Hi,
ich kenne es aus langjähriger Erfahrung als Rettungsdienstler hier im Landkreis so: die Krankenhäuser sind angehalten der Rettungsleitstelle ihre freien Bettenkapazitäten zu melden und auch zu melden wenn eine Abteilung nicht mehr aufnahmefähig ist. Ein Krankenhaus kann sich zwar nicht offiziell „zu melden“ weil sie behandlungsbedürftige Patienten immer versorgen müssen, aber wenn es mehrere geeignete Krankenhäuser zur Auswahl gibt ist es natürlich sinnvoll gleich dorthin zu fahren wo noch freie Kapazitäten sind.
Darüber hinaus gibt es die prinzipielle Vorgabe „das nächste geeignete Krankenhaus“ anzufahren. Als solches wird regelmäßig das Krankenhaus gelten, welches den Patienten adäquat behandeln kann und darüber hinaus noch Patienten aufnehmen kann.
So ist sichergestellt daß einerseits der Patient in das schnellsterreichbare, geeignete Krankenhaus kommt, der Rettungswagen schnell wieder einsatzbereit ist und der Krankenkasse die geringstmöglichen Kosten entstehen.
Falls Du nun äußerst daß Du in eine bestimmte Zielklinik transportiert werden möchtest liegt es an der Rettungsdienst-Besatzung zu entscheiden ob diesem Wunsch entsprochen werden kann oder nicht.
Gerade bei älteren Menschen, die vielleicht schon oft in einer bestimmten Klinik waren, macht es Sinn sie auch wieder dorthin zu bringen weil dort alle Krankenakten vorliegen und vielleicht der Patient persönlich bekannt ist.
Das setzt aber vorraus daß dieses Krankenhaus nicht endlos weiter entfernt ist als die vielleicht genauso geeignete nähere Klinik, es setzt vorraus daß die Wunschklinik auf der entsprechenden Abteilung noch „frei gemeldet“ ist, und die gewünschte Klinik muß für die Behandlung des jeweiligen Problems geeignet sein.
Wenn diese Vorraussetzungen gegeben sind und Du zudem freundlich zu den Rettungsdienstmitarbeitern bist, weil Du letztlich auf deren „guten Willen“ angewiesen bist Dich in eine weiter entfernte Klinik zu bringen obwohl eine genauso geeignete näher läge, dann gibt es normalerweise kein Problem.
Du solltest aber auch akzeptieren wenn dem Wunsch eventuell nicht entsprochen werden kann, denn vielleicht ist einfach eine der Vorraussetzungen nicht gegeben um jemanden in eine bestimmte Klinik zu bringen.
Gruß,
MecFleih
PS: Hier stand zu lesen daß man auch selber ein Bett organisieren könne. Das stimmt in der Theorie, in der Praxis ist das Unsinn.
Kann der Angehörige, als medizinischer Laie, eine (Verdachts-)diagnose stellen und entscheiden wo eine geeignete Behandlung stattfinden kann? Weiß er an wen man sich im KH wenden muß um eine definitive Zusage für die Aufnahme in einer bestimmten Fachabteilung zu bekommen?
In der Praxis ist es doch so daß der Angehörige diesen Überblick nicht hat weil er gar nicht weiß welche Krankenhäuser in Frage kommen, und weil er nur Vermutungen anstellen, aber keine fundierte Diagnose stellen kann, außerdem in einer aufgeregten Situation meist sowieso nicht überlegt agiert.
In der Praxis ist es so daß in 90% aller Fälle behauptet wird daß man bereits ein Bett im Krankenhaus XY organisiert habe, kommt man dann dort an weiß das KH von nichts und es stellt sich oft heraus daß die Angehörigen nur etwas behauptet haben um in ein bestimmtes KH zu kommen.
Deswegen verläßt sich auf derartige Aussagen kaum noch jemand. Ich verlasse mich auf Aussagen des (Haus-)Arztes, der Rettungsleitstelle oder organisiere selber ein Bett. Die kann ich nämlich, wenn’s in die Hose geht, zur Verantwortung ziehen.
Man sollte seine Zeit in dieser Situation also lieber damit verbringen den Patienten zu betreuen als sinnlos im Nirvana großer Kliniken herumzutelefonieren. Und wenn man dann freundlich und normal mit den Rettungsassistenten spricht werden die einen, wenn nichts dagegen spricht, auch ohne Probleme ins gewünschte KH bringen.