Hallo Thomas,
Das grösste Problem, das ich mit dieser
Definition hätte, wäre, woher das Nicht-Bewusste denn kommt
und woher es „weiss“, was es zu tun hat.
Damit setzt Du voraus, daß a) alles einen Sinn haben musst (den Du evtl. sogar auch noch verstehen willst) und b) daß es da eine aktive Komponente gibt, die alles, was geschieht, anstösst oder gar lenkt.
Das muß aber gar nicht zwingend so sein.
Du weisst sicher selbst, daß es nicht nur gott oder nichts
gibt, sondern beliebig viele Möglichkeiten.
Ich sehe das als eine schwächere Frage. Die grundlegende Frage
ist Gott ja oder nein. Erst wenn wir mit ja antworten, dann
folgt die Frage nach „wie ist Gott denn“ und hier sind der
Antworten viele.
Definiere „Gott“ in diesem Zusammenhang.
Ich persönlich finde mich am besten mit den Aussagen Plotins
http://www.p-moeller.de/plotin.htm
und v.a. Spinozas
http://mitglied.lycos.de/Querbeet/referate/glaube.html
zurecht.
Aber Du betonst so sehr Deine Ansichten „ganz ohne Gott“. Wenn
ich die Links aber korrekt begriffen habe, gehen beide
Philosophen von einem Gott aus, Plotin ganz explizit, Spinoza
mehr indirekt durch den Begriff Transzendenz.
Ich habe auch nicht gesagt, daß ich beiden in allen Punkten folge… Mal davon ab verstehe ich Spinoza nicht so, als daß er von einem Gott ausgeht (wobei auch hier wieder die Frage ist, was dieser Begriff eigentlich meint).
Dadurch empfinde auch ich so etwas „banales“ wie das Springen
eines Balles, das Zwitschern eines Vogels, das Gefühl, das das
Lächeln einer Frau bei mir verursacht, und auch ihr Lächeln
selbst als Wunder und als wundervoll.
Ja, das tue ich auch, weil all das (nach meiner Ansicht) aus
Gott kommt.
Das darfst Du ja auch
, ich wollte lediglich feststellen, daß es keinen Gott dafür braucht, Wunder zu sehen!
Diese Anschauung vermag ein unglaublich friedliches und
ruhiges Gefühl vermitteln, das Gefühl, daß letztendlich schon
alles gut so ist, wie es ist.
Das kommt aber nur dadurch, dass Du Deine Augen vor den Dingen
verschliesst, die einfach nicht gut sind.
Es kommt auf den Maßstab an, in dem man betrachtet.
Natürlich erliege ich auch mehr oder weniger den üblichen Vorstellungen von Gut und Böse, bin auch traurig oder wütend usw. Aber wenn wir von einem Weltbild reden, uns Gedanken über das Ganze machen, werden Gut und Böse völlig irrelevant.
Ein Beispiel: Wir sind uns alle einig, daß wir unter zunehmender Umweltzerstörung und -verschmutzung zu leiden haben, dennoch sind Sätze wie „Wir machen den Planeten kaputt“, „Wir zerstören die Natur“ usw. eigentlich blanker Hohn.
Der Mensch IST Natur, alles, was er tut IST Natur, und wenn sich der Planet verändert, dann IST das Natur. Da gibt es nix kaputt zu machen. UNS SELBST machen wir vielleicht kaputt, aber sicher nicht die Natur. Was kümmert es das Universum, wenn auf der Erde mal keine Menschen mehr leben? Was kümmert es die Erde, wenn sie mal ganz anders aussieht und eine völlig andere Umgebung für andere Formen ist? Oder halt eben gar keine mehr? Nur weil wir unsere „Natur“ als schön empfinden, muß das noch lange nicht der einzig wahre Weg sein.
Alles eine Frage des Maßstabes.
Gibt man das zu und sieht, dass kein Mensch von sich aus die
dunklen Seiten überwinden kann, dann kommt man unweigerlich
zum Schluss, dass der Mensch Erlösungsbedürftig ist. Damit ist
die Dualität automatisch da.
Nein! Die Worte „unweigerlich“ und „automatisch“ kann ich nicht annehmen. Deine Dualität erwächst aus sich selbst, Du kommst nur zu ihr, weil Du sie schon vorher annimmst.
Provokativ gesagt: Auch die dunklen Seiten der Menschen, alle die Du aufgezählt hast, sind in Ordnung!
Ich sehe schon fundamentale Unterschiede zwischen Christentum
und anderen Religionen. Das wäre allerdings ein eigener
thread.
Ja, wäre es.
Aber die meisten Christen haben durch die Geschichte
gelernt, dass man diese Ansicht niemanden aufzwingen darf.
Dann gerate ich wahrscheinlich so häufig an die wenigen anderen, weil sich die toleranten nicht so in den Vordergrund drängen… Es gibt ja auch heute noch ziemlich penetrante Missionare.
Das ist doch auch _nur_ mit der Bibel in Einklang zu bringen, weil Du hier das Wort „aufzwingen“ verwendest, oder? Schließlich besteht ja schon ein Missionierungsauftrag, wenn mich recht entsinne! (wie in den meisten anderen Religionen auch, ich glaube die Buddhisten sind die einzigen, bei denen man mitmachen darf, ohne abweichenden Glauben aufgeben zu müssen)
Das und der Anspruch „DAS ist die einzige Wahrheit“ stören mich am meisten am Christentum und an anderen erst recht.
Gruß,
Doc.
P.S.: Ich entschuldige mich hiermit bei allen, die sich hier durchkämpfen und eigentlich nach dem Thema „Wunder“ suchen und es nicht finden!