Wunschziel bei Rettungsfahrt

Liebe ExpertInnen,

meine Schwiegermutter (87) hatte letzte Woche einen Kreislaufkollaps, so dass ich die Rettung angerufen habe. Inzwischen ist sie wieder zuhause (wir haben sie gegen heftigsten Protest des Personals heimgeholt), hat mir aber gesagt, dass sie lieber sterben würde, als sich nochmal in dieses Krankenhaus einliefern zu lassen. Ob berechtigt oder nicht, sei mal dahingestellt - ich würde gern wissen, ob die Retter auch in ein Krankenhaus fahren, das ich ihnen nenne. Die Entfernung ist zu beiden Häusern die gleiche, sie liegen jedoch in unterschiedlichen Landkreisen. Wer weiß was?

Gruß Ralf

Servus,
nach meinem Kenntnisstand darf eine Rettungswagen nur dann ein anderes KH in einem anderen LK anfahren wenn das KH im eigenen keinen Notdienst hat oder voll ist oder nicht für den Krankheitsfall eingerichtet ist.
IdR. kommt der RW aus deinem Landkreis und muss daher in eben diesem bleiben.
Gruß Steffen

Hi,

ich würde gern wissen, ob die
Retter auch in ein Krankenhaus fahren, das ich ihnen nenne.
Die Entfernung ist zu beiden Häusern die gleiche, sie liegen
jedoch in unterschiedlichen Landkreisen. Wer weiß was?

Formal gesehen hat jeder Patient das Recht auf freie Arztwahl.
Allerdings gibt es Rechtsgüter, die im Zweifelsfall schwerer wiegen (z.B. schnelle Einsatzbereitschaft), und evtl. Mehrkosten für einen Umweg können auf den Patienten umgelegt werden. Naja, und letztlich ist der Fahrer der Fahrer, und ER entscheidet unter’m Strich, wo er hinfährt :smile:

Wenn das Wunschkrankenhaus also genauso weit weg ist und nicht dringende Gründe (bspw. ein Anschlußeinsatz von den anderen KH aus o.ä.) dagegen sprechen, werden die Retter auf eine nett formulierte Bitte vermutlich eingehen.

Gruß,

Malte.

Hallo,

wenn Du Dich vorher um ein Bett kümmerst geht das sicherlich. Im Falle von von Notfällen und von dringenden Krankentransporten ist es allerdings nur eingeschränkt so. Die Kliniken melden sich normalerweise bei der Rettungsleitstelle ab, wenn sie keine freien Betten mehr haben;

Für Dich bedeutet das, entweder Du hast schon ein Bett in einer Klinik organisiert oder die Leitstelle tut es. Die Leitstelle ruft ansonsten bei der Klinik an und klärt ab, ob die Klinik angefahren werden kann. Du wirst allerdings Schwierigekeiten haben selber ein Bett zu bekommen, wenn Du ein Intensivbett oder was spezielleres brauchst.

Prinzipiell gilt, alle Kliniken müssen Notfälle aufnehmen, sie können aber hinterher die Patienten in andere Kliniken verlegen, wenn sie keinen Platz haben. Genauso gilt für Dich, Du kannst Deine Mutter auch verlegen lassen, allerdings auf Deine Kosten.

Grüße
Julia

Hi,

wenn Du Dich vorher um ein Bett kümmerst geht das sicherlich.
Im Falle von von Notfällen und von dringenden
Krankentransporten ist es allerdings nur eingeschränkt so. Die
Kliniken melden sich normalerweise bei der Rettungsleitstelle
ab, wenn sie keine freien Betten mehr haben;

Bei kleineren Häusern soll sowas vorkommen :smile:

Für Dich bedeutet das, entweder Du hast schon ein Bett in
einer Klinik organisiert oder die Leitstelle tut es. Die
Leitstelle ruft ansonsten bei der Klinik an und klärt ab, ob
die Klinik angefahren werden kann.

Ich hab so ein Gespräch in viereinhalb Jahren Rettung nicht ein einziges Mal veranlasst.
(Okay, stimmt nicht ganz: Verbrennungs- und Schockraumpatienten haben wir angemeldet.)

Prinzipiell gilt, alle Kliniken müssen Notfälle aufnehmen, sie
können aber hinterher die Patienten in andere Kliniken
verlegen, wenn sie keinen Platz haben.

Viel interessanter als die Frage, ob die Klinik jemanden nehmen muß (diese Frage ist keine, weil die Klinik immer erstmal muß, wie Du richtig feststellst), finde ich die Frage, wie sich das Recht des Patienten auf freie Arztwahl zu den durchaus auch begründeten Ansprüchen der RTW-Besatzung verhält.

Gruß,

Malte.

Morgen,

Ich hab so ein Gespräch in viereinhalb Jahren Rettung nicht
ein einziges Mal veranlasst.

Naja, in vielen Landstrichen ist es üblich, das man sich von der Leitstelle anmelden läßt. Prinzipiell finde ich ich ist ein Patient beim Krankentransport Kunde, also hat man sich natürlich im Rahmen der Möglichkeiten nach den Wünschen zu richten. Sind zwei Kliniken ähnlich weit entfernt, spricht nur dagegen, wenn die Klinik voll oder überlastet, weil gerade schon mehrere Patienten eingeliefert worden (Notaufnahme voll) dagegen.

Was soll ich sagen, noch nie bei einem Krankentransport eine Klinik abgeklärt zu ahben, spricht gegen den Rettungsdienstbereich, vor allem, wenn es einfach allgemein nicht üblich ist.

Viel interessanter als die Frage, ob die Klinik jemanden
nehmen muß (diese Frage ist keine, weil die Klinik immer
erstmal muß, wie Du richtig feststellst), finde ich die Frage,
wie sich das Recht des Patienten auf freie Arztwahl zu den
durchaus auch begründeten Ansprüchen der RTW-Besatzung
verhält.

Ich weiß nicht, welche begründete Ansprüche eine RTW-Beatzung gegen eine Klinik haben kann? Die Klinik kann was dagegen haben, oder die medizinische Lage (Patient nicht für so weite Strecken transportfähig) erlaubt es nicht.

Gruß
Juhe

Danke Euch allen! (owT)

Hi Ray,

das ist kein Film, sondern die Tatsache, dass eine - etwas eigensinnige, zugegeben - alte Dame mit Haldol (5, 5, 10 mg) ruhiggestellt wurde.

Gruß Ralf

Hi,

ich kenne den konkreten Fall nicht, es macht mich aber auch stutzig wenn Du die alte Dame gegen dringenden Rat aus dem Krankenhaus holst. Daß sie mit Haldol ruhiggestellt wurde ist ja erstmal kein Fehler, es kommt eben darauf warum sie es bekommt.

Aber Haldol hin, Haldol her, wenn sie jetzt trotz eindeutig nötiger Behandlung im KH zuhause liegt und nicvht versorgt wird schadet ihr das definitiv mehr als eine Ruhigstellung mit Haldol, selbst wenn diese nicht dringend indiziert wäre…

Gruß,

MecFleih

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Hi,

ich kenne es aus langjähriger Erfahrung als Rettungsdienstler hier im Landkreis so: die Krankenhäuser sind angehalten der Rettungsleitstelle ihre freien Bettenkapazitäten zu melden und auch zu melden wenn eine Abteilung nicht mehr aufnahmefähig ist. Ein Krankenhaus kann sich zwar nicht offiziell „zu melden“ weil sie behandlungsbedürftige Patienten immer versorgen müssen, aber wenn es mehrere geeignete Krankenhäuser zur Auswahl gibt ist es natürlich sinnvoll gleich dorthin zu fahren wo noch freie Kapazitäten sind.

Darüber hinaus gibt es die prinzipielle Vorgabe „das nächste geeignete Krankenhaus“ anzufahren. Als solches wird regelmäßig das Krankenhaus gelten, welches den Patienten adäquat behandeln kann und darüber hinaus noch Patienten aufnehmen kann.
So ist sichergestellt daß einerseits der Patient in das schnellsterreichbare, geeignete Krankenhaus kommt, der Rettungswagen schnell wieder einsatzbereit ist und der Krankenkasse die geringstmöglichen Kosten entstehen.

Falls Du nun äußerst daß Du in eine bestimmte Zielklinik transportiert werden möchtest liegt es an der Rettungsdienst-Besatzung zu entscheiden ob diesem Wunsch entsprochen werden kann oder nicht.
Gerade bei älteren Menschen, die vielleicht schon oft in einer bestimmten Klinik waren, macht es Sinn sie auch wieder dorthin zu bringen weil dort alle Krankenakten vorliegen und vielleicht der Patient persönlich bekannt ist.
Das setzt aber vorraus daß dieses Krankenhaus nicht endlos weiter entfernt ist als die vielleicht genauso geeignete nähere Klinik, es setzt vorraus daß die Wunschklinik auf der entsprechenden Abteilung noch „frei gemeldet“ ist, und die gewünschte Klinik muß für die Behandlung des jeweiligen Problems geeignet sein.

Wenn diese Vorraussetzungen gegeben sind und Du zudem freundlich zu den Rettungsdienstmitarbeitern bist, weil Du letztlich auf deren „guten Willen“ angewiesen bist Dich in eine weiter entfernte Klinik zu bringen obwohl eine genauso geeignete näher läge, dann gibt es normalerweise kein Problem.

Du solltest aber auch akzeptieren wenn dem Wunsch eventuell nicht entsprochen werden kann, denn vielleicht ist einfach eine der Vorraussetzungen nicht gegeben um jemanden in eine bestimmte Klinik zu bringen.

Gruß,

MecFleih

PS: Hier stand zu lesen daß man auch selber ein Bett organisieren könne. Das stimmt in der Theorie, in der Praxis ist das Unsinn.
Kann der Angehörige, als medizinischer Laie, eine (Verdachts-)diagnose stellen und entscheiden wo eine geeignete Behandlung stattfinden kann? Weiß er an wen man sich im KH wenden muß um eine definitive Zusage für die Aufnahme in einer bestimmten Fachabteilung zu bekommen?

In der Praxis ist es doch so daß der Angehörige diesen Überblick nicht hat weil er gar nicht weiß welche Krankenhäuser in Frage kommen, und weil er nur Vermutungen anstellen, aber keine fundierte Diagnose stellen kann, außerdem in einer aufgeregten Situation meist sowieso nicht überlegt agiert.
In der Praxis ist es so daß in 90% aller Fälle behauptet wird daß man bereits ein Bett im Krankenhaus XY organisiert habe, kommt man dann dort an weiß das KH von nichts und es stellt sich oft heraus daß die Angehörigen nur etwas behauptet haben um in ein bestimmtes KH zu kommen.
Deswegen verläßt sich auf derartige Aussagen kaum noch jemand. Ich verlasse mich auf Aussagen des (Haus-)Arztes, der Rettungsleitstelle oder organisiere selber ein Bett. Die kann ich nämlich, wenn’s in die Hose geht, zur Verantwortung ziehen.

Man sollte seine Zeit in dieser Situation also lieber damit verbringen den Patienten zu betreuen als sinnlos im Nirvana großer Kliniken herumzutelefonieren. Und wenn man dann freundlich und normal mit den Rettungsassistenten spricht werden die einen, wenn nichts dagegen spricht, auch ohne Probleme ins gewünschte KH bringen.

Hi MecFleih,

ich schrieb nicht von gegen dringenden Rat, sondern gegen heftigsten Protest - ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied, der sich im „bitte sehr, auf Ihre Verantwortung“ äußerte, hervorgeknurrt hinter zusammengebissenen Zähnen.

Daß sie mit Haldol ruhiggestellt wurde ist ja erstmal kein Fehler, es kommt eben darauf
warum sie es bekommt.

Haldol ist angesagt bei schizophrenen Schüben, bei akuten Fällen von Vergiftungen, bei Verwirrtheit und Erregungszuständen (wird noch ein paar Gründe geben), ist aber auch wurscht - es wurde 4 Tage nach der Einlieferung gegeben, weil Oma (Diabetikerin) sich von einer bestimmten Schwester keine Spritze geben lassen wollte. Auf meine Frage nach den Blutergüssen am Arm, die ich erst zuhause gesehen habe, kam ein verschämtes „Wir haben gerauft“. 87 Jahre, wohlgemerkt, und wohl eigensinnig, aber niemals streitsüchtig. Handgreiflich schon gar nicht.

Aber Haldol hin, Haldol her, wenn sie … nicvht versorgt wird

Ich bin mit ihr zum Hausarzt gefahren.

schadet ihr das definitiv mehr als eine Ruhigstellung mit
Haldol, selbst wenn diese nicht dringend indiziert wäre…

Das geht jetzt nicht gegen Dich, im Rettungsdienst sieht man sowas vielleicht pragmatischer, aber Medikation um der Bequemlichkeit auf Station willen kann ich nicht hinnehmen.

Gruß Ralf

Hi,

Haldol ist angesagt bei schizophrenen Schüben, bei akuten
Fällen von Vergiftungen, bei Verwirrtheit und
Erregungszuständen (wird noch ein paar Gründe geben), ist aber
auch wurscht - es wurde 4 Tage nach der Einlieferung gegeben,
weil Oma (Diabetikerin) sich von einer bestimmten Schwester
keine Spritze geben lassen wollte.

Warum nicht?

Das geht jetzt nicht gegen Dich, im Rettungsdienst sieht man
sowas vielleicht pragmatischer, aber Medikation um der
Bequemlichkeit auf Station willen kann ich nicht hinnehmen.

Es ist in der Tat schwer bis unmöglich das aus der Entfernung zu beurteilen. Deswegen kann ich nicht bewerten welche Seite da nun richtig handelt…

Ältere Menschen neigen mitunter zu dementem Verhalten, „Altersstarrsinn“, etc. Da ist es dann oft schwer zu unterscheiden zwischen der fundierten Willensäußerung eines alten Menschen, die ja keineswegs alle blöd oder dement sind, und denen, die aber eben doch etwas verwirrt sind.

Bei unruhigen Leuten, die oft sehr agitiert sind und deswegen Gefahr laufen sich selber zu verletzen ist es oft eine gute Möglichkeit sie mit Haldol oder ähnlichem zu sedieren (beruhigen).
In eurem Fall kann ich es natürlich nicht beurteilen. Ich möchte nur zu bedenken geben daß der Grad zwischen einer zu verurteilenden, generellen Ruhigstellung um Ruhe vor Patienten zu haben und der indizierten Beruhigung unruhiger und sich selbst gefährdender Patienten oft schmal ist.

Alles Gute für euch,

MecFleih

Hallo,

das sollte kein Problem sein. Meine Mutter musste leider öfter mit dem NRW in eine Klinik gebracht werden. Ich habe dabei grundsätzlich auf die Klinik bestanden, in der sie a) bekannt war und wo ich sie b) gut versorgt wusste.
Ein nötiger Transport während meiner Abwesenheit führte 1 x dazu das sie in die Landkreis Klinik kam, eine Umverlegung erfolgt nach 2 Wochen!
Auch ich bin dagegen das alte Patienten erstmal ruhiggestellt werden, weil sie sich gegen grobe Behandlung (z.Bsp.) versuchen zu wehren.
Die Kliniken lagen auch in verschiedenen Bundesländern (Niedersachsen und Bremen).
Inge