Zeichnen lernen, wie am besten? (im Überwindungstief)

Hallo.

Ich hatte als Kind abgepauscht und mit Schablonen gezeichnet und gemalt. Es hatte nie das Niveau eines begabten Kindes.
Irgendwann habe ich dann ganz aufgehört und jetzt bin ich 23.
Ich kann null zeichnen, würde aber gerne was ich mir vorstelle auf Papier bringen. Mein größtes Problem dabei ist, dass ich 24/7 365 meinen Körper nicht wirklich spüren will (daher lieber am Handy tippe, am Konsolenkontroller oder lesen, tagträumen oder TV schaue). Ich habe Eigenschaften die zu einer emotional-instabilen und borderline Persönlichkeit gezählt werden. Und wenn ich den Stift zum Zeichnen selten mal benutze, dann bekomme ich eine Missempfindung unter dem Daumennagel, ein Jucken - aber das kommt auch, wenn ich ans Zeichnen denke. Wenn ich selten mal was zeichne, dann bin ich oft eigentlich viel zu wütend um mich zu konzentrieren. Was auf Papier zu kritzeln, ist dann eher ein Druck ablassen statt mir, Möbeln oder anderen Leuten Schaden zuzufügen.

Wenn ich sehe, dass meine Kritzeleien, nicht das darstellen was ich mir vorstelle, werde ich enttäuscht und fresse das in mich rein.

Ich bringe die Konzentration absolut nicht auf und frage mich dann auch schnell, warum wieso eigentlich tust du dir das an. Dann zerreiß ich oder zerknülle das Papier und werfe es weg. Danach fühle ich mich etwas erleichtert und befasse mich wieder mit Tätigkeiten, bei denen ich mich sogut wie nicht spüren muss.

Wie soll ich diesen Kreislauf je unterbrechen frage ich mich. Ich habe mir nun vor paar Wochen mal ein einfaches Bleistiftset gekauft mit den verschiedenen Stärken. Jetzt bin ich soweit ausgerüstet (obwohl das war ich schon davor…) und nichts passiert. Ich bin am überlegen ob mir ein Buch weiter helfen kann, damit ich Übungen habe, andererseits gibt es auch Haufen an Übungen im Internet. Und irgendwie glaube ich, das Buch ist auch nur wieder eine Ausrede - wie der Text hier, ein Vorgeschiebe.

Eigentlich habe ich unglaublich viel Zeit und Wut, Verdrießlichlichkeit, Ideen wie was besser sein könnte. Nur sage ich mir, entweder Suizid oder Zeichnen lernen - und letzten Endes mache ich nichts von beidem. Irgendetwas blockiert mich sehr stark. Ich wünschte mir dann oft einfach eine Ghostzeichnerin (ähnlich wie Ghostwriterin) bei der ich was in Auftrag gebe.
Schöner wäre es aber wenn ich zeichnen könnte. Ich bin die Person, die ganz genau weiß, welche Inhalte wie dargestellt werden sollen.
Aber ich weiß nicht wie ich das machen soll.

MfG

Schön wäre doch ein Volkshochschulkurs, wenn es bei dir so etwas gibt. Da kämst du unter Menschen.
Alles Gute
Rakete

GIbt auch gute Bücher zu Zeichnenkursen - das hier zB hab ich und will das seit 30 Jahren mal durcharbeiten. Bin schon auf Seite 13 von 256 :slight_smile:

https://www.medimops.de/bruce-robertson-intensivkurs-zeichnen-garantiert-zeichnen-lernen-in-500-uebungen-gebundene-ausgabe-M03804301282.html?variant=UsedGood&creative=Shopping&sitelink=&gclid=Cj0KCQjw4eaJBhDMARIsANhrQAD6fdv96DsGiBovD4V-RSACtPojMhLMRayUdnmBMualyurZnviKerwaAhKHEALw_wcB

ok. zunächst: auch „kritzeleien“ sind zeichnungen, die du aus dir heraus angefertigt hast.
das ist schonmal ein wichtiger punkt.
auch wenn das ergebnis vielleicht nicht sofort deiner erwartung entsprechen mag: der stift in deiner hand mag widerborstig sein - laß ihn einfach machen.
das übt auch die schlichte materialkunde: welcher stift macht was auf welchem papier in diesem deinen moment.

ist doch gut.
was glaubst du, wieviele künstler genau dadurch ihre eigene sprache gefunden haben?
mein tipp an dich: denke nicht zuviel an techniken oder das ergebnis, sondern stell dir einen haufen zettel oder ein kleines skizzenbuch bereit & kritzel los, immer dann, wenn du lust drauf hast. oder wut. oder trauer - wasauchimmer.
vielleicht gefällt dir dann ein detail, eine struktur, was auch immer. damit könntest du dann weitermachen.
es muß ja nicht sofort der große wurf sein.

schonmal mit schreiben versucht? ähnliches prinzip - den eigenen anspruch an das ergebnis nicht zu hoch schrauben, sondern es sehen wie eine momentaufnahme.

e.c.

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Dann wünsche ich dir ein sehr langes Leben!:grinning:

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Dank dir @Christa - kommt Zeit … kommt Zeichnen
(Bisher kam sie nie - oder es war mir bisher nicht so wichtig) :slight_smile:
Aber angefangen hab ich schon ca. 1995 (bevor die Kinder kamen mit den Lektionen bis Seite 13) - das zum Thema Kritzeleien:2021-09-11-101301 2021-09-11-101224

Du hast dich dazu entschlossen, diesen Beitrag im Bereich Malen zu posten, hättest das aber genauso gut oder vielleicht besser im Gesundheits- bzw. Psychologiebrett tun können. Nach deiner Schilderung stellt sich nämlich die Frage, ob und wenn inwieweit das ein technisches Problem ist oder eines, was man mit dem leeren Blatt des Künstlers umschreiben kann - oder wie viel das mit der BPS zu tun hat.

Dein Text klingt sehr danach, als dass du das Zeichnen eher benutzen möchtest als Ventil. Gleichzeitig hast du aber den Anspruch, dass daraus dann dennoch hoch anspruchsvolle Zeichenkunstwerke werden sollen. Das funktioniert nicht. Du stellst dir ein unlösbares Ziel. Gut Zeichnen zu können, ist etwas, was viel Technik, viel Lernen und noch mehr Übung bedeutet. Das ist so ziemlich genau das Gegenteil von (kurzfristig) Energie abbauen.

Was kannst du tun?
M.E. Kannst du in zwei Richtungen gehen, wenn es eine derartige künstlerische Form sein soll.

Die eine Möglichkeit ist die, dass du das Zeichnen / Malen nutzt zur Konzentration, Meditation, zu einer gezielten Dissoziation. Dadurch, dass du dich auf ein eng begrenztes Ziel fokussierst, kannst du dich von anderen Dingen ablenken. Ein extremes Beispiel hier beschrieben in einem, wie ich fand, äußerst unterhaltsamem Interview, ist dieser Künstler, der seit 22 Jahren Karopapier zeichnet. Wohl gemerkt: Er zeichnet die Karos - nicht auf Karos.


Es gibt in dem Bereich verschiedene Varianten. Dazu gehört auch Ausmalen von bspw. Mandalas o.ä. Wenn du mal unter den Stichworten Meditation und Zeichnen googlest, kannst du dir verschiedene Varianten ansehen und ausprobieren, was dir liegt. Wichtig dabei ist: Es geht um das Tun, den Prozess, nicht um das künstlerische Werk. Das tut es auch nicht bei Methode zwei.

Wenn du das eher als Energieabbau siehst, könnte diese Art Zeichnen bzw. Ausmalen nicht die richtige Methode sein. Dann könntest du mal probieren, frei zu Malen und den Zweck eher über Farben und größere Formate zu erreichen.

In dem Zusammenhang noch auf eine dritte Möglichkeit hingewiesen: Schau mal bei Youtube nach Bob Ross. Ich kenne einige, die nur schon durch das Betrachten dieser Videos Entspannung erreichen und / oder diese sogar zum Einschlafen nutzen. Manche greifen selbst zum Pinsel. Das kann sogar dann funktionieren, wenn man sich das Ergebnis nicht an die Wand hängen mag, weil es eigentlich nicht dem eigenen Stil entspricht. Wichtig auch hier, dass das Malen selbst der Zweck ist und nicht das Ergebnis.

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Wie wahr, wie wahr!

MM

Das Problem kenne ich, deswegen kann ich nur aus meiner Perspektive sprechen. Das hat sehr viel mit deinen eigenen Gedanken zu tun. Man möchte es (in dem Fall zeichnen), aber widerum ist man auch zu unmotiviert dafür, oder enttäuscht, wenn etwas nicht direkt klappt oder seinen Vorstellungen widerspricht. Schau dir inspirierende Videos an, beispielsweise schau ich da immer auf Youtube oder Videos auf Tiktok, beispielsweise wie man Zeichnen lernt, oder generell was die so zeichnen und ich bekomme dann sofort Lust und Motivation das nachzumachen. Am Besten hör nebenbei Musik, mach entspannte Musik an (präferiere Lofi Musik auf Youtube) und dann kannst du ja drauf loslegen, Das wichtigste dabei, mach dir keinen Druck. Falls es nicht beim ersten Mal so funktioniert, wie du es dir gehofft hast. Einfach immer weiter probieren :slight_smile: