haben.
Von dort gerade kommt die Ablehnung der Adoption von „schwarzen“ Kindern von weißen Familien. Sie ging ursprünglich vor allem von einer sehr lauten Organisation aus ,der „Black American Social Workers“, die sogar das große Wort „cultural genocide“ in den Mund genommen haben (die Papiere dazu habe ich irgendwann weggeschmissen, weil ich es nicht mehr sehen konnte, aber dazu müsste man, wenn man sucht, etwas finden können - ich möchte das nicht mehr).
Das Grundargument (neben politischen Argumenten, dass reiche, weiße Familien den armen, schwarzen Familien nun auch noch die Kinder wegnehmen und sie dadurch ausbeiten) war, dass weiße Familien ihren Kindern nicht in angemessener Form auf den Rassismus vorbereiten können, der ihnen im täglichen Leben begegnen wird.
Innerhalb gewisser Grenzen kann ich diesem Argument auch folgen - es gibt Dinge, die ich mit meinen Söhnen auf intellektueller Ebene besprechen kann, aber mir fehlt die nötige Empathie, egal, wie sehr ich mich bemühe. Dennoch sind diese Argumente nicht ausreichend, um mir einzureden, ich sei eine unfähige Mutter. Dass ich nicht die Mutter erster Wahl bin, ist mir hingegen klar. Die biologischen Eltern wären, so sie in der Lage dazu wären, die beste Wahl. Eltern, die meinen Kindern von ihrem Hintergrund und auch von ihrer Optik her ähneln, wären zweite Wahl. Aber kein Mensch kann mir einreden, dass ich schlechter als ein Heim für meine Kinder bin. Wie ich in einer Antwort an chatairliner geschrieben habe, muss das aber nicht für alle Kinder gleich sein.
Ich bin bei Adoptionen für eine individuelle Regelungen, die den jeweiligen Fall in Betracht nehmen. Durch diese Ablehnung der Normierung entsteht natürlich ganz automatisch die Gefahr, dass Entscheidungen nicht mehr generell nachprüfbar sind. Dennoch ziehe ich diesen Umgang mit Menschen vor. Aber gerade deshalb wehre ich mich gegen jegliche Pauschalierungen, angefangen vom automatischen Ablehnen von homosexuellen Adoptiveltern wie auch Aussagen, in denen Adoptionen als Lösungen für alle möglichen gesellschaftlichen Probleme gehandelt werden.
Adoption ist im besten Falle eine Geschichte mit gutem Ausgang, die aus der Verbindung von lauter schlechten Ausgangslagen entstanden ist.
In der beste aller Welten gäbe es keine Adoptionen.
Gruß
Elke