Hallo Sonja,
ich habe bereits auf allen 3 Seiten der Zeitarbeitsfirmen gearbeitet
- Leiharbeiterin gewesen
- Leiharbeiter gebucht
- Personalbetreuerin in einer Zeitarbeitsfirma
Dazu kann ich dir folgendes sagen: Gearbeitet habe ich bei 3 Zeitarbeitsfirmen als Leiharbeiterin. Bei vielen wird man wie ein Sklave behandelt. Es ist nicht selten vorgekommen, dass wir 7 Tage / Woche arbeiten sollten (wer meckert fliegt raus) und das über einige Wochen hinweg, ohne auch nur einen freien Tag dazwischen. Ich hab das nicht mitgemacht und meinen Hut genommen.
Aber es ist nunmal leider so, dass viele Leute Schlange stehen, denn überhaupt Arbeit zu haben ist eben heutzutage wichtiger als was man verdient oder was man dafür tun muss.
Ansonsten ist die Bezahlung wirklich übel, du bekommst für die gleiche Arbeit, die auch die „Festangestellten“ machen oft nur die Hälfte an Lohn, mein schlechtester Lohn war 5,50 € (inzwischen geht es ab 3,25€ /brutto los), wo andere teilweise 18 € bekommen haben (Festangestellte eben).
Außerdem (und das ist leider persönliche Erfahrung) wird dir als Leiharbeiterin oft nichts zugetraut. Dass du nicht jeden Tag gefragt wirst ob du lesen und schreiben kannst ist manchmal purer Zufall.
Des weiteren vereiteln viele Zeitarbeitsfirmen die Übernahme durch andere Firmen. Da ein Zeitarbeiter nach einem Jahr in der gleichen Firma eine Gehaltsangleichung bekommen muss nehmen viele Zeitarbeitsfirmen die Leute für 3 Monate aus der Firma raus und stecken sie danach wieder dorthin, weil die Leute dann bei dem niedrigen Lohn bleiben.
Nach meinen Erfahrungen als Leiharbeiterin habe ich in einer Firma gearbeitet, wo ich für die „Bestellung“ zuständig war (es ist wirklich so: Die Leute werden bestellt wie Vieh). Man bekommt Leute und wenn die nicht genau das tun, was sie sollen sind sie wieder raus. Sehr oft haben wir angeforderte Leute nach 2 Stunden wieder weggeschickt weil sie einfach nicht dem entsprachen was wir wollten. Die Leute werden einfach ausgetauscht, notfalls 10 Mal pro Woche (also „Verschleiß“ von 2 Leuten am Tag).
Wenn irgendweche Fehler aufgetaucht sind wurden sie zuerst immer auf die Leiharbeiter geschoben bevor irgendjemand aus der eigenen Firma den Kopf dafür herhalten musste.
Die Zeitarbeit ist heutzutage gerade aufgrund der Austauschbarkeit eine beliebte Methode. Die Kosten für die Firmen halten sich in Grenzen, denn Dinge wie Urlaubs- und Krankengeld müssen nicht bezahlt werden (muss die Zeitarbeitsfirma zahlen). Außerdem kann man unbequeme Leute sehr schnell loswerden (selbst während der Probezeit gibt es zwei Wochen Kündigungsfrist, ein Leiharbeiter ist spätestens am Ende der Woche weg). Das bedeutet im gegenzug eben: Jeder, der nicht wie eine Maschine funktioniert bzw. jeder, der eine eigene Meinung hat ist raus.
Als letztes habe ich im Büro einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet. Jeden Tag kamen etwa 80 Leute zu uns, die wir in die Kartei aufnehmen sollten. Die meisten gezwungenermaßen - vom Arbeitsamt geschickt. Für kaum jemanden konnten wir etwas tun.
Denn es gibt letztendlich nur 2 Arten von Menschen: Diejenigen, die alles still hinnehmen und es nicht wagen, die eigene Meinung zu äußern und die anderen, die ihre Meinung sagen und somit überall anecken.
Die erste Sorte von leuten bekommt man einfach in Firmen unter: Sie nehmen jeden noch so geringen Lohn und machen auch die schlimmsten Arbeiten. Doch diese Leute landen selten bei den Zeitarbeitsfirmen, da sie sich auch in „normalen Firmen“ bis auf Äußerste eingliedern und bloß nirgendwo Staub aufzuwirbeln.
Die anderen Leute werden jedoch ständig wieder reklamiert, weil irgendetwas nicht läuft wie es soll. Bei der ersten Reklamation ist das nicht weiter tragisch, die Leute werden eine zeitlang nicht eingesetzt (= sie bekommen kein Geld) und viele werden dann gefügig. Sollte es trotzdem noch einmal zu Problemen kommen folgt die Kündigung.
Ich habe in der Zeit, wo ich über das Schicksal dieser Menschen entschieden habe (für viele war es einfach die letzte Möglichkeit aus der Arbeitslosigkeit) ziemlich gelitten. Schließlich bin ich selbst ein Mensch der Kategorie 2 (und ecke damit oft genug an) und kann es so gut nachvollziehen, wenn man sich nicht alles gefallen lassen will.
Letztendlich habe ich den Job aufgegeben, weil ich es nervlich nicht mehr geschafft habe über andere Leute in dieser Form zu „richten“.
Ich würde mich auch nie wieder auf die andere Seite begeben, also Leiharbeiterin werden. Lieber würde ich persönlich betteln gehen.
Es mag sein, dass es in anderen Zeitarbeitsfirmen anders aussieht, ich wollte dir nur meine Erfahrungen mitteilen. Und diese sind eben durchweg schlecht (die eine Zeitarbeitsfirma, die ich immer als sehr gut empfunden hatte, als ich die Leute dort gebucht habe hat sich hinterher als genausoschlimm rausgestellt wie die anderen, als ich dort gearbeitet habe).
Ich an deiner Stelle würde also auf jeden Fall einen anderen Weg suchen. Denn du schreibst, dass du eigentlich was langfristiges willst (nur eben vorher reinschnuppern), dazu kann ich dir noch sagen: Viele Za-Firmen verlangen eine hohe Abfindung, wenn du in eine Firma wechselst an die du verliehen warst. Wenn du erst bei der Za kündigst und dann in eine Firma willst an die du verliehen warst musst du Fristen beachten, sonst wird die Abfindung auch wieder fällig.
Außerdem übernehmen viele Firmen Leute erst nach 2 Jahren (maximale eit, die jemand über eine Zeitabeitsfirma in einer Firma eingesetzt werden darf) um eben möglichst lange die Kosten niedrig zu halten. So lange musst du quasi jeden Tag drum beten, nicht einfach ausgetauscht zu werden. Und wenn die Za dich ärgern will nehmen sie dich einfach aus der Firma raus, sobald das Wort „Übernahme“ fällt.
An deiner Stelle würde ich einfach weiter nach etwa suchen, wo du glücklich wirst - den Gang zur Zeitarbeitsfirma würde ich lieber lassen.
Aber ist ja klar, dass du es selbst wissen musst 
Liebe Grüße
Timid