Ziele 'unabsichtlich' treffen?

Hi,

ich weiß nicht genau wie ich es ausdrücken soll. Es gibt das Phänomen, daß man Ziele dann am besten trifft, wenn man „nicht zuviel darüber nachdenkt“. Zum Beispiel einen Wurf in den Korb mit einem Basketball, oder einen Dartpfeil ins Schwarze schießen, oder auch exakt das Wort im Wörterbuch mit einem Hopps aufblättern, das man sucht (mit einem Wörterbuch, das man in und auswendig kennt, und bei dem man ungefähr weiß, wo welcher Buchstabe beginnt). Ich bin nicht sicher, ob das alles einfach nur dumme Zufälle sind, die nichts zu bedeuten haben, und die einem nur besodners auffallen, weil sie ungewöhnlich sind, oder ob tatsächlich eine besondere „Fähigkeit“ dahintersteckt. Kann mir jemand etwas darüber sagen?

gruß
datafox

Offen gestanden, datafox, fiel mir als erstes bei Deiner Überschrift ein, dass die USA im Krieg ein Krankenhaus getroffen haben, obwohl sie doch angeblich so genau zielen können mit ihrer neuen Technologie.
WErst danach ist mir das ZEN-Bogenschießen eingefallen, wo die Meister „blind“ ins Schwarze treffen.
Gruss, Branden

Hi Datafox,

und die einem nur besodners auffallen, weil sie ungewöhnlich
sind,

ich denke, dass es das ist. Du schlägst 20mal das Wörterbuch auf, aber nur an das 21.mal kannst du dich Monate erinnern weil es dich so erstaunt hat.

Gruß
J~

Hi, Datafox!

Das mit dem „unabsichtlich“ stimmt ja so nicht ganz…

Es gibt das Phänomen, daß man Ziele dann am besten trifft,
wenn man „nicht zuviel darüber nachdenkt“.

Gehe davon aus, die Seele weiss alles und kann alles.
Das Einzige, was uns (Menschen) die meisten Probleme damit bereitet, nicht auf Anhieb zu treffen, sind die ständigen, auch unterschwelligen Gedanken. Die Gedanken nehmen wir meist „im Kopf“ wahr, bevorzugt als „Intellekt“. Aber auch Gefühle sind Gedanken, sie werden nur nicht so wahr genommen. – Dieses ständige Geplappere (der Gedanken) irritiert immens und hält uns da vom Wirklichen ab.

Deshalb ist das oberste Anliegen z.B. eines Zen-Meisters, sich „leer von Gedanken“ zu machen. Beim Zen-Bogenschiessen hält der Schütze den Bogen so lange gespannt, bis dass er sich (möglichst) frei gemacht hat von allen Gedanken. (Erst) dann lässt er den Pfeil los… Die Intention, das Ziel zu treffen, bleibt davon unberührt; sie wurde ja bereits getroffen und muss nicht noch ein zweites Mal gedacht oder wiederholt werden.

…oder auch exakt das Wort im Wörterbuch mit einem
Hopps aufblättern, das man sucht (mit einem Wörterbuch, das
man in und auswendig kennt, und bei dem man ungefähr weiß, wo
welcher Buchstabe beginnt).

Das ist auch genauso mit dem Aufschlagen von Büchern. Man braucht einfach nur genügend entspannt zu sein und _nicht_ mit einem „Verflixt-noch-mal“ nach „dem Wort“ zu suchen… dann klappt’s am leichtesten.

Ich bin nicht sicher, ob das alles
einfach nur dumme Zufälle sind, die nichts zu bedeuten haben,
und die einem nur besodners auffallen, weil sie ungewöhnlich
sind, oder ob tatsächlich eine besondere „Fähigkeit“
dahintersteckt. Kann mir jemand etwas darüber sagen?

Übung vermehrt die Zufälle. :wink:

Und welche speziellen Erfahrungen hast Du da gemacht…?

CU DannyFox64

Buchtipp für „Einsteiger“: ISBN 3550085842 Buch anschauen (witzig geschrieben und so unterhaltsam, dass man es in kürzester Zeit ausgelesen hat).

Hi Datafox,

zur Beantwortung Deiner Frage greife ich auf das Beispiel des Autofahrens von Sebastian zurück. Wenn wir Autofahren lernen, benötigen wir in hohem Maße „Bewußtseinsprozesse“, da wir uns darauf konzentrieren müssen, die verschiedenen Bewegungen, die zum Autofahren gehören (Gas geben, Bremsen, Schalten usw.), koordiniert auszuführen. Ein „bewußtes“ Nachdenken über die Schritte in der Verhaltensfolge trägt zur Steigerung der Performanz bei. Mit der Zeit und in Abhängigkeit von Erfolgserlebnissen werden die Reihenfolge und die Intensität der Bewegungen (z.B. wie stark man wann auf die Bremse drücken muß) gelernt und im sogenannten prozeduralen Gedächtnis gespeichert. Dieses Gedächtnis ist unbewußt in dem Sinne, daß die Verhaltensfolge automatisch ablaufen kann, ohne daß wir noch über die einzelnen Schritte nachdenken müssen. Es ist sogar so, daß sich ein Nachdenken über die Verhaltensfolge im Gegensatz zur Lernphase jetzt störend auf den Verhaltensablauf auswirkt und zu einer Verschlechterung der Performanz führt. Dies trifft nicht nur für Autofahren zu, sondern für viele motorische Verhaltensfolgen.

Besten Gruß,

Oliver Walter

Hallo Oliver Walter,

Dieses Gedächtnis ist unbewußt in dem Sinne, daß
die Verhaltensfolge automatisch ablaufen kann, ohne daß wir
noch über die einzelnen Schritte nachdenken müssen. Es ist
sogar so, daß sich ein Nachdenken über die Verhaltensfolge im
Gegensatz zur Lernphase jetzt störend auf den Verhaltensablauf
auswirkt und zu einer Verschlechterung der Performanz führt.

dieses Phänomen kenne ich vom Gitarre-Spielen.
Ich habe klassische Gitarre gelernt und oft bei der Prüfung Mühe gehabt, Ton für Ton richtig zu spielen, weil ich die automatisierten Vorgänge aus lauter Angst, etwas falsch zu machen, in den Hintergrund gedrängt habe. Sobald es mir aber gelungen ist, diese Angst zu überwinden und mich zu entspannen, haben sich die Finger wie von selbst bewegt, und ich habe das Stück fehlerfrei spielen können.

Hanna

Offen gestanden, datafox, fiel mir als erstes bei Deiner
Überschrift ein, dass die USA im Krieg ein Krankenhaus
getroffen haben, obwohl sie doch angeblich so genau zielen
können mit ihrer neuen Technologie.

schade, daß es mir mit meinem nick nicht mehr möglich ist, normale professionelle antworten zu erhalten. vielleicht sollte ich den wieder mal wechseln?

enttäuscht
datafox

Beim Bogenschießen nennt man es das intuitive Schießen,
ich bin Bogenschütze ohne Visier.
Und es ist tatsächlich so, daß zuviel Konzentration nicht förderlich ist.
Zufall ist es aber auch nicht.
Meiner Meinung nach schießt das Unbewußte besser, als ich mit meinem
vollen Bewußtsein.

Gruß
Merkur

anderer Aspekt
Hi,

vielleicht trifft noch ein anderer Aspekt zu :

Vielleicht kennt jemand die Situation : Er muss z.B. jemand bewirten und dafür ein vollbepacktes Tablett in den ersten Stock tragen.

Nervös, wie er ist, sagt er sich „Hoffentlich lasse ich vor all den Leuten das Tablett nicht fallen“.

Es gibt (laienhaft ausgedrückt, vielleicht kann das jemand besser erklären) einen Instinkt im Menschen, auf ein Bild, das im Kopf besteht, hinzuarbeiten.

Nur leider ist nicht das Bild „Ich lassen das Tablett nicht fallen“ abgespeichert, denn die Negation lässt sich so nicht darstellen. Es ist in der Gefühlsebene das Bild abgespeichert „Ich lasse es fallen“ und das „bitte nicht“ liegt in der Verstandsebene.

In diesem Fall wäre es erfolgreicher, sich einzureden „Ich komme mit dem Tablett unbeschadet oben an.“

Falls das off Topic war, bitte ich um Verzeihung :wink:

Gruss Hans-Jürgen
***

hi,

also eine antwort im zusammenhang mit zen habe ich echt nicht erwartet :smile: jedenfalls faszinierend.

Und welche speziellen Erfahrungen hast Du da gemacht…?

diese dinge passieren doch jedem. beim dartspielen zum beispiel (ich bin dabei überraschend gut, wenn auch anfänger), ebenso das aufschlagen von wörterbüchern. ist mir einige male passiert. beim ringewerfen auf einem jahrmarkt habe ich schon mal mal zwei weinflaschen ergattert. und das einfach aus spaß „ich kann das eh nicht - jetzt dürft ihr lachen“… kann natürlich auch einfach zufall gewesen sein. „testen“ kann man es ja nicht, denn ich ja nicht so tun, als ob es mir jetzt egal wäre.

gruß
datafox

Dies trifft nicht nur für Autofahren zu, sondern für viele
motorische Verhaltensfolgen.

eine sehr einleuchtende antwort!

gruß
datafox

hi,

ich bin Bogenschütze ohne Visier.

wie beim dartspielen, ringewerfen, boule und eisstockschießen also. die richtung und die wurfstärke ist mehr „ein gefühl“. genau das habe ich gemeint. wenn man ein visier hat, ist es natürlich umgekehrt. exakte sicht und konzentration sind dann das wichtigste.

Meiner Meinung nach schießt das Unbewußte besser, als ich mit
meinem
vollen Bewußtsein.

ja, nach meiner meinung auch. aber warum? oliver walter hat darauf recht gut geantwortet finde ich.

gruß
datafox

Murphy’s Law

Es gibt (laienhaft ausgedrückt, vielleicht kann das jemand
besser erklären) einen Instinkt im Menschen, auf ein Bild, das
im Kopf besteht, hinzuarbeiten.

ja, das kenne ich auch. wie nennt man das nun auf professionelle weise? auch das könnte eine rolle spielen! die angst zu versagen also?

gruß
datafox

Meiner Meinung nach schießt das Unbewußte besser, als ich mit
meinem
vollen Bewußtsein.

ja, nach meiner meinung auch. aber warum? oliver walter hat
darauf recht gut geantwortet finde ich.

gruß
datafox

vielleicht weil das unbewußte ansich sehr bewußt ist.

mfg
rolf

.

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Versteh ich nicht, datafox, was hat das mit Deinem Nick zu tun?
Mein Kommentar hatte doch mit Deinem Nick nichts zu tun.
Gruss, Branden

Versteh ich nicht, datafox, was hat das mit Deinem Nick zu
tun?

egal zu welchem thema ich poste, es kommt nur polemik zu nahost. langsam stinkt mir das.

datafox

umgekehrter Fall
Hi datafox

wir waren im Gespräch mit einer Mutter, die sah, wie ihr Kind auf eine Schaukel auf dem Spielplatz stieg.

Sie rief: „Oje! Paß bloß auf, daß du nicht runterfällst! Halt dich gut fest!“

1 Minute später lag es auf dem Boden und schrie wie am Spieß (nein es war NICHTS passiert)

Die Mutter: „Siehst du! Was hab ich dir gesagt!“

*smile*

Gruß

Metapher

Hi datafox,

das ist ein wichtiger Aspekt im Zen.

In den Zenpraktiken wird angestrebt unbewust/bewust zu handeln.

Das Beispiel mit dem Bogen ist da ganz gut gewählt.

Ein Buchtip:
Eugen Herigel: Zen in der Kunst des Bogenschießens
Dort beschreibt der deutsche Philosoph Herigel seine Erfahrungen mit dem Bogenschießen. Er erwähnt dabei auch ein Werk von Kleist: Der Marionettenspieler. Dort werden ähnliche Dinge behandelt.

Aber auch Olivers Erklärung trifft viel dieses Asspektes.
Gandalf

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